Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis vi
Abbildungsverzeichnis vii
Vorwort viii
1 Einleitung 9
2 Beschreibung der Forschungsmethodik und
Untersuchungsdurchf ührung 12
2.1 Das Untersuchungsdesign 13
2.2 Die Auswahl geeigneter empirischer Studien 14
2.3 Methoden der Untersuchungsdurchführung 15
3 Theoretischer Begriffsrahmen:
Der Zusammenhang von Bewegung und Lernen 17
3.1 Bewegung - Möglichkeiten einer Begriffsbestimmung 17
3.1.1 Bewegung als Gegenstand der Sportpädagogik 18
3.1.2 Zusammenfassung und Begriffsbestimmung von Bewegung 22
3.2 Lernen - Möglichkeiten einer Begriffsbestimmung 23
3.2.1 Lernen als Gegenstand der Sportpädagogik 24
3.2.2 Zusammenfassung und Begriffsbestimmung von Lernen 26
3.3 Der Zusammenhang von Bewegung und Lernen 27
iv
Inhaltsverzeichnis
4 Darstellung und Interpretation
der Forschungsergebnisse 31
4.1 Einleitung in die Untersuchung
der empirischen Studien 31
4.2 Die Kategorisierung der empirischen Studien 32
4.2.1 Charakterisierung der Kategorien 34
4.2.2 Exemplarische Beispiele der empirischen Studien
f ür die einzelnen Kategorien 38
4.2.2.1 Exemplarische Studie für Kategorie I -
Physiologische Voraussetzungen 38
4.2.2.2 Exemplarische Studie für Kategorie II -
Lernvorbereitung 42
4.2.2.3 Exemplarische Studie für Kategorie III -
Lernergebnisse 46
4.2.2.4 Exemplarische Studie für Kategorie IV -
Pers önlichkeit 51
4.3 Tabellarische Übersicht
aller untersuchten empirischen Studien 55
4.4 Auswertung und Interpretation der Untersuchung 64
5. Pädagogische Konsequenzen der Untersuchung 68
Literaturverzeichnis 80
v
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht Untersuchungsdesign und
Untersuchungsmethoden 16
Tabelle 2: Übersicht „Körperliche Aktivität fördert Gehirn-
gesundheit und -leistungsfähigkeit 38-39
Tabelle 3: Zuordnung ähnlicher empirischer Studien
zu Kategorie I - Phy. Voraussetzungen 41
Tabelle 4: Übersicht „Effekte körperlich-sportlicher
Aktivit äten auf kognitive Leistungen 42
Tabelle 5: Zuordnung ähnlicher empirischer Studien
zu Kategorie II - Lernvoraussetzungen 45
Tabelle 6: Übersicht „Physically Fit Kids Perform
Better Academically 46
Tabelle 7: Zuordnung ähnlicher empirischer Studien
zu Kategorie III - Lernergebnisse 50
Tabelle 8: Übersicht „Sport, Stress und emotionaler
R ückhalt als Determinanten von Gesundheit
und Lebenszufriedenheit 51
Tabelle 9: Zuordnung ähnlicher empirischer Studien
zu Kategorie IV - Persönlichkeit 54
Tabelle 10: Übersicht aller untersuchten empirischen Studien,
die einen Zusammenhang von Bewegung
und Lernen nachweisen können,
chronologisch geordnet 56-63
vi
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Motorik als Medium der menschlichen
Entwicklung
(nach Jackel, B. 1997) 21
Abbildung 2: Lernen als Wissenserwerb und
Verhaltens änderung
(nach Detert, D./ Willenbrink, M. 2004) 25
Abbildung 3: Ergebnisse der Studie.
