Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Forschungsfrage 4
3. Vorstellung bestehender Theorien 4
4. Die Hypothesenstellung 9
5. Die Fragebogenkonstruktion 10
5.1 Die Operationalisierung der Variablen 10
5.2 Die Fragebogengestaltung 12
6. Modalitäten der Datenerhebung 13
6.1 Die Stichprobenauswahl 13
6.2 Pretests 14
6.3 Fragebogenverteilung. 16
7. Darstellung der Ergebnisse 17
8. Interpretation der Ergebnisse 21
9. Zusammenfassende Bewertung und eigene Stellungnahme 23
Abk ürzungsverzeichnis 24
Literaturverzeichnis 25
Anhang 1 28
Pretest - Fragebogen 28
Anhang 2 33
Merkmalsverh ältnisse: Stichprobe zur Grundgesamtheit 33
Anhang 3 35
Einige Auswertungen und Diagramme zur Verdeutlichung der in der
Hausarbeit beschriebenen Ergebnisse. 35
Anmerkungen 57
Anhang 4 60
Zur Verdeutlichung einige Ausdrucke der T- Tests, Chi- Quadrat- und
Korrelationsberechnungen 60
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1. Einleitung
Bei dieser Hausarbeit handelt es sich um eine quantitative, Theorie- bzw. Hypothesenüberprüfende Forschungsarbeit, in der die Datenerhebung mit standardisierten Fragebögen erfolgte. Die Befragung wurde bei 81 Jugendlichen in der Gemeinde Ostbevern durchgeführt. Die Idee für diese Forschungsarbeit entwickelte sich vorwiegend aufgrund starken persönlichen Interesses an der Genderforschung, die im Modul 1B „Sozialisation“ und 1C „ Bildung, Arbeit und Beruf“ als Lerninhalt thematisiert wurde.
Bevor überhaupt ein fundiertes theoretisches Hintergrundwissen über die empirische Sozialforschung und deren Methoden vorhanden gewesen ist, reizte die Durchführung einer Befragung von Jugendlichen über die „Geschlechtsrollen“- Thematik.
Obwohl die Mädchen heutzutage die Jungen bezüglich eines höheren Bildungsabschlusses überholt haben, im Gymnasium wie auch an den Universitäten überrepräsentiert sind (Baumert, Cortina, Leschinsky, 2008, S. 92f), erfahren Frauen beim Übergang in die Berufstätigkeit Benachteiligungen und Einschränkungen. Auch das Zusammenleben in einer Partnerschaft oder in der Familie ist noch immer stark von einer traditionellen Rollenverteilung bestimmt, in der die Frau mehr als die Hälfte der Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung übernehmen muss und ihre Berufstätigkeit zeitweise aufgibt bzw. stark begrenzt. (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2002, S.105f, Online- Version S. 88f). Diese Forschungsarbeit untersucht die Frage, ob sich das
geschlechtsspezifische Rollenverständnis bei den Jugendlichen gegenüber der Arbeitsteilung im Haushalt heutzutage gewandelt hat. Zuerst wird kurz auf die Formulierung der Forschungsfrage eingegangen, hiernach erfolgt die Vorstellung bestehender Theorieaussagen zu diesem Forschungsthema. Als nächstes wird die Hypothesenaufstellung beschrieben. Danach erfolgt die Operationalisierung der Variablen, die genaue Erläuterung der quantitativen Datenerhebung mit der schriftlichen Befragung und der Stichprobenauswahl. Die Datenaufbereitung, die Datenanalyse und die
Ergebnisse werden dargelegt und in Bezug auf die aufgestellten Hypothesen
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ausgewertet. Zum Schluss folgt eine zusammenfassende Bewertung mit eigener Stellungnahme.
