Diese Arbeit beschäftigt sich mit Finanzderivaten. Einleitend wird der Begriff „Finanzderivat“ untersucht und es werden einige dazugehörige Grundlagen erörtert. Nachdem das Wesen der Finanzderivate umrissen wurde, wird eine Spezies der Derivate, die Finanzoption untersucht. Schwerpunkt bildet hier die europäische Option.
2. Finanzderivate
„Derivative Finanzierungsinstrumente - kurz Derivate genannt - sind Produkte, die von einem Basiswert abgeleitet sind und auf Termin gehandelt werden." 1 Ein Derivat ist also ein Finanzinstrument dessen Wert von anderen grundlegenden Variablen abhängt (d.h. aus ihnen abgeleitet wird). Oft sind diese zugrunde liegenden Variablen die Kurse gehandelter Vermögensgegenstände. 2 Diese zugrunde liegenden Variablen werden auch als Basiswert oder Underlying bezeichnet. Basiswerte oder Underlyings können verschiedenste Waren („commodities“) oder Finanzwerte darstellen. Selbst das Wetter lässt sich über Wetterderivate abbilden. Eigenschaft der Basiswerte oder Underlyings ist stets, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Wert oder Zustand feststellbar ist.
2.1 Finanzderivate sind Termingeschäfte
Ein Termingeschäft ist dadurch charakterisiert, dass Geschäftsabschluss und Erfüllung zeitlich auseinander fallen. Abzugrenzen ist demgegenüber das Kassageschäft, hier fallen Verplichtungsgeschäft und Erfüllungsgeschäft zeitlich zusammen. Termingeschäfte werden abgeschlossen um zu spekulieren, die Aribitage auszunutzen, oder um eine Absicherung gegen Risiken zu gewährleisten (Hedging). 3 Nimmt der Händler Risiken in Kauf um Gewinne zu erzielen, so spricht man von einer Spekulation. Wird versucht sich gegen z.B. zukünftige Preisschwankungen abzusichern (z.B. Kursschwankungen in Währungsbeziehungen) so bezeichnet man diesen Vorgang als Hedging. Wird der Preisunterschied an verschiedenen Märkten ausgenutzt so bezeichnet man das als ausnutzen der Aribitage.
1 Finanzmanagement - Joachim Prätsch; Uwe Schikorra; Eberhard Ludwig - S.19.
2 Vgl. Optionen, Futures und andere Derivate - John C.Hull S.24.
3 Vgl. Finanzmanagement - Joachim Prätsch; Uwe Schikorra; Eberhard Ludwig - S20.
3
2.2 Unterscheidung anhand der Erfüllungspflicht
Es wird zwischen unbedingten Termingeschäften, und bedingten Termingeschäften unterschieden.
Bedingte Termingeschäfte
Durch das bedingte Termingeschäft erhält eine Vertragspartei das Wahlrecht, ein Geschäft zu Vertraglich festgelegten Konditionen tatächlich durchzuführen. Bedingt deshalb, weil die Vertragspartei die sich das Recht zusichert das Geschäft durchzufürhen, nicht unbedingt von diesem Gebrauch machen muss. Optionen fallen unter diese Form des Termingeschäfts. Desweiteren wird die Ausführung dieser Optionen in "amerikanisch" und "europäisch" unterschieden. Handelt es sich um eine Europäische Option, so kann die Option nur zum Laufzeitende ausgeführt werden. Amerikanische Optionen können während der gesamten Laufzeit ausgeführt werden. In den folgenden Ausführungen wird die Europäische Option betrachtet. 5
4 Vgl. Finanzmanagement - Joachim Prätsch; Uwe Schikorra; Eberhard Ludwig - S214.
5 Vgl. Ebd.
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Unbedinte Termingeschäfte
Beim unbedingten Termingeschäft hingegen muss der Vertrag von beiden Vertragsparteien auf jeden Fall - also unbedingt - erfüllt werden. Aufgrund dessen, dass Rechte und Pflichten bei einem unbedingten Termingeschäft symetrisch verteilt werden, wird bei Vertragsabschluss in der Regel keine Prämie gezahlt. Erst zum Ende der Laufzeit kommt es zu einem finaziellen Ausgleich oder zu einer effektiven Lieferung. 6
2.3 Zusammenfassung des Begirffs Finanzderivat
Finanzderivate werden also hauptsächlich durch zwei Hauptmerkmale charakterisiert. Erstens handelt es sich bei Finanzderivaten um Termingeschäfte welche sich wiederum im Grad ihrer Erfüllungspflicht unterscheiden (siehe Abb.4). Zweitens liegt einem Finanzderivat ein Underlying, also ein Basiswert zugrunde.
