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Wie Wahrheit gefühlt wird

Das "Wahrheitsgefühl" als epistemisches Konfidenzgefühl

Titel: Wie Wahrheit gefühlt wird

Seminararbeit , 2007 , 36 Seiten , Note: 1.5

Autor:in: MA Marcel Mertz (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Gefühle werden eher selten in einem positiven Zusammenhang mit Wahrheit und Erkenntnis gebracht, zumindest in der wissenschaftlichen, v.a. empirischen Methodologie und der (analytischen) Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Gefühle sind vielmehr Störfaktoren, welche mögliche Erkenntnis grundsätzlich erschweren, Ergebnisse verzerren und intersubjektive Nachvollziehbarkeit verunmöglichen. Überhaupt sind sie „bloss subjektiv“ und müssen mittels wissenschaftlichen Methoden kontrolliert oder neutralisiert werden.
Vor so einem Hintergrund wirkt die Rede von einem „Wahrheitsgefühl“, also eines affektiven Zustandes, welcher einigermassen sicher auf Erkenntnis hinweist, geradezu methodologisch uninformiert – oder erweckt sogar den Eindruck irgendwelcher esoterischer „New Age“-Vorstellungen. In der Tat können manche historischen Beschreibungen eines solchen „Wahrheitsgefühls“, die vom „Spüren der Wahrheit“ oder „Erkennen der Wahrheit ohne Bewusstsein des Grundes“ sprechen, derartige Assoziationen provozieren.
Der Entwurf eines Ansatzes, welcher kognitivistische Gefühlstheorie mit responsibilistischer Tugendepistemologie kombiniert, kann entgegen solcher erster Intuitionen aber deutlich machen, dass die Existenz eines „Wahrheitsgefühls“ im Sinne eines sog. epistemischen Konfidenzgefühls (kurz: ein berechtigtes Gefühl des Vertrauens in unsere epistemischen Leistungen) zumindest plausibel denkbar und voraussichtlich theoretisch rechtfertigbar ist. Ein solches Konfidenzgefühl muss dabei keineswegs im Widerspruch zu methodologischen und epistemologischen Überlegungen und v.a. Normen stehen, sondern hängt mitunter von diesen ab. Für einen solchen kombinatorischen Ansatz ist es jedoch erforderlich, überhaupt erst zu präzisieren, was „Wahrheitsgefühl“ bedeuten und worauf dieser Ausdruck referieren soll, d.h. auch zu klären, welche Begriffe sich von einem (modernen) epistemologischen Standpunkt aus für die vorgesehene Aufgabe eignen werden und welche nicht.
Beides, der Entwurf eines solchen Ansatzes und die (erste) Präzisierung des Ausdrucks „Wahrheitsgefühl“, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Ein vergeblich gesuchter Ausdruck

2. Erkenntnisinteresse und Vorgehen

3. Theoretische Voraussetzungen

3.1. Die „Rehabilitierung des Gefühls“ – Gefühlstheorien

3.2. Tugend als epistemisches Vermögen – Tugendepistemologie

3.3. „Phänomenale Präsupposition“? – Zur Existenz eines „Wahrheitsgefühls“

4. Das „Wahrheitsgefühl“: Mögliche Deutungen

5. Die Relevanz des Wahrheitsbegriffes

6. Adäquatheitsbedingungen

7. Das Wahrheitsgefühl als epistemisches Konfidenzgefühl

7.1. Wahrheitsgefühl als „Erkenntnisgefühl“

7.2. Wahrheitsbegriff als epistemologischer Begriff

7.3. Kognitivistische Gefühlstheorie mit „kognitiven Sets“

7.4. Responsibilistische Tugendepistemologie

7.5. Epistemische Tugend und Gefühl – Eine erste Annäherung

7.6. Epistemische Tugend und Gefühl – Eine zweite Annäherung

7.7. Eigenschaften des epistemischen Konfidenzgefühls

7.8. Konfidenzgefühl und „epistemische Stimmungen“

8. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht explikativ den bisher philosophisch wenig beachteten Begriff des „Wahrheitsgefühls“. Ziel ist es, eine kohärente epistemologische Einordnung zu finden, indem das Wahrheitsgefühl als ein berechtigtes Konfidenzgefühl in die eigenen epistemischen Leistungen verstanden wird, das sich auf die korrekte Ausübung epistemischer Tugenden bezieht.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Gefühlstheorien im epistemologischen Kontext.
  • Integration von Konzepten der Tugendepistemologie (virtue epistemology).
  • Analyse der Bedeutung kognitiver Sets für die epistemische Praxis.
  • Untersuchung der wahrheitsförderlichen Funktion von Gefühlen (truth-conduciveness).
  • Abgrenzung des epistemischen Konfidenzgefühls von bloßen subjektiven Gewissheitszuständen.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die „Rehabilitierung des Gefühls“ – Gefühlstheorien

Dass Gefühle etwas in positiver Weise mit Erkenntnis zu tun haben könnten, ist eine eher ungewohnte Annahme. Im Gegenteil: Blickt man in Methodenhandbücher besonders der empirisch-quantitativen Wissenschaften und in die (analytisch orientierte) Wissenschaftstheorie, kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Gefühle in Erkenntniszusammenhängen nur den Part des Störenfrieds spielen, der Wahrnehmungen verzerrt, Objektivität verunmöglicht, (unangemessene) Parteilichkeit bewirkt und überhaupt unsere (wissenschaftliche) Erkenntnis behindert.

