INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
2 DIE AUSSENPOLITIK DER WEIMARER REPUBLIK - EIN ÜBERBLICK 2
3 STRESEMANNS POLITIK VOR UND WÄHREND SEINER
KANZLERSCHAFT 4
3.1 STRESEMANN VOR SEINER ZEIT ALS KANZLER 4
3.2 STRESEMANN WÄHREND SEINER KANZLERZEIT 5
4 STRESEMANNS ZEIT ALS AUSSENMINISTER 7
4.1 STRESEMANNS GRUNDHALTUNG IN DER ANFANGSPHASE SEINER AUSSENPOLITIK 7
4.2 DIE LONDONER KONFERENZ UND DIE INGANGSETZUNG DES DAWES-PLANS 8
4.3 DER LOCARNO-VERTRAG UND DER BEITRITT ZUM VÖLKERBUND 10
4.3.1 VORBEREITUNGEN FÜR DEN LOCARNO-VERTRAG 10
4.3.2 STRESEMANNS GRUNDLINIEN IN DER OSTPOLITIK ZUR ZEIT VON LOCARNO 12
4.3.3 DER LOCARNO-VERTRAG UND DIE ZUSAGE ZUM VÖLKERBUND 12
4.3.4 DIE VORBEREITUNGEN UND DER BEITRITT IN DEN VÖLKERBUND 13
4.4 STRESEMANNS AUSSENPOLITIK NACH DEM VÖLKERBUNDEINTRITT 14
4.4.1 DIE GRUNDLINIEN VON STRESEMANNS AUSSENPOLITIK 14
4.4.2 STRESEMANN UND BRIAND, ANSÄTZE ZUR LÖSUNG DES REPARATIONSPROBLEMS 15
4.4.3 STRESEMANNS LETZTER AUSSENPOLITISCHER ERFOLG UND DER BRIAND-KELLOGG-
16
PAKT
5 BEURTEILUNG DER AUSSENPOLITISCHEN LINIE STRESEMANNS 17
5.1. DAS VERÄNDERTE BILD STRESEMANNS IM LAUFE DER ZEIT 17
5.2. EIGENE BEURTEILUNG VON STRESEMANNS AUSSENPOLITIK 20
6 ZUSAMMENFASSUNG 21
7 LITERATUR 23
I
Die Grundlinien der Aussenpolitik Stresemanns
1 Einleitung
Die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen war nicht nur für Deutschland, sondern auch für die gesamte Weltpolitik von grösster Bedeutung. Nicht nur, dass in Deutschland die erste demokratische Republik ausgerufen wurde. Auch die Mächtekonstellation wie sie nach dem Ersten Weltkrieg Realität war, wurde durch die neue deutsche Demokratie, die Weimarer Republik, im Laufe ihres fünfzehnjährigen Bestehens schwerwiegend beeinflusst. Während der Weimarer Republik gab es drei verschiedene politische Phasen, die jeweils einem anderen Credo unterworfen waren. Insbesondere die zweite Phase - die Phase des Ausbaus und der Stabilisierung - war für die Zwischenkriegszeit wegweisend. Hauptperson war der deutsche Aussenminister Gustav Stresemann. Er prägte nicht nur die Stellung und Politik Deutschlands, sondern wird auch für die relative politische Entspannung Europas in der zweiten Hälfte der 20er Jahre verantwortlich gemacht. Nicht umsonst wird die Zeit von 1924-1929 die „Ära Stresemann“ genannt.
Die Aussenpolitik Stresemanns steht deshalb im Zentrum dieser Arbeit. Zum einen werden die Grundlinien in den verschiedenen Phasen seiner politischen Tätigkeit herausgearbeitet. Zum anderen wird deren Einbettung in die historischen Hintergründe beleuchtet. Stresemann ist einer der am besten erforschten deutschen Politiker der neueren Zeit. Entsprechend vielfältig ist das publizistische Feld. Historiker beschäftigten sich seit über 50 Jahren intensiv mit dem deutschen Aussenminister und seiner Politik. Bis in die 50er Jahre herrschte ein einseitig gutes Bild seiner Person und Politik vor. Als 1953 seine Nachlässe, die zahlreiche „geheime“ Dokumente beinhalteten, veröffentlicht wurden, kehrte sich das Bild ins einseitig Negative und dominierte bis in die 70er Jahre. Erst seit etwa zwanzig Jahren wurde wieder vermehrt versucht, die Aussenpolitik Stresemanns aus einem objektiveren Blickwinkel zu betrachten.
