Gliederung
1. Einleitung 1
2. Das Krankheitsbild Demenz 2
2.1 Definition 2
2.2 Demenzformen und Ursachen 3
2.3 „Bedürfnisse“ von Demenzerkrankten 4
2.4 „Kommunikation“ mit Demenzkranken 6
3. Nicht-medikamentöse Therapieansätze als Zugangswege zu
Menschen mit Demenz 9
3.1 Die Validation 12
3.1.1 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Validation 13
3.1.2 Anwendung der Validation in der Praxis 14
3.2 Die Biografiearbeit 18
3.2.1 Voraussetzung für eine erfolgreiche Biografiearbeit 19
3.2.2 Anwendung der Biografiearbeit in der Praxis 19
4. Bedeutung der Therapieansätze für die Pflege -
aus kommunikativer Sicht 20
5. Zusammenfassung 21
Quellenverzeichnis
II
1. Einleitung
Durch die Folgen der demographischen Entwicklung und des medizinischen Fortschrittes werden die Mensche immer älter und leiden dadurch häufiger an demenziellen Erkrankungen. Die Ursachen sind zum Teil noch nicht vollständig erforscht bzw. können noch nicht vollständig erklärt werden.
Der Umgang mit und die Betreuung von Menschen mit Demenz beinhaltet komplexe Aufgaben und gestaltet sich oft sehr schwierig, da sie in einer eigenen Erlebenswirklichkeit leben. Pflegende und Angehörige stoßen deshalb täglich an ihre Grenzen und auf scheinbar unlösbare Probleme in der Kommunikation mit den Betroffenen. Das Fortschreiten der Erkrankung kann nicht verhindert werden, doch lässt sich der Verlauf und die begleitenden Einschränkungen verlangsamen und lindern.
Der Verlust der kognitiven Fähigkeiten erfordert spezifische Ansätze für den Umgang, die Unterstützung und Begleitung der dementen Menschen. Es gibt zahlreiche Wege und Möglichkeiten, Zugänge zu Menschen mit Demenz zu schaffen, „Türen“ zu ihrer verschlossenen Welt zu öffnen und die Kommunikation mit ihnen wieder möglich zu machen.
Zu Beginn der Hausarbeit wird das Krankheitsbild Demenz und seine wesentlichen Merkmale erläutert. In den weiteren Abschnitten werden nicht-medikamentöse Therapieansätze vorgestellt und die Bedeutung der Kommunikation für die Therapie und Pflege erklärt.
1
2. Das Krankheitsbild Demenz
„Spottet meiner nicht!
Ich bin ein schwacher, kind`scher, alter Mann, Achtzig und darüber, keine Stunde mehr Noch weniger, und grad heraus, Ich fürchte fast, ich bin nicht recht bei Sinnen. Mich dünkt, ich kenn Euch, kenn auch diesen Mann, Doch zweifl` ich noch, denn ich begreif es nicht, An welchem Ort ich bin. All mein Verstand Entsinnt sich dieser Kleider nicht, noch weiß ich, Wo ich die Nacht schlief.“ 1
Dieses Gedicht von William Shakespeare ist ein guter Einstieg in die Thematik, denn es beschreibt deutlich die Auswirkungen einer Demenzerkrankung und wie diese aus der Sicht des Betroffenen erlebt wird.
2.1 Definition
Der Begriff „Demenz“ kommt aus dem Lateinischen und wird übersetzt als „ohne Geist“ oder „weg vom Geist“. 2
Die WHO definiert den Begriff Demenz als „eine erworbene globale Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktion einschließlich des Gedächtnisses, der Fähigkeit, Alltagsprobleme zu lösen, sensomotorischer und sozialer Fertigkeiten der Sprache und Kommunikation, sowie der Kontrolle emotionaler Reaktionen, ohne Bewusstseinsstörungen. Meist ist der Verlauf progredient (fortschreitend), nicht notwendigerweise irreversibel.“ 3
Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert Demenz als eine „durch Hirnschädigung erworbene, meist irreparable, oft chronisch fortschreitende Minderung von Intelligenz, Gedächtnis und Auffassungsgabe, auch mit
Persönlichkeitsveränderungen.“ 4
1 http://www.we-serve-you.de/anne/index.htm?einleitung.htm (18.12.2007)
2 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (2003) S. 5
3 Ingrid Popp (1999) S. 13
4 Brockhaus-Enzyklopädie, Mannheim 1988 S. 46
2
2.2 Demenzformen und Ursachen
Die Demenz ist ein Syndrom, welches sich aus verschiedenen Symptomen zusammensetzt und ein typisches Krankheitsbild bildet. Es gibt viele unterschiedliche Demenzformen, die in primäre und sekundäre Demenz unterteilt werden. Die primären Demenzen entstehen direkt im Gehirn, wobei die sekundären durch organische Erkrankungen verursacht werden. 5
Primäre Demenzformen:
• Alzheimer-Demenz ist eine hirnorganische Krankheit, die durch die fortschreitende Schädigung von Nervenzellen und Nervenzellkontakten gekennzeichnet ist und gehört zu den häufigsten Demenzformen. Gedächtnis-und Orientierungsstörungen sowie Störungen des Denk-und
Urteilsvermögens sind wesentliche Merkmale des Krankheitsbildes, welche die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer mehr beeinflussen. 6
• Die vaskuläre Demenz wird durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht, die zu einem Absterben der Nervenzellen führt. Die Ausprägung der Demenz ist abhängig von dem Ausmaß der Durchblutungsstörung. Diese Demenzform wird entweder durch eine Wandverdickung in kleinen Blutgefäßen hervorgerufen oder durch eine Multi-Infarkt-Demenz, die das Gehirn durch viele kleine Schlaganfälle schädigt. Diese Demenzform beginnt oft schleichend und ist schwer von der Alzheimer-Demenz zu unterscheiden. Im Vordergrund stehen nicht wie bei Alzheimer Demenz die Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Stimmungslabilität,
Denkschwierigkeiten oder körperliche Störungen wie Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen. 7
• Demenz mit Lewy-Körperchen ähnelt der Alzheimer-Demenz sehr stark und ist deshalb schwer von ihr zu unterscheiden. Ursache liegt in den Zytoplasmaeinschnürungen der Hirnnervenzellen, die zwar auch im Gehirn einer gesunden älteren Person vorkommen, aber nicht in dem Ausmaß eines Patienten mit diesem Krankheitsbild. 8 Diese Demenzform ist gekennzeichnet
5 Vgl. Maciejewski et al. (2001) S. v/8
6 Vgl. Martin/Schelling (2005) S. 33 ff
7 Vgl. Martin/Schelling (2005) S. 39 f
8 Vgl. Martin/Schelling (2005) S. 41
3
durch starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit, optische Halluzinationen und leichte Parkinsonsymptome.
