Gliederung:
1. Einleitung: Fragestellung und Erkenntnisinteresse
2. Was ist Zukunftsforschung?
2.1. Entstehung und Historie
2.2. Methoden und Forschungsfelder
2.3. Ein Definitionsversuch
2.4. Aufgabe der Zukunftsforschung und Beratungspotenzial/-bedarf in der Politik(beratung)
3. Zukunftsforschung als Politikberatung
3.1. Was ist Politikberatung?
3.2. Parlamentarisch-technisch: TAB, Foresight des BMFB, Kommissionen
3.3. Unabhängige „Unis ohne Studenten“: Das Beispiel IZT
3.4 Politikwissenschaftliche Prognostik: Das Beispiel CAP
3.5 Privatwirtschaftliche Beratungsunternehmen: Das Beispiel Prognos
4. Chancen und Probleme der zukunftsforschenden Politikberatung am Beispiel des
„FUTUR“-Prozess
4.1. Die beteiligten Institutionen
4.2. Die Kommunikations-, Beratungs- und Meinungsbildungsprozesse
4.3. Die Ergebnisse
4.4 Ende durch vorgezogene Neuwahlen und Neuordnung des Ministeriums
4.5 Evaluation des Futur-Prozesses und Fazit
5. Fazit
6. Bibliographie
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1. Einleitung: Fragestellung und Erkenntnisinteresse
„Kein Volk gibt es, mag es noch so fein und gebildet, noch so roh und unwissend sein, das nicht der Ansicht wäre, die Zukunft könne von gewissen Leuten erkannt und vorhergesagt werden.“ Cicero, „Von der Weissagung“
In seiner Publikation „Zukunftsforschung und Politik“ von 1991 spricht Prof. Dr. Rolf Kreibich, einer der Pioniere der deutschen Zukunftsforschung und wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin, von „der desolaten Lage der institutionalisierten Zukunftsforschung und der langfristigen Politikberatung“ 1 .
2004 sieht er die Lage immer noch als eine „elende“ 2 : Parlamentarische Einrichtungen wie das TAB (Büro für Technikfolgenabschätzung beim deutschen Bundestag) und eben das IZT sind raren Vertreter einer systematischen, die Politik beratenden Zukunftsforschung. Daneben konkurrieren mehr oder weniger in parlamentarische Prozesse eingebundene, und damit auch mehr oder weniger unabhängige Think Tanks wie das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) mit am privatwirtschaftlichen Markt ausgerichteten und ebenso organisierten „Trendforschern“ um (öffentliche) Aufträge und Wertschätzung, Präsenz in den Medien und legitimierende Glaubwürdigkeit. Viele dieser Akteure beeinflussen den Policy-Prozess hauptsächlich über intermediäre Systeme, selten jedoch durch direkten Kontakt zum politischen System oder seinen Eliten selbst.
Die vorliegende Arbeit soll anhand bestehender Forschungsliteratur und anderer Primärquellen (Berichte der beteiligten Akteure/Institutionen, Medienberichte etc.) klären, inwieweit (und in welcher ihrer konkreten Ausformungen) Zukunftsforschung bereits politikberatend agiert, wie sie in den Policy-Prozess eingebunden ist oder diesen über intermediäre Systeme per Agenda-Setting beeinflusst, und welches Konzept von
1 Vgl. Rolf Kreibich; Weert Canzler; Klaus Burmeister: Zukunftsforschung und Politik in Deutschland, Frankreich, Schweden und Schweiz, Weinheim und Basel: Beltz 1991, S. 11.
2 Vgl. Hans Peter Dürr; Hans Georg Graf; Udo Simonis und Rolf Kreibich: Zukunftsforschung im Spannungsfeld von Visionen und Alltagshandeln. Berlin: Ist, 2004, S. 47.
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Politikberatung ihr zu Grunde liegt bzw. welche spezifischen Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Hierzu soll Zukunftsforschung in einem ersten Arbeitsschritt (Gliederungspunkte 2.x) als interdisziplinäre „Metawissenschaft“ möglichst trennscharf eingegrenzt und, nach einer Bestandsaufnahme und Bilanzierung der aktuellen Verhältnisse in der BRD (3.x), an einem konkreten Beispiel (4.x) eines von ihr beeinflussten Policy-Prozesses in ihrem potenziellen Nutzen für die Politik überprüft und bewertet werden. Hierzu wurde FUTUR, ein 2001 gestarteter, jedoch durch den Regierungswechsel 2005 vorzeitig beendeter Prozess politikberatender, partizipativer Zukunftsforschung ausgewählt.
