die Einheit des Seins. Für Aristoteles spielte auch der Begriff der Vernunft eine Rolle und zwar in dem Sinne, dass sie eine allgemeine Tendenz aufweist, das Gute in der vernünftigen Tätigkeit zu verwirklichen. Der Begriff der Vernunft wurde dann von der stoischen Philosophie in sofern erweitert, dass jeder Mensch die Vorraussetzungen für eine vernünftige Lebensführung in sich trägt und somit das Bewusstsein vom eigenen Sein der Ankerpunkt des Menschen wurde. Mit der Verflechtung der stoischen Philosophie und der römischen Kultur und Geschichte vollzog sich dann die Entstehung der modernen Auffassung von Identität. Die nächste historisch wichtige Phase für die Entwicklung des Identitätsbegriffes war die Renaissance, sie fühlte sich jedoch in erster Linie dem Platonismus verpflichtet, was sich unter anderem auch darin zeigte, dass dessen Werke komplett ins Lateinische übersetzt wurden und die Denker dieser Epoche meist Anhänger des Neuplatonismus waren. An die Renaissance schloss sich die Phase der Romantik an in der die Doppelgängertheorien entwickelt wurden. Der Begriff des Doppelgängers ist hierbei nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen sondern vielmehr als eine Variation zerstreuter Identitäten, besonders hervorzuheben ist dabei der 1815 erschienene Roman „Elixiere des Teufels“ von Ernst Theodor Hoffmann, der die Lebensgeschichte des Mönches Medardus erzählt, der sich nicht nur einen Doppelgänger zulegte sondern auch ständig neue Identitäten annahm. Weiterhin entwickelte die Literatur der Romantik ein System der psychogenen Symbolismen, die ähnlich der Traumarbeit bei Freud waren. Sigmund Freud (1856-1939) der Konzepte der bedrohten Identität entwickelte, vertrat die Vorstellung, dass der soziale Trieb, also die Orientierung der Gedanken und Gefühle an Anderen ein Großteil zur Identitätsbeziehungsweise Ichfindung beitrage. So versucht das Individuum das eigene Ich nach einem Vorbild zu gestalten um in der Masse aufzugehen und so ein Teil von ihr zu werden. Der Begriff der Masse bezieht sich hierbei allerdings auf eine organisierte und stabile Masse, beispielsweise in Form eines Heeres oder einer Religionsgemeinschaft. Dabei fungierte das sogenannte Über-Ich als ein Art Moralinstanz was man mit dem heutigen Begriff des Gewissens wohl am besten umschreiben könnte. Im Gegensatz zur organisierten Masse differenzierte Freud die einfache Masse, die sich durch Kurzlebigkeit und Organisationslosigkeit charakterisiert. Beide Massen werden aber laut Freud durch libidinöse Bindungen zusammengehalten, wobei sich die einfache Masse nur der Triebbefriedigung hingibt und sich die stabile Masse durch die Triebunterdrückung des Einzelnen, zugunsten der geschaffenen Kultur und deren Erhaltung auszeichnet. Die Religion, die, wie oben schon erwähnt, eine Form der organisierten Masse darstellt, ist nach Freud nur ein Abwehrmechanismus des Menschen um die Schwere des eigenen Lebens erträglich machen zu können.
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Arbeit zitieren:
Johannes-Christian Schmücker, 2007, Zum Identitätsbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
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