Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

(Religiöse) Individualisierungsprozesse

Versuch einer Begriffsbestimmung

Titel: (Religiöse) Individualisierungsprozesse

Hausarbeit , 2007 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Heike Kellner-Rauch (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

1 Klärung der Problemstellung. Eingrenzung. Erkenntnisinteresse
„Individualisierung“ ist ein vielschichtiger und immer zwiespältiger Begriff, der
begrifflich nicht klar gefasst ist. Was verbirgt sich hinter diesem vielgebrauchten
Begriff, der nicht zuletzt durch die Veröffentlichungen Becks (Jenseits von Stand und
Klasse 1983; Risikogesellschaft 1986; Riskante Freiheiten 1994) eine heftige Debatte
ausgelöst hat? Welches Phänomen wird mit diesem soziologischen Konzept
beschreiben? Welche Entwicklungsgeschichte hat das soziologische Konzept von der
Individualisierung? Diese Arbeit unternimmt den Versuch, greifbar zu machen, was mit
„Individualisierung“ und der Rede von der „individualisierten Gesellschaft“ gemeint ist.
Das ist ein waghalsiges Unterfangen, weist u.a. EBERS 1995, 21 darauf hin, dass die
„mit dem Konzept „Individualisierung“ beschriebenen Phänomene variieren,
unterschiedlichste Erklärungs- und Deutemuster (...) für die Herleitung des fraglichen
Entwicklungsprozesses herangezogen (werden und) die Ebenen in der Beschreibung
und Erklärung von „Individualisierung“ divergieren. Der Begriff bleibt unscharf und
vielseitig verwendbar“. Eingedenk dieser ernüchternden Diagnose möchte ich, nach der
Darstellung einer knappen Abgrenzung und dem Entwurf einer „Minimaldefinition“ des
Begriffs, durch die Darstellung „realgeschichtlicher“ Eckpunkte der in der Literatur
beschriebenen Individualisierungsschübe und den Rückgriff auf die klassische
Perspektiven Simmels u.a eine Basis für ein Verständnis des Begriffs
„Individualisierung“ schaffen. Im Weiteren gehe ich der Frage nach, was die
Begrifflichkeit der „religiösen Individualisierung“ meint und inwieweit diese
Terminologie dienlich ist, Erscheinungsformen von Religiosität der Gegenwart
darzustellen und zu deuten.

[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Klärung der Problemstellung. Eingrenzung. Erkenntnisinteresse

2. Begriffsklärung

2.1 Abgrenzung

2.2 Minimaldefinition

2.3 Realgeschichtliche Eckpunkte des Individualisierungsprozesses: Was hat den Wandel im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft bedingt?

2.4 Innehalten: Ambivalenz des Individualisierungsbegriffs

3. Konzepte des Individualisierungstheorems

3.1 Die soziologischen Klassiker

3.1.1 Individualisierung bei Max Weber (1864 – 1920)

3.1.2 Individualisierung bei Durkheim (1858-1917)

3.1.3 Individualisierung bei Georg Simmel (1858 -1918)

3.1.4 Norbert Elias (1897 – 1990)

3.2 Theoriebildung der Gegenwart

3.2.1 Ulrich Beck (geb. 1944): Chance und Risiko

3.2.2 Niklas Luhmann (1927-1998): Individualisierung als Folge zunehmender Komplexität und Autonomisierung sozialer Systeme

3.3. Zur Kritik an der Individualisierungsthese. Vorschlag zur Verfahrensweise

4. Versuch einer handhabbaren Begriffsbestimmung:

4.1 Individuelle Rollenkombinationen

4.2 Auseinanderfallen der Lebensbereiche

4.3 Aufgabe der Weltdeutung verbleibt beim Einzelnen

4.4 Ambivalenter Bewusstseinszustand der Moderne

4.5 Veränderte Handlungsorientierung der individualisierten Akteure

4.6 Privatisierte Verantwortung

5. Religiöse Individualisierung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den soziologischen Begriff der Individualisierung, um ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, was mit der „individualisierten Gesellschaft“ gemeint ist. Ziel ist es, nach einer theoretischen Einordnung und der Auseinandersetzung mit Kritikpunkten, eine handhabbare Begriffsbestimmung zu erarbeiten und deren Relevanz für die Untersuchung religiöser Individualisierung in der Moderne zu prüfen.

  • Entwicklung des soziologischen Individualisierungskonzepts von den Klassikern bis zur Gegenwart.
  • Analyse der Ambivalenz zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen.
  • Kritische Würdigung der Individualisierungsthese, insbesondere am Beispiel von Ulrich Beck.
  • Erarbeitung einer handhabbaren Definition zur Anwendung auf private und religiöse Lebensbereiche.

Auszug aus dem Buch

3.1.3 Individualisierung bei Georg Simmel (1858 -1918)

Für SCHROER 2000, 15 verkörpert Simmels Theoriebildung zum Phänomen der Individualisierung – ebenso wie später die Arbeit von Ulrich Beck und Norbert Elias – eine dritte Argumentationsweise in der Auseinandersetzung um den Begriff und dem Phänomen der Individualisierung. Sie „zeichnet sich durch die strikt ambivalent gehaltene Deutung des Individualisierungsprozesses aus. Das Individuum wird auch bei ihnen aus traditionalen Vorgaben herausgelöst und stärker auf sich gestellt. Dies führt bei ihnen aber weder allein zu Gewinnen an individueller Freiheit, noch allein zu Verlusten sozialer Sicherheit.“ (SCHROER 2000, 15f)

Die klassische Perspektive Simmels betrachtet ebenso wie Weber und Durkheim den primären Individualisierungsschub und darin im Besonderen die Veränderung der spezifischen Vergesellschaftungsform, also die Wechselwirkung der Individuen zueinander im Übergang von der Natural- zur Geldwirtschaft (vgl. EBERS 1995, 342f.). An dieser Grenze des Übergang geschieht Freisetzung: Geld prägt fortan die Sozialbeziehungen im Sinne einer Versachlichung: Die engen personalen Abhängigkeiten (etwa an den Grundherren des Feudalsystems) weichen den neu entstehenden Bindungen durch das Medium Geld.