2. Die Forschungsfrage
Am Anfang gab es die Idee eine Forschungsarbeit über ein Thema der Genderproblematik zu erstellen. Doch dieses Thema wäre natürlich viel zu allgemein formuliert, es musste eingegrenzt und präzisiert werden. Eine Forschungsarbeit soll ein Ergebnis liefern, eine Antwort auf eine zuvor formulierte Forschungsfrage (Karmasin & Ribing, 2007, S.21). Die erste Formulierung der Forschungsfrage lautete: „Hat sich das geschlechtsspezifische Rollenverständnis der Jugendlichen von heute gegenüber der Hausarbeit und Kindererziehung gewandelt?“ Aus forschungsökonomischen Gründen war es notwendig die Forschungsfrage auf die „Hausarbeit“ zu begrenzen. Bei der weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema und der gezielten Literaturrecherche wurde die Formulierung der Forschungsfrage optimiert. Da „Hausarbeit“ ein unklarer Begriff ist und recherchierte Studien über Paarbeziehungen vorwiegend von „Arbeitsteilung im Haushalt“ sprechen, lautete die Forschungsfrage nun: „ Hat sich das geschlechtsspezifische Rollenverständnis der Jugendlichen gegenüber der Arbeitsteilung im Haushalt gewandelt?“
3. Vorstellung bestehender Theorien
Bei einer quantitativen Forschung müssen bestehende Theorien zum Forschungsthema recherchiert werden, um konkrete Hypothesen über einen interessierenden Sachverhalt aufzustellen, die dann mithilfe von Variablen überprüft werden können. (Brüsemeister, 2006, S.28) So lassen sich mögliche Ursachen- und Wirkungszusammenhänge erkennen und messen. Die Studienbriefe der vorherigen Module des Studiums der
Bildungswissenschaften bildeten den „Theorie- Grundstein“. Primärliteratur wurde von Bibliotheken für die Literaturrecherche bestellt und die Suche über das Internet ausgeweitet. Theorien und Studien über die Genderforschung, Statistiken und aktuelle Studien über Jugendliche, Definitionen und
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Forschungsergebnisse über die Arbeitsteilung im Haushalt in Paarbeziehungen und Familien waren dabei von großem Interesse.
Zuerst musste der Begriff: „geschlechtsspezifisches Rollenverständnis“ geklärt werden:
Der Frau bzw. dem Mann werden von unserer (westlichen) Gesellschaft spezielle Eigenschaften zugesprochen, z.B. werden dem Mann die Attribute „durchsetzungsfähig, kompetent und sachlich“, der Frau dafür „einfühlend, sensibel und auf ihr äußeres Erscheinungsbild achtend“ zugeordnet. (Eckes, 2008, S.172) Hierbei handelt es sich um Stereotype, d.h. sozial geteilte Überzeugungen bezüglich der Eigenschaften und Verhaltensweisen einer Gruppe mit ähnelnden Merkmalen (Stürmer, 2009, S.155) Bis in die 1960er Jahre wurde die Geschlechtsdifferenz, also die Unterschiedlichkeit zwischen Männer und Frauen, vorwiegend biologisch begründet. „Es herrschte eine „Natur der Frau “- Argumentation vor, in der die soziale Nachrangigkeit von Frauen als Effekt natürlicher Unterschiede dargestellt wurde.“ (Tillmann, 2007, S.51). Die Geschlechterforschung in den 1970er Jahren kritisierte diese biologische Argumentation. In der feministischen Diskussion hat sich die sozialkonstruktivistische Perspektive durchgesetzt. Nach West und Zimmermann (1991) wird „Geschlecht“ unterschieden zwischen „Sex“ und „Gender“. „Sex“ bezeichnet das körperliche Geschlecht, das durch sozial vereinbarte biologische Kriterien festgelegt wird. Das biologische Geschlecht wird somit auch als sozial überformt dargestellt. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass die Gesellschaft nur zwei Geschlechter akzeptiert und intersexuell geborene Kinder durch chirurgische Eingriffe der
Zweigeschlechtlichkeit unterwirft und somit in die Biologie oder Naturhaftigkeit eingreift.