2. Was ist Zukunftsforschung?
In wissenschaftlicher und medialer Öffentlichkeit kursieren mindestens so viele Definitionen und Vorstellungen von Zukunftsforschung wie mögliche Zukunftsentwürfe selbst. Dem zu Grunde lag lange die Frage, ob eine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Zukunft bzw. wissenschaftlich fundierte Aussagen über dieselbe überhaupt möglich ist und welche Prämissen und Paradigmen dabei gelten müssen. Bevor ein für diese Arbeit geltender Vorschlag zur Eingrenzung von wissenschaftlicher Zukunftsforschung formuliert wird, soll erst ihre Entstehung und Geschichte in der BRD skizziert werden.
2.1 Entstehung und Historie
Die in vergleichbaren Arbeiten gerne aufgeführten, so genannten „ersten Zukunftsforscher“, zu denen römische Auguren und aufklärerische Utopisten gerne verklärt werden, um die lange Tradition der menschlichen Beschäftigung mit Zukunft zu demonstrieren, sollen hier nicht weiter erläutert werden.
Wissenschaftlich relevant wird Zukunftsforschung erst in den 1940er Jahren in den USA als „Futurologie“, ein Begriff, dessen englische Stammform der deutsche Emigrant Ossip K. Flechtheim in den USA der 1940er Jahre prägte („Futurology“) 3 , welcher aber wiederum in Deutschland (wohin Flechtheim später zurückkehrte) lange als unseriös konnotiert galt. Über das Buch „Die Zukunft hat schon begonnen“, das 1952 von Robert Jungk in Amerika
3 Ossip K. Flechtheim (Hg.): Futurum. München: Minerva 1980, S 1.
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veröffentlicht wurde, schreibt Flechtheim: „Die Zukunft wurde nun `einer neuen Gruppe spezialisierter Wissenschaftler` überantwortet, den Forecasters, die mit Hilfe von Beschleunigungskurven, Zukunftsparabeln, Zukunftszyklen, Strömungsplänen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen das Kommende möglichst exakt vorauszusagen versuchen“. 4 Im Zuge eines allgemeinen Planungsglauben wurde die Zukunft als klar determinierter, erforsch- und formulierbarer Gegenstand gesehen. In Deutschland jedoch galt die Parole „Keine Experimente“, „in der Ära des politischen Immoralismus blieb die Zukunft ein weißer Fleck auch auf der geistigen Landkarte.“ 5
So veröffentlichte die Bundesregierung erst im Jahr 1966 eine Vorausschau bezüglich der künftigen Wirtschaftsentwicklung über 5 Jahre, genauso wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erstmals 1965 einen Ausblick auf die voraussichtliche Entwicklung von Bevölkerung und Erwerbstätigkeit bis 1975 gab. 6
Zu dieser Zeit herrschte eine traditionell „technokratische“ Zukunftsforschung vor, deren wichtigster Vertreter, Herrmann Kahn 7 , für nahezu grenzenlosen Technikoptimismus und gesellschaftliche Restauration einstand. 8 Er veröffentlichte als Galionsfigur der Futurologen die erste Prognosen, die bis zum Jahr 2000 reichten. 9 Rückblickend muten gerade seine Voraussagen wie „eine in die Zukunft schwadronierende technokratische Faktenhurerei, ein aberwitziges Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit damals gerade modischer technischer Trends“ 10 und damit für heutige Leser seltsam altmodisch und naiv an. Die vornehmlich technokratische Zukunftsforschung der 1960er Jahre sah die Entwicklung der westlichen Gesellschaft also extrem positiv. Die gesteigerte Beschäftigung mit und das intensive Interesse an Zukunft und ihrer Messbarkeit manifestiert sich in Medienpräsenz (wie dem SPIEGEL-Titel 52/1966 „Futurologie: die Zukunft des Menschen wird geplant.“) und
4 Vgl. Ossip K. Flechtheim: Der Kampf um die Zukunft. Grundlagen der Futurologie. Bonn, Berlin: Dietz 1980, S. 14. 5 Vgl. Flechtheim 1980 II: 2.
