INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. MOTIVE UND STRATEGIEN 4
2.1 Motive. 5
2.1.2 Freiwilligenagentur 7
2.2 Strategien zur Förderung 8
3. KINDER IN SOZIAL BENACHTEILIGTEN FAMILIEN 9
3.1 Situation sozial schwacher Familien 10
3.2 Bedingungsfaktoren psychischer Erkrankungen 12
3.3 Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) 13
4. ENGAGEMENTFÖRDERUNG 15
4.1 Möglichkeiten. 15
4.2 Hemmnisse und Hindernisse 16
4.3 Rahmbedingungen 16
5. FAZIT 19
6. LITERATUR. 22
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1. EINLEITUNG
Der sechsjährige Max lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf in der Altmark / Sachsen-Anhalt. Er besucht die erste Klasse der dortigen Grundschule und ihm droht ein Verweis von der Schule, weil er nach vielfachen Verwarnungen und Gesprächen mit den Eltern dem Unterricht weiterhin massiv stört. Sein Vater ist arbeitslos, trinkt regelmäßig Alkohol und neigt unter Alkoholeinfluss zu gewalttätigem Umgang mit seiner Frau und den gemeinsamen zwei Kindern. Die Mutter leidet sehr darunter und ist mit der Versorgung und Erziehung von Max und seinen Geschwistern überfordert. Hinzu kommt, dass sie sich stark isoliert fühlt, weil sie von den anderen Bewohnern des Dorfes gemieden wird. Die Familie scheitert zusehends an seinen Lebensaufgaben und an der Erziehung der Kinder. Der weitere Werdegang für Kinder wie Max und seine Geschwister scheint sehr oft vorprogrammiert: dissoziales Verhalten, Schulverweis, Substanzmissbrauch (frühzeitiges Rauchen und Alkoholkonsum), auffälliges oder sogar gewalttätiges Verhalten, welches im Falle der Eskalation sogar mit der Herausnahme aus der Familie und ggf. mit einer psychiatrischen Behandlung mit stationärem Aufenthalt endet. Bevor es jedoch soweit kommt, werden die betroffenen Kinder in ihrem sozialen Umfeld, im Kindergarten, oder in der Schule in einem Maß auffällig, dass entweder durch die Erzieher oder Lehrer oftmals schon ein starker Druck auf die Familie ausgeübt wird. Die sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) soll hier gemäß § 27 ff. SGB VIII mit zielgerichteten Interventionen Hilfen anbieten, die die Betroffenen individuell in ihrer Lebenswelt begleitet und in Problemlagen unterstützt.
Das Fall von Max ist ein fiktives Beispiel für viele Kinder und Familien sowohl in ländlichen als auch in urbanen Lebensräumen. Ich werde mich in meiner Arbeit jedoch mit Maßnahmen in ländlichen Gebieten befassen, da ich der Ansicht bin, dass betroffene Kinder und Familien schneller und gezielter in Verruf geraten und ausgegrenzt werden als unter dem Deckmantel der Anonymität in der Stadt.
Ob Integration für betroffene Familien in ländlichen Gebieten in dem System der Freiwilligenagenturen möglich ist und welcher Nutzen ggf. für die Jugendhilfe daraus resultieren könnte, ist die zentrale Fragestellung dieser Arbeit. Auf einen Vergleich der Situation in städtischen Regionen soll an dieser Stelle verzichtet werden, da diese einer gesonderten Betrachtungsweise bedarf.
Ich werde zu Beginn dieser Arbeit zunächst die grundlegenden Bedeutungen der Bürgergesellschaft, des Ehrenamtes, der Freiwilligenarbeit und der Freiwilligenagentur erklären um
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darzustellen, in welchem Kontext eine Förderung zu freiwilligem Engagement stattfinden könnte. Im Anschluss daran werde ich in Abschnitt 2 den Fokus auf das Engagementpotenzial legen, um die Motivation freiwilligen Engagements darzustellen und daraus in späteren Abschnitten den Nutzen für betroffene Familien abzuleiten. In Abschnitt 3 werden wesentliche Aspekte und Zielsetzungen der Sozialpädagogischen Familienhilfe (im Folgenden: SPFH) erklärt. Ich werde die Problematik an der Situation betroffener Familien sowie signifikante psychiatrische Risikofaktoren aufführen um daraus protektive Faktoren abzuleiten. In Abschnitt 4 werde ich die Engagementförderung sozial benachteiligter Familien in ländlichen Lebensräumen als Ergänzung der SPFH diskutieren. Dazu werde ich die Erkenntnisse der vorangegangenen Abschnitte aufeinander beziehen. Anschließend gehe ich kurz auf die Hindernisse ein, die ein solches Engagement bisher nur unzureichende zustande kommen ließen. Um dennoch eine Zusammenführung sozial benachteiligter Familien mit den Milieus der Freiwilligenarbeit herbei zu führen, werden im letzten Teil dieses Abschnitts Überlegungen zu den erforderlichen Rahmbedingungen angestellt.
Im abschließenden Fazit werde ich die Erkenntnisse im Hinblick auf die Forderung nach mehr Engagement beurteilen und einen kurzen Ausblick auf weiterführende Interventionsmöglichkeiten geben.
Anmerken möchte ich, dass Begriffe wie Erzieher, Lehrer, Schüler usw. aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung in der maskulinen Form dargestellt sind, ohne dass dadurch eine geschlechtsspezifische Wertung vorgenommen wurde. Grundsätzlich sind beide Geschlechter angesprochen.
