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Geschichtsschreibung als „Propaganda“?

Das Geschichtswerk des Otto von Freising im Konflikt zwischen Kaiser und Papst

Titel: Geschichtsschreibung als „Propaganda“?

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2009 , 26 Seiten

Autor:in: Marcus Schaub (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Innerhalb der von Friedrich I. betriebenen Politik der renovatio imperii und der Durchsetzung
des honor imperii, kam, neben den Konflikten mit den oberitalienischen Kommunen oder den
Spannungen mit einigen Reichsfürsten wie Heinrich dem Löwen, der Auseinandersetzung mit
dem Papsttum eine hohe Bedeutung zu. Im Unterschied zu den weltlichen Problemen, die
immer wieder auch durch faktisches Handeln zu lösen versucht wurden, stellte sich gegenüber
dem Papsttum die Besonderheit, dass es sich hierbei um einen fast ausschließlich mit
geistigen, theoretischen Mitteln geführten Konflikt handelte. Denn um gegenüber der Kurie
tatsächliche Handlungen zu vollziehen, bedurfte es eines legitimierenden Instrumentariums,
welches als Basis jeglichen Vorgehens den Kaiser als im Recht befindlich erscheinen ließ.
Dieses Instrumentarium konnte gegenüber dem Papsttum keine faktische militärische oder
finanzielle Macht darstellen, sondern musste theoretischer Natur und möglichst von
Kontinuität geprägt sein. Eines dieser Werkzeuge stellte dabei die kaiserliche Kanzlei dar, die,
zwar durch unterschiedlichste Personen geprägt, als dauerhafte Institution regelmäßig geistige
„Waffen“ lieferte, um sowohl Vorstöße der kaiserlichen Ideologie zu stützen, als auch auf
„Angriffe“ der Kurie zu reagieren. Vordergründige Aufgabe der Schreiber und Notare war es
hierbei weniger, polemische Streitschriften oder Traktate zu verfassen als vielmehr das
Ersinnen und Verwenden bestimmter Formulierungen, Rechts- bzw. Geschichtsbezüge,
Titulaturen, Anreden und der gleichen mehr. Im Vergleich mit ausführlichen theoretischen
Werken, deren Absichten offen zu tage traten, arbeiteten die meisten Kanzleierzeugnisse weit
subtiler und waren somit auch weit provokanter. Die Aussage eines Traktates ließ sich leicht
angreifen und bspw. als falscher Gedankengang oder gar Ketzerei denunzieren; die
Verwendung einer bestimmten Anrede oder Selbstbezeichnung dagegen verdeutlichte viel
eindringlicher Denksysteme, Ansichten und Verständnis des eigenen Status. Aufschlussreich
für diese Arbeitsweise der Kanzlei sind beispielsweise die Papst Eugen III. übersandte
Wahlanzeige Friedrichs zum König oder auch die Formulierungen des Konstanzer Vertrages. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geschichtsschreibung als „Propaganda“

Chronica sive Historia de duabus civitatibus

Gesta Frederici

Chronica versus Gesta Frederici?

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschichtswerk des Otto von Freising, insbesondere die "Chronica sive Historia de duabus civitatibus" und die "Gesta Frederici", im Hinblick auf ihre Instrumentalisierbarkeit im ideologischen Konflikt zwischen dem staufischen Kaisertum und dem Papsttum des 12. Jahrhunderts.

  • Analyse der Rolle der kaiserlichen Kanzlei und der Historiographie als Instrumente der Herrschaftsbegründung.
  • Untersuchung des Geschichtsbildes Ottos von Freising und seiner theoretischen Einbettung in einen göttlichen Heilsplan.
  • Gegenüberstellung der "Chronica" und der "Gesta Frederici" hinsichtlich ihrer propagandistischen Intention und Wirkung.
  • Bewertung der Nutzbarkeit schriftlich fixierter Geschichtsbilder für den legitimatorischen Anspruch Friedrichs I.

Auszug aus dem Buch

Chronica sive Historia de duabus civitatibus

Bei der Betrachtung des umfangreichen Geschichtswerkes Ottos von Freising muss sich die Frage stellen, zu welchem Zweck dieses entstanden ist. Geschichtsforschung und Geschichtsbetrachtung im modernen Sinne können als Motive mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden, denn eine Geschichtswissenschaft in heutigem Verständnis hat es im Mittelalter nicht gegeben. Dennoch fungierte die Geschichtsschreibung als Mittel zur Erkenntnis und findet sich aufgrund dessen verankert mit den Wissenschaften, die „dem ‚proferre cognita’ gewidmet waren“, wie der Grammatik oder der Rhetorik. Aber auch für die Bibelexegese findet sich die historia „als Grundlage für die allegorische, moralische und anagogische […] Schriftdeutung“. Und genau hier findet sich der Anknüpfungspunkt für den Bischof von Freising. Keine nüchterne, aufzählende Faktendarstellung ist das Ziel, sondern Deutung und Interpretation der Geschichte in Bezug auf ihre heilsgeschichtliche Bedeutung.

