Gliederung
1. Zur Thematik 2
2. Gründe für die Veränderungen in der Bildungsbeteiligung der Mädchen
und jungen Frauen im Zeitraum 1950-2000. 3
2.1 Bildungsexpansion. 3
2.2 Auswirkungen der sozialen Herkunft / Bildungsniveau des Elternhauses
4
2.3 Traditionelle Familienorientierung / wachsende Chancengleichheit. 6
2.4 Teilzeitarbeit / veränderte Beschäftigungssituation 7
3. Veränderungen an den Schulen. 8
3.1 Definition: Hauptschulen. 8
3.2 Hauptschulen. 8
3.3 Definition: Realschulen. 9
3.4 Realschulen. 9
3.5 Definition: Gymnasien. 10
3.6 Gymnasien. 10
3.7 Fächerwahl 11
4. Hochschulen. 11
4.1 Definition: Hochschulen. 11
4.2 Veränderungen an den Hochschulen. 12
4.3 Fächerwahl 13
5. Veränderungen in der Berufsausbildung 15
5.1 Definition: Berufsschulen. 15
5.2 Definition: Berufsfachschulen 15
5.3 Definition: Schulen des Gesundheitswesens 15
5.4 Berufsschulen / Berufsfachschulen / Schulen des Gesundheitswesens 16
5.5 Berufswahl 17
6. Zusammenfassende Bemerkungen. 19
7. Literaturverzeichnis. 20
1
1. Zur Thematik
Die Beteiligung von Mädchen und jungen Frauen an weiterführender und höherer Bildung hat sich im Zeitraum 1950-2000 zum Teil stark verändert. Die Bildungsbeteiligung der Mädchen ist der relative Häufigkeitsanteil der Mädchen an einem Bildungsgang. 1 Zunächst stellt sich die Frage: Was ist eigentlich weiterführende und was höhere Bildung? Zur weiterführenden Bildung gehören alle weiterführenden Schulen, die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium. Außerdem natürlich auch noch Abend- Hauptschulen, -Realschulen, -Gymnasien, Kollegs und Gesamtschulen, auf die ich nicht näher eingehen werde, da dies den Rahmen meiner Ausarbeitungen sprengen würde. Zur höheren Bildung gehören alle Hochschulen, also die Universitäten, die Kunsthochschulen, die Fachhochschulen, die Verwaltungsfachhochschulen, die Gesamthochschulen, die Pädagogischen Hochschulen und die Theologischen Hochschulen. Zusätzlich werde ich noch auf die Situation an den Berufsschulen und in der Berufswahl eingehen. Zunächst werde ich auf die Gründe für diese Veränderungen allgemein zu sprechen kommen. Später möchte ich dann die Veränderungen in der Bildungsbeteiligung von Mädchen und jungen Frauen konkret an den jeweiligen Bildungseinrichtungen aufzeigen.
Was zu Beginn noch zu bemerken wäre: Um die Veränderungen in der Bildungsbeteiligung der Mädchen deutlich zu machen, werde ich jeweils zwei weit ausein-ander liegende Jahre, z.B. 1965 und 1998, miteinander vergleichen. Hier muß man berücksichtigen, dass nach der Wiedervereinigung Deutschlands, neue Bundesländer dazukamen, die das Gesamtbild etwas v erzerren. Wenn ich also im folgenden Zahlenangaben mache, spreche ich z.B. 1965 vom früheren Bundesgebiet und ab November 1989 vom vereinten Deutschland.
Außerdem werde ich die Veränderungen in der Bildungsbeteiligung von Mädchen und jungen Frauen im Kontrast zu den Veränderungen in der Bildungsbeteiligung von Jungen und jungen Männern darstellen, um die besonderen geschlechtsspezifischen Unterschiede besser deutlich machen zu können.
1 Rodax, Annelie / Rodax, Klaus: Bildungschancen und Bildungswege von Frauen. In:
Sozialwissenschaftliche Schriften, Heft 33. Berlin 1996. S.41.
2
Die Bildungsbeteiligung wird natürlich auch von der Anzahl der Geburten eines Jahrganges beeinflusst, wobei ich hier nicht näher auf die Geburtenanzahlen eingehen werde.
