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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
I. Technik 6
I 2 Unternehmerische Erfinder 6
I 2 1 Guglielmo Marconi 6
I 2 2 Lee De Forest 7
I 2 3 Reginald Aubrey Fessenden 8
I 3 Unternehmen 9
I 3 1 American Telephone and Telegraph Company 9
I 3 3 General Electric Westinghouse 9
I 4 Patentstreitigkeiten und Kriegsausbruch 10
II Wirtschaft 11
II 1 Die Entstehung der Radio Corporation of America 11
II 1 1 RCA Beteiligungen und Ausblick 12
II 1 2 KDKA als Wendepunkt 13
II 1 2 1 David Sarnoff 14
II 2 Finanzierung 15
II 2 1 WEAF und „Toll Broadcasting“ 16
II 2 2 Netzwerke 17
II 3 National Broadcasting Company 18
II 4 Columbia Broadcasting System 20
II 4 1 Bill Paley 20
II 5 Werbung 21
II 6 Zeitungen 22
II 7 „Ausblick“ 23
III. Politik und Gesetz 25
III 1 Erste Handlung: 1912 25
III 1 2 Radio Conferences 26
III 2 Radio Act 1927 28
III 2 1 Die Federal Radio Comission 29
III 2 2 Kritik an FRC 30
III 3 Vertreter einer anderen Rundfunkordnung 31
III 3 1 Kritik und Vorschläge 32
III 3 2 „Partnersuche“ der Reformer 33
III 3 3 Commercial Radio Advertising eine Studie 33
III 4 Die Roosevelt Administration 34
III 4 1 Der Radio Act von 1934 35
III 4 2 Die Arbeit Federal Communications Commission 36
Fazit 37
Literaturliste 39
In den ersten vier Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte sich in den USA das Radio von einem maritimen Kommunikationsmittel zu einem Massenmedium. Die Evolution des Mediums war in den ersten Jahren keineswegs absehbar und die Schaffung der technischen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen dauerte bis weit in die dreißiger Jahre. Diese sind bis heute gültig und bestimmen weiterhin das amerikanische Rundfunksystem.
Die USA haben ein kommerzielles, privat organisiertes und staatlich beaufsichtigtes Rundfunksystem. Was heute als medienpolitische Konsequenz des amerikanischen Wirtschaftssystem angesehen wird, ist das Ergebnis der wirtschaftlichen und politischen Umstände, ohne eine öffentliche Diskussion um Alternativen. Ab den späten zwanziger Jahren dominierten kommerziell orientierte Radio-Netzwerke das Spektrum und verdrängten kleinere Stationen. Die staatlichen Institutionen spielten eine untergeordnete Rolle und überließen das Radio den Interessen der freien Wirtschaft.
Die 1927 und 1934 vom Kongress erlassenen Radio Acts untermauerten den kommerziellen Ansatz. Die Gesetze stellten eine Absage gegenüber Vertretern einer anderen Rundfunk-ordnung dar. Sie forderten ein staatlich gefördertes, stärkeres Engagement von öffentlichen und bildenden Institutionen an dem neuen Medium. Radio stellte in den Augen der Reformer ein Medium mit starkem bildungspolitischen und Demokratie fördernden Potenzial dar. Die anfängliche Untätigkeit der Regierung und später der mangelnde Wille zur Reform verhinderten die Chancen auf ein Rundfunksystem, das nicht ausschließlich von den Kräften des Marktes geregelt wird.
