Gliederung:
1. Allgemein. 3
2. Mythologie 4
2.1. Orpheus 4
2.2. Dionysos - Apollon. 5
3. Musiktheorie 5
3.1. Pythagoras 5
3.2. Aristoxenos 8
4. Septem artes liberales. 9
5. Ode, Pastorale und Oper 10
6. Schlussgedanke 14
7. Literaturauswahl. 15
2
1. Allgemein
In wellenartigen Strömungen erreichten antike Ideen - natürlich auch im Platon´schen Sinn zu verstehen - Europa und erfreuten oder erfreuen sich großer Beliebtheit. Schon von den Römern wurde die griechische Kultur zum Ideal erklärt, in der Renaissance wurde das Altertum sprichwörtlich wiederbelebt. Humanismus 1 gilt heute als epochaler Weltanschauungsentwurf, und die Bezeichnungen Klassik und Klassizismus sprechen ebenfalls für in der Antike verwurzelte Ideen. Deutliche Einflüsse lassen sich ebenfalls im Denken der deutschen Dichter 2 und Philosophen im 19. Jahrhundert nachweisen.
Antike ist omnipräsent: Sei es in der christlichen Religion, im Rechtssystem oder in der Sprache. Lange Zeit wurden diese antiken Traditionen von Kirche und Aristokratie getragen. Inzwischen zählt antikes Gedankengut zum Allgemeinwissen, und nicht mehr ausschließlich zu dem gewisser Eliten. Die griechischen Heldensagen sind bekannter als die germanischen. Nicht nur in gut bürgerlichen Kreisen hat sich nunmehr eine Art Kanon antiker Themen etabliert. Durchgehende, Jahrhunderte überdauernde Existenz der antiken Spuren ist dabei keinesfalls Vorraussetzung für deren Erhalt, wie man an der Geschichte des „Y“ im Wort „Bayern“ sehen kann, das der graecophile König Ludwig I. eingeführt hat. 3 Zu kurz gegriffen wäre allerdings, musikalische Fachbegriffe wie Harmonie, Enharmonik oder Chromatik einfach zu übernehmen, da diese im Laufe der Jahrhunderte Bedeutungswandel erfahren haben.
1 Vgl.: Haar, Humanismus, 1996.
2 Aulich, Orphische Weltanschauung der Antike und ihr Erbe bei den Dichtern Nietzsche, Hölderlin, Novalis und Rilke, 1998.
3 Im Zuge der Wahl von Otto I. zum König von Griechenland wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts das „I“ im Wort „Bayern“ durch das „Y“ ersetzt. Allerdings nur im Zusammenhang mit dem Staatswesen. (Philhellenismus)
3
2. Mythologie
2.1. Orpheus
Zwischen der Antike 4 und der Zeit der Aufklärung verbreitete und erweiterte sich die weltanschauliche Lehre Orphik, die auf dem mythischen Sänger Orpheus begründet ist. Besonderes Interesse an Orpheus entstand mit den musikalischen Neuerungen um 1600. Symptomatisch ist die Entstehung der Oper dafür, und besonders bezeichnend ist, dass einige der ersten Opern überhaupt den Titel Euridice 5 oder Orfeo 6 tragen. Reinhard Kapp erreicht in seinem Chronologischem Verzeichnis auf Orpheus zurück gehender Texte, Opern oder Theater- oder Musikstücke von den Anfängen bis zur Gegenwart die beachtliche Seitenzahl von 65. 7 Und so gilt bis heute Orpheus sowohl als Patron der Oper, als auch als Patron der absoluten Musik. In der Antike glaubte man sogar, er habe neben der Musik auch die Schrift und den Hexameter erfunden. 8 Die Vielschichtigkeit des Mythos, der in verschiedenen Versionen überliefert ist, lässt dabei unterschiedliche Interpretationen zu. Allen gemein ist jedoch der Glaube an die Magie der Musik, mit der eine Einflussnahme auf die Umwelt möglich sein kann. Schließlich führt sich die Kultgemeinde auf den sagengestaltigen Sänger Orpheus zurück, der mit seinem Gesang die Grenzen zwischen Tod und Leben überwinden konnte.
Neben der Musik steht oder stand vor allem eine Religiosität im Vordergrund, die der christlichen Glaubenslehre sehr nahe kommt. Gemeinsamkeiten sind beispielsweise der Monotheismus (mit erbprinzlichem Sohn Dionysos), die Jenseitslehre als zentraler Punkt, das Totengericht, die unsterbliche Seele und die Wiedergeburt. Ebenso zählen Einehe und Keuschheit neben einer asketischen Lebensweise zu den erklärten Zielen und Idealen.
4 Im siebten Jahrhundert breitete sich der Kult von Thrakien aus und erfasste bald den ganzen griechisch-kleinasiatischen Raum.
5 Peri (1600) und Caccini (1600).
6 Monteverdi (1607).
7 www.erg.at/iatgm/kapp-orpheus.pdf
8 Aulich, Orphische Weltanschauung der Antike und ihr Erbe, 1998, Seite 27.
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2.2. Dionysos - Apollon
Diese zwei antiken Gottheiten stehen auch noch in der Neuzeit für verbindliche, polare Kunstprinzipien. 9 Nietzsche arbeitet in Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik mit dem Begriffspaar dionysisch-apollinisch und machte es nachhaltig bekannt. Die anschauliche Duplizität der Begriffe und die vermeintlichen Einfachheit öffne(te)n dabei allerdings jeglicher Simplifizierung Tür und Tor. Grob gesprochen steht Apoll für Licht, Reinheit, Maß, Ruhe (aber auch Sprache und Kithara). Dionysos hingegen symbolisiert Rausch, Formlosigkeit (aber auch Musik und Aulos). Zusammen wären nach Nietzsche diese konträren ästhetischen Prinzipien für die Entstehung des Theaters ausschlaggebend, denn in der attischen Tragödie wäre die Vereinigung dieser Kräfte gelungen. Erst im Opernschaffen Wagners glückte - nach Nietzsche - diese Verbindung wieder. In der Folgezeit jedoch überwarf Nietzsche sich mit Wagner - nicht zuletzt wegen dessen erstarkender christlicher Religiosität („Wagnerei = Idiotie“) 10 und rückte von ihm ab. Mit antiken Themen und dem „Dionysischem“ beschäftigte sich Nietzsche aber bis zum Schluss seines Lebens (Dionysos-Dithyramben). Von Philologen wurden aber all diese Thesen zu jeder Zeit als unwissenschaftlich abgelehnt. Wahrscheinlich wollte Nietzsche sein Gegensatzpaar dionysisch-apollinisch durch den etwas verklärten Vergangenheitsbezug idealisieren und transferierte seine Ideale der differierenden Prinzipien deshalb in die Antike.
3. Musiktheorie
3.1. Pythagoras
Pythagoras (570 - 497) und seine Schule stehen für die Idee der Sphärenmusik. Diese vereinigt auf besondere Weise die Ideen der Musik, des Himmels und der Zahl. Irdische Musik wäre demnach eine Imitation der himmlischen Sphärenharmonie, die durch die Bewegung der Sterne entstehe. Die Sterne wiederum bewegten sich nach dem Prinzip der Zahlen. Die Einheit von Himmel, Harmonie und Zahl wäre somit gegeben.
9 Vogel, Apollinisch und Dionysisch, 1966, Seite 8.
10 Hemetsberger, Appolinisch und dionysisch, 1975, Seite 29.
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Arbeit zitieren:
Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer, 2006, Antike „Ideen“ der Musik im Kanon, München, GRIN Verlag GmbH
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