• Demenzen bei frontotemporaler Lappendegeneration werden durch den Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich (Fronto-Temporal-Lappen), von wo aus Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert werden, verursacht. Zu Beginn treten Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf, dazu zählen Aggressivität, Taktlosigkeit, aber auch Teilnahmslosigkeit. Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln sich Störungen der Sprache, die sich durch
Wortfindungsstörungen, Benennensstörungen, Sprachverständnisstörungen und fehlendes Mitteilungsbedürfnis bis zum völligen Verstummen äußern. 9
Sekundäre Demenzformen:
• Diese Demenzformen machen ca. fünf bis zehn Prozent der Demenzen aus und treten als Folgen verschiedener Grunderkrankungen auf. Das können zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen), Mangelsyndrome (Vitamin-B12-Mangel), Intoxikationen (Alkohol, Medikamente), Herz-Kreislauferkrankungen (Angina pectoris),
Infektionskrankheiten oder traumatische Hirnschäden (Schädel-Hirn-Trauma) sein. 10 Diese Erkrankungen sind zum Teil behandelbar und eine Rückbildung der Demenzsymptome ist damit möglich. 11
2.3 „Bedürfnisse“ von Demenzkranken
Nach Maslow werden Bedürfnisse als Mangel bestimmter Elemente in der Umwelt definiert. Dieser Mangel wird vom Individuum als Spannung empfunden, die aus physiologischer Sicht als Mangelzustand im Organismus (Hunger, Durst) und aus psychologischer Sicht als Mangel an bestimmten Verhaltenskontakten (Erfolgserlebnisse, Zuneigung, Liebe, Schutz, Geborgenheit) gesehen werden. 12 Um die Lebensqualität eines jeden Menschen erhalten und verbessern zu können, ist es wichtig, seine Bedürfnisse zu befriedigen.
9 Vgl. http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=26 (31.01.2008)
10 Vgl. Müller (1999) S. 14
11 Vgl. http://www.deutsche-alzheimer.de/index.php?id=26 (31.01.2008)
12 Vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Beduerfnisse.shtml (02.02.2008)
4
Die Bedürfnisse demenzkranker Menschen:
• Bewahrung der Identität
• Zuwendung, Geborgenheit
• Sicherheit, Schutz
• Unabhängigkeit, Selbstbestimmung
• Soziale Anerkennung und Einbindung, Kommunikation
• Erfolgserlebnisse
• Spaß, Freude
• Befriedigung der Grundbedürfnisse
• Sich als Mann/Frau fühlen
• Verständnis für seine Situation 13
Das ist eine große Anzahl von Bedürfnissen, die nicht für jeden Menschen den gleichen Stellenwert haben. Um die Betreuung von Demenzkranken individuell gestalten zu können, ist es wichtig, ihre Bedürfnisse zu kennen. Denn jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und ist in seiner Persönlichkeit einzigartig. Daher sind die Biografiearbeit, die Beobachtung und die Kommunikation wichtige Instrumente, um Bedürfnisse von Demenzkranken zu ermitteln.
Die Bedürfnisse sind in jeder Phase der Demenz unterschiedlich ausgeprägt. Wo Selbständigkeit in der ersten Phase noch von großer Bedeutung ist, spielt Zuwendung und Geborgenheit in der letzten Phase der Demenz eine größere Rolle. Denn in dieser Phase sind die dementen Menschen immer weniger mit dem Verstand, sondern ausschließlich emotional zu erreichen. Im Gegensatz zu der Sprache bleiben ihnen die Gefühle lange erhalten. 14 Über diese Gefühle können sich Menschen mit Demenz ausdrücken und sind zur Kommunikation bzw. Interaktion in der Lage. Aus diesem Grund sind andere Formen des Ausdrucks und der Kommunikation notwendig, denn sonst kann kein Austausch stattfinden. Daher werden nonverbale, körperorientierte und sinnesbezogene Ausdrucks- und Verständniswege hingegen immer wichtiger und in einigen Fällen zur alleinigen „Brücke“ zwischen demenziell veränderten und nicht-dementen Menschen. 15 Um die individuellen Bedürfnisse ermitteln zu können, nimmt die personale Kommunikation, die im nächsten Abschnitt näher beschrieben wird, einen wichtigen Stellenwert ein.
13 Vgl. Müller (1999) S. 9
14 Vgl. Martin/Schelling (2005) S.239
15 Vgl. Robert Bosch Stiftung (2007) S.31
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Arbeit zitieren:
Anna Model, 2008, Zugangswege zu Menschen mit Demenz aus kommunikativer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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