Diese Arbeit untersucht Robert Nozicks Wissenskonzept im Hinblick auf die Frage, inwiefern es geeignet ist, die skeptische Behauptung, Wissen um die Außenwelt und die eigene epistemische Situation betreffende Propositionen sei unmöglich, zu entkräften. Die Darstellung schließt mit einer klaren Stellungnahme: Nozicks Ansatz kann nicht als überzeugende Entgegnung auf den Skeptizismus gelten; sein Ausgangspunkt, seine Argumentation sowie sein Ergebnis sind mit zu vielen Problemen behaftet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Skeptizismus
2. Die Antwort des Externalismus
3. Robert Nozicks Wissensdefinition
4. Nozicks Entgegnung auf die Herausforderung des Skeptizismus
5. Kritikpunkte
Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht Robert Nozicks Wissenskonzept und analysiert, inwieweit es geeignet ist, die skeptische Behauptung der Unmöglichkeit von Wissen über die Außenwelt zu widerlegen. Im Zentrum steht dabei die kritische Prüfung von Nozicks externalistischem Ansatz und seiner kontrafaktischen Wissensbedingungen.
- Charakterisierung skeptischer Argumente und ihrer Spielarten
- Darstellung des Externalismus als antiskeptische Strategie
- Analyse von Nozicks kontrafaktischer Wissensdefinition und dem Konzept des "Truth Tracking"
- Diskussion des Geschlossenheitsprinzips und dessen Ablehnung durch Nozick
- Kritische Auseinandersetzung mit der Schwäche von Nozicks Wissensbegriff
Auszug aus dem Buch
3. Robert Nozicks Wissensdefinition
Nozick vertritt mit seiner Definition des Wissensbegriffs eine stark externalistische und reliabilistische Position. Er streicht die dritte der drei „klassischen“ Bedingungen für Wissen, die der Rechtfertigung, ersetzt sie durch zwei kontrafaktische Bedingungen und gelangt damit zu folgender Definition: S weiß, dass p, wenn gilt:
(1) p is true.
(2) S believes, via method or way of combining to believe M, that p.
(3) If p weren´t true and S were to use M to arrive at a belief whether (or not) p, than S wouldn´t believe, via M, that p.
(4) If p were true and S were to use M to arrive at a belief whether (or not) p, than S would believe, via M, that p.
Eine wahre Meinung, dass p, wird zu Wissen, dass p, wenn S nicht glauben würde, dass p, in Fällen, in denen p falsch wäre und zudem auch in kontrafaktischen Szenarien, in denen p wahr wäre, glauben würde, dass p. Um einer Person S Wissen zuschreiben zu können, genügt es also nicht, ihre tatsächliche, gegenwärtige Situation zu beurteilen, vielmehr muss S Bedingungen erfüllen, die sich auch auf irreale, nicht bestehende Szenarien erstrecken. Es muss sichergestellt sein, dass S auch in kontrafaktischen Situationen noch glauben würde, dass p, falls p wahr wäre und nicht mehr glauben würde, dass p, falls p falsch wäre. Einer Überzeugung muss nicht nur eine Tatsache entsprechen, vielmehr muss die Überzeugung auch mit den Tatsachen variieren: wäre p keine Tatsache, hätte S nicht die Überzeugung, dass p. Ist p eine Tatsache, glaubt S, dass p. Eine Überzeugung, die derart mit einer Tatsache variiert, bezeichnet Nozick als „truth tracking“ („Wahrheit aufspürend“). Nozicks Versuch, der skeptischen Argumentation ihre Plausibilität zu nehmen, baut auf den Eigenheiten seines Wissensbegriffs, also der Berücksichtigung kontrafaktischer, Ü als Wahrheit aufspürend erweisende und damit die Verlässlichkeit von Ü begründende Situation, auf, und unterscheidet sich folglich auch von anderen externalistischen antiskeptischen Strategien.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Zielsetzung dar, Nozicks Wissenskonzept hinsichtlich seiner Eignung zur Entkräftung skeptischer Thesen zu untersuchen.
1. Der Skeptizismus: Dieses Kapitel charakterisiert die wesentlichen skeptischen Argumente, insbesondere das Diskriminationsprinzip und das Geschlossenheitsprinzip.
2. Die Antwort des Externalismus: Das Kapitel erläutert den Externalismus als Wissensansatz, bei dem das Subjekt nicht zwingend Kenntnis über die erfüllten Wissensbedingungen haben muss.
3. Robert Nozicks Wissensdefinition: Hier wird Nozicks „Truth-Tracking“-Ansatz präsentiert, der die traditionelle Rechtfertigung durch kontrafaktische Bedingungen ersetzt.
4. Nozicks Entgegnung auf die Herausforderung des Skeptizismus: Das Kapitel analysiert, wie Nozick durch die Ablehnung des Geschlossenheitsprinzips Wissen über die Außenwelt trotz skeptischer Szenarien zu verteidigen versucht.
5. Kritikpunkte: Hier werden die Schwachstellen von Nozicks Ansatz kritisch beleuchtet, insbesondere hinsichtlich der Stärke seiner Wissensbedingungen und der Probleme seines Begriffs der „Methode“.
Schlussbemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass Nozicks Versuch der Skeptizismuskritik aufgrund seiner problematischen Argumentationsweise und der Preisgabe grundlegender epistemischer Prinzipien als gescheitert anzusehen ist.
Schlüsselwörter
Robert Nozick, Erkenntnistheorie, Skeptizismus, Externalismus, Wissensdefinition, Truth Tracking, kontrafaktische Bedingungen, Geschlossenheitsprinzip, Epistemologie, Wahrheit, Rechtfertigung, Außenwelt, Wahrnehmung, Skeptische Szenarien, Wahrheitsvariation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Wissenskonzept von Robert Nozick und analysiert, ob dieses erfolgreich dazu beitragen kann, den Skeptizismus zu entkräften, der die Möglichkeit von Wissen über die Außenwelt infrage stellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die erkenntnistheoretische Position des Externalismus, Nozicks spezifische Definition von Wissen durch "Truth Tracking" sowie die Auseinandersetzung mit dem sogenannten Geschlossenheitsprinzip.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluierung von Nozicks Strategie gegen den Skeptizismus, wobei aufgezeigt werden soll, dass seine Argumentation mit schwerwiegenden theoretischen Problemen behaftet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Untersuchung der erkenntnistheoretischen Literatur, die auf einer kritischen Prüfung von Argumenten und der Gegenüberstellung philosophischer Positionen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Skeptizismus und externalistischer Gegenpositionen, die detaillierte Definition des Wissensbegriffs nach Nozick, seine spezifische Entgegnung auf den Skeptizismus sowie eine umfassende kritische Würdigung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Truth Tracking", "kontrafaktische Wissensbedingungen", "Geschlossenheitsprinzip", "skeptische Szenarien" und "externalistische Rechtfertigung".
Warum hält der Autor Nozicks Wissensbegriff für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass Nozicks Wissensbedingungen einerseits zu schwach sind, um eine solide Rechtfertigung zu liefern, und andererseits zu stark, da sie intuitiv plausible Fälle von Wissen ausschließen.
Wie geht Nozick mit dem Geschlossenheitsprinzip um?
Nozick lehnt das Geschlossenheitsprinzip, das besagt, dass Wissen unter bekannter logischer Implikation geschlossen ist, als falsch ab, um sein Modell zu retten – ein Schritt, den der Autor als inakzeptabel und kontraintuitiv bewertet.
- Arbeit zitieren
- Bantam Brommont (Autor:in), 2006, Robert Nozicks Skeptizismuskritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137495