INHALT
Widmung / 5
Dank / 17
Vorwort
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Der Vorfahre
des Höhlenbären
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Wie der Höhlenbär
zu seinem Namen kam
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Johann Christian
Rosenmüller
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Der Autor / Seite 243 Literatur / Seite 245 Bildquellen / Seite 258 Fundstätten-und Ortsregister / Seite 265 Artenregister / Seite 273 Personenregister / Seite 275 Sachregister / Seite 280
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DANK
Dr. Cornelia Bockrath, Museum für Naturkunde, Dortmund Dr. Robert Darga, Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf Dr. Cajus Diedrich, Paläontologe, Palaeologic, Halle/Westfalen Thomas Engel,
geologischer Präparator, Naturhistorisches Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz Fritz Geller-Grimm, Kurator, Museum Wiesbaden Univ.-Doz. Dr. Paul Gleischner Leiter der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte, Landesmuseum Kärnten, Klagenfurt am Wörthersee Dr. Günter Graf Kammerhofmuseum Bad Aussee Dr. Bernd Herkner, Museumsleiter
Senckenberg, Forschungsinstitut und Naturmuseum, Frankfurt am Main Dr. Brigitte Hilpert,
Geozentrum Nordbayern, Fachgruppe PalaeoUmwelt, Erlangen
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Dr. Thomas Keller, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege, Wiesbaden Dick Mol
Experte für fossile Säugetiere des Eiszeitalters (vor allem Mammut), Hoofddorp (Niederlande) Péter Papp,
Geologe, Magyar Allami Földtani Intézet / Geological Institute of Hungary, Budapest Doris Probst, Mainz-Kostheim Stefan Probst, Mainz-Kostheim o.Univ.-Prof. Mag. Dr. Gernot Rabeder, Institut für Paläontologie, Universität Wien Thomas Rathgeber,
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Andreas E. Richter, Richter-Fossilien, Augsburg Dr. Wilfried Rosendahl, Kurator, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim Dirk Schäfers, Heimatverein Letmathe e.V., Iserlohn Ulrich Schneppat, Präparator, Bündner Naturmuseum, Chur
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Dr. Marko Spieler, Leiter der Museumspädagogik, Museum für Naturkunde
Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin Dorothee Suray, Diplom-Biologin, Lippisches Landesmuseum Detmold Lektor Mag. Dr. Gerhard Withalm, Institut für Paläontologie Universität Wien
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Zeichnung eines Höhlenbären von Toni Nigg (1908-2000), Zeichner, Maler, Kupferstecher und Sohn des Entdeckers der Höhle Drachenloch bei Vättis, Theophil Nigg (1880-1957)
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VORWORT
Der Höhlenbär:
ein pflanzenfressendes Raubtier
Ohne Schwanz bis zu 3,50 Meter lang, maximal 1,75 Meter hoch und bis zu 1200 Kilogramm schwer - das war der Höhlenbär (Ursus spelaeus) aus dem Eiszeitalter. Obwohl dieser ausgestorbene Bär bereits 1794 erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde, gibt er mehr als 200 Jahre später immer noch viele Rätsel auf. Wann ist der Höhlenbär entstanden, war er ein Einzelgänger, hat er einen Winterschlaf oder eine Winterruhe gehalten, gab es eine Höhlenbärenjäger-Kultur und einen Höhlenbärenkult, wann und warum ist er ausgestorben? Antwort auf diese und andere Fragen gibt das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Der Höhlenbär gilt als das größte Tier, das die Gebirge im Eiszeitalter jemals bewohnt hat. Erstaunlicherweise war er ein pflanzenfressendes Raubtier, das während der kalten Jahreszeit wehrlos in einer Höhle lag. Dennoch mussten Steinzeitmenschen um ihr Leben fürchten, wenn sie ihm zur unrechten Zeit begegneten.
Die Idee für das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ reifte bei den Recherchen für das Taschenbuch „Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter“. Dieses 2009 erschienene Werk erwähnt neben Fundorten von Raubkatzen teilweise auch solche von Höhlenbären.