„Gender“ meint die Handlungen in Zusammenhang mit sozialen Erwartungen, die an das jeweilige Geschlechtskonzept gerichtet sind, also die „Geschlechterrolle“ oder Geschlechtsidentität“, die Mann oder Frau sich im Sozialisationsprozess individuell aneignet. West und Zimmermann bezeichnen die von den Subjekten aktiv vorgenommene Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit als „doing gender“ (Gildemeister, 2008, S.137ff) Die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht wird somit sozial konstruiert, d.h. dass ein Kind die Geschlechterrolle erwirbt, dann selbst darstellt und somit
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reproduziert. Beim „doing gender“ werden durch die soziale Zuweisung zu der Geschlechtsrolle und den Interaktionen auch die geltenden Regeln und sozialen Erwartungen von Geschlechtsverhältnissen, Macht, Hierarchie und Dominanz mit transportiert und von jedem Subjekt somit aufrecht gehalten. Die Genderforschung entlarvt so die Argumentation, dass soziale Benachteiligung durch biologische Tatsachen verursacht würde, z.B. auch die Begründung für die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, deren Zuweisung auch heutzutage noch durch tatsächliche biologische Gegebenheiten (Gebärfähigkeit der Frau) und Naturalisierungen legitimiert wird und eine gegenseitige Abhängigkeit in heterosexuellen Beziehungen verursacht. Goffman bezeichnet solche sozialen Arrangements als institutionelle Reflexivität. (Goffman,1994, S.128)
Historisch gesehen hat sich die Vorstellung der geschlechtstypischen
Arbeitsteilung mit dem Mann als „Haupternährer“ und der Frau als „ Hausfrau und Mutter“ in den letzten beiden Jahrhunderten aufgrund der Industrialisierung entwickelt, da sich die wirtschaftliche Produktion aus den Familienhaushalten z.B. mit eigener Landwirtschaft in große Industriebetriebe ausgelagert hatte. (Huinink & Röhler, 2005, S.9) Dieses traf insbesondere auf die Familien des Bürgertums zu; in den proletarischen Familien musste die Frau (und auch die Kinder) weiterhin aus finanziellen Gründen mitarbeiten. (Glatzer, Dörr, Hübinger, Prinz, Bös & Neumann, 1991, S. 242- 251) Aufgrund von Frauenbewegungen im 18. und 19 Jahrhundert wurden Rechte und Gesetze für Frauen erkämpft (z.B. 1908 Abitur und Studiermöglichkeit; 1918 Frauenwahlrecht in Deutschland). Die Geschlechtsrollen in der Arbeitsteilung begannen sich aber erst in den späten 1960 und 1970 Jahren aufgrund wirtschaftlicher Modernisierungs- und Individualisierungs-Prozesse (nach Ulrich Beck) zu wandeln.
Laut der 15. Shellstudie 2006 haben junge Frauen im Bereich der Schulbildung die jungen Männer überholt und streben auch weiterhin höherwertige Bildungsabschlüsse an. Eine ständige Berufstätigkeit gehört zur Mehrheit der Mädchen fest in die Lebensplanung. Zwar wünschen sich Mädchen vor allem aus emotionalen Gründen eine Familie und Kinder, schieben aber die Realisierung einer Familiengründung auf, da ihnen die Schwierigkeiten einer Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie aufgrund ungünstiger
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gesellschaftlicher Rahmenbedingungen bewusst ist. Junge Männer identifizieren sich immer noch stark mit der späteren Rolle als „Ernährer“ der Familie. Für viele junge Männer ist es selbstverständlich, dass die spätere Ehefrau überwiegend die Tätigkeiten im Haushalt und die Kindererziehung übernehmen wird und dafür dann ihre Berufstätigkeit aufgibt bzw. einschränkt. (Popp, 1992, S.60f) Aber auch diejenigen jungen Männer, die sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung und eine stärkere Familienorientierung wünschen, können dies nur in geringem Maße umsetzen, da traditionelle Einstellungen in der Familie, ihrem Umfeld und im Unternehmen, sowie mangelnde Rahmenbedingungen dieses erschweren.
Einen positiven Einfluss hat die vorgelebte Arbeitsteilung im Elternhaus und die Berufstätigkeit der Mutter (Vorbildfunktion) auf die „partnerschaftliche Arbeitsteilung“- Auffassung von jungen Männern. (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2002, S.105f.) Frauen sehen heute einen Beruf als eine unverzichtbare Basis der Lebensplanung. Aber sie sind vorwiegend in Berufen tätig, die dem weiblichen Arbeitsvermögen entsprechen und schlechter bezahlt werden. Auch gehört es zum weiblichen „Normalitätskonzept“, dass die Frau trotz Erwerbstätigkeit die meisten Tätigkeiten im Haushalt verrichtet. Die als typisch weiblich assoziierten Tätigkeiten im Haushalt (siehe Operationalisierung der Variablen) sind im Vergleich zu den männlichen (vorwiegend handwerksnahe Tätigkeiten) quantitativ höher, zeitintensiver und in der Tagesstruktur fest verankert. (Steinbach, 2004, S.3) Becker- Schmidt spricht von einer doppelten Vergesellschaftung der Frau, da sie durch die zweifache Orientierung - Beruf und Familie- einer Doppelbelastung ausgesetzt ist. (Becker- Schmidt, 2008, S.66f.)