2. MOTIVE UND STRATEGIEN
Viele, nicht näher benannte Studien zeigen, dass die Motive zum Ehrenamt in den letzten Jahrzehnten einem Wertewandel unterlagen: Während früher die Übernahme von Ehrenämtern häufig durch Pflichtgefühl oder aus dem Wissen um die Notwendigkeit gegenseitiger Hilfe ausgeübt wurde, so hat heute die durch die freiwillige unentgeltliche Tätigkeit vermittelte persönliche Befriedigung einen höheren Stellenwert bekommen. Hierbei geht es unter anderem darum, eigene Interessen zu verfolgen, soziale Kontakte zu knüpfen oder Kompetenzen zu gewinnen. Durch die freiwillige Tätigkeit soll ein erlebbarer Zusammenhang zwischen Gemeinwesen und eigener Lebenswelt hergestellt werden (vgl. Kegel, 2009).
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2.1 Motive
Die Beweggründe für die Ausübung eines Ehrenamtes sind vielfältig und reichen von Altruismus, Wunsch nach sozialem Kontakt und Austausch, der Möglichkeit des gesellschaftlichen Mitgestaltens bis hin zu reinem Spaß an der Sache. Die
amerikanischen Wissenschaftler Mark Snyder, E. Gil Clary, Arthur Stukas und die finnische Wissenschaftlerin Anne Yeung untersuchten unabhängig voneinander die Beweggründe freiwilliger Helfer. Sie kamen zu ähnlichen Ergebnissen, über die sie im Journal für Psychologie (10/2001) berichten. Demnach kristallisierten sich neben dem Willen, den eigenen altruistischen Werten Ausdruck zu verleihen und die intellektuelle Neugier zu befriedigen, auch eine große Gruppe von Motiven heraus, die alle eine soziale Funktion besitzen. Dazu zählt unter anderem der Wunsch neue Kontakte zu knüpfen, genauso wie das Erleben sozialer Wertschätzung. Ein weiteres Motiv ist die Aneignung karrierebezogender Fertigkeiten. Auch stellte sich heraus, dass ehrenamtliche Tätigkeit der Verbesserung oder dem Schutz des Selbstwertgefühls dienen kann, wobei mit Schutz hier die Verarbeitung eigener Probleme gemeint ist (vgl. Wischeropp, 1998, S. 62 ff.).
Werden die Motive befriedigt, bzw. Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen erfüllt, stellt sich Zufriedenheit ein und es kann im übertragenen Sinne von einem „gelingenden Alltag“ gesprochen werden (vgl. Thiersch, 1995, S. 215). Im ersten Freiwilligensurvey von 1999 des BMFSFJ 1 werden folgende Zufriedenheitsdifferenziale aufgelistet (Braun; Klages, 2001, S. 161):
- Tätigkeit mach Spaß
- mit sympathischen Menschen zusammenkommen
- anderen Menschen helfen
- eigenen Kenntnisse und Erfahrungen erweitern
- Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten haben
- für Tätigkeit Anerkennung finden
- eigene Interessen vertreten
1 BMFSFJ = Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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- eigene Probleme selbst in die Hand nehmen
- Nutzen für berufliche Möglichkeiten
Weitere positive Auswirkungen auf einen „gelingenden Alltag“ hat die deutlich gestiegene Qualität und Quantität der Netzwerke freiwillig Engagierter. Der Freundeskreis der ehrenamtlich Tätigen ist deutlich größer als bei Personen ohne freiwillige Arbeit. Sie können dhaer in hohem Maße auf die Unterstützung anderer rechnen (vgl. Picot, 2001, S. 64). Um einen Blick auf mögliche Strategien zur Förderung freiwilligen Engagements halte ich es für wichtig, kurz die Bedeutung des Ehrenamtes und der Freiwilligenagentur zu erörtern. Dies soll im Nachhinein den Weg erleichtern, den Ehrenamt und Freiwilligenagenturen zur Motivation spezifischer Zielruppen beschreiten können. 2.1.1 Ehrenamt
Ehrenamtliches Engagement wird häufig mit Begriffen wie bürgerschaftliches oder auch freiwilliges Engagement gleichgesetzt. Traditionell war ein Ehrenamt ein Amt (z.B. in einem Verein) oder eine Tätigkeit, die man ohne Entlohnung übernahm und häufig war diese Funktion mit gesellschaftlicher Anerkennung (Ehre) verbunden (z.B. Vorstand). Heute kann man sich selbstverständlich auch ehrenamtlich engagieren, ohne in eine Funktion gewählt werden zu müssen. Die Arbeit wird in jedem Fall freiwillig erledigt, also ohne dass man dazu verpflichtet ist (wie z.B. bei sog. Tätigkeiten mit Mehraufwandsentschädigungen (MAE) - im Volksmund auch 1-Euro-Jobs genannt). Deshalb wird in jüngster Zeit häufiger der Begriff „freiwilliges Engagement“ verwendet - nicht zuletzt auch durch den zunehmenden Bekanntheitsgrad von Jugendfreiwilligendiensten. Bürgerschaftliches Engagement wird als Begriff häufig in der politischen Diskussion verwendet, wenn es um die Beschreibung der Bürgergesellschaft geht - also um eine Gesellschaft, für die sich alle Bürgerinnen und Bürger verantwortlich fühlen und die alle - je nach Möglichkeiten und Kompetenzen - aktiv mitgestalten. Die genaue Verwendung von freiwillig, ehrenamtlich und bürgerschaftlich wird auch wissenschaftlich immer wieder diskutiert. (www.lagfa.de).
Da es nach den Ausführungen der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (lagfa) keine eindeutige Definition für die Begriffe gibt, werde ich mich im Folgenden als Synonym für alle Bereiche des freiwilligen Engagements den Begriff Ehrenamt verwenden.
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Arbeit zitieren:
Tanja Lange, 2009, Bürgerschaftliches Engagement bei sozial schwachen Familien, München, GRIN Verlag GmbH
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