Auslöser für die Individualisierung ist in der Darstellung Simmels das Wachstum einer sozialen Gruppe, die verbunden ist mit einer inneren Differenzierung (Arbeitsteilung) und Konkurrenz (führt zu Spezialisierung): „hiermit löst sich die ursprüngliche, undifferenzierte und geschlossene Einheit auf und eine differenzierte Vielheit bildet sich aus“ (EBERS 1995, 150). Das führt zu mehr Selbstständigkeit des einzelnen Menschen, die Individuen sind weniger an ihre ursprüngliche soziale Gruppe gebunden. Die Entwicklung der Geldwirtschaft, für Simmel eine Chiffre für den Modernisierungsprozess der Gesellschaft, ist der Motor dieser Individualisierung (vgl. SCHROER 1997, 160). Das Geld ist zugleich Medium und Symbol dieses Vergesellschaftungsmodus: „Das Geld verändert nicht nur die Produktionsverhältnisse und die Produktivkräfte, sondern alle Bereiche des sozialen Lebens, die sozialen Formen, in denen die Menschen miteinander leben, sowie die Selbsterfahrung des Menschen im modernen Lebensstil. Das Geld setzt die Menschen aus traditionellen Bindungen, Abhängigkeiten und Deutungsmustern frei.“ (EBERS 1995, 152).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Klärung der Problemstellung. Eingrenzung. Erkenntnisinteresse: Einführung in die Unschärfe des Individualisierungsbegriffs und Zielsetzung der Arbeit, diesen greifbarer zu machen.

2. Begriffsklärung: Abgrenzung des soziologischen Begriffs von psychologischen und ideengeschichtlichen Aspekten sowie Entwurf einer Minimaldefinition.

3. Konzepte des Individualisierungstheorems: Detaillierte Darstellung soziologischer Perspektiven von Klassikern wie Weber, Durkheim und Simmel sowie zeitgenössischen Vertretern wie Beck und Luhmann.

4. Versuch einer handhabbaren Begriffsbestimmung: Synthese der theoretischen Erkenntnisse zu einer praktischen Definition, die den Fokus auf den privaten Lebensbereich legt.

5. Religiöse Individualisierung: Übertragung der erarbeiteten Begriffsbestimmung auf den Bereich religiöser Identitätsbildung und Glaubenspraxis in der Moderne.

Schlüsselwörter

Individualisierung, Soziologie, Moderne, Gesellschaft, Ulrich Beck, Georg Simmel, Freisetzung, Identität, Privatisierung, Verantwortung, Religion, Lebensführung, Differenzierung, Bastelbiografien, Handlungsspielraum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das soziologische Konzept der Individualisierung und versucht, den oft unscharfen Begriff theoretisch zu fassen, um ihn für die Analyse moderner Gesellschaften nutzbar zu machen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Mittelpunkt stehen die historische Entwicklung der Individualisierung, ihre Darstellung durch soziologische Klassiker und moderne Theoretiker sowie die Folgen für das Individuum hinsichtlich Identität und Verantwortung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, eine handhabbare Begriffsbestimmung von Individualisierung zu entwickeln, um Erscheinungsformen gegenwärtiger Religiosität besser beschreiben und deuten zu können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Positionen, die kritisch gewürdigt und zu einer eigenen begrifflichen Systematisierung zusammengeführt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konzepte von Klassikern wie Weber, Durkheim und Simmel, diskutiert die Theorien von Beck und Luhmann und stellt diesen eine kritische Würdigung gegenüber, die in einen eigenen Definitionsvorschlag mündet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Individualisierung, Moderne, Freisetzung, Identitätsbildung, private Verantwortung und religiöse Individualisierung.

Wie unterscheidet sich die "erste" von der "zweiten" Moderne im Kontext der Arbeit?

Die erste Moderne ist durch den primären Individualisierungsschub (z.B. industrielle Revolution) gekennzeichnet, während die "zweite" Moderne durch eine reflexive Modernisierung geprägt ist, in der der Einzelne zum "Bastler" seiner Biografie wird.

Inwiefern ist Individualisierung laut der Arbeit ambivalent?

Individualisierung wird als ein Prozess beschrieben, der einerseits neue Handlungsspielräume und Autonomie bietet, andererseits aber mit dem Verlust traditioneller Sicherheiten und neuen Zwängen zur Selbstverantwortung einhergeht.

Was bedeutet religiöse Individualisierung in diesem Zusammenhang?

Sie bezeichnet nicht die Privatisierung der Religion, sondern die zunehmende Bedeutung der persönlichen Bearbeitung religiöser Fragen im privaten Bereich, gelöst von traditionellen kirchlichen Vorgaben.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
(Religiöse) Individualisierungsprozesse
Untertitel
Versuch einer Begriffsbestimmung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Heike Kellner-Rauch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
37
Katalognummer
V138149
ISBN (eBook)
9783640477159
ISBN (Buch)
9783640476879
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Individualisierungsprozesse Versuch Begriffsbestimmung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heike Kellner-Rauch (Autor:in), 2007, (Religiöse) Individualisierungsprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138149
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  37  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum