Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Ursprünge - Koordinative Fähigkeiten 3
2.1 Die Greifswalder Forschungsgruppe um Hirtz 4
2.2 Das Leipziger Modell 5
2.3 Praxisbezogenes Modell im Bereich Rückschlagspiele 6
3 Neuere Herangehensweisen und alternative Ansätze 7
3.1 Das Strukturmodell zu koordinativen Anforderungskategorien 8
3.2 Fertigkeitsspezifische Ansätze 9
3.3 Interdisziplinäre Ansätze 11
3.3.1 Das Expertisemodell 11
3.3.2 Synergetik 13
4 Diskussion 14
Literaturverzeichnis 16
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1 Einleitung
Eine funktionierende und zielgerichtete Koordination ist zur erfolgreichen Ausführung von sportlichen wie alltäglichen Bewegungen eine unerlässliche Voraussetzung. Bezüglich dieser Tatsache sind sich die verschiedenen Forschungsbereiche, die unter dem Mantel der Sportwissenschaft zusammengefasst werden, seit langem einig. Die bewegungswissenschaftliche Disziplin der Koordinationsforschung beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit zum Einen mit einer wissenschaftlich fundierten Kategorisierung des theoretischen Konstrukts „Koordination“, sowie zum Anderen mit (sport-) praktischen Anwendungsmöglichkeiten eben dieser Kategorisierungen auf der Praxisebene. Rechtfertigen lassen sich diese Forschungsansätze durch ein erweitertes Verständnis der menschlichen Motorik, was letztenendes zu optimierter Trainingsanwendung und Leistungssteigerungen führen sollte.
Definiert wird Koordination auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner als ein Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs (Hollmann & Strüder, 2009). Meinel und Schnabel (2007, S. 212) fügen zudem eine Herleitung über den Begriff „Ge-wandtheit“ hinzu, welcher eine „Fähigkeit zur schnellen und zweckmäßigen Lösung motorischer Aufgaben“ beinhaltet; eine für Sportler aller Art entscheidende Befähigung. Klassischerweise werden die „koordinativen Fähigkeiten“ immer auch in einem Atemzug mit den „konditionellen Fähigkeiten“ genannt, welche sich additiv mit den diskriminativen Determinanten sportlicher Leistung ergänzen und diese sogar teilweise überschneiden. Die Relevanz dieses fruchtbaren Forschungszweigs ist somit unverkennbar gegeben und auch auf den ersten Blick zu erkennen. Ziel dieser Arbeit wird es sein, einen Überblick über die verschiedenen Ansätze in der Entwicklung der sportwissenschaftlichen Koordinati-onsforschung zu gewährleisten, sowie diese Konstrukte kritisch zu hinterfragen.
2 Die Ursprünge - Koordinative Fähigkeiten
Die Erforschung der Koordination von Bewegungsabläufen aller Art hat ihren Ursprung im allgemeinen Fähigkeitsansatz. Eine Fähigkeit stellt dabei per Definition eine relativ (zeitlich und situativ) überdauernde Verhaltensdisposition einer Person dar (Hohmann, Lames & Letzelter, 2007). Für die Sportpraxis über-
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setzt bedeutet das, dass ein für eine Bewegungsgruppe erworbenes Fähigkeitsniveau beliebig auf andere Bewegungen übertragbar sein sollte. So gehen die Fähigkeitstheoretiker davon aus, dass ein von einer Versuchsperson gezeigtes Verhalten, bei einer ihr gestellten Bewegungsaufgabe, Rückschlüsse auf das Fähigkeitsniveau im angenommenen motorischen Steuerungsbereich zulässt. Zeigt ein Proband also beispielsweise gute Leistungen bei einer bestimmten Balancieraufgabe, so ergäbe sich daraus die logische Folgerung, dass jene Versuchsperson zum Einen eine gut ausgebildete Gleichgewichtsfähigkeit besitzen muss und zum Anderen diese internalisierte Fähigkeit auch auf andere Bewegungsaufgaben anwenden kann und folglich bei diesen dementsprechend ebenfalls gut abschneiden würde. Den motorischen Fähigkeiten gegenüber stehen die motorischen Fertigkeiten, welche laut Roth (1999) der Realisierung jeweils spezifischer Bewegungen zugrunde liegen.
2.1 Die Greifswalder Forschungsgruppe um Hirtz
Eben diese Auffassung wurde unter anderem von der über viele Jahre höchst einflussreichen Greifswalder Forschungsgruppe um Peter Hirtz vertreten. In einer von der Führung des damaligen DDR-Systems beauftragten, groß angelegten induktiven Feldstudie versuchten Hirtz und seine Kollegen anhand von sportmotorischen Tests mit Kindern im Schulalter (7-16 Jahre) bestimmte koordinative Fähigkeiten zu ermitteln. Diese sollten dann wiederum im Sportunterricht gezielt gefördert werden, um somit den Kindern, angesichts der „komplizierter werdenden Bedingungen der modernen Produktion und des erhöhten Tempos des sozialen Lebens“ (Hirtz, 1977, S. 503) im späteren Verlauf ihres Lebens zugutekommen zu können. Im Bemühen um wissenschaftliche Objektivität in Form von Zahlen und Berechnungen zugrunde liegender Fakten, entschied sich die Forschungsgruppe, die Ergebnisse der 20 von ihnen gestellten sportmotorischen Tests mittels Faktorenanalyse zu bearbeiten und auf diese Weise koordinative Fähigkeiten zu extrahieren. Vereinfacht formuliert wird bei dieser Vorgehensweise ein Korrelationskoeffizient eines Testpaars (Zweierkombination von verschiedenen Tests) errechnet und - basierend auf der Fähigkeitsannahme - bei entsprechend hoher Korrelation eine angenommene Fähigkeit als gegeben interpretiert (Roth, 1999).
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Kritik an dieser Methode setzt vor allem an zwei Punkten an. Zunächst wird für aussagekräftige Ergebnisse dieser Art eine große Masse an Zahleninput benötigt, welcher oberflächlich betrachtet durchaus gegeben zu sein scheint (1800 Schulkinder). Geht man jedoch davon aus, dass Hirtz‘ Probandenanzahl auch der Trainierbarkeit einzelner Fähigkeiten zu verschiedenen Entwicklungszeitpunkten und einer Differenzierung nach Geschlecht gerecht werden muss, schrumpft die Probandenzahl pro Jahrgang auf durchschnittlich 90. Einen weiteren Nachteil des faktorenanalytischen Verfahrens arbeiten Büsch, Hagemann und Thielke (2001) heraus, welche den Umstand einer relativen Geschlossenheit des Ergebnisrahmens der Untersuchung bemängeln. Dieser Schwachpunkt, dass man letztenendes „nur das herausbekommt, was man reingesteckt hat“ (Büsch et al., 2001, S. 58), ist weniger ein Mangel der Faktorenanalyse an sich, sondern vielmehr ein generelles Problem empirischer Studien, welche sich den Spielraum ihrer möglichen Ergebnisse zumeist selbst vorgeben.
2.2 Das Leipziger Modell
Auf die Ergebnisse der Hirtz‘schen Studie stützen sich auch Meinel und Schnabel (2007), die die Idee einer gesteigerten Lernsensibilität für einzelne Fähigkeiten zu bestimmten Entwicklungsabschnitten aufgreifen. Sie argumentieren dabei, dass Sportler wie Schulkinder gleichermaßen und unweigerlich von einer grundlegenden und ganzheitlichen Ausbildung ihrer Koordination profitieren. Ihrer Ansicht nach gelingt es Sportlern mit gut ausgebildeten koordinativen Fähigkeiten schneller und effizienter, neue Bewegungsfertigkeiten zu erlernen. Außerdem wird dem Sporttreibenden ein höherer Ausnutzungsgrad energetischer Funktionsprozesse bzw. der konditionellen Fähigkeiten durch „aufgabengemäße und genaue Krafteinsätze sowie durch eine energiesparendere Entspannung“ in Aussicht gestellt. Das übergeordnete Ziel Meinel und Schnabels ist es, das Sammelsurium an unterschiedlichen Lehrmeinungen bezüglich der Vielfalt an Fähigkeitssystemen auf eine vernünftige Zahl an essentiellen koordinativen Fähigkeiten zu kürzen. Konkret legen sie sich dabei auf die Ergebnisse des Leipziger Arbeitsmodells fest, welches die bekannten „sieben koordinativen Fähigkeiten“ Differenzierungs-, Kopplungs-, Reaktions-, Orientierungs-, Gleichgewichts-, Umstellungs- und Rhythmusfähigkeit beinhaltet.
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Arbeit zitieren:
Michael Burger, 2009, Wissenschaftliche Forschung zum sportlichen Koordinationsbegriff im Wandel der Zeit , München, GRIN Verlag GmbH
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