Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Geschichtsbild hinsichtlich der Kriegsschuld vom 1918 an bis zur Fischer-
Kontroverse. 4
2.1 Kriegsrezeption nach dem Ersten Weltkrieg. 4
2.2 Kriegsrezeption nach dem Zweiten Weltkrieg. 4
3 Die Thesen Fritz Fischers 6
4 Reaktionen und Kritik anderer Historiker. 9
4.1 Gerhard Ritter. 9
4.2 Klaus Dietrich Erdmann. 11
4.3 Egmont Zechlin 11
5 Die Bedeutung der Kontroverse für die Geschichtswissenschaft 12
6 Schlussbetrachtung 15
7 Literaturverzeichnis. 17
2
1 Einleitung
Während die meisten Historiker über Geschichte nachdenken, gibt es nur wenige, die auch Geschichte schreiben. Fritz Fischer gehört zu diesen.
Heinrich August Winkler schreibt in seinem Nachruf: „Fritz Fischer hat den Deutschen geholfen, sich aus der Gefangenschaft von Geschichtslegenden zu befreien, die zu nationalen Lebenslügen geworden waren. Sein moralischer Mut war nicht minder ausgeprägt als sein wissenschaftlicher Erkenntnisdrang. Die Deutschen haben Grund, Fritz Fischer dankbar zu sein.“ 1
Mit besonderem Fokus auf die, durch die Forschungen des Hamburger Historikers Fritz Fischer zur deutschen Kriegsschuld ausgelöste, Kontroverse, soll in unserer Arbeit die „Geschichte der Kriegsursachen des Ersten Weltkriegs“ skizziert werden. Hierbei soll auf der einen Seite das Dilemma des Historikers - die Kriegsursachenforschung- anhand der Darstellung der verschiedenen Kriegesrezeptionen seit dem Ende des 1. Weltkriegs bis zum Ende der Kontroverse illustriert werden, und darauf folgend, soll die besondere Bedeutung der Kontroverse für die deutsche Geschichtswissenschaft, als eine Art „Zerstörung eines historischen Tabus“ einerseits und als Wendepunkt zur methodologischen Erweiterung und Vielfalt zum Ausdruck kommen.
Wie haben sich die Historiker nach dem Ende des Krieges bis heute mit den Kriegsursachen auseinandergesetzt? Woher kam der Drang den Schuldigen finden? Was waren das für Thesen in den 1960er-Jahren, die eine solche Kraft besessen haben, dass sie solche eine fachwissenschaftliche und mediale Aufmerksamkeit auf sich zogen? Wie argumentierten Fachkollegen dagegen? Was bedeutet diese Kontroverse für die deutsche Geschichtswissenschaft damals und heute? Und warum beschäftigen die Ursachen des Ersten Weltkrieges Historiker nach fast 100 Jahren des Ausbruchs immer noch? Das sind Fragen, die wir im Verlauf unserer Arbeit beantworten möchten.
1 www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/1203/feuilleton/0018/index.html, Stand
22.2.2009.
3
2 Geschichtsbild hinsichtlich der Kriegsschuld vom 1918 an bis zur Fischer-Kontroverse
2.1 Kriegsrezeption nach dem Ersten Weltkrieg
Die Kriegsschulddiskussion existierte schon seit dem Kriegsausbruch 1914. Denn nur unter der Prämisse, dass das eigene Land als schuldlos angegriffen erscheint, konnten die Hauptverantwortlichen einen Krieg führen. Als dem Deutschen Reich nach Artikel 231 im Versailler Vertrag die alleinige Kriegsschuld gegeben wurde, resultierte daraus eine Verschmelzung von moralischer Entrüstung und wissenschaftlicher Untersuchung. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Kriegsschuldfrage sah Theodor Schieder eine Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln.