Wertung der Aufmerksamkeitsleistung
anhand der Normierung des Test d2
(nach Dordel, S./ Breihecker, W. 2003) 44
Abbildungen 4a-4c: Diagramme der Ergebnisse der Studie
des California Department of Education
(2002) für den Zusammenhang von
schulischen Leistungen (Lesen und Rechnen)
sowie körperlicher Fitness
(nach Roth, K./ Knobloch, I. 2005) 48-49
Abbildung 5: Ebenen des „Bewegten Lernens“
(nach Hildebrandt-Stramann, R. 2008) 73
vii
Vorwort
Am Ende des Grundstudiums kam ich erstmals mit dem Projekt der „Jenaer Bewegungswerkstatt“ am Institut für Sportwissenschaft in Kontakt. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Bewegungswerkstatt war es, den Studenten die Möglichkeit zu bieten, selber Teilprojekte in Form von Bewegungsangeboten zu entwickeln und an Schulen oder in Fortbildungsangeboten praktisch umzusetzen. Als theoretische Untersuchungsgrundlage gilt die Annahme, dass Bewegung und Lernen im Sinne der ganzheitlichen Entwicklung zusammen gehören und durch Bewegungsinnovationen der schulische Alltag im Sinne des ganzheitlichen Lernens bereichert werden kann.
Auf dem 3. Thüringer Bildungssymposium am 28. Mai 2005 in Erfurt hielt ich einen Vortrag über das Thema "Sich - Bewegen hilft besser Lernen". Der Vortrag verfolgte das Ziel, Zusammenhänge von Bewegung und kognitiven Lernen herzustellen, den Zuhörern Anregungen zu geben und sie für das Thema zu sensibilisieren.
Die Erkenntnisse, die ich in den letzten Jahren über den Zusammenhang von Bewegung und Lernen gewonnen habe, haben mich überzeugt, dass regelmäßiges, vielseitiges und sinnvolles Bewegen kognitive Lernprozesse begünstigt und Bewegung einen wichtigen Anteil zur ganzheitlichen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter erfüllt. Mit dieser Einstellung möchte ich in meiner Untersuchung einen Beitrag zur Aufklärung über den Zusammenhang von Bewegung und Lernen leisten.
viii
1 Einleitung
Die junge Generation wächst heutzutage in einer hochtechnisierten Umwelt auf, die einen erheblichen Einfluss auf ihre körperliche und geistige Entwicklung hat. Kinder und Jugendliche gestalten nach eigenem Interesse ihre Freizeit und können vielfältige Beschäftigungsangebote nutzen. In der Freizeitgestaltung hat die Beschäftigung mit elektronischen Medien dabei einen immer größeren Anteil bei Kindern und Jugendlichen eingenommen (Vgl. LAMPERT et al. 2007) und lässt die Zeit für Bewegung zunehmend schrumpfen. Zudem haben sich die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen auf ein Minimum an Bewegung reduziert, wodurch ihnen die Möglichkeit versagt bleibt, sich aktiv handelnd mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen und sich diese selbständig zu erschließen. Bewegungsreiche Aktivitäten im Freien, wie Spielen und Toben, die bis ins Jugendalter einen hohen Aufforderungscharakter besitzen, wurden von bewegungsarmen Aktivitäten, wie Computerspielen und Fernsehkonsum, abgelöst (Vgl. BÖS 2003, PFEIFFER et al. 2007). Bewegungsmangel kennzeichnet zunehmend den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Die Auswirkungen dieses Bewegungsmangels sind ernüchternd: Die Kinder und Jugendlichen in Deutschland werden immer übergewichtiger, so das Fazit einer bundesweiten Studie 1 mit 18.000 untersuchten Kindern und Jugendlichen. Seit den 90er Jahren ist das Übergewicht in der Altersgruppe zwischen 4 und 17 Jahren um durchschnittlich 50 Prozent gestiegen (Vgl. KURTH et al. 2007). Andere Untersuchungen belegen, dass sich Kinder und Jugendliche immer weniger bewegen (Vgl. EGGERT 2000, BÖS 2003, OPPER et al. 2007) und bereits jedes fünfte Kind übergewichtig ist (Vgl. KUBESCH 2002). In einer Studie weist Bös (Vgl. 2003) darauf hin, dass das Resultat sportmotorisch
1 Die KiGGS-Studie ist eine bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert
Koch Institutes, zum Erfassen des Gesundheitszustands von Kindern und Jugendlichen im Alter
von 0-17 Jahren. Ziel ist es, umfassende Daten zur gesundheitlichen Lage von Kindern und
Jugendlichen zu erheben, auszuwerten und die Ergebnisse an die Politik, die Fachwelt und die
allgemeine Öffentlichkeit weiter zu geben. Die Daten sollen helfen, Problembereiche und Risi-
kogruppen zu identifizieren, Gesundheitsziele zu definieren und Ansätze für Hilfsmaßnahmen
und Prävention zu entwickeln und umzusetzen.