Gefühle müssen geradezu durch die wissenschaftliche Methode und/oder der sozialen Verfasstheit der Wissenschaft überwunden oder „ausgeschaltet“ werden, um die Sicherheit und Reinheit der Erkenntnis zu bewahren. Da dies in der alltäglichen Erkenntnissituation kaum geschieht, ist diese auch der wissenschaftlichen Erkenntnis i.d.R. unterlegen – so zumindest das „klassische“ Bild, das auch in der (westlichen) Philosophie nicht zu selten sein dürfte, insbesondere in der analytisch geprägten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ein vergeblich gesuchter Ausdruck: Einleitende Untersuchung zur philosophischen und alltagssprachlichen Etablierung des Begriffs „Wahrheitsgefühl“, die eine deutliche Leerstelle aufzeigt.

2. Erkenntnisinteresse und Vorgehen: Vorstellung der Arbeit als explorativer Versuch, das „Wahrheitsgefühl“ in einen kohärenten epistemologischen Kontext zu stellen.

3. Theoretische Voraussetzungen: Diskussion der Grundlagen, insbesondere zur Gefühlstheorie, der Tugendepistemologie und der methodologischen Problematik einer phänomenologischen Unterstellung.

4. Das „Wahrheitsgefühl“: Mögliche Deutungen: Kritische Prüfung verschiedener Interpretationsmöglichkeiten, wobei ethische, volitive und rein experientielle Ansätze aufgrund ihrer Unzulänglichkeit ausgeschlossen werden.

5. Die Relevanz des Wahrheitsbegriffes: Darlegung der Notwendigkeit, den Wahrheitsbegriff explizit zu spezifizieren, anstatt ihn als bloße Wissensbedingung vorauszusetzen.

6. Adäquatheitsbedingungen: Formulierung von sechs Bedingungen, die eine gehaltvolle Explikation des Wahrheitsgefühls erfüllen muss.

7. Das Wahrheitsgefühl als epistemisches Konfidenzgefühl: Hauptteil, in dem das Wahrheitsgefühl als epistemisches Konfidenzgefühl definiert und unter Rückgriff auf Tugendepistemologie und kognitive Sets konzeptualisiert wird.

8. Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Bestätigung, dass das epistemische Konfidenzgefühl die aufgestellten Adäquatheitsbedingungen erfüllt und eine fruchtbare Explikation darstellt.

Schlüsselwörter

Wahrheitsgefühl, Erkenntnistheorie, Tugendepistemologie, Konfidenzgefühl, Erkenntnisgefühl, kognitive Sets, epistemische Tugenden, subjektive Rechtfertigung, objektive Rechtfertigung, Wahrheitsförderlichkeit, epistemische Praxis, Gefühlstheorie, Wissensproduktion, Wahrheit, Evidenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung des Begriffs „Wahrheitsgefühl“ und versucht, diesen aus seinem oft irrationalen oder esoterischen Kontext in die wissenschaftliche Epistemologie zu überführen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Gefühlstheorie, die Tugendepistemologie und die Frage, wie menschliche Gefühle zur epistemischen Rechtfertigung beitragen können.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das Wahrheitsgefühl nicht als eigenständiges Erkenntnisvermögen, sondern als epistemisches Konfidenzgefühl zu explizieren, das unsere epistemischen Leistungen evaluiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine explorative philosophische Analyse, die theoretische Konzepte aus der analytischen Erkenntnistheorie und Tugendethik miteinander verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil entwickelt das Konzept des „epistemischen Konfidenzgefühls“ unter Einbeziehung kognitiver Sets, responsibilistischer Tugendepistemologie und der Bedeutung sozialer Epistemologie für die objektive Rechtfertigung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wahrheitsgefühl, Tugendepistemologie, Konfidenzgefühl, kognitive Sets, Erkenntnisarbeit und Wahrheitsförderlichkeit.

Was unterscheidet das „epistemische Konfidenzgefühl“ von einem normalen „Bauchgefühl“?

Das Konfidenzgefühl ist normativ und evaluativ eingebettet, da es nur berechtigt ist, wenn es auf der korrekten Ausübung epistemischer Tugenden basiert und evidentiell gestützt ist.

Welche Rolle spielt die „Tugendepistemologie“ in dieser Argumentation?

Sie dient dazu, das Gefühl als Produkt intellektueller Tugenden zu verstehen, wodurch das Subjekt für seine Erkenntnisleistung verantwortlich gemacht werden kann, anstatt es als passive, unzuverlässige Empfindung zu betrachten.

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Details

Titel
Wie Wahrheit gefühlt wird
Untertitel
Das "Wahrheitsgefühl" als epistemisches Konfidenzgefühl
Hochschule
Universität Basel  (Philosophisches Seminar)
Note
1.5
Autor
MA Marcel Mertz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
36
Katalognummer
V135504
ISBN (eBook)
9783640441273
ISBN (Buch)
9783640441150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrheitsgefühl Tugendepistemologie virtue epistemology Gefühlstheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
MA Marcel Mertz (Autor:in), 2007, Wie Wahrheit gefühlt wird, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135504
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Leseprobe aus  36  Seiten
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