Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Historische Entwicklung der Pflege aus
soziologischer Sicht 3
3. Systemexterne Voraussetzungen und Motive
f ür den Einstieg in Pflegeberufe 6
4. Berufliche Entscheidungsprozesse
(traditionell und modern) und Karriereplanung 8
5. Rollenverständnis der Frau in Führungspositionen 12
6. Karriere und Desillusionierung 15
7. Resumée 17
Literatur S. 18
2
1. Einleitung
Diese Arbeit hat den Verlauf und die Entscheidungsprozesse weiblicher Karrieren in Pflegeberufen zum Thema. In diesem Zusammenhang sollen verschiedene Fragestellungen bearbeitet werden, die zum einen Mechanismen der Selbst- als auch der Fremdselektion in diesen Berufskarrieren verdeutlichen. Zum einen stellt sich die Frage nach der Rollenerwartung der Frau in der Gesellschaft. Wie schwer und unter welchen Umständen gelingt es Frauen Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren? Wie beurteilt die Außenwelt Karrierewünsche und Kompetenzeinsatz von Frauen und welche Erwartungen hinsichtlich der Anforderungen des Pflegeberufes hat diese? Untersucht werden soll außerdem das Krankenhaus als Organisation bzw. System. Hier soll besonders die Frage nach organisatorischen Strukturen und in welcher Art diese Verhalten, Arbeitsorganisation und Karrierechancen beeinflussen gestellt werden. Von zentraler Bedeutung an dieser Stelle sind die Konfliktsituationen und Kommunikationsschwierigkeiten für die es aufgrund der sozialen Divergenz einer Krankenhausbelegschaft (Mann-Frau, Akademiker-Nichtakademiker, Medizin-Pflege) eine breite Basis gibt.
2. Historische Entwicklung der Pflege aus soziologischer Sicht
Die Frau im Rollenverständnis des 19. Jahrhunderts war ein unersetzlicher Faktor zur Produktion (Geburt, Erziehung) und Reproduktion (kontinuierliche Wiederherstellung der männlichen Arbeitskraft). Eine Abwertung empfing die Hausarbeit hingegen durch die Unterscheidung von der Erwerbsarbeit, wobei erstere den Arbeitscharakter durch nicht erworbenes Einkommen verlor und gesellschaftlich abgewertet wurde. Für diese „verborgenen Tätigkeiten“ entwickelte die Frau besondere Fähigkeiten wie Vermittlung von Geborgenheit, Empathie und Selbstlosigkeit, die nun in der bürgerlichen Ideologie als typisch weiblich galten. 1 Durch die Eröffnung sog. Mutterhäuser bekamen Frauen die Möglichkeit eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe, wenn auch unentgeltlich, zu übernehmen. So wurde die Krankenpflege als Ausweitung der Hausfrauen- und Mutterrolle gesellschaftlich aufgewertet, zum Nutzen der Medizin hingegen abgewertet, da die Pflegetätigkeit von der medizinischen Tätigkeit des Arz- 1 Bischoff,S. 54ff
3
tes getrennt wurde und so eine klare Hierarchisierung eintrat. 2 Beim sog. Mutterhausprinzip, welches zum Teil bis zum Beginn des 20. Jh. ein Leitprinzip in der Kran-kenhausorganisation war, stand die Pflege des Kranken im Vordergrund. Der Arzt hatte lediglich eine konsiliarische Aufgabe. Er kam zur Visite oder medizinischen Eingriffen und verließ sich ansonsten auf die Beobachtungen des Pflegepersonals. Organisatorisch stand an der Spitze des Krankenhauses die Oberin, welche alle Bereiche außer der Medizindiagnostik, Therapie und Verwaltung leitete. 3 Diese Struktur änderte sich erst mit der verstärkten Beschäftigung von Ärzten an Krankenhäusern nach dem 1. Weltkrieg, was auf eine gestiegene Technisierung und Bedeutung der medizinischen Wissenschaften in den Krankenhäusern zurückzuführen ist. Obgleich der Pflegeberuf durch die Schaffung qualifizierter Berufsausbildungsmöglichkeiten im 20 Jh. eine deutliche Professionalisierung erfahren hat und auch eine Akademisierung von Teilbereichen der Pflegeberufe nicht aufzuhalten ist, ist seine hierarchische Position in der Arbeitswelt nahezu unverändert schlecht. Bischoff beschreibt dies wie folgt:
„ Die Berufsideologie der Krankenpflege darf deshalb nur in einer bestimmten Weise funktionieren: Nach außen als Leuchte der Menschlichkeit erscheinend, darf sie nach innen nichts verändern, sie darf sich höchstens individuell ändern, z.B. als individuelle Mehrarbeit für die Bedürfnisbefriedigung des Patienten, die über das übliche Maß hinausgeht.“ 4
Dieser klassischen aus dem weiblichen Rollenverständnis übernommenen Berufsideologie stehen die Strukturveränderungen in der Krankenpflege der letzten Jahre entgegen. Nach wie vor liegt der Frauenanteil in den Pflegeberufen bei 80 Prozent, es ist jedoch zu beobachten, dass Männer immer stärker in diesen Berufszweig eindringen und auch die Zahl männlicher Führungskräfte in Pflegeberufen ist überpro-portional gestiegen. 5 Als Gründe für diese Entwicklung sieht Rabe-Kleberg zum einen die stärker werdende Verweigerung von Frauen innerhalb von Streiks oder dem Ausschluss eines Pflegeberufes bei der Berufswahl bzw. dem Verlassen des Beru- 2 Bischoff,S. 100
3 Küpper, S. 71
4 Bischoff, S. 159
5 Küpper, S. 41
4
fes, zum anderen ein zunehmendes Interesse von Männern an sozialen Berufen auch aufgrund ansonsten drohender Arbeitslosigkeit. 6
An dieser Stelle soll der Wandel des Krankenhauswesens zwischen Tradition und neuen Strukturen genauer betrachtet werden um die Auswirkungen auf die Berufsbilder der Pflegeberufe einschätzen zu können. Mittlerweile sind Krankenhäuser Großunternehmen, die wie andere nach ökonomischen Kriterien geführt werden müssen. Verbunden ist dieser Anspruch hingegen mit dem gesellschaftlichen Auftrag der Krankenversorgung, eingebunden in ein Netz mit verschiedenen Trägerphilosophien (christlich, rechtlich-ökonomische Gesellschaftsformen). Im Mittelpunkt der Aufgaben dieser Einrichtung sollte der Patient und seine Bedürfnisse auf dem Weg zur Heilung stehen, in der Realität hingegen werden diese oftmals dominiert von ökonomischen, administrativen oder trägerspezifischen Motiven. 7 Ein Blick auf den Aufgabenbereich eines Krankenhauses offenbart zunächst die Bereiche der Krankenbehandlung und der Forschung und Ausbildung, wobei die Aufgaben sich in Diagnose, Therapie, Pflege, Hotelfunktion und Rehabilitation unterteilen lassen. Problematisch hingegen ist die Kompatibilität der Ziele untereinander, wie dies auch in den Kommunikationsproblemen der verschiedenen Berufsgruppen (Ärzteschaft, Verwaltung, Pflegedienst) untereinander zu erkennen ist. Anstatt einer Verzahnung dieser Tätigkeitsbereiche, mit dem Ziel einer Kenntnis von den zur jeweiligen Berufsausübung nötigen Voraussetzungen, setzt nach Wedel-Parlow (1993) durch die zunehmende Technisierung und Differenzierung der Berufsbilder eher eine „Versäulung“ ein, bei der die Kommunikation untereinander zunehmenden Schwierigkeiten unterworfen sein wird. 8 Betrachtet werden muss das Krankenhaus auch aus organisationssoziologischer Sicht. Aus Sicht Girschners sind Organisationen soziale Systeme, die „über ein unvermeidbares Maß an Konflikten, Streit und persönlichen Einschränkungen hinaus Unterdrückungsmaschinerien sind, in denen ausbeuterische Herrschaft, soziale Ungleichheit und Entfremdung vorherrschen können“. 9 Organisationen zeigen des Weiteren keine objektiven Strukturen sondern nach Türk (1989) subkulturspezifische Interaktionen, die abhängig vom Faktor Alter (z.B. der Organisation, der Mitarbeiter, der Abteilung) nicht starr sondern Veränderungen unterworfen sind. 10 Diese strukturelle Mobilität
6 in Küpper, S. 41
7 ebd., S. 54
8 in ebd., S. 56
9 in ebd., S. 57
10 in Küpper, S. 57
5
Arbeit zitieren:
MA Guido Maiwald, 2003, Weibliche Berufskarrieren in Pflegeberufen, München, GRIN Verlag GmbH
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