Das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ ist Professor Dr. Gernot Rabeder aus Wien, Dr. Brigitte Hilpert aus Erlangen und Dr. Wilfried Rosendahl aus Mannheim gewidmet. Alle drei sind Höhlenbärenexperten und haben den Autor bei verschiedenen Buchprojekten mit Rat und Tat unterstützt.
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Wilhelm von Reichenau (1847-1925) beschrieb 1904 den Mosbacher Bären (Ursus deningeri), der auch Deninger-Bär genannt wird, nach schätzungsweise 600.000 Jahre alten Funden aus den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden.
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Dorf Mosbach bei Wiesbaden auf einem Bild von 1815 (Bild oben). Wasserturm und Sandgrube auf der Adolfshöhe in Biebrich um 1900 (Foto unten). In der Sandgrube wurde 1906/1907 der Bahnhof Landesdenkmal gebaut. Er lag an der neuen Strecke vom Wiesbadener Hauptbahnhof nach Limburg.
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Aufschluss Mosbach-Sande 2008 (Foto oben). Oberschädel eines Mosbacher Bären (Ursus deningeri) aus den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden (Foto unten). Original im Naturhistorischen Museum Mainz
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Oberschädel eines Mosbacher Bären (Ursus deningeri) aus den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden. Original im Naturhistorischen Museum Mainz
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Der Vorfahre des Höhlenbären
Nach gegenwärtigem Wissensstand entwickelte sich der Höhlenbär (Ursus spelaeus) im Eiszeitalter vielleicht bereits vor etwa 400.000 oder erst vor etwa 125.000 Jahren aus dem Mosbacher Bären (Ursus deningeri), der auch Deninger-Bär genannt wird. Dieser Bär wurde 1904 von dem Mainzer Paläontologen Wilhelm von Reichenau (1847-1925) nach schätzungsweise 600.000 Jahre alten Funden aus den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden erstmals wissenschaftlich beschrieben. Mit dem Artnamen deningeri erinnerte er an den in Mainz geborenen Geologen Karl Julius Deninger (1878-1917).
Wilhelm von Reichenau stammte aus Dillenburg, war Offizier, gab diesen Beruf aber wegen einer Kriegsverletzung auf. 1879 wurde er Präparator der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft in Mainz, 1888 Konservator an deren naturkundlichem Museum, 1907 Ehrendoktor der Philosophie der Universität Gießen. Ab 1910 fungierte er als Direktor des neuen Naturhistorischen Museums Mainz und war ab jenem Jahr auch Professor.
Die Mosbach-Sande sind nach dem Dorf Mosbach zwischen Wiesbaden und Biebrich benannt, wo man schon 1845 in etwa zehn Meter Tiefe erste eiszeitalterliche Großsäugerreste entdeckte. Dabei handelt es sich um Flussablagerungen des eiszeitalterlichen Mains, der damals weiter nördlich als heute in den Rhein mündete, des Rheins und von Taunusbächen. 1882 schlossen sich die Dörfer Mosbach und Biebrich zur Stadt Mosbach-Biebrich zusammen. In der Folgezeit wuchs die Bedeutung von Biebrich durch Schloss, Rheinverkehr, Industrie und Kaserne so stark, dass man 1892 den Begriff Mosbach aus dem Stadtnamen strich. Am 1. Oktober 1926 wurde Biebrich in Wiesbaden eingemeindet. Beim Abbau der Mosbach-Sande kommen immer wieder Überreste von Wirbeltieren zum Vorschein, die wohl zum
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Paläontologe Thomas Keller neben einem in Fundlage eingegipsten Fossil in den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden
Lebensbild des riesigen Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis) von Fritz Wendler (1941-1995) aus Obergotzing bei Weyarn
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größten Teil aus dem nach einem englischen Fundort bezeichneten Cromer-Komplex (etwa 800.000 bis 480.000 Jahre) stammen. Das Klima im Cromer war nicht einheitlich. Einerseits gab es milde, andererseits aber auch kühle Abschnitte. Aus den Mosbach-Sanden hat Wilhelm von Reichenau 1906 auch den Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis) erstmals beschrieben. Diese Raubkatze aus der Zeit des Mosbacher Bären erreichte eine Kopfrumpflänge bis zu 2,40 Metern. Zusammen mit dem maximal 1,20 Meter langen Schwanz hatte dieser Löwe eine Gesamtlänge bis zu 3,60 Metern, womit er die Durchschnittsgröße heutiger Löwen aus Afrika um rund einen halben Meter übertraf. Nachzulesen ist dies in dem Taschenbuch „Höhlenlöwen“ (2009) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst.
