Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einführung in die Problemstellung 1
1.1 Technischer Fortschritt, Innovationen und Effizienz 1
1.2 Ziel und Struktur der Untersuchung 4
1.3 Innovationsforschungsansätze 6
1.3.1 (Neo )klassische Wachstumstheorie 6
1.3.2 Evolutorische Konzepte 9
2. Begriffsabgrenzung 20
2.1 Effektivität versus Effizienz 20
2.2 Exkurs: X (In )Effizienz 22
3. Effizienzkonzepte 25
3.1 Mikroökonomische Konzepte 25
3.1.1 Technische Effizienz 25
3.1.2 Ökonomische Effizienz 27
3.1.3 Skaleneffizienz 30
3.2 Makroökonomische Konzepte 31
3.2.1 Allokationseffizienz 31
3.2.2 Adaptive Effizienz 33
3.2.3 Dynamische Effizienz 35
3.2.4 Evolutorische Effizienz 37
4. Effizienzmesskonzepte 40
4.1 Effizienzmessung nach Farrell 40
4.2 Data Envelopment Analysis 41
4.3 Dynamische Analyse 47
4.4 Effizienzkriterienkonzept 52
5. Kritische Würdigung und Ausblick 60
Anhang 68
I
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Literaturverzeichnis...................................................................................... 70
II
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Stilisiertes nationales Innovationssystem
Abbildung 2 : Vier Soziogramme zu typischen Netzwerkausprägungen
Abbildung 3 : Effizienz versus Effektivität
Abbildung 4 : Minimalprinzip der technischen Effizienz
Abbildung 5 : Maximalprinzip der technischen Effizienz
Abbildung 6 : Minimalprinzip der Kosteneffizienz
Abbildung 7 : Maximalprinzip der Kosteneffizienz
Abbildung 8 : Minimalprinzip der Erlöseffizienz
Abbildung 9 : Maximalprinzip der Erlöseffizienz
Abbildung 10 : Minimalprinzip der Gewinneffizienz
Abbildung 11 : Maximalprinzip der Gewinneffizienz
Abbildung 12 : Skaleneffizienz
Abbildung 13 : Effizienzmessung nach Farrell
Abbildung 14 : Inputorientierte Ermittlung der Effizienzwerte im Zwei-Input
Ein-Output Fall
Abbildung 15 : Inputorientierte DEA mit VRS
Abbildung 16 : Kosteneffizienz bei inputorientierter DEA mit CRS
Abbildung 17 : ATB-Frontierfunktion
Abbildung 18 : Malmquist-Index dritte Version (inputorientiert, CRS)
Abbildung 19 : Betrachtungsebenen in der Effizienzmessung
Abbildung 20 : Übersicht über raumwirtschaftliche Ansätze im Umfeld der
evolutorischen Ökonomik
III
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Abbildung 21: Ablaufplan der Produktplanung nach VDI-Richtlinie 2220
(VDI-2220 1980) mit anschließender Produktrealisierung und
Produktbetreuung ............................................................................. 69
IV
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken Abkürzungsverzeichnis Abb. Abbildung aktual. aktualisierte ATB All-Time-Best Aufl. Auflage Ausg. Ausgabe bearb. bearbeitete Begr. Begründer Bd. Band bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise ca. circa CRS Constant Returns of Scale DEA Data Envelopment Analysis DIN Deutsches Institut für Normung e. V. DMU Decision Making Unit d.h. das heißt EDV Elektronische Datenverarbeitung erg. ergänzte erw. erweiterte e. V. eingetragener Verein f., ff. folgende, fortfolgende
V
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken FuE Forschung und Entwicklung ggf. gegebenenfalls Hrsg. Herausgeber NSI National System of Innovation rev. revidierte S. Seite SE Skaleneffizienz SR Scale Returns TE Technische Effizienz u. a. unter anderem überarb. überarbeitete unverän. unveränderte VDI Verein Deutscher Ingenieure verb. verbesserte Vgl. Vergleiche VGR volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Vol. Volume VRS Variable Returns of Scale z. B. zum Beispiel
VI
Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Einführung in die Problemstellung 1.
