Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Ebene der Prinzipien 3
2.1. Einführung 3
2.2. Die sechs Prinzipien der deutschen Rechtschreibung nach GALLMANN/SITTA 4
2.3. Andere Ansätze zur Beschreibung der Prinzipien unserer Rechtschreibung 6
2.4. Zur Konkurrenz der Prinzipien 8
3. Die Ebene der Regeln 9
4. Die Ebene der Einzelfestlegungen 11
5. Prinzipienkonflikte in der deutschen Rechtschreibung 11
5.1. Im Bereich der Laut-Buchstaben-Zuordnungen 11
5.2. Im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung 13
5.3. Im Bereich der Schreibung mit Bindestrich 15
5.4. Im Bereich der Groß- und Kleinschreibung 15
5.5. Im Bereich der Zeichensetzung 18
6. Schlussbemerkung 20
Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Für viele Schreiber stellen die Regeln und Ausnahmen der deutschen Rechtschreibung ein immer wiederkehrendes Problem dar. Schon in der Schule sind die Diktate meist eine sehr gefürchtete Art der Leistungsüberprüfung im Deutschunterricht; dass es ohnehin fraglich ist, inwiefern man den Stand von Rechtschreibwissen sinnvoll und angemessen überprüfen kann, ist ein Umstand, auf den in dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden soll. Stattdessen soll untersucht und beschrieben werden, wie das System der deutschen Rechtschreibung aufgebaut ist und wie man durch die Kenntnis dieses Systems den durch allzu häufige Unsicherheit bei der Schreibung einzelner Wörter erforderlichen Griff zum Duden ein wenig entbehrlicher machen kann. Dazu sollen die Prinzipien, die unserer Rechtschreibung zugrunde liegen, dargestellt und anhand von Beispielen erläutert werden. Außerdem sollen andere Ansätze für die Zählung und Beschreibung der Prinzipien der deutschen Rechtschreibung genannt und diskutiert werden.
Im Hauptteil der Arbeit wird es um die Konkurrenz von Prinzipien gehen, die sich durch das Vorhandensein vieler Regeln zeigt. Diese Regeln legen die genaue Schreibung einer Vielzahl von Wörtern in der deutschen Sprache fest und folgen dabei dem einen oder anderen Prinzip der Rechtschreibung. Es soll untersucht werden, welche Prinzipien sich hinter einzelnen Regeln verbergen, ob bzw. wie sie mit einander konkurrieren und ob die Sprache in bestimmten Fällen Prinzipienkonflikte auf eine vergleichbare Art und Weise löst.
2. Die Ebene der Prinzipien
2.1. Einführung
Wer an die deutsche Rechtschreibung denkt, erinnert sich zumeist und hauptsächlich an irgendwelche Regeln und grammatische Eigenheiten, die sich kaum beherrschen lassen. Dabei folgt die deutsche Rechtschreibung zunächst einmal nicht den einzelnen Regeln oder gar den Einzelfestlegungen, sondern wenigen Prinzipien, die grundsätzlich vorgeben, woran sich die tatsächliche Erscheinungsform der Rechtschreibung orientiert. Die Prinzipien sind „allgemeine Grundkonzepte der Schreibung“ 1 . Da diese Grundkonzepte jedoch nicht immer eindeutige Lösungen für Rechtschreibprobleme bieten, sind im Lauf der Zeit Regeln entstanden bzw. entwickelt worden, die dann die genaue Anwendung der Prinzipien festlegen. Schließlich kommt es immer wieder zur Konkurrenz zwischen verschiedenen Prinzipien bei der Schreibung eines einzelnen Wortes, sodass die gültige Schreibweise durch eine Regel oder sogar durch eine Einzelfestlegung bestimmt werden muss. Letztere sind dann notwendig, wenn auch
1 Gallmann, Peter u. Sitta, Horst: Handbuch Rechtschreiben. Zürich 1996. S.38.
3
die Regeln bestimmte Bereiche der Rechtschreibung nicht eindeutig ordnen können. Regeln und Einzelfestlegungen werden im Duden, dem Standardwerk für die Regelung der deutschen Rechtschreibung, aufgeführt; die Prinzipien hingegen finden dort keine Erwähnung und werden auch im Grammatikunterricht an deutschen Schulen nur sehr selten erwähnt, obwohl NAUMANN den „erste[n] Zweck […] der Aufstellung von Prinzipien […] in ihrer didaktischen Verwendbarkeit“ 2 sieht. Deshalb soll es nun zunächst darum gehen, die verschiedenen Prinzipien zu nennen und genauer zu beschreiben.
