INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Kants Menschenbild - eine kurze Einführung 3
2.1 Kants Vorstellung vom einzelnen Menschen. 3
2.2 Kants Vorstellung vom Menschen als Teil der menschlichen Gattung 5
3. Die Würde des Menschen 6
3.1 Das Reich der Zwecke und die Maxime des Handelns 6
3.2 Die Würde und der Preis 7
3.3 Würde, Moralität und Vernunft. 8
4. Autonomie als Grund der Würde 8
4.1 Autonomie des Willens 8
4.2 Autonomie als Grund der Würde und die Beschaffenheit von Maximen 9
4.3 Der gute Wille 10
4.4 Heteronomie des Willens 10
4.5 Autonomie des Willens und der Begriff der Freiheit. 11
4.6 Freiheit als Eigenschaft des Willens 11
4.7 Freiheit als Voraussetzung für Moralität. 12
4.8 Freiheit und Naturnotwendigkeit 12
5. Kants Menschenbild unter den betrachteten Gesichtspunkten. 13
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf Immanuel Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ [1785] (1786). Alle Seitenangaben richten sich nach der Reclam-Ausgabe. Kants Menschenbild soll anhand ausgewählter Textstellen erörtert und dargelegt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf dem von Kant vorgestellten Begriff der Würde und auf seinem Verständnis von der Autonomie des Willens. Deshalb wird der erste Abschnitt des Textes, der „Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen“ kaum behandelt werden. Ich werde insbesondere auf den zweiten Abschnitt, den „Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten“ und - in Bezug auf den Begriff der Freiheit verbunden mit der Autonomie des Willens - auch auf den dritten Abschnitt, den „Übergang von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen praktischen Vernunft“ eingehen.
Kants Menschenbild soll an den beiden Säulen „Würde“ und „Autonomie des Willens“ erläutert und aufgezeigt werden. Sein Menschenbild generell wird dagegen in Anbetracht des Rahmens einer einfachen Hausarbeit nur grob umrissen werden können, wenn ich mir auch der Tatsache bewusst bin, dass ein Hinweis darauf eigentlich in jeder einzelnen Zeile des Werkes „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ zu finden ist, denn wie jedes philosophische Werk hat auch dieses natürlich mit dem Menschen zu tun und entwirft eine Vorstellung davon, wie und was der Mensch ist und wie und was er sein soll und könnte.
2. Kants Menschenbild - eine kurze Einführung
2.1 Kants Vorstellung vom einzelnen Menschen
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, soll Kants Menschenbild - unabhängig von der Würde und der Autonomie des Willens - nur skizziert werden. Ich möchte vorab in Kants Vorstellung vom Menschen nur einführen, um die Grundlage für ein Verständnis seiner Begriffe von Würde und von der Autonomie des Willens zu bereiten.
Der Mensch wird von Kant in der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ meist als „vernünftiges Wesen“ bezeichnet, worin zugleich nicht nur der Ist-Zustand des Menschen, sondern auch die von Kant entworfene Ethik steckt. Denn der Mensch ist nicht nur vernünftig im Sinne von vernunftbegabt, also dass er im Gegensatz zu Tieren die Möglichkeit zu einem von der Vernunft geprägten Handeln hat, sondern nach Kant soll er eben auch vernünftig sein. Er soll sich der Tatsache bewusst sein, dass er über Vernunft verfügen kann, und soll sich ihrer
3
auch bedienen. Wie ich weiter unten noch ausführen werde, bildet genau diese Vorstellung vom Menschen als einem „vernünftigen Wesen“ den Grundgedanken von Kants Ethik. Die Vernunft soll und muss als Prinzip des Handelns anerkannt werden - daraus ergeben sich viele weitere Gedankengänge.
Doch dies soll nicht den Eindruck erwecken, dass Kant davon ausgeht, dass der Mensch tatsächlich immer vernünftig handelt. Kant ist sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass es neben der Vernunft noch viele andere Einflussfaktoren gibt, die den Menschen in seinem Denken und Handeln leiten. Er erkennt auch an, dass es für den Menschen nicht einfach ist, sich vernünftig zu verhalten, da er so vielen Faktoren unterworfen und häufig zwischen diesen hin-und hergerissen ist: „…. Alle Moralphilosophie [….] gibt ihm, als vernünftigem Wesen, Gesetze a priori, die freilich noch durch Erfahrung geschärfte Urteilskraft erfordern, um teils zu unterscheiden, in welchen Fällen sie Anwendung haben, teils ihnen Eingang in den Willen des Menschen und Nachdruck zur Ausübung zu verschaffen, da dieser, als selbst mit so viel Neigungen affiziert, der Idee einer praktischen reinen Vernunft zwar fähig, aber nicht so leicht vermögend ist, sie in seinem Lebenswandel in concreto wirksam zu machen“ (S.22). Der Mensch ist also nicht nur ein vernunftbegabtes, sondern auch ein „mit so viel Neigungen affiziertes“ Wesen, dass es durch Erfahrung geübte Urteilskraft braucht, um die Gesetze der Moralphilosophie, die Idee einer praktischen reinen Vernunft, nicht nur einzusehen, sondern auch verwirklichen zu können. Es ist so, als ob uns Kant vermitteln wolle, dass ja die Theorie von jedem Menschen verstanden werden müsste, dass sie aber leider nicht so leicht umzusetzen sei, da wir eben alle menschlich und darum nicht frei von Schwächen sind. Allerdings darf dies nicht verwechselt werden mit dem theoretischen Beurteilungsvermögen im Gegensatz zum praktischen Beurteilungsvermögen, wovon der „gemeine Menschenvers-tand“, so Kant, eben doch das Praktische dem Theoretischen vorzieht, weil es ihm leichter fällt: „Hier kann man es doch nicht ohne Bewunderung ansehen, wie das praktische Beurteilungsvermögen vor dem theoretischen im gemeinen Menschenverstande so gar viel voraus habe. In dem letzteren, wenn die gemeine Vernunft es wagt, von den Erfahrungsgesetzen und den Wahrnehmungen der Sinne abzugehen, gerät sie in lauter Unbegreiflichkeiten und Widersprüche mit sich selbst, wenigstens in ein Chaos von Ungewissheit, Dunkelheit und Unbe-stand. Im praktischen aber fängt die Beurteilungskraft dann eben allererst an, sich recht vorteilhaft zu zeigen, wenn der gemeine Verstand alle sinnliche Triebfedern von praktischen Gesetzen ausschließt“ (S.44/45). Und das ist ja auch ein Verdienst von Kant: dass am Ende seiner theoretischen Überlegungen sehr praktische ethisch-moralische Gesetze stehen, die jeder Mensch umsetzen könnte.