1.1 Technischer Fortschritt, Innovationen und Effizienz
„Der Begriff der Effizienz steht im Mittelpunkt aller wirtschaftswissenschaftlichen
1 Fragestellungen“
Die Themen Wirtschaftswachstum, ökonomisches Handeln und Nachhaltigkeit sind im 21. Jahrhundert präsenter denn je. Die zunehmende Weltbevölkerung und die Verknappung von Rohstoffen erfordern augenscheinlich einen rationalen Umgang mit begrenzten Ressourcen, um das Überleben und den ökonomischen Wohlstand des homo sapiens auf der Erde zu sichern. Aber was ist rationales Handeln? Gerade im Kontext der Nachhaltigkeit scheint das Wirtschaften einen intertemporalen Aspekt zu besitzen. Eine heute getroffene Entscheidung kann bereits morgen ineffizient sein. 2 Effizienz und Effektivität sollten demnach nicht statisch betrachtet werden. Eine dynamische Sichtweise beinhaltet jedoch eine zunehmende Komplexität dieser beiden Konstrukte, in Bezug auf die Anwendbarkeit, auf die Datenbeschaffung und die einhergehende Prognosefähigkeit.
Um das wirtschaftliche Handeln nachhaltig effizient zu gestalten, bedarf es offenbar einer permanenten Motivation zur Auffindung neuer und ökonomisch sinnvollerer Produktionsprozesse und Produkte. Das Erschaffen dieser wird gemeinhin als Generierung des technischen Fortschritts betitelt. 3 Dieser technische Fortschritt gilt in modernen Volkswirtschaften als wichtiger Faktor für Wirtschaftswachstum und den damit einhergehenden ökonomischen Wohlstand. Am Anfang des technischen Fortschritts stehen die bereits gegebenen Technologien, welche sich als naturwissenschaftliches und technisches Wissen subsumieren lassen. Die Forschungs- und Entwicklungsphase folgt und hat ggf. als Resultat eine Invention. Besitzt diese Invention einen ökonomischen Nutzen - sie lässt sich also auf dem Markt einführen - wird sie zur Innovation. Der Terminus Innovation leitet
1 LEIBENSTEIN (1966), S. 331.
2 Vgl. BRETSCHGER (2004), S. 181 f.
3 Vgl. BOLLMANN (1990), S. 5.
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sich aus dem Lateinischen ab und kann mit Erneuerung oder Schaffung von etwas Neuem übersetzt werden. Durch Imitation - Nachahmung durch andere Marktteilnehmer, die erkennen, dass diese Innovation einen ökonomischen Nutzen stiftet - und Diffusion - die Ausbreitung der Innovation auf dem Markt - wird diese Innovation „gesellschaftsfähig“ und das Portfolio der gegebenen Technologien erheblich erweitert. 4 Unter Berücksichtigung des Effizienzkonzeptes sollte dieser dargestellte, zugegeben stark vereinfachte 5 , Schaffensprozess einer wirtschaftlichen Prüfung unterzogen werden und dieser auch standhalten. Diese Prüfung muss auf der makroökonomischen, der mesoökonomischen, sowie auf der mikroökonomischen Ebene realisiert werden. Während auf der makroökonomischen Ebene der wohlfahrtsökonomische Aspekt neben dem ggf. soziopolitischen überwiegt, und auf der mesoökonomischen Ebene Branchen oder Industriezweige auf ihre Effizienz hin analysiert werden, findet auf der mikroökonomischen Ebene ein Kosten-Leistungskalkül statt. 6
Trennt man sich nun einmal von der neo-klassischen Annahme, dass Unsicherheiten nicht existieren, und somit das Ergebnis der Innovationstätigkeit Risiken unterliegt, muss der effiziente Innovationsprozess auch sukzessive überprüft werden. Ansonsten sind Inneffizienzen bereits innerhalb der FuE-Tätigkeit 7 zu befürchten, und nicht erst in der langfristigen „Pfadabhängigkeit“. 8 Pfadabhängigkeit bedeutet hierbei die Abhängigkeit gegenwärtiger Zustände von vergangenen. 9 Unsicherheiten lassen sich in Bezug auf den Innovationsprozess in technisch-wissenschaftliche und ökonomische Unsicherheiten teilen. 10
4 Vgl. LI (2005), S. 12 ff., HALIN (1995), S. 7 f., BADKE (1990), S.13 ff.
5 Zur Vereinfachung wird an dieser Stelle zunächst auf das sequentielle Innovationsbild verwiesen, vgl. PYKA (1999), S. 83.