2.2. Die sechs Prinzipien der deutschen Rechtschreibung nach GALLMANN/SITTA
Da die Prinzipien eben nur eine Rekonstruktion der Konzepte sind, die der Rechtschreibpraxis zugrunde liegen, gibt es in der Forschung unterschiedliche Ansichten über die Art und Anzahl der Prinzipien. GALLMANN/SITTA gehen von sechs Prinzipien aus, die nun dargestellt und besprochen werden sollen.
Als „Grundprinzip unserer Rechtschreibung“ 3 kann das Lautprinzip bezeichnet werden. Dieses Prinzip beinhaltet, dass gesprochene und geschriebene Sprache direkt und systematisch aufeinander bezogen werden können. Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Lauten einer gesprochenen Sprache und dem Alphabet einer geschriebenen Sprache; man spricht dabei von so genannten „Laut-Buchstaben-Zuordnungen“. Einem Buchstaben sind dabei oftmals mehrere Sprachlaute zugeordnet; diese Zuordnungen werden durch die Position des Buchstaben im Wort bestimmt. Manchmal sind sie aber nicht eindeutig, sodass es verschiedene Schreibweisen für ein und denselben Laut gibt. Ein gutes Beispiel für diese gewisse Regellosigkeit ist die Schreibung des lang gesprochenen [a:] in Wörtern wie Tal, Mahl oder Saal. Da das Lautprinzip alle drei Schreibweisen zulässt, bedarf es für eine standardisierte Rechtschreibung der schon erwähnten Einzelfestlegungen. Das Lautprinzip regelt zum Beispiel auch die Worttrennung am Zeilenende, die sich bekanntlich an den Silben der gesprochenen Sprache und nicht an künstlich festgelegten Regeln der Grammatik orientiert. Das zweite wichtige Prinzip, das der deutschen Rechtschreibung zugrunde liegt, ist das Prinzip der Schemakonstanz, das auch „Stammprinzip“ genannt wird. Diesem Prinzip folgend schreiben wir im Deutschen verwandte Wörter und Wortformen möglichst gleich. So ist ein erleichterter Lesevorgang möglich, da das Gehirn die entsprechenden Formen leichter der gespeicherten Grundform bzw. dem bekannten Wortstamm zuordnen kann. Durch die Einhaltung des Stammprinzips entsteht leicht ein Konflikt mit dem Lautprinzip, weil der Schreiber
2 Naumann, Carl Ludwig: Nochmals zu den Prinzipien der Orthographie. In: Stetter, Christian (Hrsg.): Zu einer
Theorie der Orthographie. Tübingen 1990. S.150.
3 Gallmann, P. u. Sitta, H.: Handbuch Rechtschreiben. S.40.
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eben nicht mehr so schreiben kann, wie er spricht, sondern sich zugunsten des Stammprinzips an eine bestimmte Schreibung halten muss, die den ursprünglichen Wortstamm erkennen lässt. Ein Beispiel hierfür ist die Pluralform des Wortes Hand, die man infolge des Lautprinzips und ohne Berücksichtigung der Grundform auch *Hende schreiben könnte. 4 Da das Stammprinzip sowohl das Erlernen der Rechtschreibung als auch das Erlernen der deutschen Sprache überhaupt erleichtert, wurde ihm im Zuge der Neuregelung der Rechtschreibung mehr Bedeutung verliehen.
Das Prinzip der Schemakonstanz ist auch gerade dann wirksam, wenn es darum geht, einzelne Worte (z.B. Eigennamen) oder Wortgruppen im fortlaufenden Text besser kenntlich zu machen. So wird beispielsweise der Bindestrich verwendet, um zum einen die Verbindung von Wörtern deutlich zu machen und zum anderen eben die Schemakonstanz zu wahren. Man schreibt demzufolge Ernst-Abbe-Platz und nicht *Ernstabbeplatz. Der Apostroph hilft ebenfalls, Wortformen kenntlich zu machen; sei es, dass die Genitivendung durch ein Apostroph abgetrennt wird oder sei es, dass (z.B. in Gedichten) durch den Apostroph Auslassungen kenntlich gemacht werden, damit es keine größeren Lese- und Textverständnisprobleme gibt. Um geschriebene Texte tatsächlich lesbar zu machen, wird aber noch ein weiteres Prinzip der Rechtschreibung unbedingt benötigt: das grammatische Prinzip. Es macht durch die Kennzeichnung des grammatischen Aufbaus eines Textes diesen erst leserlich. Sowohl die Getrennt- und Zusammenschreibung als auch die Zeichensetzung folgen dem grammatischen Prinzip, da sie einen Fließtext so gliedern, dass er dem Leser verständlich wird. Dadurch erschließt sich einem beim Erlernen einer Fremdsprache auch zunächst der geschriebene Text, dem das grammatische Prinzip zugrunde liegt, und dann erst die gesprochene Sprache, die natürlich nicht durch derart sichtbare und hilfreiche Prinzipien gekennzeichnet ist. Ein weiteres Prinzip der deutschen Rechtschreibung hängt mit dem grammatischen Prinzip in gewissem Sinne zusammen: es ist das semantisch-pragmatische Prinzip. Dieses Prinzip ermöglicht die Hervorhebung von Textteilen, die von ihrer Bedeutung her besonders herausstechen. Dabei kann diese Hervorhebung unter inhaltlichen oder kommunikativen Gesichtspunkten stattfinden. 5 Das klassische Beispiel für eine derartige Hervorhebung ist die Großschreibung, durch die in unserer Sprache die Satzanfänge, die Eigennamen, aber auch sämtliche Substantive gekennzeichnet werden. Unter kommunikativem Aspekt betrachtet wird das semantisch-pragmatische Prinzip unserer Rechtschreibung vor allem bei der Kennzeichnung wörtlicher Rede durch die Anführungszeichen sichtbar; doch auch andere typographische