Zum Verständnis der „Nachzeichnung ‚der Ordnung der Zeiten (ordo temporum)…, deren Begründer und Sachwalter Gott ist’“, war es notwendig, dass „zuvor die ‚historia’ des literal zu vermittelten Geschehens bekannt war“. Diese Aufgabe, den Lauf der irdischen Geschichte aufzuzeigen, um deren Beispiel letztlich zu überwinden und sich dem ewigen Reich Gottes zuzuwenden, erklärt auch Otto von Freising zur Absicht seiner Chronik: „Sepe multumque volvendo mecum de rerum temporalium motu ancipitque statu, vario ac inordinato proventu, sicut eis inherendum a sapiente minime considero, sic ab eis transeundum ac migrandum intuitu rationis invenio. […] Proinde quia temporum mutabilitas stare non potest, ab ea migrare, ut dixi, sapientem ad stantem et permanentem eternitatis civitatem debere quis sani capitis negabit?“

Deutlich zeigt sich die Ansicht, dass der Nutzen der Geschichtsbetrachtung darin liege, die Vergänglichkeit irdischen Handelns (rerum temporalium motu ancipitique) sichtbar werden zu lassen, um sich schließlich von diesem zu lösen (transeundum ac migrandum) und sich dem himmlischen Reich zuzuwenden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die Bedeutung des theoretischen Konflikts zwischen Kaisertum und Papsttum im 12. Jahrhundert sowie die Rolle der Kanzlei und der Historiographie als Mittel der Legitimierung erläutert.

Geschichtsschreibung als „Propaganda“: Dieser Abschnitt untersucht den theoretischen Anspruch und die Intention von Ottos Geschichtswerken.

Chronica sive Historia de duabus civitatibus: Das Kapitel analysiert, wie Otto die Weltgeschichte als Teil eines göttlichen Plans deutet und inwieweit dies den Herrschaftsanspruch Friedrichs I. legitimiert.

Gesta Frederici: Hier wird der radikal andere, verherrlichende Tonfall dieses Werkes im Vergleich zur Chronik und dessen Bedeutung für die Darstellung Friedrichs I. beleuchtet.

Chronica versus Gesta Frederici?: Ein vergleichender Blick auf beide Werke verdeutlicht, dass die Chronik eher institutionelle Stütze war, während die Gesta den persönlichen Ruhm Friedrichs fokussierte.

Zusammenfassung: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Werke trotz ihrer Unterschiede nur im Zusammenspiel ihre volle propagandistische Kraft entfalten konnten.

Schlüsselwörter

Otto von Freising, Friedrich Barbarossa, Kaisertum, Papsttum, Historiographie, Chronica sive Historia de duabus civitatibus, Gesta Frederici, Herrschaftsbegründung, Heilsgeschichte, renovatio imperii, Macht, Legitimation, Mittelalter, Politik, Kanzlei

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die historische Schriftstellerei des Bischofs Otto von Freising und deren Funktion als ideologisches Mittel im Machtkampf zwischen Kaiser Friedrich I. und dem Papsttum.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Legitimationsstrategien kaiserlicher Macht, die theoretische Unterfütterung der staufischen Politik sowie die Analyse der Mittelalterlichen Historiographie als "Propaganda".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit Ottos Geschichtswerke zur politischen Rechtfertigung des staufischen Kaisertums genutzt wurden und ob der Autor diese aktiv instrumentalisierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Auswertung von Primärquellen (Ottos Chroniken) im Kontext zeitgenössischer politischer und ideologischer Diskurse des 12. Jahrhunderts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der "Chronica" und der "Gesta Frederici", wobei insbesondere auf die unterschiedliche Darstellungsweise und deren Wirkung eingegangen wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Otto von Freising, Friedrich Barbarossa, Kaisertum, Papsttum, Legitimation, Heilsgeschichte und Historiographie.

Wie bewertet der Autor die Objektivität von Otto von Freising?

Die Arbeit betont, dass Otto zwischen seinem Anspruch als Gelehrter und seiner Rolle als Verwandter des Kaisers und Diener der Kirche balancierte, was ihn zu einer subtilen, aber parteiischen Vorgehensweise bewegte.

Welche Rolle spielte der Brief des Kaisers in der "Gesta Frederici"?

Der Brief diente als wichtige Quelle für Otto und zeigt, dass die Gesta stark durch den Wunsch des Kaisers geprägt war, seine Taten in einem glänzenden Licht darzustellen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Geschichtsschreibung als „Propaganda“?
Untertitel
Das Geschichtswerk des Otto von Freising im Konflikt zwischen Kaiser und Papst
Autor
Marcus Schaub (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V138316
ISBN (eBook)
9783640473885
ISBN (Buch)
9783640473502
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesta Frederici
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marcus Schaub (Autor:in), 2009, Geschichtsschreibung als „Propaganda“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138316
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  26  Seiten
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