Um den Weg des Radios nachzuvollziehen, werden in Teil I der Hausarbeit die technischen Voraussetzungen, die bedeutendesten Erfinder mit ihren Errungenschaften und die Interessenten aus der Wirtschaft vorgestellt. Radio ist zu diesem Zeitpunkt noch ein drahtloses Medium, dessen Nutzungsmöglichkeit primär in der maritimen Kommunikation liegt. Die Beteiligten sind sich der Chancen des Mediums bewusst, aber nur Wenige erkennen wirtschaftlich erfolgversprechende Alternativen zur Schifffahrt, der Armee und einem Kreis von interessierten Amateuren. Zudem behindern Patentstreitigkeiten technische Innovationen und die Produktion. Der erste Weltkrieg veranlasst die Regierung der USA, in die
1 Sobel, Robert: RCA, New York 1986 (zitiert als Sobel 1986), S. 35
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Radioindustrie einzugreifen: Die Aufschiebung der Patentverletzungsverfahren entfesselt einen bedeutenden Entwicklungsschub.
Nach dem ersten Weltkrieg stellt sich die Frage nach der weiteren Nutzung des Radios. Teil II der Arbeit beschreibt die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Aufstieg des Radios und identifiziert die bedeutendsten Ereignisse und Figuren, die zu der kommerziellen Nutzung des Rundfunks führen. Der Schwerpunkt liegt auf der Entstehung der Netzwerke National Broadcasting Company (NBC) und Columbia Broadcasting System (CBS), die das Radio dominieren. Die Begeisterung Aller für das Medium endet 1926 mit einem „Chaos im Äther“: zu viele Stationen senden Signale, die sich gegenseitig stören.
Die Verwirrung und die darauf resultierende Unbenutzbarkeit des Mediums veranlassen die Regierung 1927 zur Verabschiedung des Radio Act. Die Konsequenzen und Inhalte des Gesetzes werden in Teil III behandelt. Das Gesetz stellt die erste Maßnahme der Regierung zur Regulierung des Radios dar, ist aber lediglich eine temporäre Lösung. Die Konsolidierung der kommerziellen Struktur entfacht starke Aktivität auf Seiten der Befürworter einer anderen Rundfunkordnung. Sie erhoffen, mit der neuen Administration unter Präsident Franklin Delano Roosevelt eine Neuregelung zu erreichen. Die Anregungen der Reformer werden zwar angehört, aber nicht im Communications Act von 1934 aufgenommen. Die bis heute gültige Grundlage des Rundfunksystems der USA konsolidierte den Status quo von 1927, ohne dass jemals eine breit angelegte, öffentliche Diskussion stattgefunden hätte.
Die Technik des Radios ist das Ergebnis einer Reihe von Forschungen und Entdeckungen, die sich mit drahtloser Übertragungstechnik beschäftigten. Die technischen Fortschritte fanden nicht ausschließlich auf akademischer Ebene statt, sondern sind oft Quereinsteigern zuzuschreiben. Die meisten Erfinder zeichneten sich neben ihren technischen Errungenschaften durch Unternehmergeist aus. Sie waren sich der Bedeutung der Öffentlichkeit durchaus bewusst.
Die Technik des Radios ist eine Konstellation von Einzelteilen und Folgeerfindungen, deren Entdecker wichtige Figuren der Frühgeschichte des Radios sind. Sie hielten Patente, ohne die der Zusammenbau funktionierender Geräte unmöglich war und zogen somit das Interesse der Industrie auf sich. Die Patent-Besitzverhältnisse waren Grund zahlreicher Gerichtsverfahren, die wiederum die weitere Forschung blockierten. Der Bedarf an drahtloser Kommunikation im ersten Weltkrieg bewirkte eine Aufschiebung der Verfahren und eine Harmonisierung der Technik. Die Bildung einer Patentallianz ermöglichte nach dem Krieg die ökonomische Nutzung der Schutzrechte durch die daran Beteiligten.