6 Vgl. Flechtheim 1980 II: 9.
7 Kahn war interessanterweise lange Direktor der RAND-Corporation, des als vorbildlich geltenden futurologischen Think Tanks der USA.
8 Vgl. Johann Hendrik Jacob van der Pot: Die Bewertung des technischen Fortschritts. Assen: Van Gorcum 1985, S. 905.
9 Zum Beispiel in seiner Publikation (zusammen mit Anthony J. Weiner) „The Year 2000“ (deutscher Titel: Ihr werdet es erleben), erschienen 1967.
10 Günther Haaf: Ihr werdet es erleben. Die ZEIT 01/1998. Online verfügbar unter: http://www.zeit.de/ 1998/01/Ihr_werdet_es_erleben, letzter Aufruf 30.4.09, 1998, S.1.
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Legitimation durch etablierte Sozialwissenschaftler wie Gert von Eynern. Als beispielhafter deutscher Vertreter einer technokratischen Zukunftsforschung gilt dabei Karl Steinbuch, Direktor des Instituts für Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenübertragung der Universität Karlsruhe, der in zahlreichen Veröffentlichungen (z.B. „Die informierte Gesellschaft“ 1966) eine rationale Beherrschung des technischen und sozialen Fortschritts mit Hilfe der aufkommenden Kybernetik und Computertechnik propagierte. 11 Horst Wagenführ hingegen vertrat eine „Ökonomische Futurologie“ oder wirtschaftliche Zukunftsforschung, die, ausgehend von nationalökonomischen Messdaten, Prognosen zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft anzustellen versuchte. Diese Phase des Planungsoptimismus sehen die meisten Zukunftsforscher mit der Veröffentlichung von „Die Grenzen des Wachstums“ von Andy Meadows 12 beendet. In diesem ersten Arbeitsbericht des Club of Rome 13 wird eine eher technikskeptische Haltung formuliert, die als Urknall für viele soziale Bewegungen gilt, welche wiederum die politische Landschaft gerade in der BRD der 1970er Jahre neu formten. In gewisser Hinsicht können damit die Mitglieder des Club of Rome durchaus als geistige Väter der heutigen Zukunftsforscher betrachtet werden, wirken doch ihre Prognosen und die ihnen immanente (aber auch explizit formulierte) kritische Haltung gegenüber uneingeschränktem, kapitalistisch-technokratisch legitimierten Wachstum bis heute fort. In jedem Fall beeinflussen sie die intellektuelle Klasse und vor allem die Wissenschaftler dieser Zeit immens, was sich in einer Fülle von nachdenklichen Publikationen zum Thema „Zukunft“ in den Folgejahren manifestiert. Die Endlichkeit von Ressourcen wird (an)erkannt und in ökologische Zukunftsperspektiven umgesetzt, die mit dem postmaterialistischen Wertewandel (manifestiert in den so genannten Neuen Sozialen Bewegungen) korrelieren. Diese wachstumsskritische, ökologisch verantwortungsvolle Denkschule fördert das heute gebräuchliche Schlagwort der „Nachhaltigkeit“ zu Tage (welches ursprünglich der Forstwirtschaft als Prämisse diente) und beherrscht, in verschiedener Gewichtung und Ausprägung, den zukunftsforschenden Diskurs in weiten Teilen bis heute. Kreibich et al. sehen die Zukunftsforschung, auf Grund der Spaltung in technokratischoptimistische auf der einen, und zukunftsskeptische Lager auf der anderen Seite, in den
11 Vgl. Kreibich 1991: 71 f.
12 Dennis Meadows; Dolen Meadows; Erich Zahn; Peter Milling: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1972.
13 Vgl. Weiterführend zu Zielen und Genese dieser Organisation www.clubofrome.de, letzter Aufruf 23.6.09.
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1980er Jahren in einer tiefen Krise. 14 Die geringe Erfolgsquote der expertokratischen Prognosen, die sich quantifizierenden und formalisierenden Wissenschaften bedienten und in Deutschland vor allem von institutioneller Seite betrieben und massiv gefördert wurden, schufen zahlreiche Gegenpositionen, die alle Arten von alternativen Ansätzen (bis hin zu New-Age-Methoden) vertraten.
