INHALTSVERZEICHNIS
Prolog 3
1. Die Differenzierung zu Beginn der Geschichte des Landes 4
2. Konfliktakteure 5
2.1. „Belgisch-Kongo“ und die Gründe des Rwanda-Konflikts, seine
Problematik , Machtbalance. 7
2.2. Die staatlich verordnete Ethnisierung während der Kolonialzeit 10
3. Die Zeit der Unabhängigkeit oder Die Schlacht beginnt 12
4. Resümée. 16
2
PROLOG
Als im Jahr 1994 erste Meldungen auch zu uns drangen, dass in einem Land namens Ruanda (oder Rwanda) schreckliche Greueltaten an der Tagesordnung waren, musste so mancher erst einmal einen Atlas benutzen, um zu wissen, wo dieses Land überhaupt lag. Sofern jemanden überhaupt daran interessiert war, wo sich wieder einmal „afrikanische Wilde“ die Schädel einschlugen. Erst Monate zuvor waren schon Nachrichten aus einem gewissen Burundi nach Europa gedrungen, ohne dass dies sichtlich jemand interessiert hätte. Immerhin wusste das zusehende und wenig beeindruckte Publikum jetzt, dass es so was wie Tutsis und Hutus gab, wofür die standen, tja, das blieb im Irrlicht der afrikanischen Weiten liegen. Vielleicht konnten noch einige deutsche Kolonialveteransabkömmlinge aus den Erzählungen ihrer Vorväter mit diesem Land etwas anfangen. Diese Geschichten endeten meist mit dem Prolog auf die edle deutsche Milde, die man diesen Völkern zukommen ließ. Vom Deutsche Edlen wissen afrikanische Historiker jedoch ebenso wenig, wie vom edlen und adligen Belgier, die ihre Kolonialvölker auf einem Bildungsniveau hielten, das dann nur noch mit menschlichen Vorfahren konkurrierte. Es vergingen Jahre nach 1994, ehe das ganze Ausmaß an Grauenhaftigkeit und Unvorstellbarkeit sichtbar wurde, was sich dort im unbekannten Rwanda abgespielt hat. Hollywood war es wieder einmal zu verdanken, dass man diese Zeit spielfilmartig umzusetzen vermochte. Hotel Ruanda beeindruckte Hunderttausende Kinovoyeure, vielleicht mehr wegen der Darsteller als wegen des Inhalts. Auch andere Filme folgten. Dann kamen die Berichte über die Prozesse und die Versuche der Verständigung. Aber auch die der noch immer aufflackernden Kämpfe, der riesigen Flüchtlingslager und auch der Konflikte rund um den sogenannten Afrikanischen Weltkrieg 1 . In dieser Arbeit möchte ich versuchen, die Geschichte der Hutus und Tutsis zu erzählen, weiters die Zeit während der Abhängigkeit vom belgischen Rabemutterland und dann den aktuellen Konflikt von 1994, der noch immer nicht abgeschlossen zu sein scheint.
1 Dieser Ausdruck stammt von Madeleine Albright, amerikanische Ex-Außenministerin, siehe dazu
Grill, Bartholomäus, Der Afrikanische Weltkrieg, in:
http://www.zeit.de/2001/09/200109_kongo.xml?page=1, Zugriff am 6. Juli 2009
3
1. Die Differenzierung zu Beginn der Geschichte des Landes
Zuerst entschlüsselten die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' die regionale Herkunft: Im Südwesten nannten die Menschen, die nicht aus Rwanda stammten, alle Einwohner Rwandas 'Tutsi'. 2 Später brachte nicht die Abstammung, sondern vielmehr die Frage nach dem Reichtum und Status eines Einzelnen eine wesentliche Erkenntnis darüber, ob man Tutsi oder Hutu war. Ein bedeutsamer Indikator hierfür war die Größe des Viehbesitzes einer Person. Ein „Tutsi“ wurde erst als solcher identifiziert, wenn er eine gewisse Anzahl Vieh besaß, in ansonsten gehörte er zu der zahlenmäßig weit überlegenen Hutugruppe. Ein Hutu konnte also, nachdem er zu Reichtum gekommen war und sich davon Vieh kaufte, automatisch ein Tutsi werden. Weder seine eigene religiöse Überzeugung, noch irgendein traditionelles Ritual war bei dieser Bezeichnungsänderung ausschlaggebend; ganz im Gegenteil: Der Übergang von Hutu zu Tutsi (und umgekehrt) fand fließend statt. Gleiches galt bei Hochzeiten: Ein reicher Hutu durfte sich eine Tutsi zur Frau nehmen, was zur Folge hatte, dass von da an auch er zu der Volksgruppe Tutsi gehörte. Verarmte jedoch ein Tutsi, konnte ihm von seinen Angehörigen verwehrt werden, eine Tutsi zu heiraten. Er musste diesen sozialen Abstieg in Kauf nehmen und eine Hutu- Frau heiraten. Von nun an war auch er automatisch ein Hutu, was zeigt, dass die Bezeichnungen nicht absolut, nicht starr, sondern vielmehr fließend waren. Für den Vorgang des sozialen Auf- und Abstiegs gab es sogar Benennungen in der Sprache Kinyarwanda, was den Beweis mit sich bringt, dass dieses Phänomen keine Seltenheit war. Als sozialen Aufstieg benutzte man das Wort „icyhure“ und mit dem Begriff „umuwore“ kennzeichnete man den Abstieg von Tutsi zu Hutu. 3
Diese Beispiele zeigen, dass die Rwander vor der Kolonialzeit nicht verschiedenen Ethnien angehörten, sondern vielmehr in soziale Kategorien eingeteilt werden konnten. Vielleicht trifft die Bezeichnung „soziale Klassen“ den Kern. Der eigene Erwerb des Einzelnen war ausschlaggebend für die individuelle Namensgebung 'Hutu’ oder 'Tutsi'. Da sich die ökonomischen Bedingungen stets verändern konnten, waren diese Bezeichnungen dynamisch veränderbar. Durch Fleiß, Heirat, Glück oder
2 Vgl. Hoering, Uwe, Zum Beispiel Hutu & Tutsi. Der Völkermord hätte verhindert werden können,
befand ein UN-Bericht. Göttingen 1997, S 18
3 Vgl. Harding, Leonhard, Ruanda - der Weg zum Völkermord. Vorgeschichte - Verlauf -Deutung.
Hamburg, 1998, S 18f
4
Arbeit konnte man in die jeweils andere Klasse auf- oder absteigen. Somit bestimmten diese Verhaltensweisen die Zugehörigkeit der Rwander.
Mit den Zentralisierungsprozessen des Königreiches Ruanda im 19. Jahrhundert wurden auch die Begriffe 'Hutu' und 'Tutsi' neu gebraucht. Da fast ausschließlich den Tutsi die Machtpositionen gegönnt waren, setzten die Einwohner Ruandas diesen Begriff auch bald mit „diejenigen, die die Macht inne haben und ausüben“ gleich. 4 Für die Hutu war es zwar möglich, Macht über gewisse Ressourcen zu erlangen, es war aber mit mehr Schwierigkeiten verbunden. So erhielten die Hutu im Volksmund auch bald den Beinamen „die Beherrschten“. Zu betonen ist hier aber, dass dies keinesfalls zu Konflikten oder Auseinandersetzungen führte, was vielleicht zuerst angenommen werden könnte. Durch die überaus flexible Handhabung des Begriffes hatte grundsätzlich jeder Ruander die Chance seine eigene soziale Stellung zu verbessern. Gleichzeitig bestand aber auch die Gefahr für jeden Einwohner Rwandas auf „sozialen Abstieg“. Außerdem war den Menschen von Geburt an nicht vorgeschrieben, ein Hutu oder ein Tutsi zu sein; es wurde weder schriftlich festgehalten, noch mündlich verkündet. 5 Bis dass die Belgier kamen…..
2. Konfliktakteure
Der ethnische Konflikt zwischen Hutu und Tutsi ist uralt und bezieht sich nicht nur auf die Massaker 1994. Um die Konfliktanalyse beginnen zu können, muss man zuerst die Konfliktakteure noch näher und umgelegt auf die heutigen Verhältnisse kennen lernen. Rwanda, der drittkleinste Staat Afrikas, wird durch drei Nationalitäten bewohnt und zwar: Hutu (oder: Bahutu), Tutsi (oder: Batutsi) und Twa (oder Batwa).
4 Vgl. Ebd. S 19
5 Vgl. Ebd.
5
Die drei Nationalitäten bevölkern denselben geographischen Raum, sprechen, wie erwähnt, dieselbe Sprache, kiyarwanda, haben eine gemeinsame Kultur und gehören derselben Nation der Banyarwanda. Es liegen keine verlässlichen aktuellen Zahlen für die Hutu-Bevölkerung vor, die unmittelbar vor der Unabhängigkeit Ruandas und Burundis zu Beginn der 60er Jahre des XX Jahrhunderts bei knapp 4 Millionen lag. Heute dürfte ihre Zahl zwischen 7 und 10 Millionen liegen. Die Tutsi bildeten eine Minderheit in den Gesellschaften, an deren Spitze sie standen, wobei ihre Zahl auf nicht mehr
als 16 % der Landesbevölkerung geschätzt wird, d. h., dass in Ruanda mit 7 Millionen Einwohnern 1994 weniger als 1 Million Tutsi lebten 7 . Doch handelt es sich hier nicht um drei klar definierte Volksstämme. Es gibt Theorien, die nachzuweisen versuchen, dass die Hutu der Bantu-Rasse entstammen und die Tutsi Nachkommen der Hamiten seien, die im XVII Jahrhundert von Äthiopien eingewandert seien. 8 Rein äußerlich sind allerdings Unterschiede bemerkbar. Die Tutsi, groß gewachsen und mit feinen Gesichtszügen, wurden von den Kolonialherren oftmals als "schwarze
6 Quelle: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761560996_6/Ruanda.html
7 Vgl. Buch Hans-Christoph, Gemetzel im Jammertal, in: Afrika - Fischer Weltalmanach, hsrg. Die
Zeit, Frankfurt 2006, S 56
8 Vgl. Dabag, Mihran; Gründer, Horst; Ketelsen, Uwe-Karsten (2004): Kolonialismus,
Kolonialdiskurs und Genozid, Paderborn, S 239f
6
Arbeit zitieren:
Mag. Hannes Naderhirn, 2009, Der "ewige" Krieg in Rwanda, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Auswirkungen des E-Commerce auf Betriebsformen und Sortimentspolitik d...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 27 Seiten
Interkultureller E-Commerce: Voraussetzungen, Realisierung und Problem...
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Integration der Muslime in Deutschland
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Politische PR - Inszenierte Politik im Massenmedium Fernsehen
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Ist das kommunistische Manifest heute noch aktuell?
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 20 Seiten
Textzusammenfassung - Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommu...
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 12 Seiten
Die Entstehung des modernen Terrorismus im 19. Jahrhundert
Der Weg von der Französischen ...
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Hausarbeit, 15 Seiten
Hannes Naderhirn's Text Der "ewige" Krieg in Rwanda ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Hannes Naderhirn hat den Text Der "ewige" Krieg in Rwanda veröffentlicht
Hannes Naderhirn hat einen neuen Text hochgeladen
Die internationale Schweiz in der Zeit des Kalten Krieges/La Suisse in...
Sandra Bott, Sacha Zala, Janick M. Schaufelbuehl
Der gerade Kreis - Nietzsche und die Geschichte der Ewigen Wiederkehr
Eine wissenssoziologische Unte...
Gerd Harders
Der Krieg in der europäischen Geschichte
Vom Mittelalter bis zu den neu...
Michael Howard, Karl Heinz Siber
Die USA und der Zweite Weltkri...
Jacques Pauwels, Renate Heike van der Laan
In den Hinterzimmern des Kalten Krieges
Die Schweiz und ihr Umgang mit...
Silvia Höner, Christoph Kuhn, Emanuel La Roche, Konrad Rudolf Lienert, Jürg Schoch
0 Kommentare