4 Vgl. ebd. S.41.
5 Vgl. ebd. S.44.
5
Elemente wie Klammern, Doppelpunkte, Überschriften oder Absätze helfen bei der Gliederung von Textteilen sowie ganzen Texten.
Als fünftes Prinzip, das sich zur Erklärung der unterschiedlichen Schreibung gleich lautender Wörter herleiten lässt, ist das Homonymieprinzip zu nennen. In diesen Fällen haben zwei gleich lautende Wörter eine völlig unterschiedliche Bedeutung; dieser Unterschied kann dann durch die Schreibung deutlich gemacht werden. Dass dieses Prinzip nicht immer verwirklicht wird, zeigen die so genannten „Teekesselchen“ wie z.B. Bank (Geldinstitut) und Bank (Sitzgelegenheit). An dieser Stelle wäre eine Schreibung *Banck durchaus möglich gewesen, um auch in der Rechtschreibung auf den Bedeutungsunterschied hinzuweisen. Ansonsten gibt es recht viele Beispiele für den Fall, dass trotz identischer Lautung eine unterschiedliche Schreibung vorliegt; man nennt diese Wortpaare Homophone (z.B. Lied (Gesangstück) und Lid (Teil des Auges)). Diese unterschiedlichen Wortstämme, die sich bei gleicher Lautung im Lauf der Zeit herausgebildet haben, lassen sich mit dem Stammprinzip erklären. Es fordert schließlich, dass Gleiches auch gleich geschrieben werden soll; somit sind zwei verschiedene Stämme entstanden, die jeweils eine der beiden Bedeutungsmöglichkeiten bezeichnen. 6 Ein letztes Prinzip, das von GALLMANN/SITTA aufgeführt wird, ist das ästhetische Prinzip. Es bildet eine Art Rahmen für die anderen Prinzipien der deutschen Rechtschreibung, da es dafür sorgt, dass keine „verwirrende[n] Schriftbilder“ 7 entstehen. Bei allem Nebeneinander und aller Konkurrenz der verschiedenen Prinzipien könnte es leicht zu solchen Rechtschreibvarianten kommen, die für den Leser nur schwer zu entziffern sind. Das ästhetische Prinzip erlaubt also Abweichungen von den anderen Prinzipien, sodass ein ungestörter Lesevorgang möglich ist. 8 Ein fast schon klassisches Beispiel für dieses Prinzip ist die geänderte „3-Buchstaben-Regel“, nach der seit der Rechtschreibreform von 1996 eine Schreibung wie Brennnessel zulässig bzw. gefordert ist. Zuvor hatte man die Schreibung von drei aufeinander folgenden Konsonanten als unästhetisch empfunden und deshalb nicht zugelassen. Dennoch ist es bei wirklich verwirrenden Schriftbildern (z.B. bei selten verwendeten Worten wie Teeei) erlaubt gemäß dem grammatischen Prinzip die Struktur des Wortes deutlich zu machen und einen Bindestrich zu setzen (Tee-Ei).
2.3. Andere Ansätze zur Beschreibung der Prinzipien unserer Rechtschreibung
Wenn es darum geht, die Prinzipien der deutschen Rechtschreibung herauszufinden und auch auszuformulieren, ist es sicher gut, sich den Zweck dieser Prinzipien bewusst zu machen.
6 Vgl. ebd. S.46.
7 Ebd. S.47.
8 Vgl. ebd.
6
Arbeit zitieren:
Fokko Peters, 2009, Eine Untersuchung des Zusammenspiels von Prinzipien und Regeln in der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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