6 Soweit man der traditionellen Ökonomie an dieser Stelle folgen mag, vgl. ERDMANN (1993), S. 1 f.
7 Unter FuE-Tätigkeit versteht sich im Allgemeinen: 1. (anwendungsorientierte) Grundla-genforschung, 2. angewandte Forschung, 3. experimentelle Entwicklung, vgl. hierzu MEIER (1994), S. 16 f.
8 Vgl. BRETSCHGER (2004), S. 186 ff.
9 Vgl. PYKA (1999), S. 144.
10 Vgl. FRANZ (1995), S. 51 f.
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Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
Die durch die Globalisierung hervorgerufene Wettbewerbsintensität - und der damit verbundene Innovationsdruck - führen zu verkürzten Produktlebenszyklen. Um das Überleben von Unternehmen zu sichern, benötigen diese moderne Technologien. Nun sind Unternehmen in der Regel nicht in der Lage, ihre FuE-Ausgaben permanent zu steigern, um diese Technologien selbst zu generieren. Es bedarf ergo einer kollektiven Zusammenarbeit der Unternehmen im Innovationsprozess. Eine wirksame Koordination wird oftmals durch Innovationsnetzwerke ins Leben gerufen. 11
Aber ist ein Innovationsprozess hinsichtlich eines Kosten-Nutzenkalküls überhaupt planbar? Gerade in Bezug auf Basisinnovationen 12 sind die Innovationsfolgen in den meisten Fällen nicht abschätzbar. Beispielsweise entwickelte Edison die Glühbirne ursprünglich als Schiffsbeleuchtung, um die Gefahr von Bränden zu minimieren. Die spätere Bedeutung der elektrischen Beleuchtung war damals noch nicht abzusehen. Innovationsziel und Innovationsfolge liegen in diesem Fall offensichtlich weit auseinander. Wichtig ist es deshalb die Zukunftsoffenheit des Innovationsprozesses zu begreifen, der tatsächlich realisierbare Nutzen ist oftmals nicht absehbar. 13
Ein weiteres, nicht nur gesamtwirtschaftliches, Problem der effizienten Forschung und Entwicklung ist die Doppelt- und Mehrfachforschung. Dieser Problematik ist eine erhebliche und ineffiziente Ressourcenverschwendung inhärent. 14
Ebenso ist zu hinterfragen, wer die Innovationen hervorbringt - es ist nicht anzunehmen, dass dies der erfinderische Tüftler in seiner Garage tut. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Innovationen in hochgradig spezialisierten Netzwerken entstehen. Dies wird umso eindeutiger, wenn die Komplexität von Technologien mit in die Überlegungen einbezogen wird. 15 Komplexität beschreibt hierbei das Ausmaß diverser Wissensgebiete,
11 Vgl. HALIN (1995), S. 1.
12 Vgl. MENSCH (1975), S. 54., Mensch nennt als Basisinnovationen z.B. Lokomotiven, Helikopter und Insulin, vgl. hierzu ebenda, S. 135 ff.
13 Vgl. ERDMANN (1993), S. 2 ff.
14 Vgl. PYKA (1999), S. 31.
15 Vgl. FRANZ (1995), S. 63 ff.
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Technologien und Fertigkeiten, die zur Erschaffung einer Innovation notwendig sind. 16 Individuen oder hochgradig spezialisierte Unternehmen sind oftmals aufgrund ihres spezifischen Wissens nicht in der Lage, alle technologischen Komponenten einer Innovation zu generieren. 17 Ebenso ist dieses Wissen nicht immer frei artikulierbar, dieses Phänomen wird allgemein als „Tacit-Knowledge“ bezeichnet. 18 Auch dieser Aspekt legt einen kooperativen Innovationsprozess nahe.
Neuere wirtschaftstheoretische Ansätze, speziell die evolutorische Ökonomik, weisen jedoch Lösungsansätze auf, die mit Hilfe von Netzwerken und Institutionen die oben genannten Probleme beseitigen können. Wissensdiffusion, Innovationsspezialisierung und -kooperation sind hier eingehend zu nennen.