James Clerk-Maxwell veröffentlicht 1865 einen Aufsatz, in dem er die Theorie Michael Faradays über die Ausbreitung elektromagnetischer Strahlung mathematisch beweist. Wie Wärme oder Licht breitet sich elektromagnetische Strahlung im Raum aus. Sie ist also nicht von leitenden Materialien wie z.B. Kabel oder Wasser abhängig. Ohne Kontakt zur Quelle kann diese Strahlung an einem anderen Punkt erfasst werden: die dort registrierten Ströme werden als elektrische Induktion bezeichnet. Heinrich Hertz weist diesen Zusammenhang 1888 praktisch nach. Die Hertzsche Entdeckung findet in der Fachwelt große Beachtung, wobei die Diskussion primär physikalische Aspekte analysiert, nicht aber die Möglichkeit der Signalübertragung in Betracht zieht 2 .
Guglielmo Marconi ist der erste, der in den Experimenten von Hertz ein Kommunikationsmittel sieht. Der 1874 in Bologna geborene Physiker verfeinert die von Hertz benutzte
2 Siehe dazu: Baker, W.J.: A History of the Marconi Company, London 4 1996, (zitiert als Baker 1996)Erstausgabe
1970, S. 17 ff.
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Technik und vergrößert mit einer Antenne die Reichweite der Signale. Als Ausgangspunkt seiner Tätigkeiten wählt Marconi England und konzentriert sich auf maritime Kommunikation. Marconi beantragt im März 1897 das erste Patent der Welt auf drahtlose Telegrafie und gründet im gleichen Jahr ein Unternehmen, das 1899 als Marconi Wireless Telegraph Company of America (American Marconi) in die USA expandiert.
Die Firma stellt den Kunden Technik sowie Personal zur Verfügung, unter der Bedingung, dass keine Kommunikation mit Geräten anderer Hersteller statt findet. Bei der US-Marine führen Marconis Geschäftspraktiken zu dem Vorwurf, ein Weltmonopol für drahtlose Kommunikation unter britischer Flagge errichten zu wollen 3 . Ein Vorwurf, der sich 1919 wiederholen und schließlich zur Gründung der Radio Corporation of America (RCA) führen wird. American Marconi nimmt in den ersten zwei Jahrzehnten die führende Position im Bereich der drahtlosen Kommunikation auf dem amerikanischen Markt ein 4
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Eine weitere Schlüsselfigur der Anfänge des Radios ist Lee De Forest. Der Elektroingenieur beschäftigte sich nach seinem Studienabschluss mit der drahtlosen Telegrafie. Die Zukunft des Radios sah De Forest aber im „Telefon-Radio“, also der drahtlosen Stimmübertragung. Das von ihm entdeckte „Audion“ stellt eine bedeutende Weiterentwicklung der Technik Marconis dar: Die 1907 patentierte Vakuumröhre ermöglicht die Ausstrahlung, Modulation, Verstärkung und den Empfang elektromagnetischer Signale und somit die Stimmübertragung. Trotz der bedeutenden Patente bleibt der wirtschaftliche Erfolg der De Forest Radio Telephone Company aus. Um dem drohenden Bankrott zu entgehen, offeriert De Forest seine Patentechte am „Audion“ an die American Telephone and Telegraph Company (AT&T). Die Telefonfirma ist an der Technik als Verstärker der Signale auf Telefonlangstreckenkabeln zwar interessiert, lehnt aber zunächst ab. De Forest verkauft seine Rechte schließlich 1913 unter Preis an den Anwalt Sidney Meyers, der von AT&T als verdeckter Agent beauftragt wurde 5 . 1914 kauft die Telefonfirma weitere Patente von De Forest, die den Einstieg in das Telefonradio ermöglichen. De Forest behält sich lediglich die Rechte für Herstellung und Vertrieb seiner Erfindungen für Amateure vor 6 .
Sowohl De Forest als auch Marconi wussten um die Bedeutung der Öffentlichkeit. Beide übertragen 1901 bei einem Jachtrennen in Sandy Hook von Bord der Schiffe den Verlauf des Rennens. Obwohl die Signale der Systeme sich dabei gegenseitig so sehr stören, dass
3 Siehe dazu: Barnouw, Eric: A Tower in Babel – A History of Broadcasting in the United States, Vol I,
New York 1966 (zitiert als Barnouw 1966), S. 17 f.