9
schwächere Kinder und Jugendliche als noch vor 25 Jahren sind, mit Defiziten die sich auf die gesamte kognitive, soziale und emotionale Entwicklung auswirken. Auch der Sportunterricht an Schulen und eine Vielzahl an außerschulischen Sportangeboten reichen scheinbar nicht mehr aus, den Bewegungsmangel im Kindes- und Jugendalter insgesamt ausreichend zu kompensieren. Wenn sich Bewegungsmangel auf kognitive, soziale und emotionale Entwicklungen negativ auswirkt, dann kann auch davon ausgegangen werden, dass Bewegung einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Die Intention der Untersuchung beruht auf der These, dass
„der Zusammenhang zwischen Motorik und Kognition, Einflüsse von Wahrnehmung und Bewegung auf das Lernen, auf die Lern- und Leistungsfähigkeit von Kindern unbestritten [ist]“ (DORDEL / BREITHECKER 2003, S. 145).
Daraus leitet sich folgende Fragestellung für die Untersuchung ab:
Welche empirischen Studien können zur Aufklärung des Zusammenhangs von Bewegung und Lernen im Kindes- und Jugendalter einen Beitrag leisten?
Die vorliegende Arbeit kann dazu grundsätzlich an der Schnittstelle von Schulpädagogik und Sportpädagogik eingeordnet werden. Aus der Perspektive der Sportpädagogik, weil deren Gegenstand Bewegung, Körperlichkeit, Spiel und Sport in einem pädagogischen Kontext verankert ist. Und aus Sicht der Schulpädagogik, da Bewegung und Körperlichkeit als anthropologische Tatsache zu den Lern- und Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen im Erziehungs- und Lebensraum Schule dazu gehören.
Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Im ersten Kapitel wird der Problemaufriss behandelt und die Untersuchungsfrage vorgestellt. Daran schließt sich eine Beschreibung über den weiteren Verlauf der Untersuchung an. Im zweiten Kapitel wird ein detaillierter Einblick in das Untersuchungsdesign, die Methodologie, die Recherchetechniken und die Durchführung der Untersuchung gegeben. Es wird anschließend begründet, mit welchen Methoden und nach welcher Auswahl empirische Studien gesammelt wurden, um die eingangs gestellte Forschungsfrage beantworten zu können.
10
Das dritte Kapitel befasst sich mit der theoretischen Auseinandersetzung der Begriffe Bewegung und Lernen und setzt sie miteinander in Beziehung. Da der Zusammenhang von Bewegung und Lernen vielschichtig ist, müssen die Begriffe zunächst für die Untersuchung definiert werden. Daraus ergibt sich anschließend ein allgemeingültiges und funktionales Verständnis dieser beiden Begriffe. Nachdem eine fundierte theoretische Begründung des Zusammenhangs von Bewegung und Lernen hergestellt wurde, gilt es diese durch ausgewählte empirische Studien nachhaltig zu belegen. Folglich schließt sich die Analyse und Auswertung der empirischen Studien im darauf folgenden Kapitel an. Die Aufarbeitung der empirischen Studien im vierten Kapitel bildet den Kern der Untersuchung. Hier werden die empirischen Studien aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachbereichen analysiert, neu strukturiert und in einer Tabelle dargestellt. Um ein genaues Verständnis über den Zusammenhang von Bewegung und Lernen zu gewinnen, werden die empirischen Studien in vier Kategorien eingeteilt, die aus dem theoretischen Zusammenhang von Bewegung und Lernen erarbeitet werden. Die Kategorien dienen der genauen Analyse der empirischen Studien und sind als Ausschnitte des Gesamtzusammenhangs zu verstehen. Mit diesem detaillierten Einblick werden so unterschiedliche Bereiche von Lernen überprüft, die maßgeblich von Bewegung beeinflusst werden. Lernen ist dabei immer als ganzheitlicher Prozess zu verstehen und soll durch die Kategorisierung keine Trennung erfahren.