1.2 Ziel und Struktur der Untersuchung
Aus den im vorherigen Kapitel geschilderten Problematiken ergibt sich die Notwendigkeit einer näheren Betrachtung von Innovationsforschung und Netzwerken sowie der Effizienz beider.
Zunächst wird sich folgende Arbeit mit der Darstellung ausgewählter Inno-vationsforschungsansätze beschäftigen, um die Existenz und Notwendigkeit des technischen Fortschritts zu beleuchten. Auf detaillierte mathematische Darstellungen wird hierbei bewusst verzichtet. Ziel ist es, die involvierten Akteure und die Generierung von Innovationen aufzuzeigen. Schnell wird dabei deutlich, dass die neo-klassische Wachstumstheorie keinen oder später nur einen geringen Beitrag (Neue Wachstumstheorie) zur Innovationsforschung leistet. Eine Darstellung ihrer in dieser Arbeit scheint trotzdem sinnvoll, da sie immer noch, beispielsweise an Universitäten, gelehrt wird und ein historischer Abriss über die Innovationsökonomik angebracht scheint.
Auf der Suche nach der Effizienz von Innovationsleistung wird weiterge- 16 Vgl.PYKA (1999), S. 57.
17 Vgl. FRANZ (1995), S. 63 ff.
18 Vgl. PYKA (1999), S. 55 f.
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hend das Netzwerk beleuchtet und es wird dargestellt, warum es der individuellen Innovationsgenerierung überlegen ist. Hierbei werden ökonomische Netzwerke als bereits gegeben deklariert, eine Analyse der Entstehung von Kooperation und Netzwerk würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Das Einbringen der Netzwerke in diese Arbeit ist in der Tatsache begründet, dass Innovationen aufgrund ihrer komplexen technologischen Anforderungen unmöglich von Individuen erschaffen werden können. Die nachstehende Effizienz- und Innovationsanalyse benötigt daher diesen Netzwerkaspekt um komplementär zu wirken. 19
Anschließend folgt eine Begriffsabgrenzung zwischen Effizienz und Effektivität. Dies ist dringend notwendig, da in der Fachliteratur diese Begrifflichkeiten immer noch synonym verwendet werden, und - schlimmer noch
- zu undifferenzierten, subjektiv verwendeten Worthülsen degenerieren. 20 Des Weiteren werden mikro- sowie makroökonomische Effizienzkonzepte erläutert. Eine Teilung der Konzepte scheint hierbei sinnvoll, da zum einen verschiedene Wirtschaftsakteure involviert sind und zum anderen die Konzepte auf verschiedenen wirtschaftlichen Ebenen operieren. In der Literatur finden sich zusätzliche Abgrenzungen, die aber analog zur Mikro-und Makroebene funktionieren. Liegen beispielsweise die effizienzrelevanten Bezugspunkte innerhalb eines Systems, wird von „interner Effizienz“ gesprochen. „Externe Effizienz“ umfasst dagegen systemübergeordnete gesamtgesellschaftliche bzw. gesamtwirtschaftliche Komponenten. 21 In der Fachliteratur existieren zahlreiche Konzepte der Effizienz. An dieser Stelle werden lediglich die bedeutendsten dargestellt. Die Effizienzkonzepte werden dabei sukzessive auf ihre Anwendbarkeit in Bezug auf Innovationsgenerierung und Innovationspolitik geprüft.
Nach dieser theoretischen Betrachtung stehen ausgewählte Effizienzmessungskonzepte und ihre Praxisnähe in Bezug auf Innovations- und Netz-
19 Vgl.SCHRÖDER (2006), S. 78.
20 Vgl. HAMMERSCHMIDT (2006), S. 7.
21 Vgl. WEIß (1982), S. 25.
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Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
werkseffizienzmessung auf dem Prüfstand. Auf detaillierte mathematische Darstellungen wird auch an dieser Stelle verzichtet, das Ziel der Darlegung ist vielmehr die grundsätzliche Überprüfung einer Anwendbarkeit.
Abschließend finden eine kritische Würdigung sowie ein Ausblick statt.