4 Siehe dazu: Sobel 1986, S. 22
5 Siehe dazu: Barnouw 1966, S. 45
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keines deutlich vernehmbar ist, wird das Ereignis in der Presse gefeiert 7 : „De Forest’s system was a technical failure but a publicity bonanza.“ 8 Von De Forest organisierte Musikübertragungen vom Eiffelturm in Paris (1908) oder aus der Metropolitan Oper in New York (1910) sind weitere öffentlichkeitswirksame Demonstrationen der neuen Technik. De Forest zieht sich nach dem Bankrott seiner Firma zurück, geht aber ab 1915 wieder mit Musikbeiträgen in New York „auf Sendung“ und strahlt 1916 Berichte der Präsidentenwahlen zwischen Charles Evans Hughes und Woodrow Wilson aus 9 . Die Öffentlichkeit der Experimente stellt eine Verbindung zwischen Erfindern und den Hobbyfunkern her. Immer mehr Amateure experimentieren mit der drahtlosen Technik. Aus verschiedensten Haushaltsutensilien basteln die Hobbyfunker Empfangs- und Sendegeräte. Viele der Tüftler der Anfangsjahre stellen später das Personal der aufkommenden Radioindustrie oder eröffnen Geschäfte, in denen sie Geräte verkaufen und reparieren.
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Auch andere unternehmerisch engagierte Erfinder demonstrieren ihre Errungenschaften der Presse und Interessierten. Reginald Aubrey Fessenden, Professor für Elektrotechnik in Pittsburgh strahlt 1906 die erste öffentliche 10 Radiosendung aus, bei der er selbst Geige spielt und Gedichte vorträgt. Fessenden nutzte dazu den von ihm bei General Electric in Auftrag gegebenen „Alternator“. Statt einzelner Funken (= Signale) erzeugt die Maschine eine kontinuierliche Welle, deren Signal verändert werden kann. Der verantwortliche Ingenieur bei General Electric – E.F.W. Anderson verbessert die Technik des „Alternators“ und gibt dem Generator den Namen Anderson-Alternator. Die riesige Maschine ist ein Meilenstein in der Langstreckenkommunikation 11 .
2 1972, 6 Siehe dazu: Head, Sidney W.: Broadcasting in America – A Survey of Television and Radio, Boston Erstdruck: 1956, (zitiert als Head 1972), S. 126 7 Siehe dazu: Barnouw 1966, S. 22 f.
8 Sterling, Christopher / Kittross, John M.: Stay Tuned – a Concise History of American Broadcasting, Belmont 1978, (zitiert als Sterling / Kittross) 1978, S. 29 9 Siehe dazu: Sivowitch, Elliot N.: A Technological Survey of Broadcastings Prehistory 1876-1920 in: Bluem, A. William (Hrsg.): Lichty, Lawrence W. / Topping, Malachi C. (Autoren): American Broadcasting. A Source Book on the History of Radio and TV. Study in Public Communication Series, New York 1975 (zitiert als Bluem 1975), S. 25 Originalartikel in: Journal of Broadcasting, Vol. XV, No.1, winter 1970-1971, S. 1-20, S. 17-31 10 Die der Hausarbeit zugrunde liegende Definition von Rundfunk bezieht sich auf den Radio Communications Act von 1934: „Broadcasting means the dissemination of radio communications intended to be received by the public, directly or by the intermediary of relay stations“. Communications Act, Public Law No. 416, 19. Juni 1934, Section 3.o., in: Barnouw, Eric: The Golden Web – A History of Broadcasting in the United States, Vol. II, 1933 – 1953, New York 1968 (zitiert als Barnouw 1968), S. 313 11 Siehe dazu: Sterling / Kittross 1978, S. 30
Arbeit zitieren:
Bettina Reuhl, 2001, Die Anfänge des US-Rundfunks, München, GRIN Verlag GmbH
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