Folgend wird jeweils eine Studie ausgewählt, um exemplarisch eine Kategorie näher zu beschreiben. Diesen Beispielen werden weitere Studien in Tabellen-form zugeordnet, die ähnliche Merkmale aufweisen. Die Aufbereitung und Interpretation der gewonnen Ergebnisse schließt sich unmittelbar an. Die Interpretation erfolgt nach der sozialwissenschaftlich-hermeneutischen Paraphrasierung nach Mayring (Vgl. 2002).
Den Abschluss dieser Untersuchung bildet das fünfte Kapitel. Die gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse der Untersuchung werden zusammengefasst und pädagogische Konsequenzen abgeleitet. Dieses Kapitel beinhaltet außerdem weiterführende Fragen für zukünftige Untersuchungen.
11
2 Beschreibung der Forschungsmethodik
und Untersuchungsdurchführung
Der folgende Abschnitt befasst sich mit der Beschreibung der analytischen Vorgehensweise, der Untersuchungsmethodik und der Durchführung der Untersuchung. Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:
• Welches Untersuchungsdesign kann die zentrale Frage: Welche empirischen Studien können zur Aufklärung des Zusammenhangs von Bewegung und Lernen im Kindes- und Jugendalter einen Beitrag leisten? entsprechend beantworten?
• Welche Untersuchungsmethoden werden zur Erhebung, Aufbereitung und Auswertung der Daten genutzt?
• Wie wird die Erarbeitung und Auswertung der Daten durchgeführt?
Zur Erarbeitung von verwertbaren Ergebnissen ist es erforderlich, das Untersuchungsdesign und die methodische Vorgehensweise der Untersuchung an dieser Stelle festzulegen. Demzufolge wird die Untersuchung übersichtlich strukturiert und der Erarbeitungsprozess sowie die Auswertung der Ergebnisse nachvollziehbar gestaltet. Das Untersuchungsdesign ist die Grundlage der Untersuchung, um zu stichhaltigen und nachvollziehbaren Ergebnissen zu gelangen, aus denen dann akzeptable Erkenntnisse gewonnen werden können. Hierzu definiert Atteslander Methodologie als
„die Vorgehensweise wissenschaftlichen Denkens [und versteht] unter Untersuchungsablauf die Umsetzung dieses Denkens in einzelne systematisch ausgerichtete und nachvollziehbare Untersuchungsschritte“ (ATTESLANDER 2006, S.21).
In der Literatur werden verschiedene Forschungsmethoden verifiziert, um eine wissenschaftliche Untersuchung durchzuführen (Vgl. MAYRING 2002, SCHELL
12
2005, ATTESLANDER 2006). Das bedeutet für diese Untersuchung, dass angemessene Methoden ausgewählt werden, um die Forschungsfrage beantworten zu können. Das Verhältnis dieser Methodenauswahl soll dabei objektbezogen sein sowie quantitativen und qualitativen Ansprüchen genügen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung müssen dabei möglichst genau (Validität), objektiv (Objektivität) und nachprüfbar (Reliabilität) sein (Vgl. ATTESLANDER 2006).