Um die Aussenpolitik Stresemanns mit all seinen Facetten aufzeigen zu können, bedarf es einerseits eines chronologischen Aufbaus der Arbeit und andererseits immer wieder eingeschobener Ausführungen über seine allgemeinen politischen Grundlinien. Aus diesem Grund wurde folgender Aufbau gewählt: Als erstes wird ein kurzer Überblick über die
1
Aussenpolitik der gesamten Weimarer Republik gegeben. In Kapitel 3 folgt die Darstellung der politischen Haltung Stresemanns, in der Zeit bevor er Aussenminister wurde. Dieses Kapitel erscheint deshalb als wichtig, weil seine Position, die er im Ersten Weltkrieg vertreten hatte, die Glaubwürdigkeit seiner politischen Ziele nicht nur für die Zeitgenossen in Frage stellte. Zudem war Stresemann, bevor er Aussenminister wurde, für hundert Tage Reichskanzler, wobei er sich ebenfalls auf die Aussenpolitik konzentrierte. Das vierte Kapitel widmet sich Stresemann als Aussenminister. Neben einer chronologischen Abhandlung seiner aussenpolitischen Tätigkeiten, wird auch die je nach Phase unterschiedlich gewichtete politische Grundlinie möglichst unabhängig von seinen Aktivitäten aufgezeigt. Sowohl für die Zeit vor seinem grössten aussenpolitischen Erfolg, dem Locarno-Vertrag, als auch für seine, in ihren Grundzügen ähnlichen politischen Ziele danach. Auch die Strategie seiner Ost-Politik ist von Interesse. Im fünften Kapitel folgt eine Beurteilung der Aussenpolitik Stresemanns. Zuerst eine Zusammenfassung des Wandels seines Bildes im Laufe der Zeit, danach eine persönliche Beurteilung, basierend auf den Argumenten der wichtigsten Forscher. Eine Zusammenfassung bildet den Abschluss der Arbeit.
2 Die Aussenpolitik der Weimarer Republik - ein Überblick
Die Aussenpolitik der Weimarer Republik wird in ihren groben Grundzügen in drei deutlich voneinander unterscheidbare Phasen unterteilt: „Eine defensive Phase von der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages 1919 bis zur Londoner Konferenz 1924, eine zweite Phase des Ausbaus der gefestigten Position des Reiches in der Zeit bis 1929 und eine politisch offensive Phase von 1930 an.“ 1
Die erste Phase war gekennzeichnet vom Bestreben Deutschlands, die Versuche Frankreichs abzuwehren, den aus seiner Sicht nur halben Sieg von Versailles in einen vollen zu verwandeln. Frankreich wollte jede Hoffnung der Deutschen auf eine erfolgreiche „Revisionspolitik“ des Versailler Vertrages im Keim ersticken und sich als kontinentaleuropäische Führungsmacht etablieren. Im Gegensatz dazu zielten Grossbritannien und die USA darauf ab, Deutschland als Grossmacht zu erhalten und in die internationale Ordnung einzubinden. „Das inzwischen revolutionierte Russland schliesslich war ganz aus dem Kriegsbünd-
1 Hillgruber, „Revisionismus“, S. 605.
nis herausgefallen.“ 2 Deutschlands aussenpolitischer Handlungsspielraum war also zunächst stark eingeschränkt und wurde erst 1922 mit dem Vertrag von Rapallo wiedergewonnen, welcher eine Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutsch-land und Russland sowie den wechselseitigen Verzicht der beiden Vertragspartner auf Reparationszahlungen vorsah.