„Zwischen diesen Extrempositionen fächern sich nun hauptsächlich in Korrespondenz zu den mannigfaltigen sozialen Bewegungen, vor allem der Friedens- und Ökologiebewegung und zu den zahlreichen Ansätzen zur Praktizierung neuer Lebensformen und Lebensweisen, aber auch im Zuge neuer Wissenschaftsansätze, etwa aus der Evolutionstheorie oder der Theorie selbstorganisierender Systeme, bis hin zu neuen Formen des Innovationsmanagements oder der Partizipation in Unternehmen, neue Organisationsmuster der Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung auf (...).“ 15
Infolgedessen lösten sich kommunikative und teilweise auch institutionelle Strukturen der Zukunftsforschung auf. Anstelle der „einen Zukunft“ rückte eine Pluralität möglicher Zukünfte. Die Diskussion um die Vorhersagbarkeit dieser konkurrierenden Szenarien begann erneut und dauert bis heute an (siehe 2.2).
Die 1990er Jahre sehen, dies soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden, ein Aufkommen so genannter „Trendforscher“, die sich aus Image-Gründen gerne auch als „Zukunftsforscher“ bezeichnen (lassen). Auf diese junge Strömung soll in Punkt 3 noch kurz eingegangen werden, bleibt sie in ihrer Institutionalisierung und ihrem Einfluss auf die Politik doch hinter der etablierten Zukunftsforschern zurück und lässt oft einen soliden akademischen Hintergrund vermissen.
In ihrem Einfluss auf die Politik bzw. politische Entscheidungsprozesse spielte die deutsche Zukunftsforschung traditionell eine eher geringe Rolle. Einerseits spielt hier der geringe Grade der offiziellen Institutionalisierung eine Rolle, die eine durchdringende Akzeptanz und Integration gewisser zukunftsforschender Akteure bzw. der Disziplin selbst erschwerte. Zwar wurde bspw. schon in den 60er und 70er Jahren eine zentrale Institution analog zur RAND-Corporation der USA gefordert, jedoch musste Rolf Kreibich 2004 noch feststellen: Noch immer ist die Lage der Zukunftsforschung in Deutschland eine elende. Wir verfügen in der
Bundesrepublik über ca. 2.300 Institute und Einrichtungen, die sich wissenschaftlich mit der Vergangenheit
beschäftigen - Universitätsinstitute, Historische Kommissionen, Museen, Archive etc. Demgegenüber lassen
sich jene Einrichtungen, die sich wissenschaftlich mit der Zukunft oder besser mit Zukünften als komplexes
Problemfeld befassen, an zwei Händen abzählen. Genau genommen sind es nur unsere zwei Institute in Berlin
14 Kreibich et al. 1991: 106.
15 Kreibich et al. 1991: 108.
7
und Dortmund, die sich der wissenschaftlichen Zukunftsforschung, so wie sie in zahlreichen Ländern vor
allem als Futures Studies oder Future(s) Research an Universitäten und Forschungsinstituten etabliert ist,
verpflichtet fühlen. Natürlich gibt es auch in Deutschland einige Institute, die sich wissenschaftlich mit
Zukünften beschäftigen, in der Regel aber mit partiellen, also etwa ökologischen, sozialen, ökonomischen oder
kulturellen Zukünften. 16
Andererseits hörte die deutsche Politik lange eher auf ihr politisch näher stehende Prognosen. So kann die Atompolitik der BRD in den 1960er und 1970er Jahren, zumindest indirekt, als Folge von übertrieben optimistischen Voraussagen großer Teile des Wissenschaftsbetriebs, und damit auch Teilen der Zukunftsforscher, gesehen werden 17 . Der allgemeine Glaube an die lineare Berechenbarkeit technischer Entwicklung wurde in ein Kernenergieprogramm umgesetzt, dessen Reversion heute noch zu den wichtigsten politischen Themen zählt (und nicht zuletzt zum Geburtshelfer der Partei der GRÜNEN wurde, also auch konkurrierende Positionen zu institutionalisieren vermochte).
