Management Summary
Die Bilanzierung deutscher Unternehmen wird durch das
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz einem massiven Wandel unterzogen. Die Neuerungen bedeuten eine klare Annäherung an die Standards der internationalen Rechnungslegung, ohne dabei jedoch die Traditionen des HGB völlig zu vernachlässigen.
Hauptsächlich betroffen sind kleine Einzelbilanzierende Unternehmen. Sie werden, sollte der Gesetzesentwurf durchgesetzt werden, vom BilMoG profitieren, da die Schwellenwerte und Regeln zur Erstellung von Jahresabschlüssen um rund 20% angehoben wurden.
Von einigen Wirtschaftsprüfern kam jedoch auch Kritik auf, weil das BilMoG eine weitestgehende Abkehr vom bislang gültigen HGB und den darin geltenden Vorsichtsprinzipien bedeutet. Hier bleibt insbesondere abzuwarten, in wie weit die Unternehmer die Gestaltungsspielräume bei fiktiven Vermögensgegenständen (z.B. Good Will) ausnutzen und somit Bilanzpolitik betreiben werden. Des Weiteren wird der bislang gültige Grundsatz der Einheitsbilanz aufgegeben. Für viele Mittelständler wird es künftig zwingend erforderlich sein, eine eigene Steuerbilanz zu erstellen.
Dies hat nicht zuletzt enormen Einfluss auf die Bilanzanalyse oder Erstellung von Ratings, da sich der Analyst regelmäßig auch die Steuerbilanz aushändigen lassen muss, um Verwerfungen gegenüber der Handelsbilanz feststellen zu können. Bei Unterschieden der beiden Bilanzen müssen Gründe erfragt werden und gegebenenfalls Konsolidierungsrechnungen stattfinden.
Wird das BilMog wie im Entwurf beschlossen würde dies, auf Grund der Bilanzierungspflicht, m.E. das Aus für das Finanzierungsleasings, wie wir es bisher kennen, bedeuten.
I
Management Summary
The reporting procedure of German companies is put to a massive alteration by the “Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz”. The changes imply a definite harmonisation to the standards of international financial accounting without totally neglecting the tradition of the German HGB.
Small individual-balancing companies are basically affected. They will benefit from the “BilMoG” if the draft law is put trough because the value of threshold and the regulations for creating an annual balance sheet will be raised by 20%. Some certified accountants criticised that the “BilMoG” includes the extensive turnaway from the so far valid HGB and its principles of precaution. In this context it remains particularly to be awaited how the entrepreneurs will utilise the freedom of balance politics with the intangible assets (Good Will).
Furthermore the so far legal principle of the “Einheitsbilanz” is assigned. There will be the need to build an extra balance sheet for tax purposes.
At last this also has enormous influence to the balance sheet analysis and the creation of a financial rating because the analyst regularly must be handed out the tax balance sheet in order to see differences to the balance of trade. By recognizing disagreements between these two balance sheets he will have to ask for the reason and develop consolidation calculations if necessary.
If the “BilMoG” passes in this form I think this would imply the off to the financeleasing as we know it because of the new obligation to balance it.
II
Inhaltsverzeichnis
Management Summary I
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Die Geschichte der Bilanzierung - Ein kurzer Abriss 2
2.1 HGB und IFRS - nationale und internationale Rechnungslegungsstandards 2
2.2 Bilanzierungsgrundlagen nach HGB 4
2.2.1 Handels- und Steuerbilanz - Begriffsabgrenzungen 4
2.2.2 Verpflichtung zur Aufstellung einer Handelsbilanz 5
2.2.3 Prinzip der Maßgeblichkeit 6
2.2.4 Prinzip der umgekehrten Maßgeblichkeit 6
2.2.5 Latente Steuern 6
2.2.6 Schwellenwerte 7
3. Das BilMoG - Modernisierung des Bilanzrechts 8
3.1 Ziele und Hintergrund 8
3.2 Befreiung von der Aufstellung einer Bilanz 8
3.3 Anpassung der Schwellenwerte 9
3.4 Wirtschaftliches Eigentum im Jahresabschluss 11
3.5 Ausnahmen vom Saldierungsverbot
12
3.6 Rückstellungen/ Aufwandsrückstellungen 13
3.7 Abschreibungen 16
3.8 Bewertungsregeln bei Herstellungskosten 16
3.9 Immaterielle Vermögensgegenstände 17
3.10 Geschäfts- und Firmenwert 19
3.11 Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit 20
3.12 Pensionsrückstellungen 21
3.13 Latente Steuern 21
3.14 Anhangangaben 23
4. Folgen für den Einzelabschluss und die Bilanzanalyse 25
5. Fazit und persönliche Einschätzung 27
Anhang VI
Bibliographie VI
III
Abkürzungsverzeichnis
AfA Abschreibungen für Anlagegüter AG Aktiengesellschaft AO Abgabenordnung Aufl. Auflage AV Anlagevermögen BilMoG Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz BiRiLiG Bilanzrichtliniengesetz BMJ Bundesministerium der Justiz EBIL Einzelbilanzanalyse EBIT Earnings before interest and taxes EStG Einkommenssteuergesetz EU Europäische Union e.V. eingetragener Verein GoB Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung GuV Gewinn- und Verlustrechnung HGB Handelsgesetzbuch HGB-E Gesetzesentwurf zum Handelsgesetzbuch IASB International Accounting Standards Board IDW Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. IFRIC International Financial Reporting Interpretations Committee IFRS International Financial Reporting Standards KapG Kapitalgesellschaften RegE Regierungsentwurf TEUR Tausend Euro US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: HGB und IFRS im Überblick
Abb. 2: Abgrenzung Handels- und Steuerbilanz
Abb. 3: Größenmerkmale (Schwellenwerte) nach §267 Abs. 1 HGB
Abb. 4: Deutsche Rechnungslegung
Abb. 5: Größenmerkmale (Schwellenwerte) nach § 267 Abs. 1 HGB-E
Abb. 6: Aufstellungspflichten von KapG
Abb. 7: Offenlegungspflichten von KapG
Abb. 8: Rückstellungen im HGB
Abb. 9: Rückstellungen im HGB-E
Abb. 10: Bewertungsregeln für Herstellungskosten
Abb. 11: Latente Steuern im Einzelabschluss (Zusammenfassung)
V
1. Einleitung
Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hat Mitte November 2007 einen Referentenentwurf zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) vorgelegt. Hierdurch erleben die deutschen Bilanzierungsregeln ihre fundamentalste Änderung seit dem Bilanzrichtliniengesetz von 1985.