Es gibt aufgrund von zahlreichen Studien zur Arbeitsteilung in
Paarbeziehungen einige theoretische Erklärungsmodelle für die ungleiche Arbeitsbeteiligung von Mann und Frau im Haushalt. Handlungstheoretische Modelle nehmen u.a. Bezug auf die Equity- Theorie (Verteilungsgerechtigkeit) und zeigen die unterschiedlichen Erwartungen von Frau und Mann und deren Zufriedenheit. Als Ergebnis zeigt sich, dass bei Ungleichverteilung im Haushalt weniger Zufriedenheit und mehr Ärger in der Beziehung erlebt wird. (Rohmann, Schmohr & Bierhoff,2002, 134ff.) Rollentheoretische Modelle beziehen sich auf
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die typische Geschlechterrollentheorie, in der sich die Frau stark mit ihrer sozial konstruierten Geschlechterrolle identifiziert und sich deshalb mehr für die Hausarbeit verantwortlich fühlt.
Emotionssoziologische Ansätze belegen, dass Frauen häufig aus Liebe zu ihrem Partner mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen. (Buchebner- Ferstl & Rille- Pfeiffer, 2008, S.13ff)
Die Milieustudie von Koppetsch und Burkart von 1999 verdeutlicht, dass Bildungsstand und Gesellschaftsklasse einen Einfluss auf die Auffassung und aktiv gelebte Arbeitsteilung im Haushalt haben. Bei Paaren aus dem traditionellen Milieu herrscht ein „ritueller Patriarchalismus“ vor. Der Mann hat eine höhere Machtposition in der Beziehung, er ist das Oberhaupt der Familie. Die Frau bleibt im Hintergrund, ist für den Haushalt und die Familie zuständig und stützt nach außen hin die hierarchische Geschlechterkonstruktion. Am häufigsten sind diese Paare im ländlichen Arbeitermilieu zu finden. (Koppetsch und Burkart, 1999, S.93f.)
Im familistischen Milieu ist das Verhältnis zwar ebenso durch die klassische Arbeitsteilung zwischen Berufs- und Hausarbeit strukturiert, die Definition der Geschlechtsrollen ist allerdings ganz anders. Die Partner sehen sich als gleichwertig an. Für die Frau ist es wichtig in der häuslichen Sphäre Harmonie und Intimität herzustellen. Der Mann möchte ebenso die Privatheit und Harmonie der Familie gegenüber der undurchschaubaren Außenwelt verteidigen. Es handelt sich dabei eher um eine Lebensform, in der die Familienatmosphäre eine sehr wichtige Rolle hat und die Frau mit ihrer traditionellen Rolle zufrieden ist. (ebenda, S.142f.) Im individualisierten Milieu sind vorwiegend Paare aus der gesellschaftlichen Oberschicht mit den höchsten Bildungsabschlüssen (z.B. Akademiker). Sie orientieren sich am Ideal der egalitären Partnerschaft. Beiden Partnern ist der Beruf sehr wichtig und sie streben eine Gleichverteilung der häuslichen Pflichten an, da Hausarbeit von beiden als eine lästige Pflicht angesehen wird. Bei der Betrachtung der aktiv gelebten Arbeitsteilung im Haushalt entlarven Koppetsch und Burkart, dass die Paare dann häufig der „Illusion der Emanzipation“ erliegen. Jeder versucht die anfallenden Arbeiten dem anderen zuzuschieben oder es bleibt doch die meiste Arbeit an der Frau hängen, obwohl diese z.B. voll berufstätig ist und der Mann im Erziehungsurlaub eigentlich für
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den Haushalt zuständig sein sollte. Diese Paare sind sich dieser ungerechten Arbeitsteilung oft nicht bewusst, da sie eigentlich stark individualisierte, egalitäre Auffassungen haben.
Huinink und Röhler präsentieren aus ihrer Studie von 2005, dass auch unterschiedliche Paarformen einen Einfluss auf die Arbeitsteilung im Haushalt in Paarbeziehungen nehmen können und dass nicht einzelne Faktoren die Ursache traditionell geprägter Arbeitsteilungsmuster sind, sondern dass es sich „um ein komplexes Zusammenspiel von emotional verankerten Einstellungen der Partner , strukturellen Gegebenheiten der Paarbeziehung und eigennutzorientierten Verhaltensstrategien der Partner handelt, das unter den gesellschaftlichen Voraussetzungen des Lebens in Paargemeinschaft und Familie wirksam wird.“ (Huinink & Röhler, 2005, S. 249f.)