3. Optionen
3.1 Was ist eine Option?
„Eine Option ist ein zeitlich begrenzter Vertrag“ 7 „Eine Option ist eine vertragliche Regelung zwischen zwei Parteien“ 8 Optionen werden grundsätzlich in zwei Arten unterschieden. Zum einen die Kaufoption (Call), sie gibt dem Besitzer das Recht, jedoch nicht die Pflicht, dass Underlying 9 zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Zum anderen die Verkaufsoption (Put), diese Option gibt dem Besitzer das Recht, jedoch nicht die Pflicht, das Underlying zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Diesen Kurs bezeichnet man als Ausübungspreis 10 . Das in dem Optionsvertrag festgelegte Datum wird als Verfallsdatum 11 bezeichnet. Wie bereits erwähnt werden Optionen in amerikanische und europäische Optionen unterschieden, wobei eine Amerikanische Option währen der gesamten Laufzeit 12 ausgeübt werden kann, eine Europäische hingegen nur zum Verfallstag. 13
6 Vgl. Ebd.
7 Finanzmanagement - Joachim Prätsch; Uwe Schikorra; Eberhard Ludwig - S. 224.
8 Praxishandbuch Börsentermingeschäfte - Christoph Geyer; Volker Uttner - S. 45.
9 Synonym: Basiswert
10 Synonym: Basispreis; Strike
11 Synonym: Fälligkeit
12 Laufzeit: Vertragslaufzeit der Option
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3.2 Grundsätzliche Funktionsweise einer Option
Das folgende Beispiel soll die grundsätzliche Funktionsweise einer Option erklären. Es ist vom Grundsatz her an das Beispiel aus Optionen, Futures und andere Derivate 14 angelehnt. Folgende Annahmen: Es ist Januar, die Siemens-Aktie notiert bei 20$. Ein Anleger beauftragt einen Broker 15 mit dem Erwerb eines Calls auf Siemens mit einem Basispreis von 30$ und dem Verfallsdatum September. Der Broker findet einen weiteren Händler der einen September-Call auf Siemens mit dem Basispreis von 30$ verkaufen möchte. Im nächsten Schritt wird nun ein Preis (der Optionspreis) für diesen Call vereinbart. Es wird ein Preis von 2$ pro Option angenommen. Es wird weiterhin angenommen, dass der Optionskontrakt den Käufer berechtigt 100 Aktien des Basiswertes zu kaufen. Also erhält der Anleger zum Preis von 200$ 16 das Recht auf den Kauf von 100 Siemens-Aktien zu je 30$. Die Gegenpartei in diesem Szenario erhält die 200$ des Anlegers und die Pflicht dem Anleger 100 Siemens-Aktien zum Ende der Laufzeit des Kontraktes für 30$ zu verkaufen. Nun sind zwei Szenarien denkbar, erstens der Kurs von Siemens notiert im September über 30$, wir gehen von 40$ aus. Man spricht dann davon, dass die Option „im Geld“ liegt. In diesem Fall hätte der Käufer der Option folgenden Gewinn erzielt:
B) - (pO)
übertragen auf das aktuelle Beispiel würde sich für den Anleger ein Reingewinn ergeben von:
Der Anleger hätte also einen Gewinn von 800$ erzielt.
Im zweiten Szenario gehen wir davon aus, dass der Kurs von Siemens unter 30$ notiert, wir gehen von 25$ aus.
In diesem Szenario hat der Halter der Option zum Ende der Laufzeit das Recht 100 Siemensaktien für 30$ zu kaufen, da aber die Aktien zu diesem Zeitpunkt bei 25$ notieren,
13 Vgl. Optionen, Futures und andere Derivate - John C.Hull S.30.
14 Ebd. S.30.
15 Bezeichnung für einen Wertpapierhändler an der Börse
16 Preis pro Option x Anzahl der Aktien
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bringt ihm dieses Recht keinen Gewinn ein. Die Option verfällt wertlos. Der Anleger bleibt also auf den Kosten seines Optionskaufs sitzen. Er hätte also einen Verlust von 200$ realisiert.
3.3 Vier grundlegende Typen von Marktteilnehmern in Optionsmärkten Es werden vier grundlegende Typen von Marktteilnehmern in Optionsmärkten unterschieden 17 . x Käufer von Calls x Verkäufer von Calls x Käufer von Puts x Verkäufer von Puts
Der Käufer eines Calls „Long Call” setzt auf steigende Kurse, sein Vertragspartner „Short Call“ setzt darauf, dass die Call-Option zum Laufzeitende nicht „im Geld“ liegt. Der Käufer eines Puts also „Long Put“ setzt auf fallende Kurse, sein Vertragspartner setzt ebenfalls darauf, das die Option zum Laufzeitende nicht „im Geld“ liegt.
Die folgenden Auszahlungsdiagramme sollen verdeutlichen wann welche Seite im Gewinn liegt.
17 Vgl. Optionen, Futures und andere Derivate - John C.Hull S.31.
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Arbeit zitieren:
B.Eng. Jan Dittrich, 2009, Finanzderivate - Schwerpunkt Optionen, München, GRIN Verlag GmbH
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