Da die erforderlichen Daten nicht kontinuierlich und lückenlos erfaßt wurden, werde ich in vielen Fällen, Informationen aus verschiedenen Quellen miteinander kombinieren müssen.
2. Gründe für die Veränderungen in der Bildungsbeteiligung der Mädchen
und jungen Frauen im Zeitraum 1950-2000
2.1 Bildungsexpansion
Die Kultusministerkonferenz, kurz KMK, veröffentlichte im März 1963 die sogenannte „Bedarfsfeststellung“ für den gesamten Bildungs- und Kulturbereich. Die dort genannten Daten wurden als Vorausschätzungen bezeichnet, auf deren Grundlage ein Ausbau der Schul- und Studienplätze erfolgen sollte, um der künftigen Nachfrage gerecht zu werden. 2 Denn ohne ausreichende Zahl qualifizierter Nachwuchskräfte wäre die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland am Ende. Außerdem befürchtete man einen „Bildungsnotstand“ gegenüber anderen Ländern. Deshalb gab es ab 1965 eine große Anzahl von Reformen in der Bildungspolitik. Innerhalb von zehn Jahren sollte z.B. die Abiturientenzahl verdoppelt werden und die dafür notwendigen Lehrer ausgebildet werden. Zusätzlich führte man z.B. das 10.Schuljahr und eine Fremdsprache ab der 5.Klasse ein. 3 Die Zugangsvoraussetzungen für weiterführende Schulen und für Hochschulen wurden für Schüler und Studenten erleichtert. Man wollte nämlich den „Bildungs-stand“ der gesamten Bevölkerung anheben.
Diese Entwicklung im Bildungswesen, führte bis in die 70er- Jahre zu stetigen Zuwächsen im gesamten Bildungsbereich und hat wohl zur größten Expansion im Schul- und Hochschulwesen in der deutschen Bildungsgeschichte beigetragen. „Die Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden stiegen von 15,7 (1965) auf 44,6 Milliarden DM im Jahre 1973. Es handelte sich um den propor-
2 Anweiler/ Fuchs / Dorner / Petermann (1992). (Hgg.): Bildungspolitik in Deutschland 1945-
1990. Opladen. S.22.
3 Korte, Hermann: Eine Gesellschaft im Aufbruch. Frankfurt a. M. 1987. S.59-68.
3
tional größten Zuwachs der Staatsausgaben für diesen Zweck“. Sie stiegen nämlich im Zeitraum 1955-1975 fast um das 12fache. Auch die Zahl der Schüler und Studenten stieg in diesem Zeitraum überdurchschnittlich an. „Die Schulbesuchszahlen spiegeln vor allem die steil angestiegene Nachfrage nach höheren Bildungsabschlüssen wider. Während die Zahl der Hauptschüler zwischen 1965 und 1975 von 2,1 auf 2,5 Millionen stieg, verdoppelte sie sich an den Realschulen (von 571000 a uf 1,147 Mio.) und an den Gymnasien (von 958000 auf 1,863 Mio.)“. 4
Auch die Zahl der Studenten stieg rapide an. Während es 1960 noch 120000 Studenten waren, waren es 1975 schon 840000 Studenten 5 und 1989 dann schon 1,5 Mio. Studenten. 6
2.2 Auswirkungen der sozialen Herkunft / Bildungsniveau des Elternhauses „Der Zugang zu Bildungswegen orientiert sich idealerweise nach einem leistungsbezogenen Modell der Chancengleichheit. Doch Bildungschancen sind nach wie vor ungleich verteilt. Soziale Merkmale wie Geschlecht oder Herkunft bestimmen die Lebensbedingungen von Kindern, wenn auch nicht so stark wie früher. Mit der Bildungsexpansion sollte das Qualifikationsniveau der Bevölkerung insgesamt angehoben und der Zugang zu weiterführenden Schulen erleichtert w erden. Jedoch leitet die soziale Herkunft auch heute noch die Bildungswege der Kinder“. 7 Man kann einen deutlichen Unterschied zwischen Arbeiterkindern und den Mittel-und Oberschichten erkennen. „Das Aufnehmen und Durchhalten einer intensiven Bildungsbeteiligung gelingt den Kindern aus den höheren Statusgruppen besser als anderen, da sie sich flexibler an die Regeln des schulischen Leistungssystems anpassen können“. Während die Mittelschicht schon in den 60er-Jahren ihre Kinder vermehrt in Realschulen oder Gymnasien schickte, erhöhte sich der Anteil der Arbeiterkinder in diesen Schulformen erst in den 70er-Jahren, wenn auch auf erheblich niedrigerem Niveau (immer noch unterrepräsentiert). 8