Im Jahre 1919 stiftete der Reichstag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss für Schuldfragen des Weltkrieges. Ewald Fried tituliert die 1920er-Jahre hinsichtlich der Forschung als erste Revolution des Aktenzugangs. Die Vielzahl an Quellen förderte die Forschung, denn durch sie hofften die Historiker darauf, die „Kriegsschuldlüge“ nun auch wissenschaftlich widerlegen zu können. 2
Die Weimarer Zeit war bezüglich der Kriegsschuldfrage demzufolge von der bedingungslosen Abweisung der deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg geprägt. Ernst Schulin meint hierzu: “Die Widerlegung der Kriegschuldthese sahen die Historiker dieser älteren Generation als ihre nationale Pflichtaufgabe an. Eine kritische Selbstbesinnung der Geschichtswissenschaft war also aus verschiedenen Gründen schwierig.“ 3 Zu dieser Zeit reichten die Deutungen von der der französischen oder russischen Kriegsverantwortung bis zum Zusammenwirken von neuen politischen Strömungen, Bündnissystemen und Militarismus. Diese überindividuellen Faktoren hätten es gar nicht zugelassen einen Schuldigen zu finden. 4 So verfestigte sich in den 1920er- und 1930er-Jahren eine apologetische Auslegung von der deutschen Nichtschuld, welche eine kritische Auseinandersetzung mit den Kriegsursachen unmöglich machte.
2.2 Kriegsrezeption nach dem Zweiten Weltkrieg
Da die deutschen amtlichen Akten bis zum Ende der 1950er-Jahre von den Alliierten beschlagnahmt waren, stagnierte die Ursachenforschung des Ersten Weltkrieges. Die Konsequenz hieraus war die stillschweigende Einigung auf die These des englischen
2 Frie, Ewald, Das Deutsche Kaiserreich. Darmstadt 2004, S.82f..
3 Schulin, Ernst, Weltkriegserfahrung und Historikerreaktion. Frankfurt am Main 1997, S.172.
4 Frie, Das Deutsche Kaiserreich, S.84.
4
Premierministers David Lloyd George, der zu Beginn der 20er Jahre behauptete, dass die einzelnen europäischen Mächte unerwartet in den Krieg hineingeschlittert seien. 5 Seine These erfreute sich besonders in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland großer Beliebtheit, als es darum ging, die alleine Kriegsschuld von sich zu weisen. 6 Insgesamt dominierte in diesen Jahren eine konservative Haltung, die vorsichtige Revisionen zwar andeutete, aber eher der Traditionsbewahrung diente. Am Ende der 1950er-Jahre wurden die deutschen amtlichen Akten zum Ersten Weltkrieg zugänglich, was Frie als die“ zweite Revolution des Aktenzugangs“ bezeichnet. 7 Dies öffnete Wege aus der Politik-und Diplomatieorientierung heraus und etablierte neuere Ansätze in der Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit. Neu war hierbei das Konzept der Strukturgeschichte, - entstanden in der französischen Schule der Annalen - welches die Untersuchung von überindividuelle Faktoren und das interdisziplinäre Forschen und Ausweitung historischer Blickwinkel weg von der Ereignisgeschichte und dem Fokus auf intentionalem Handeln propagiert. Der strukturgeschichtliche Ansatz bildete peu à peu eine Gegenbewegung zur historischen Tradition, da sie die sozialhistorische Forschung stimulierte. Dadurch zeichnete sich schon allmählich der Bruch zwischen der Nachkriegshistoriographie und den neueren Forschungsansätzen innerhalb der Geschichtswissenschaft ab. 8 Das Hervortreten der neuen Strömungen kann freilich mit der ruckartigen Generationsverlagerung, dem politischen Wechsel hin zur sozialliberalen Reformpolitik und der Studentenbewegung in den 1960er-Jahren in Zusammenhang gebracht werden. 9 Dies bot Raum für Innovationen, Wandlungen und neue Impulse- aus der angelsächsische Geschichtswissenschaft - die man zugetan aufnahm. 10 Aber mit Fritz Fischers Werk Griff nach der Weltmacht wurde in den 1960er-Jahren eine Kontroverse eingeleitet, die einen Bruch innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft - nicht nur auf sachlicher, sondern auch auf methodologischer Ebenebedeutete. Sehen wir uns diese Thesen im Folgenden genauer an:
5 Große Kracht, Klaus, Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945, Göttingen
2005, S.48.
6 Kießling, Friedrich, Wege aus der Stringenzfalle. Die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs als "Ära der
Entspannung". In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 55 , 2004, S. 1.
7 Frie, Das Deutsche Kaiserreich, S.86.
8 Faulenbach, Bernd, Deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945, In: Tijdschrift voor Geschiedenis 94,
1981,S.29- 40.
9 Frie, Das Deutsche Kaiserreich, S.86.
10 Faulenbach, Deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945, S.41.
5
Arbeit zitieren:
Yasemin Genc, 2009, Die 'Geschichte der Kriegsursachen des Ersten Weltkriegs', München, GRIN Verlag GmbH
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