4
Auf den für den Menschen häufig nicht leicht zu bewältigenden Widerspruch zwischen Neigungen und Vernunft geht Kant noch einige weitere Male ein. Dabei kommt dann auch der Wille ins Spiel: „Ein jedes Ding der Natur wirkt nach Gesetzen. Nur ein vernünftiges Wesen hat das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, d. i. nach Prinzipien, zu handeln, oder einen Willen“ (S.56). Der Wille wird demnach von der Vernunft bestimmt. Der Wille wählt aus, was die Vernunft als gut erkennt, was (also) unabhängig von der Neigung ist, ist jedoch selbst von subjektiven Bedingungen geprägt: „Bestimmt aber die Vernunft für sich allein den Willen nicht hinlänglich, ist dieser noch subjektiven Bedingungen (gewissen Triebfedern) unterworfen, die nicht immer mit den objektiven übereinstimmen; mit einem Worte, ist der Wille nicht an sich völlig der Vernunft gemäß (wie es bei Menschen wirklich ist)“ (S.56) . Kant spricht auch von der „Bestimmung des Willens eines vernünftigen Wesens zwar durch Gründe der Vernunft, denen aber dieser Wille seiner Natur nach nicht notwendig folgsam ist“ (S.56). An anderer Stelle in dem für diese Arbeit herangezogenen Werk heißt es: „mithin hat es [das vernünftige Wesen] zwei Standpunkte, daraus es sich selbst betrachte und Gesetze des Gebrauchs seiner Kräfte, folglich aller seiner Handlungen erkennen kann, einmal, sofern es zur Sinnenwelt gehört, unter Naturgesetzen (Heteronomie), zweitens, als zur intelligibelen Welt gehörig, unter Gesetzen, die von der Natur unabhängig, nicht empirisch, sondern bloß in der Vernunft begründet sind“ (S.112). Diese Zugehörigkeit des Menschen einmal zur Sinnenwelt und einmal zur Intelligenz ist es, die dazu führt, dass der Mensch überhaupt Schwierigkeiten mit Moralität hat und über Prinzipien des Handelns und Maximen nachdenken muss. Sie ist es auch, die überhaupt die Möglichkeit kategorischer Imperative eröffnet (vgl. S.113 ff.), worauf ich unter 4.7 noch näher eingehen werde.
2.2 Kants Vorstellung vom Menschen als Teil der menschlichen Gattung
Nicht nur von der Eigenart des menschlichen Wesens als Individuum, sondern auch vom menschlichen Wesen als Teil der Gattung Mensch hat Kant eine klare Vorstellung. Diese hat wiederum sehr viel mit seiner Moralphilosophie/Vernunftethik zu tun: „Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, dass jedes derselben sich selbst und alle anderen niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle“ (S.85). Dies ist ein sehr wichtiger Satz in der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, da er deutlich die humanistische Grundlage von Kants Denken aufzeigt. Es gibt also seiner Meinung nach zwar Menschen, die eher nur einen „gemeinen Menschenverstande“ haben im Gegensatz zu anderen Menschen, deren theoretisches Urteilsvermögen stärker ausgeprägt ist. Vom „gemeinsten Verstand“ zeichnet Kant in einem anderen Zusammenhang beispielhaft folgendes
5
Arbeit zitieren:
Nicole Schmidt, 2007, Kants Menschenbild: Der Begriff der Würde und der Autonomie des Willens in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Zwischenprüfungsarbeit, 28 Seiten
Carol Gilligans Konzept der "Ethics of Care"
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Zwischenprüfungsarbeit, 19 Seiten
Autonomie und Freiheit in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sit...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 15 Seiten
Autonomie des Willens. Zu Kants "Grundlegung der Metaphysik der S...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 19 Seiten
Bilingualismus und Sprachentwicklung in der frühen Kindheit
Examensarbeit, 101 Seiten
Aspekte des Wortschatzerwerbs im frühen Zweitspracherwerb des Deutsche...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Examensarbeit, 90 Seiten
Gilbert Ryle: Der Begriff des Geistes - "knowing how" und &...
Hausarbeit, 20 Seiten
Der Dispositionsbegriff bei Ryle
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Nicole Schmidt's Text Kants Menschenbild: Der Begriff der Würde und der Autonomie des Willens in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Nicole Schmidt hat den Text Kants Menschenbild: Der Begriff der Würde und der Autonomie des Willens in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" veröffentlicht
Nicole Schmidt hat einen neuen Text hochgeladen
Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"
Ein einführender Kommentar
Dieter Schönecker, Allen W. Wood
Kritik der praktischen Vernunft / Grundlegung zur Metaphysik der Sitte...
Immanuel Kant, Wilhelm Weischedel
Kants Grundlegung einer kritischen Metaphysik
Einführung in die "Kritik der ...
Norbert Fischer
0 Kommentare