4 Anweiler / Fuchs / Dorner / Petermann (1992). (Hgg.): Bildungspolitik in Deutschland 1945-
1990. Opladen. S.23.
5 Korte, Hermann: Eine Gesellschaft im Aufbruch. Frankfurt a. M. 1987. S.59-63.
6 Köhler, Helmut: Bildungsbeteiligung und Sozialstruktur in der Bundesrepublik. In: Studien und
Berichte 53. Berlin 1992. S.29.
7 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport 1999. Bonn 2000. S.471.
8 Rodax / Hurrelmann: Die Bildungsbeteiligung der Mädchen und Frauen- ein Indikator für wach-
sende Chancengleichheit? In: ZSE. Jahrgang 6, Heft 1, 1986. S.142.
4
Dies hat viele Gründe. Zum einen hatten Arbeiterfamilien oft wirtschaftliche Schwierigkeiten und konnten es sich nicht leisten, ihre Kinder auf höhere Schulen zu schicken. Da die Eltern meistens selbst keine höhere Bildung genossen, hielten sie Bildung für unnötig und erwarteten von ihren Kindern, dass diese in der „gleichen Schicht“ bleiben. Außerdem schickte man die Töchter selten auf höhere Schulen, da diese früher oder später eine Familie gründen würden und eine Schulausbildung dann sowieso unnötig sei. 9
Auch heutzutage gibt es noch schichtspezifische Unterschiede. Dies zeigen z.B. die Zahlen von 1998. In Angestellten- und Beamtenfamilien ist heute nur noch ein geringfügiger Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in der Bildungsbeteiligung zu erkennen. „Kinder von Beamten im gehobenen Dienst (42%) oder von qualifizierten Angestellten (23%) finden häufig den Weg an die Universitäten. Während Kinder von Facharbeitern bzw. Meistern (62%) oder von Beamten in einfacher Stellung (60%) vor allem eine Lehre absolvieren. Kinder von un- oder angelernten Arbeitern hingegen haben überproportional häufig keinen Ausbildungsabschluß. Bis zu einem Drittel der Kinder aus unteren und mittleren Bildungsschichten erhielten eine Fachhoch- bzw. Hochschulausbildung. Bildung wird jedoch in hohem Maße innerhalb der Familie weitergereicht“. 10
„Ein enger Zusammenhang besteht auch zwischen der Bildung der Kinder und dem Bildungsabschluß der Eltern, insbesondere des Vaters. Unterscheidet man nach den Kategorien Selbständiger, Beamter, Angestellter oder Arbeiter, bestätigt sich, dass Arbeiterkinder immer noch deutlich häufiger als Kinder von Eltern anderer Berufsgruppen die Hauptschule besuchen und an Realschulen und Gymnasien schwächer vertreten sind. Allerdings hat sich der Anteil der Arbeiterkinder, die diese beiden Schulformen besuchen, von 17,1% (1972) auf 25,3% (1982) erhöht. Kinder, deren Eltern einen gymnasialen Schulabschluß haben, besuchen zu einem sehr viel größeren Prozentsatz das Gymnasium (57,3%) als Kinder von Eltern mit Hauptschulabschluß (13,3%) oder Realschulabschluß (37,3%)“. 11
Schlüter, Anne: Bildungserfolge. In: Studien zur Erziehungswiwssenschaft und Bildungs-
Forschung, Band 13. Opladen 1999. S.22.
9 Pross, Helge: Über die Bildungschancen von Mädchen in der Bundesrepublik. Frankfurt a. M.
1976. S.60/61.
10 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport 1999. Bonn 2000. S.472.
11 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport. Stuttgart 1985. S.73/74.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Stocker, 2002, Partizipation von Mädchen und jungen Frauen an weiterführender und höherer Bildung - Veränderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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