1.3 Innovationsforschungsansätze
1.3.1 (Neo-)klassische Wachstumstheorie
In der klassischen Ökonomie wird Wirtschaftswachstum unmittelbar mit der Kapitalbildung in Verbindung gebracht. Sparen und Investition, sowie Arbeitsteilung sind als Input der Produktionsausweitung und somit als Determinante des wirtschaftlichen Wachstums zu verstehen. Arbeitsspezialisierung und neue Maschinen werden als Einheit betrachtet. Besonders die Arbeitsteilung steht hierbei im Fokus der klassischen Wachstumstheorie. 22 Der klassische Wachstumspfad ergibt sich aus Gewinnchancen und Investitionen, die zu neuen Arbeitsplätzen und somit zur erhöhten Arbeitskräftenachfrage führen. Dadurch steigen die Löhne und die Konsumgüternachfrage. Dies wiederum bedingt eine Zunahme der Bevölkerung und der Arbeitsteilung. 23 Innovationen und technischer Fortschritt wurden in der wirtschaftlichen Theorie Ende des 18. Jahrhunderts vernachlässigt, was erstaunlich scheint, wenn man in diesem Zusammenhang die einhergehende Industrielle Revolution betrachtet. 24
Das neo-klassische Wachstumsmodell geht auf Solow (1956) zurück. In seiner Arbeit formalisierte er ein Grundmodell, in dem er eine gesamtwirtschaftliche substituierbare Produktionsfunktion Y(t) = F(K(t), L(t)) als Basis seiner Überlegungen etablierte. Ein Gut Y wird unter Verwendung der Pro-duktionsfaktoren Kapital (K) und Arbeit (L) innerhalb einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat hergestellt. Weitere Modellprämissen sind vollständiger Wettbewerb und konstante Skalenerträge. Das Modell (ohne technischen Fortschritt) kann letztlich Wachstum nur als Anpassungs-
22 Vgl.WEIGAND (1996), S. 24, SMITH (1786), S. 9 ff.
23 Vgl. ROSE (1966), S. 21 ff.
24 Vgl. WEIGAND (1996), S. 24, SMITH (1786), S. 9 ff.
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Tim Oppermann - Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
wachstum an das langfristige Gleichgewicht erklären. Um Wachstum darüber hinaus zu erklären, wird die Größe technischer Fortschritt in die Gleichung aufgenommen Y(t) = A(t) * F(K(t), L(t)). Der technische Fortschritt (A) wird exogen generiert und ist die Summe aller Wachstumseinflüsse, die außerhalb der Kapital- und Arbeitsmenge existieren. Diese Größe (A) verschiebt die Produktionsfunktion graphisch nach oben, und soll somit Wirtschaftswachstum jenseits des Gleichgewichts erklären. 25 Was genau technischer Fortschritt ist und wie er generiert wird, bleibt offen. Die Wirkung des technischen Fortschritts steht hier im Fokus, nicht aber die Entstehung. 26
Erst Solows Untersuchung des wirtschaftlichen Wachstums (1957) in den USA brachte die Erkenntnis, dass das Wachstum zum Großteil (ca. 87,5 Prozent) nicht auf eine quantitative, sondern auf eine qualitative Produktionsausweitung zurückzuführen war. 27
„... the main result of that 1957 exercise was startling. Gross output per hour of work in the U.S. economy doubled between 1909 and 1949; and some seveneights of that increase could be attributed to ,technical change in the broadest sense’ and only the remaining eight could be attributed to a conventional increase
28 in capital intensity.”
Technischer Fortschritt wurde bis zu diesem Zeitpunkt als exogene Restgröße betrachtet (Residuum), stand somit außerhalb der Wachstumsfunktion und wurde später von Kritikern als „Manna vom Himmel“ bezeichnet. 29
Einen Ansatz zur Endogenisierung des technischen Fortschritts in die Wachstumsfunktion leistete Arrow 1962. Erfahrungen in der Produktion von Investitionsgütern führten dazu, dass entweder eine Maschine mit konstantem Arbeitseinsatz mehr Güter produzierte, oder dass weniger Arbeitseinsatz zur Erzeugung derselben Gütermenge notwendig war. Allerdings räumte Arrow auch ein, dass dieser „learning-by-doing-Effekt“ nicht