Das Naturhistorische Museum Mainz besitzt mit mehr als 25.000 Funden aus den Mosbach-Sanden die größte Sammlung von Tieren aus dem Eiszeitalter des Rhein-Main-Gebietes. Die rund 2000 Funde umfassende Sammlung von Fossilien aus den Mosbach-Sanden im Museum Wiesbaden ist merklich kleiner, kann sich aber dafür des älteren Bestandes rühmen. Im Fundgut der Archäologischen Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden aus den Mosbach-Sanden sind Mosbacher Bärennach Beobachtungen des Paläontologen Thomas Keller - die am häufigsten vertretenen Raubtiere. Keller unternimmt seit 1991 Forschungen in den Mosbach-Sanden. Unter den im Naturhistorischen Museum Mainz aufbewahrten Fossilien aus den Mosbach-Sanden überwiegen bei den Raubtieren dagegen die Wölfe.
Zu den ersten Funden aus den Mosbach-Sanden gehören Knochen und Zähne eiszeitalterlicher Tiere, die von Sandgrubenbesitzern und deren Arbeitern entdeckt wurden. Etliche dieser Funde gelangten ab Mitte des 19. Jahrhunderts in das Museum Wiesbaden. Als Erster begann August Römer (1825-1899), von 1886 bis 1899 Präparator und Konservator im Museum Wiesbaden, mit dem systematischen Sammeln von Fossilien aus den
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Mosbacher Löwe (Panthera leo spelaea), Waldbison (Bison schoetensacki), Mosbachpferd (Equs mosbachensis) und Geier (Gyps) im Eiszeitalter vor etwa 600.000 Jahren auf einem Gemälde von Fritz Wendler
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Frühmenschen (Homo erectus), Waldnashorn (Dicerorhinus kirchbergensis), Gepard (Acinonyx pardinensis) und Affen (Macaca) im Eiszeitalter vor etwa 600.000 Jahren auf einem Gemälde von Fritz Wendler
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Eckzahn eines Mosbacher Bären (Ursus deningeri), aus einer Spaltenfüllung von Sausenheim bei Grünstadt (Pfalz). Original in der Sammlung Ulrich H. J. Heidtke, Niederkirchen (Pfalz)
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Mosbach-Sanden. Die von ihm aufgebaute Mosbach-Sammlung wurde vom Museum Wiesbaden angekauft. Die geologisch ältesten Mosbacher Bären kennt man aus Höhlen von Deutsch-Altenburg in Niederösterreich. Dank der Reste anderer Säugetiere aus denselben Fundschichten konnte ihr Alter auf etwa 1,3 Millionen Jahre datiert werden. In Deutsch-Altenburg kamen der große Mosbacher Bär und der kleine Etruskische Bär bzw. Etruskerbär (Ursus etruscus) gleichzeitig vor. Der Mosbacher Bär ähnelte äußerlich dem Höhlenbären, war aber im Durchschnitt etwas kleiner als dieser. Er erreichte eine Schulterhöhe von etwa 1,50 Meter und ein Gewicht bis zu 450 Kilogramm. Männliche Mosbacher Bären waren merklich größer und schwerer als weibliche Artgenossen. Solche Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern (Sexualdimorphismus) gibt es bei allen Großbären.