2.1 Das Untersuchungsdesign
Aus der Fragestellung: Welche empirischen Studien können den Zusammenhang von Bewegung und Lernen im Kindes- und Jugendalter nachweisen? kann ein erster Eindruck auf die Wahl eines geeigneten Untersuchungsdesigns und dessen Untersuchungsmethoden geschlossen werden. Es gilt demnach, aus vorhandenen empirischen Studien, die einen Zusammenhang von Bewegung und Lernen nachweisen können, relevante Inhalte zu erschließen und unter neuen Gesichtspunkten zu analysieren. Die empirischen Studien sollen dazu überprüft, strukturiert und in Kategorien neu eingeordnet werden. Daran schließt sich die Auswertung und Interpretation der vorgefundenen Ergebnisse an.
Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Querschnittstudie. Als angemessenes Untersuchungsdesign bietet sich die Dokumentenanalyse nach Mayring an:
„Dokumentenanalyse will Material erschließen, das nicht erst vom Forscher durch die Datenerhebung geschaffen werden muss. Dokumentenanalyse zeichnet sich durch die Vielfalt ihres Materials aus. Die qualitative Interpretation des Dokuments hat einen entscheidenden Stellenwert“ (MAYRING 2002, S. 47).
Die Dokumentenanalyse gehört zum klassischen Feld der qualitativinterpretativen Analysen und kann daher sehr breit definiert werden (Vgl. BALLSTAED 1987 zitiert in MAYRING 2002). Ein Vorteil dieser Analyseform ist
13
die zu untersuchende Materialvielfalt, da „als Dokument alles verstanden werden kann, was interessante Rückschlüsse auf die konkret behandelte Problematik ziehen kann“ (MAYRING 2002, S. 47). Als Dokumente werden für diese Untersuchung ausschließlich empirische Studien herangezogen, die auch für diese Arbeit tatsächlich zur Verfügung stehen.
„Die Dokumentenanalyse muss zunächst ihr Ausgangsmaterial in Bezug auf eine Fragestellung genauer definieren, bevor der Aussagewert eingeschätzt werden kann und der Gehalt interpretativ und eventuell quantitativ erschlossen werden kann“ (MAYRING 2002, S. 47).
Aufgrund der Rahmenbedingungen für die vorliegende Arbeit muss ein Untersuchungsdesign zur Anwendung kommen, dass die Fragestellung der Arbeit adäquat erfasst. Eine Metaanalyse, ähnlich wie sie Etnier et al. (Vgl. 1999) mit 200 Studien durchgeführt hat, wäre vor allem aus zeitlichem Aspekt nicht zweckmäßig. Ähnliches gilt für die Untersuchungsdesigns der qualitativen Evaluation (Vgl. MAYRING 2002) oder der Grounded Theory (Vgl. STRAUS/ CO-BIN 1991), die sich nicht zur Lösung der Forschungsfrage eignen würden.
2.2 Die Auswahl geeigneter empirischer Studien
Im folgenden Abschnitt soll zunächst auf die Auswahl der zu untersuchenden empirischen Studien eingegangen werden. Aus diesem Grund werden die Forschungsbereiche, die angewandten Methoden der Recherche und die Auswahlkriterien zur Datengewinnung vorgestellt.
Die Auswahl geeigneter empirischer Studien erfolgt aus unterschiedlichen Fachbereichen, wie beispielsweise der Sportpädagogik, der Sportmotorik und der Sportmedizin aber auch aus Fachbereichen der Schulentwicklung und der Neurowissenschaft. Dazu wurden Beiträge aus unterschiedlichen Fachzeitschriften überprüft und Quellenangaben von Autoren und Publikationen notiert, die im Zusammenhang von Bewegung und Lernen stehen. Alle in diesen Fach-
14
bereichen erwähnten empirischen Studien wurden aufgelistet und nach ihrer realen Verfügbarkeit überprüft. Sie mussten außerdem wissenschaftlich begründet und aussagekräftig sein. Ihre zeitliche Datierung spielte dabei eine un-tergeordnete Rolle, jedoch sollten möglichst aktuelle Forschungsergebnisse in die Untersuchung einbezogen werden. Anschließend wurde in der Fachliteratur, in Online Katalogen und unterschiedlichen Datenbanken nach entsprechenden empirischen Studien gesucht. Dazu kam die Methode zur „Auswahl geeigneter Literatur für wissenschaftliche Arbeiten“ nach Gudjons (Vgl. 1990) zum Einsatz, mit der eine systematische Literaturrecherche nach relevanten Quellen betrieben werden konnte.