25 Vgl. BRETSCHGER (2004), S. 25 ff.
26 Vgl. GRUPP (1997), S. 64 f.
27 Vgl. PYKA (1999), S. 21 f., WEIGAND (1996), S. 27, SOLOW (1957), S. 312 ff.
28 SOLOW (1987), S. XX.
29 Vgl. WEGNER (1991), S. 11.
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den gesamten technischen Fortschritt erklärt. 30 Es gelang ihm jedoch, eine neue Komponente, den positiven „Spillover“, in zukünftigen wissenschaftlichen Überlegungen zu etablieren. Dieser „Spillover“ bezeichnet positive technologische Externalitäten, die ohne direkte Marktabgeltung an Dritte weitergegeben werden. Dadurch werden deren Produktionsmöglichkeiten vergrößert und die Dritten geben ihrerseits weitere positive „Spillovers“ ab. Dieser kumulative Prozess beeinflusst das Wirtschaftswachstum positiv. 31 Somit werden erstmals „Lernkurveneffekte“ und „Wissensabsorption“ in die ökonomische Theorie mit eingebracht. In der neo-klassischen Theorie gelten diese „Spillovers“ jedoch als mikroökonomisches Innovationshemmnis, da sie den Innovationsanreiz mindern. Denn die Innovatoren können durch die unfreiwillige Abgabe ihres Wissens oder ihrer Technologie nicht ihre gesamte Innovationsinvestition privatisieren. 32
Abschließend ist zu erwähnen, dass die neo-klassische Perspektive des technischen Fortschritts und somit auch der Innovationen unzureichend ist und keinen Beitrag zur Beleuchtung des Wirtschaftswachstums jenseits von Kapital und Arbeit leistet. Dies liegt an den modellhaften Prämissen der Theorien. Vollständige Konkurrenz (und somit konstante Skalenerträge), homo oeconomicus und gleichgewichtige Lösungen zwingen das Modell in eine statische, undifferenzierte Betrachtungsweise, die keinen Spielraum für individuelle Akteure lässt. Technischer Fortschritt wird als exogen oder als Nebenprodukt betrachtet. Ohnehin scheint es fragwürdig, einen zweifelsohne dynamischen Prozess wie den des technischen Fortschritts mit Hilfe einer statischen Theorie zu betrachten. 33 Der schwerwiegendste Kritikpunkt ergibt sich aus der Abwesenheit der echten Unsicherheit. Wirtschaftsakteure haben in einer komplexen Entscheidungssituation keinen vollständigen Überblick über ihre Handlungsalternativen und handlungsrelevanten Informationen, und können somit auch zukünftige Zu-
30 Vgl.PYKA (1999), S. 23, ARROW (1962), S.155 ff.
31 Vgl. BRETSCHGER (2004), S. 9/76 ff.
32 Vgl. PYKA (1999), S. 23/238.
33 Vgl. PYKA (1999), S. 24 ff., MAGNUSSON/MARKLUND (1994), S. 303 f., BOLLMANN (1990), S. 33 ff.
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stände nicht mit Eintrittswahrscheinlichkeiten optimieren. 34 Forschung und Entwicklung - die Grundlagen des technischen Fortschritts - beinhalten als Ergebnis eine Unbekannte. Es scheint indiskutabel ein Modell zu benutzen, welches dieser Tatsache nicht Rechnung trägt. Schmooklers Fazit zur neo-klassischen Sichtweise:
35 „Technological change is the terra incognita of modern economics“.
In der 1980er Jahren wurde die neo-klassische Theorie jedoch erweitert („Neue Wachstumstheorie“). Romer und Lucas entwickelten Modelle, welche den technischen Fortschritt endogen betrachten. Ihnen gelang es beispielsweise, technologische Externalitäten, zunehmende Skalenerträge und Humankapitalakkumulation in die Wachstumsfunktion zu integrieren. Damit wird auch die Prämisse der vollkommenen Konkurrenz aufgegeben. Insbesondere Romer differenzierte den neo-klassischen Kapitalbegriff und wies hierbei auf die Komponenten Wissen und Bildung in Form des Humankapitals hin. Letztendlich wurde somit das neo-klassische Dogma aufgebrochen und eine Annäherung an moderne Wachstumstheorien initiiert. Dennoch bleiben die Modelle sehr mathematisch und realitätsfremd. 36
1.3.2 Evolutorische Konzepte
Anders als in der Neo-Klassik liegt der Fokus der evolutorischen Ökonomik auf der endogenen Entstehung des technischen Fortschritts. 37 Jenseits des theoretischen homo oeconomicus beschreibt das Evolutionsmodell den „Normalvorgang“ der menschlichen Entfaltung und Entwicklung. 38
„Why Is Economics Not An Evolutionary Science?“ - das ist der Titel eines Artikels, den Veblen 1898 schrieb. Er stellte diese Frage, um Ökonomen, die nur eine universelle Institution - den homo oeconomicus - präsentieren, zum Umdenken zu bewegen. Er vertrat die Meinung, dass es neben