Die Stirnwölbung des Mosbacher Bären war noch nicht so ausgeprägt wie beim Höhlenbären. Im Laufe seiner Evolution nahm der Mosbacher Bär an Größe zu und seine vorderen Vorbackenzähne verschwanden allmählich. Seine Backenzähne besaßen nicht wie beim Höhlenbären typische zusätzliche Höcker, Kanten und Pfeiler. Die Extremitätenknochen sind schlanker als beim Höhlenbären und gleichen denen des Braunbären. Der Mosbacher Bär war häuptsächlich Vegetarier. Ein 1978 in den Mosbach-Sanden von Wiesbaden gefundener rund 35 Zentimeter langer Unterarmknochen eines Mosbacher Bären erzählt eine Krankheitsgeschichte. An diesem Fossil fallen seitlich zwei unregelmäßig elliptisch geformte Vertiefungen mit leichten randlichen Verdickungen am Knochenschaft auf. Offenbar sind diese Vertiefungen durch Knochenabszesse (Osteomylitis) entstanden. Sie gelten als Indizien für Entzündungen an Knochen und Knochenmark, die entweder durch Erreger über die Blutbahn oder durch Verwundungen verursacht wurden. Diese krankhaften Veränderungen hatten keine Auswirkungen auf das Größenwachstum dieses Tieres. Da alle Knochenfugen geschlossen und verwachsen sind, ist dieser Bär
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Lebensbild des Mosbacher Bären bzw. Deninger-Bären (Ursus deningeri)
des Paläontologen Wilfried Rosenthal aus Mannheim
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im Erwachsenenalter gestorben. Wann und wo sich dieser Mosbacher Bär die Entzündungen zugezogen hat und ob sie seinen Tod herbeiführten, ist unbekannt. Wenn der Mosbacher Bär tatsächlich erst vor etwa 125.000 Jahren ausgestorben sein sollte, was der Wiener Paläontologe Gernot Rabeder meint, hat er mehr als eine Million Jahre und somit viel länger als der Höhlenbär existiert. Das Verbreitungsgebiet des Mosbacher Bären reichte von den Britischen Inseln bis nach Ostasien und war somit viel größer als das des Höhlenbären. Es ist ein Rätsel, weshalb sich aus dem Mosbacher Bären nur in Europa der Höhlenbär entwickelt hat.
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Johann Christian Rosenmüller (1771-1820),
der von 1792 bis 1794
an der Universität Erlangen Medizin studierte, beschrieb 1794
anhand eines vollständig erhaltenen Schädelfundes aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf in der Fränkischen Alb erstmals den Höhlenbären (Ursus spelaeus).
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Wie der Höhlenbär
zu seinem Namen kam
Die erste wissenschaftliche Beschreibung des Höhlenbären (Ursus spelaeus) erfolgte 1794 durch den Studenten Johann Christian
Rosenmüller (1771-1820). Er war im Frühjahr 1792 von der Universität Leipzig an die Universität Erlangen gewechselt, um dort ein Medizinstudium zu beginnen. Von Erlangen aus unternahm er Wanderungen und Höhlenbesuche im rund 35 Kilometer entfernten Gebiet um „Muggendorf im Bayreu- thischen Oberland“, bevor er 1794 wieder an die Universität Leipzig zurückkehrte.
Auch nach seinem Wechsel von Franken nach Sachsen vergaß Rosenmüller die fossilen Tierreste aus den Höhlen in der Gegend von Muggendorf nicht. Er untersuchte sorgfältig einen vollständig erhaltenen Schädel aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf. Als Zoolithen (griechisch: zoon = Tier, lithos = Stein) wurden früher Fossilfunde bezeichnet. Rosenmüller erkannte, dass es sich bei dem Schädel aus der Zoolithenhöhle um den Rest eines Tieres handelte, das zwar zur Gattung der Bären gehörte, aber weder ein Eisbär noch ein Braunbär war. Wegen des häufigen Vorkommens solcher Bärenreste in Höhlen bezeichnete er die neue Art als Ursus spelaeus (lateinisch: Ursus = Bär, griechisch: spelaia = Höhle), zu deutsch: Höhlenbär.