Zu nennen sind also auf institutioneller Seite lediglich das Zentrum Berlin für Zukunftsforschung 1968 unter der Ägide von Flechtheim (und unter Mitarbeit des jungen Kreibich) und 1981 dann die Gründung des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung IZT durch Prof. Kreibich (welcher dieses Ereignis als „Ärgernis“ für den deutschen Wissenschaftsbetrieb erinnert 18 ), welches bis heute als führende Forschungseinrichtung der Zukunftsforschung gilt. Erfolge dieser Einrichtungen, wie die von Kreibich aufgeführte Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ 1998 19 , lassen erste ernstzunehmende direkte Einflüsse auf das politische System erahnen. So kommt Kreibich zu dem Schluss: „Es hat lange gedauert, bis wichtige Entscheider in Politik und Wirtschaft den Wert visionärer realer Zukünfte für neue Produkte, Arbeit und Beschäftigung sowie für die Innovations- und Wettbewerbschancen erkannt haben.“ 20 Parlamentarische, also in das politische System strukturell integrierte Einrichtungen sollen unter 3.1 diskutiert werden.
16 Vgl. Kreibich in Dürr et al. 2004: 47.
17 Vgl. Haaf 1998: 3. 18 Vgl. Kreibich in Dürr et al. 2004: 48. 19 Vgl. Kreibich in Dürr et al. 2004: 52. 20 Vgl. Kreibich in Dürr et al. 2004: 53.
8
Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass die Entwicklung der Zukunftsforschung in Deutschland bis heute eher mühsam und in ihrer Institutionalisierung und damit auch in ihrem Einfluss auf die Politik eher peripher blieb.
2.2 Methoden und Forschungsfelder
Die Methodologie der Zukunftsforschung zu erfassen ist quasi unmöglich, da eine Vielzahl von Denkschulen wiederum eine Vielzahl (Kreibich spricht von etwa 200) an Methoden kennt, unterschiedlich einsetzt, kombiniert und evaluiert. Dabei muss zuerst einmal festgestellt werden, dass sich Zukunftsforschung generell eines Instrumentariums bedient, welches Bestandteile aus Sozial-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften enthält. Eine trennscharfe Abgrenzung ist hier nicht zu treffen, weswegen die Zukunftsforschung gerne auch als „Meta-Wissenschaft“, also eine „Wissenschaft über den/die Wissenschaften“ bezeichnet wird. Dieser hinreichend zutreffenden Betrachtungsweise möchte ich eine kurze Zusammenfassung der genuin zukunftsforschenden Denkansätze zur Seite stellen. Im folgenden sollen einige der wichtigsten, sprich breit etablierten und populären Methoden hinsichtlich einer politikberatenden Zukunftsforschung exemplarisch vorgestellt werden, um einen groben Überblick über das Instrumentarium heutiger Zukunftsforscher zu bieten, und diesem leicht mystisch anmutenden Begriff konkrete Gestalt zu verleihen. Des Weiteren sollen grundsätzlich geltende Prämissen erläutert werden.
Folgt man Rolf Kreibich in seinen Veröffentlichungen „Zukunftsforschung für die gesellschaftliche Praxis“ 21 bzw. „Methodik der Zukunftsforschung“ 22 , kann man vier grundlegende Vorgehensweisen klassifizieren:
1. Exploratives empirisch-analytisches Vorgehen
2. Normativ-prospektives Vorgehen
21 Vgl. Rolf Kreibich: Zukunftsforschung für die gesellschaftliche Praxis. In: Stephan Bröchler und Hans-Joachim Lauth (Hg.): Politikwissenschaftliche Perspektiven. Wiesbaden. Verlag für Sozialwissenschaften, S. 3 ff, 2008. 3 ff.
22 Vgl. Rolf Kreibich: Wissenschaftsverständnis und Methodik der Zukunftsforschung. In: Roland Posner und Stephan Debus (Hg.): Zeitschrift für Semiotik. Band 29, Heft 2-3. Tübingen: Stauffenberg Verlag, S. 177 ff., 2007. 177 ff.
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Friedemann Karig, 2009, Zukunftsforschung in der Politikberatung, München, GRIN Verlag GmbH
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