Als eine weitere Rechercheform ist das Internet zu benennen. Mit Hilfe von Suchmaschinen wie etwa „Google“ und „Yahoo“ wurden die Begriffe „Bewe- gung“ und„Lernen“ sowie „Zusammenhang zwischen Bewegung und Lernen“ als auch „kognitives Lernen“ und ähnliche Begriffe in die Suchmasken eingetragen. Die Ergebnisse der ersten Seiten wurden anschließend näher auf relevanten Inhalt überprüft und ausgewertet (Vgl. SCHENK 2005). Eine weitere Methode der Beschaffung geeigneter empirischer Studien war die direkte Nachfrage bei Autoren einzelner Studien, die dann über den Postweg oder via Email beschafft werden konnten.
2.3 Methoden und Untersuchungsdurchführung
Die qualitativen Untersuchungsmethoden lassen sich in Datenerhebung, Aufbereitung und Auswertung einteilen. Da die Daten in Form von empirischen Studien bereits vorliegen, müssen sie nicht im Sinne einer Erhebung neu „geschaffen“ werden. Vielmehr bedient sich der Erhebungsprozess Auswahlkriterien, um empirische Studien auszuwählen. Die anschließende Aufbereitung der Daten findet in Form einer Kategorisierung und eines zusammenfassenden Protokolls statt. Parallel dazu werden die Studien in Tabellenform dargestellt und systematisch eingeordnet. Die Kategorisierung soll zu einem detaillierten Verständnis
15
des ganzheitlichen Zusammenhangs von Bewegung und Lernen beitragen und die Ergebnisse der empirischen Studien in Bezug auf Bewegungsart, Komponenten des Lernens und deren Charakteristika strukturieren. Für jede festgelegte Kategorie wird eine empirische Studie exemplarisch in Form eines zusammengefassten Protokolls ausgewählt und genauer beschrieben. Alle anderen ähnlichen empirischen Studien werden dann den Kategorien zugeordnet. Dabei ist es möglich, dass einige Studien mehreren Kategorien zugeordnet werden können. Die Anordnung der empirischen Studien in einer Tabelle ermöglicht es, einen Einblick über den aktuellen Forschungsstand zu erlangen und die Zuordnung der empirischen Studien zu erleichtern.
Aus den erarbeiteten Daten wird durch die Methode der sozialwissenschaftlichhermeneutischen Paraphrasierung eine Auswertung und Interpretation vorgenommen. Die dargestellte Tabelle 1, in Anlehnung an Mayring (2002, S. 135), gibt zusammenfassend eine Übersicht über die Art des Untersuchungsdesigns und der eingesetzten qualitativen Methoden der Erhebung, Aufbereitung und Auswertung der Daten.
Tabelle 1: Übersicht Untersuchungsdesign und Untersuchungsmethoden
Die hier vorgestellten methodischen Vorgehensweisen werden damit begründet, dass sie im vorgegebenen Zeitrahmen angemessen sind, um eine strukturierte Untersuchung zu ermöglichen und zur Aufklärung des Zusammenhangs von Bewegung und Lernen im Kindes- und Jugendalter mittels ausgewählter empirischer Studien beitragen.
16
3 Theoretischer Begriffsrahmen:
Der Zusammenhang von Bewegung und Lernen
Um ein allgemeingültiges und funktionales Verständnis der Begriffe Bewegung und Lernen zu erlangen, die der Untersuchung zu Grunde liegen, werden sie im folgenden Kapitel analysiert, zueinander in Beziehung gesetzt und definiert. Die These: „Bewegung fördert Lernen“ steht dabei im Vordergrund und ist Ausgangspunkt der Begriffsanalyse.