Die zweite Phase stand im Zeichen der Aussenpolitik Gustav Stresemanns. „Stresemann griff die Ansätze der 1921 eingeleiteten [sogenannten/d.V.] Erfüllungspolitik auf, fand aber eine günstigere internationale Konstellation vor, um die Ratio dieser Politik wirkungsvoller zum Tragen zu bringen. Sie bestand in der Verbindung von Verständigung mit den Siegermächten und Rückkehr Deutschlands zum Status einer gleichberechtigten Grossmacht in Europa.“ 3 Ausgangspunkt bildete 1924 der Dawes-Plan, der die Wende der europäischen Nachkriegskonflikte markierte. „Er löste die bis dahin dominierende politische Instrumentalisierung der Reparationsfrage ab durch eine Behandlung des Reparationsproblems unter Gesichtspunkten des wirtschaftlich Möglichen.“ 4 Die USA beabsichtigten in Zusammenarbeit mit Grossbritannien das allzu labile System in Europa zu stabilisieren, und sie hatten die Notwendigkeit eines ökonomischen und finanzpolitischen Engagements zu diesem Zweck erkannt. Sie brachten zum Ausdruck, dass das in Europa dringend benötigte amerikanische Kapital nur dann fliessen würde, wenn der Dawes-Plan vorbehaltlos angenommen würde. 5 Am 14.4.1924 beschloss die Reichsregierung, auf der Grundlage des Gutachtens in die Verhandlungen einzutreten, und auf der Londoner Konferenz wurde der Dawes-Plan von allen beteiligen Regierungen angenommen. Die Verträge von Locarno waren der nächste wichtige Schritt Deutschlands zurück zu einer gewichtigen Stellung im Konzert der Mächte, und sie ebneten den Weg zum Eintritt in den Völkerbund, der dann am 10.9.1926 schliesslich als Konsequenz aus Locarno resultierte. 6 Ausserdem festigte die Weimarer Republik ihre Position innerhalb Europas mit dem Berlin-Vertrag, einem deutsch-russischen Friedensvertrag, und 1928 mit der Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Pakts. 7
2 Niedhart, Die Aussenpolitik der Weimarer Republik, S. 10.
3 Niedhart, Die Aussenpolitik der Weimarer Republik, S. 18.
4 Kolb, Die Weimarer Republik, S. 64.
5 Vgl. Berg, Gustav Stresemann, S.89.
6 Vgl. Kolb, Die Weimarer Republik, S. 67.
7 Vgl. Kapitel 4.4.3.
Die Weltwirtschaftskrise bildete dann den Ausgangspunkt der dritten Phase der Aussenpolitik der Weimarer Republik. Die USA als Hauptgarant des neu entstandenen Systems waren nun nicht mehr in der Lage, ihre indirekt machtpolitische Funktion wahrzunehmen, und der vom Reichstag eben erst ratifizierte Young-Plan (1929), der unter anderem die Reparationssumme in ihrer definitiven Höhe festgelegt hatte, war mit der Bildung des Kabinetts Brüning Ende März 1930 faktisch obsolet geworden. 8 Im Zeichen der sich ebenfalls verändernden innenpolitischen Situation der Weimarer Republik konzentrierten sich die aussenpolitischen Intereressen auf eine offensive „Revisionspolitik“ und auf die moralische und völkerrechtliche Gleichberechtigung Deutschlands.