4. Die Hypothesenstellung
Unter einer Hypothese wird im Kontext sozialwissenschaftlicher Theorien eine Vermutung über einen Zusammenhang zwischen mindestens zwei Sachverhalten verstanden. Aufgestellte Hypothesen müssen mehrere Anforderungen erfüllen: Kriterium der Prüfbarkeit, Zusammenhangskriterium, Kriterium der internen Konsistenz (logische Verträglichkeit); außerdem müssen sie an der Erfahrung scheitern können. (Kromrey,2006, S.37f.) In Bezugnahme auf die recherchierten Theorien wurden folgende Hypothesen zum Forschungsthema gestellt:
H1: Männliche Jugendliche haben eine traditionellere Auffassung zur Arbeitsteilung im Haushalt als weibliche Jugendliche. H2: Je weniger Jugendliche im Haushalt selbst mithelfen müssen, umso traditioneller ist ihre Auffassung über die Arbeitsteilung im Haushalt. H3: Je höher die Bildungsausstattung der Jugendlichen, umso egalitärer/ individualisierter ist ihre Auffassung über die Arbeitsteilung im Haushalt. H4: Je mehr die Mutter der Jugendlichen erwerbstätig ist, desto egalitärer/ gerechter die Auffassung über die Arbeitsteilung im Haushalt. Bei H1 handelt es sich um eine gerichtete Unterschiedshypothese. H2, H3 und H4 sind gerichtete Zusammenhangshypothesen. (Bortz & Döring, 2006, S.492)
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H1 impliziert einen Zusammenhang zwischen „Geschlecht“ als unabhängige Variable und der abhängigen Variable: „die Auffassung zur Arbeitsteilung im Haushalt.“ Bei H2 ist das „Mithelfen im Haushalt“ die unabhängige Variable. H3 hat die „Bildungsausstattung“ als unabhängige Variable und H4 die unabhängige Variable: „Erwerbstätigkeit der Mutter“.
5. Die Fragebogenkonstruktion
5.1 Die Operationalisierung der Variablen
Theoretische Begriffe wie z.B. „Auffassung oder Rollenverständnis zur Arbeitsteilung im Haushalt“ oder „Bildungsausstattung“ lassen sich schlecht messen, da sie nicht direkt beobachtbar sind. Diese Begriffe müssen erst exakt definiert werden und beobachtbaren Sachverhalten (Indikatoren) zugeordnet werden. Operationalisierungen bestehen aus Anweisungen, wie Messungen für einen bestimmten Begriff vorgenommen werden können. (Schnell, Hill & Esser, 2008, S.131)
Nicht nur aus Arbeits- oder Zeitersparnisgründen, sondern auch um überhaupt Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Studien zu erhalten, ist es manchmal sinnvoll auf Fragen und Instrumente aus anderen Fragebögen zurückzugreifen. (Kirchhoff, Kuhnt, Lipp & Schlawin, 2008, S. 19)
Um die aktuelle Einstellung der Jugendlichen zur Arbeitsteilung im Haushalt in Bezug auf Geschlecht zu messen, sind in Frage 5 des Fragebogens (Anhang 1) vierzehn Tätigkeiten im Haushalt aufgelistet, die in einer geraden
endpunktbenannten Skala mit vier Skalenpunkten und den beiden extremen Skalenpunkten „Männersache“ oder „Frauensache“ zugeordnet werden sollen. (Porst, 2008, S.77ff.)
Diese Liste von Tätigkeiten beruht auf einer Studie von Endepohls (1989) und wurde auch schon in mehreren anderen Studien verwendet. (u.a. ALLBUS 2000 und Rohmann, Schmohr & Bierhoff, 2002, S.137) In diesen Studien sind die Tätigkeiten Staub saugen, Kochen, Fenster putzen, Geschirr spülen, Wäsche waschen, Aufräumen, Bad und WC säubern, Blumen gießen, Staub wischen und Wäsche bügeln weiblich assoziiert. Die Tätigkeiten Abfall entsorgen, Schuhe putzen, Kleine Reparaturen im Haushalt und Einkaufen werden traditionell Männern zugeordnet.