34 Vgl. UNKELBACH (1996), S. 140 f.
35 SCHMOOKLER (1966), S. 3.
36 Vgl. MAUßNER/KLUMP (1996), S. 25 f.
37 Vgl. RAHMEYER (1991), S. 9.
38 Vgl. MENSCH (1975), S. 50.
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den klassischen Marktmechanismen auch der institutionelle Aufbau der Volkswirtschaft ist, der für die Einkommensverteilung und Ressourcenallokation verantwortlich ist. Veblen verstand Kultur und somit auch Ökonomie als Jahrhunderte langen Prozess der Akkumulation und Veränderung von Denk- sowie Verhaltensgewohnheiten. Mit der Beschreibung dieses Prozesses verband Veblen die Ökonomik mit Darwins biologischer Evoluti-onstheorie. Aktuell dominierende Denk- und Verhaltensgewohnheiten verstand er als Institutionen. 39 Veblen beschrieb hierbei die Dichotomie der Evolution. Einerseits existiert der dynamische Technologiekomplex, andererseits der eher statische, gewohnheitsbedingte Institutionenkomplex. Institutionen basieren auf Erfahrungen der Vergangenheit und benötigen daher Zeit zur Anpassung an den technischen Fortschritt. Dieser Zeitraum der Anpassung behindert eine effiziente Nutzung der neuen Technologie. Durch den technischen Fortschritt werden instrumentelle Institutionen zu zeremoniellen, zumindest für den Zeitraum, in dem sie nicht mehr adäquat zur Problemlösung beitragen. Veblen interpretierte Institutionen somit als Innovationshemmnis, da sie stets der modernsten Situation hinterher hängen und somit eine effiziente Technologienutzung nicht vom ersten Moment an unterstützen. 40 Der technische Fortschritt stimuliert jedoch auch den institutionellen. Zum einen besteht die Notwendigkeit die zeremoniellen Institutionen zu erneuern und an die moderne Umwelt anzupassen, damit sie Probleme effektiv lösen. Zum anderen drängen die Akteure, auch mit politischer Unterstützung, auf neue instrumentelle Institutionen. 41
„The essential point to grasp is that in dealing with capitalism we are dealing with
42 an evolutionary process“
Entgegen der Neo-Klassik sah Schumpeter die Innovation als Motor des Entwicklungsprozesses. Innovationen sind die Durchsetzung neuer Kombinationen und werden hier unterschieden in:
39 Vgl. PALITZSCH (1995), S. 19 ff., RAMSTAD (1994), S. 65 f., VEBLEN (1898), S. 56 ff.
40 Vgl. PALITZSCH (1995), S. 45, JOHNSON (1992), S. 23 f., SONNTAG (1990), S. 165 ff.
41 Vgl. FREEMAN (1992), S. 183.
42 SCHUMPETER (1942), S.82.
10
Quote paper:
Diplom-Ökonom Tim Oppermann, 2009, Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken, Munich, GRIN Publishing GmbH
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DOI
Kennzahlen des Produktions-Controlling
Business economics - Controlling
Scholary Paper (Seminar), 34 Pages
Motive von Unternehmensfusionen - betriebs- und volkswirtschaftliche A...
Termpaper, 25 Pages
Zur Kritik der neoklassischen Theorie - Die Kritik von Leibenstein: X-...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Tim Oppermann's text Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken is now available as a printed book
Tim Oppermann has published the text Effizienz und Innovationsleistung von Netzwerken
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Effektivität und Effizienz durch Netzwerke
Wissenschaftliche Jahrestagung...
Egbert Kahle, Falko E. P. Wilms
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