3 Stresemanns Politik vor und während seiner Kanzlerschaft
3.1 Stresemann vor seiner Zeit als Kanzler
Schon während des Ersten Weltkrieges spielte Stresemann eine politische Rolle und machte sich als imperialistisch denkender Kriegsbefürworter einen Namen. Sein Kriegszielprogramm verlangte ein „grösseres Deutschland“ und lehnte den Krieg als Mittel zur Erreichung dieses Zieles nicht ab, wenn es ihn nicht sogar bevorzugte. 9 Nach Beendigung des Krieges war Stresemann wie viele seiner deutschen Zeitgenossen überzeugt, dass Deutsch-land nur aufgrund der linken „Novemberverbrecher“ hatte kapitulieren müssen. Seine Haltung während und nach dem Krieg vereinfachte seine spätere politische Arbeit ganz und gar nicht. Auch Historiker hatten Mühe, seine Haltung während des Ersten Weltkrieges einzuordnen. Während die einen seine Haltung als „aus dem Zeitalter erklärbaren Sündenfall“ 10 sahen, waren seine Kritiker davon überzeugt, dass dies sein „eigentliches politisches Credo“ 11 war und von Stresemann während seiner ganzen politischen Karriere weiterverfolgt wurde.
8 Vgl. Hillgruber, „Revisionismus“, S. 614.
9 Vgl. Ashby Turner Jr., Stresemann und das Problem der Kontinuität, S. 286.
10 Berg, Gustav Stresemann, S. 38.
11 Berg, Gustav Stresemann, S. 38.
Ende 1918 wurde Stresemann Vorsitzender der neuen Deutschen Volkspartei, welche in Opposition zur Weimarer Koalition 12 stand. 13 Aber schon 1922 baute er nicht mehr auf militärische Mittel, um sein erklärtes Ziel, die Wiederherstellung der alten Macht, zu erreichen. Für ihn stand vielmehr die wirtschaftliche Wiederherstellung Deutschlands als Basis für eine erneute Machtstellung im Vordergrund. Zwar änderte er seine politische Grundhaltung, war aber keineswegs zum Pazifisten geworden oder hatte dem Nationalismus abge-schworen. Stresemann war durchaus Nationalist geblieben und erklärte als sein oberstes Ziel die Wiederherstellung der Grossmachtstellung Deutschlands. Er hatte aber erkannt, dass dieses Ziel nicht durch Konfrontation, sondern nur durch Kooperation zu erreichen war. 14 Als Frankreich und Belgien 1923 das Ruhrgebiet besetzten, war Stresemann davon überzeugt, dass der Abzug der interalliierten Truppen nur dann erfolgen könnte, wenn die Reparationszahlungen geleistet würden. Die Regierung aber rief den „passiven Wider-stand“ gegen die französisch-belgischen Sanktionsmassnahmen - die Ruhrbesetzungaus. 15
3.2 Stresemann während seiner Kanzlerzeit
Am 23. August 1923 wurde Stresemann von Reichspräsident Friedrich Ebert zum Reichskanzler ernannt. Seine Kanzlerschaft dauerte aber nur gerade hundert Tage. Er hatte als Kanzler für Verständigung und nicht für Konfrontation als Mittel zur Erreichung einer verbesserten Stellung Deutschlands im europäischen Gefüge plädiert. Zudem wollte er die Reichseinheit wahren und die Reichsverfassung im Sinne der Reichskonzeption undkonstruktion aufrechterhalten. 16
Im Zuge seiner ersten Taten im Rahmen seiner Politik, von nun an „Erfüllungspolitik“, d.h. Erfüllung des Versailler Vertrages, genannt, ordnete der Kanzler die Auflösung des „passiven Widerstandes“ an, die er ein halbes Jahr später damit erklärte, dass er die deutsche Währung und gleichzeitig die Reichseinheit hatte retten wollen. 17 Während der Ruhrbeset-
12 SozialdemokratischePartei Deutschlands (SPD), Deutsche Demokratische Partei (DDP), Zentrum.
13 Vgl. Baechler, Gustave Stresemann, S. 210ff.
14 Vgl. Berg, Gustav Stresemann, S. 66.
15 Vgl. Baumont, Die französische Sicherheitspolitik, S. 129f.
16 Vgl. Bariéty, Der Versuch einer europäischen Befriedung, S. 35.
17 Vgl. Cornebise, Gustav Stresemann und die Ruhrbesetzung, S. 196ff.
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lic. phil. Viviane Gutzwiller, 2003, Die Grundlinien der Aussenpolitik Stresemanns, München, GRIN Verlag GmbH
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