3.1 Bewegung - Möglichkeiten einer Begriffsbestimmung
Was ist Bewegung? Bewegung ist Sport, Laufen, mit den Fingern schnippen, die Lippen bewegen, Jonglieren, Tanzen, Spielen, aber auch die Stirn runzeln oder sich Vergnügen. Bewegung ist ein mehrdeutiger Begriff, der in vielgestaltiger Form auftreten kann. Daher ist es wichtig, den Begriff Bewegung im Kontext dieser Untersuchung genauer zu erörtern und dabei auf folgende Fragen näher einzugehen:
• Welche Auffassungen von Bewegung sind für die Untersuchung wichtig?
• Wie kann der Begriff Bewegung für diese Untersuchung definiert werden?
17
3.1.1 Bewegung als Gegenstand der Sportpädagogik
Im physikalischen Sinne ist Bewegung eine Lage- bzw. Ortsveränderung eines Objektes im Vergleich zu seiner Umgebung. Dazu gehören auch die Komponenten Zeit, Raum und Energie um Bewegungen zu beschreiben. Bezogen auf sich entwickelnde Kinder und Jugendliche kann festgestellt werden: „Bewegung lehrt den Umgang mit Zeit, die Bewältigung von Raum und den rechten Einsatz von Energie“ (DIETRICH 2005, S. 36).
Aus sportpädagogischer Perspektive greift diese Beschreibung allerdings zu kurz, denn Bewegung hat immer ihren Sinn, ihre Beweggründe und ihre Bedeutung und ist damit intentional. 2 Ausgehend von dieser wissenschaftstheoretischen Position wird die menschliche Bewegung aus einer „anthropologischen, phänomenologischen sowie ganzheitlichen Perspektive“ (RÖTHIG/ PROHL et al. 2003, S. 83) gedeutet. Nach Tamboer ist „Bewegung eine fachspezifische Kategorie, über die unterschiedliche Auffassungen existieren“ (TAMBOER 1979, S. 60). Um für die sport-pädagogische Perspektive dieser Untersuchung ein relevantes Begriffsverständnis des Bewegungsbegriffs zu erschließen, ist ein Überblick über die unterschiedlichen Auffassungen von Bewegung unerlässlich. Es lassen sich vier wesentliche Auffassungen von Bewegung verifizieren:
• Bewegung als existentielle Grundlage des Mensch-Seins
Alle Bewegungen werden durch den menschlichen Körper gesteuert, beeinflusst und vollzogen. Der Körper konstituiert somit unsere Existenz und ist die Basis unseres Lebens. Für die sportpädagogische Herangehensweise ist Bewegung jedoch besonders aus einer anthropologischen Perspektive heraus noch mehr:
Der Körper ermöglicht durch Bewegung, dass wir uns räumlich und zeitlich orientieren können und „integriert uns in jenes System von Situationen, Gegebenheiten, Bedingungen und Zusammenhängen, das Welt heißt“ (GRUPE 1982, S. 46).
2 In diesem Zusammenhang sind „Bedeutung“ und „Sinn“ nicht voneinander zu trennen (Vgl.
GRUPE 1982, S. 76).
18
Die Erschließung der (Um)Welt
„geschieht über den Körper und die Bewegung. Bewegungserfahrungen sind immer unmittelbar auf den Körper bezogen; als Bewegungserlebnisse sind sie von der Persönlichkeit des Kindes nicht zu trennen. Sie bilden geradezu die kindliche Identität. Bewegungen sind in ihrer unmittelbaren Qualität immer auch Welterfahrungen. Bewegungserfahrungen eröffnen dem Kinde die Welt räumlich-dinglich und in ihren personalen Bezügen“ (FISCHER 2004, S. 38-39).
Deshalb ist unser Verhältnis zu den Dingen und Menschen ein „ursprünglich leibliches“ (GRUPE 1982, S. 47). Die körperliche Bewegung hat auf Grund ihrer instrumentellen, explorierenden, materialen, personalen, gesundheitlichen und sozialen Bedeutung (Vgl. GRUPE 1982, SCHERLER 1990) direkte Auswirkungen auf Alltag und Beruf als auch auf sportliche Tätigkeiten. Daraus ergibt sich ein weiterer Schwerpunkt von Bewegung.