Der Gesetzgeber beabsichtigt mit dem BilMoG eine Fortentwicklung der Bilanzierung und eine Angleichung an die internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen nach IFRS 1 . Als Reaktion auf den Referentenentwurf wurden am 21. Mai 2008 im Regierungsentwurf zum BilMoG die Anregungen und Kritiken der
kreditwirtschaftlichen Verbände, der Praxis und der Wissenschaft aufgegriffen, die sich in einigen wesentlichen Änderungen gegenüber dem Referentenentwurf vom November niederschlugen. Hinter dem Regierungsentwurf zum BilMoG steht die Absicht im Vordergrund, das deutsche Bilanzrecht wettbewerbsfähiger zu machen ohne dabei jedoch die HGB-typischen Bemessungsfunktionen für Ausschüttungen und steuerliche Gewinnermittlung außer Acht zu lassen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den wesentlichen Änderungen, die sich durch das BilMoG für die Einzelbilanzierung ergeben werden. Der Fokus wird dabei auf die Befreiung von der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht für bestimmte Unternehmen, die Bewertung von Rückstellungen , latente Steuern, die Bewertung von Herstellungskosten und immateriellen Vermögenswerten, handelsrechtliche
Bewertungseinheiten und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Kreditanalyse einer mittelständischen Sparkasse gelegt.
Es soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob die tiefgreifende Reform des Bilanzrechts für kleine oder mittelständische Unternehmen von Vorteil oder eher nachteilig sein kann. Die Ausführungen werden sich hierbei auf den Jahresabschluss (Einzelabschluss) beziehen. Der Grund für diese Fokussierung liegt darin, dass sich der Großteil der Bilanzierenden in Deutschland, der Mittelstand, auf die Änderungen die BilMoG für den Jahresabschluss mit sich bringen wird, vorbereiten muss. Hierzu werden das bislang geltende HGB mit dem bestehenden Regierungsentwurf zum
1 International Financial Reporting Standards
- 1 -
BilMoG und die sich daraus ergebenden Änderungen (HGB-E) verglichen. Zur Verdeutlichung der Unterschiede wird eine Bilanzierung entsprechend des BilMoG, bzw. des HGB-E durchgeführt.
Da es sich bei dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz bislang lediglich um einen Gesetzesentwurf handelt, dient der entsprechende Regierungsentwurf vom 21. Mai 2008 als Grundlage für diese Thesis.
2. Die Geschichte der Bilanzierung - Ein kurzer Abriss
Die ersten Erwähnungen von Bilanz oder Buchhaltung gehen zurück auf die Fugger im
15. Jahrhundert. Das erste allgemeine Deutsche HGB wurde bereits im Jahre 1673 aufgestellt, welches als Instrument der Gläubigersicherung durch Dokumentation und Selbstinformation diente. Seit 1874 stellt die Handelsbilanz die maßgebliche Grundlage für die einkommenssteuerliche Gewinnermittlung dar. Im Jahre 1969 wurde zur Schaffung größerer Transparenz und zur Sicherung von Interessen der Öffentlichkeit das Publizitätsgesetz eingeführt.
Die bislang tiefgreifendste Änderung fand schließlich im Jahre 1985 mit dem Bilanzrichtliniengesetz (BiRiLiG) statt. 2
Das BilMoG stellt mit seinen 254 Seiten nun die umfangreichste Gesetzesänderung seit 1982 dar. 3
2.1 HGB und IFRS - nationale und internationale Rechnungslegungsstandards
Als internationaler Standard der Rechnungslegung gelten die IFRS (International Financial Reporting Standards). Sie werden von dem International Accounting Standards Board (IASB), eine privatrechtliche Organisation, die aus 14 Personen
2 Vgl. Küting u. Pfitzer, S. 2 u. 3.
3 Vgl. BMJ: BilMoG Gesetzentwurf v. 21.05.2008, S. 254.
- 2 -
Arbeit zitieren:
Thomas Meid, 2009, Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz - Die größte Reform des deutschen Bilanzrechts seit über 20 Jahren und die Auswirkungen auf einen Einzelabschluss, München, GRIN Verlag GmbH
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