Die Aufstellung der Art Ursus spelaeus erfolgte in der „dissertatio“ namens „Quaedam de Ossibus Fossilibus Animalis cuiusdam, Historiam eius et Cognitionem accuratiorem illustrantia“. Zu deutsch: „Eine anschauliche Darstellung der fossilen Knochen eiens gewissen Tieres, seine Geschichte sowie nähere Erläuterungen“. Rosenmüller legte diese Arbeit am 22. Oktober 1794 zur Erlangung des akademischen Titels eines „Doktors der Weltweisheit“ an der Philosophischen Fakultät der Universität
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Schädel aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf, den Johann Christian Rosenmüller 1794 als Höhlenbären (Ursus spelaeus) wissenschaftlich beschrieb
Heinroth (1773-1843),
deutscher Psychiater
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Leipzig vor. Damit erwarb Rosenmüller einen Titel, der dem eines heutigen Doktors der Philosphie entspricht. Bei dieser „dissertatio“ handelte es sich nicht, wie in der Literatur manchmal zu lesen ist, um eine Gemeinschaftsarbeit von Rosenmüller und des späteren Psychiaters Johann Christian August Heinroth (1773-1843). Heinroth wird zwar als bei der Präsentation der Ergebnisse assistierender Student der Medizin namentlich erwähnt, aber nicht als Erwerber eines Titels. Aus diesem Grund ist das Zitat „Ursus spelaeus ROSENMÜLLER & HEINROTH 1794“ falsch. Heinroth legte seine Dissertation zum „Dr. med.“ 1805 an der Universität Leipzig vor. Auf diese Tatsachen wiesen 2005 die Wissenschaftler Wilfried Rosendahl (Mannheim), Doris Döppes (Darmstadt) und Stephan Kempe (Darmstadt) hin.
1795 veröffentlichte Rosenmüller die erweiterte deutsche Fassung seiner Erstbeschreibung des Höhlenbären von 1794 unter dem Titel „Beiträge zur Geschichte und nähern Kenntniß fossiler Knochen“. Auch in dieser Arbeit verwies er darauf, dass es sich bei Ursus spelaeus um einen Bären handle, der den Artnamen spelaeus zu recht verdiene. 1804 schloss Rosenmüller mit seinem Werk „Abbildungen und Beschreibungen der fossilen Knochen des Höhlenbären“ seine Untersuchungen der bis dahin bekannten Skelettteile des Höhlenbären ab. Auch der berühmte französische Anatom und Zoologe Georges Cuvier (1769-1832) aus Paris hat sich eingehend mit dem Höhlenbären befasst. Er wurde im damals zu Württemberg gehörenden Mömpelgard (Montbéliard) geboren, hieß eigentlich Georg Küfer und gilt als Begründer der Wirbeltierpaläontologie. Cuvier prägte für den Höhlenbären die Bezeichnung „der große Bär mit der gewölbten Stirne“ und beschrieb in einer Veröffentlichung zahlreiche damals bekannte Höhlen, in denen man Knochen ausgestorbener Tiere gefunden hatte. In der wissenschaftlichen Systematik wird der Höhlenbär heute zu den Chordatieren (Chordata), Säugetieren (Mammalia), Raubtieren (Carnivora), Bären (Ursidae) und zur Gattung Ursus
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gerechnet. Innerhalb der Gruppe der Raubtiere kennt man vier Familien von Bären: nämlich Katzenbären (wie der Kleine Panda), Bambusbären (wie der Große Panda), Kleinbären (wie der Waschbär) und Großbären (wie der Braunbär und der Eisbär). Zu letzterer Familie zählt auch der ausgestorbene Höhlenbär. Für Laien klingt es etwas seltsam, dass der Höhlenbär, der ein Pflanzenfresser war, als Raubtier bezeichnet wird.
Kleiner Panda Großer Panda
Waschbär
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2009, Der Höhlenbär, München, GRIN Verlag GmbH
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Vom Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst stammen auch folgende Titel:
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Rekorde der Urmenschen
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am Wednesday, October 21, 2009-