• Bewegung als wahrnehmbare körperliche Aktivität
Vielgestaltige körperliche Aktivitäten, die im Alltag, bei spielerischen und sportlichen Bewegungssituationen oder im Beruf vorkommen, sind Erscheinungsformen, die unter den Begriff Bewegung einzuordnen sind. Bewegung ist daher als ein Oberbegriff für diese verschiedenen Arten körperlicher Aktivität zu verstehen. Wird Bewegung im Zusammenhang von Alltag, Beruf oder Sport gesehen, dann kann von Alltagsbewegungen, berufsbezogenen Bewegungen oder sportlichen Bewegungen gesprochen werden. So ist beispielsweise Sport ein Ausschnitt, beziehungsweise eine Möglichkeit der menschlichen Bewegung. Sportliche Tätigkeit kann viele Formen der Bewegung annehmen. So sind koordinativ anspruchsvolle Turnübungen nicht mit den zyklischen Bewegungen eines Ausdauerläufers zu vergleichen. Aus der biomechanischen, trainingswissenschaftlichen und medizinischen Sicht sind sportliche Bewegungen und ihre Einflüsse auf den Organismus differenziert zu betrachten und als körperliche Aktivität unterschiedlich wahrzunehmen.
19
• Bewegung als Gegenstand pädagogischer Intention
Bewegung ist vom Körper nicht zu trennen und unbedingt als Gegenstand pädagogischer Intention zu verstehen. Da Bewegung den Menschen als Ganzes erfasst, bietet sie eine Möglichkeit des pädagogischen Zugriffs. So war sich bereits Montessori dieser funktionellen Bedeutung von Bewegung bewusst:
„Da das Kind in den meisten Schulen passiv lernt, glaubt man in der körperlichen Bewegung ein Ausruhen von geistiger Tätigkeit schaffen zu müssen, und die körperliche Tätigkeit löst die geistige ab. […] In fasst allen Schulen der heutigen Zeit, in der die Kinder beim Unterricht passiv sind, müssen Geist und Bewegung getrennt handeln. Diese Trennung führt zur Spaltung der kindlichen Persönlichkeit. Der Sinn, den wir in die Bewegung legen, ist ein viel tieferer, der nicht nur die mo-torischen Funktionen unseres Körpers betrifft, sondern der den ganzen Menschen in seinen korrespondierenden Ausdrucksmöglichkeiten erfasst“ (MONTESSORI 1988, S. 18/19).
Der Körper und Bewegung sind Ansatzpunkte dieses ganzheitlichen Erziehungskonzepts.
• Bewegung als Medium des Lernens
Wird Bewegung als Gegenstand pädagogischer Intention verstanden, so ist sie auch ein Medium des Lernens. Vor allem in den ersten Lebensjahren ist Bewegung ein wichtiges Medium für das Kind, um Erfahrungen zu sammeln. Diese neu gewonnenen Erfahrungen nutzt es zur aktiven Auseinadersetzung mit seiner Umwelt. „Bewegung ermöglicht, durch vielfältige sensomotorische Erfahrungen, übergreifende kognitive Lernerfahrungen (ZIMMER 1981, S. 139)“. Durch Klafki erfährt die menschliche Bewegung eine gebührende Aufwertung. Er versteht „Bewegungskompetenz als eine Bildungsdimension“ (KLAFKI zitiert bei PROHL 2001, S.19) und unterstreicht damit deren Bedeutung für die kognitive Entwicklung.
Jackel (Vgl. 1997) begreift Motorik als Medium in Bezug auf verschiedene Bereiche der menschlichen Entwicklung und knüpft damit an ein ganzheitliches
20
Arbeit zitieren:
Alexander Bösenberg, 2008, Zur Aufklärung des Zusammenhangs von körperlicher Bewegung und Lernen , München, GRIN Verlag GmbH
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