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Die gleichen Tätigkeiten werden in Frage 6 aufgelistet, um zu überprüfen, welche Tätigkeiten schon „oft“, „selten“ oder „nie“ (verbale Skalenbezeichnung zur Messung der Häufigkeit- Raab- Steiner & Benesch, 2008, S.56) selber ausgeführt werden. Zusammen mit Frage 3 und Frage 4 soll das Konstrukt/ die unabhängige Variable „Mithelfen im Haushalt“ bestimmt werden. Frage 3 kann mit Mehrfachnennungen (Wochentage, an denen geholfen wird) beantwortet werden. Diejenigen, die gar nicht im Haushalt mithelfen müssen, können die einfache Antwortmöglichkeit ankreuzen. Frage 4 hat ein dichtotomes Antwortformat. Die Frage, ob die Aufgaben im Haushalt festgelegt sind, soll mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.
Bei Frage 7 handelt es sich um eine Item- Batterie, in der mittels des Sets von Aussagen Einstellungen der Jugendlichen zum geschlechtsspezifischen Rollenverständnis gegenüber der Arbeitsteilung ermittelt werden sollen. Gemessen wird mit der Likert - Skala, die das Ausmaß der Zustimmung oder Ablehnung mit den fünf verbalisierten Stufen von trifft gar nicht zu bis trifft voll und ganz zu, also jeweils zwei Abstufungen und einer Mitte, als mögliche Antwortvorgabe feststellt. (Kirchhoff, Kuhnt, Lipp & Schlawin, 2008, S. 21f.) Die Items 7.1, 7.5 und 7.7 sind selbst formuliert und sollen eine egalitäre/ individualisierte Einstellung zur Arbeitsteilung darstellen. Aussagen 7.2 und Aussage 7.6 sind aus der Studie ISSP 2002 „Family and Changing Gender Roles III“ und spiegeln traditionelle Einstellungen wieder. Item 7.3 und 7.4 sind selbst formuliert und sollen die Jugendlichen mit einer Einstellung des familistischen Milieus ermitteln.
Frage 1 erfragt das Alter der Jugendlichen (offene Frage) und Frage 2 die Variable „Geschlecht“ mittels einer Nominalskala mit den Ausprägungen weiblich und männlich.
Frage 8 erfragt die Schulform, die die Jugendlichen besuchen, damit das Konstrukt „Bildungsausstattung“ gemessen werden kann. Es handelt sich hierbei um eine halboffene Frage, in der entweder die vorgegebenen Antworten Hauptschule, Realschule, Gymnasium angekreuzt werden können, oder die offene Antwortmöglichkeit über die sonstige Schulform. Frage 9 soll Aussagen zur Berufstätigkeit der Eltern liefern, damit die Hypothese 4 untersucht werden kann. Es ist eine geschlossene Frage mit
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Einfachnennungen, in der jede mögliche Konstellation von Berufstätigkeit der Eltern definiert ist.
Zum Schluss gibt es eine offene Frage, in der Vorschläge oder Anmerkungen geäußert werden können.
5.2 Die Fragebogengestaltung
Der Fragebogen wird mit Word und Grafstat (Anhang 2) erstellt, um die Vielfalt der Methoden und Werkzeuge der Forschungsarbeit kennen zu lernen. Aus Gründen der persönlichen Vorliebe und der Übersichtlichkeit wird für die Erhebung der mit Word gestaltete Fragebogen gewählt. Am Anfang des Fragebogens erfolgt die Begrüßung, Vorstellung und Nennung des Forschungsthemas, das allerdings nur allgemein „Arbeitsteilung im Haushalt“ genannt wird, um den Befragten nicht durch die Nennung des Wortes „Geschlecht“ unbewusst zu beeinflussen bzw. um eine Dramatisierung von Geschlecht zu verhindern. (Porst, 2008, S. 34) Danach erfolgt der Hinweis auf Anonymität und auf die vertrauliche Behandlung der angegebenen Antworten. Außerdem wird gebeten, die Fragen ehrlich und vollständig zu beantworten. Der Hinweis Deine Meinung ist wichtig! soll eine Wertschätzung der Jugendlichen zum Ausdruck bringen, da es für Teenager auch wichtig ist, ernst genommen zu werden. Außerdem wird so versucht der sozialen Erwünschtheit entgegenzuwirken. Durch die Furcht vor sozialer Verurteilung neigt man zu konformen Verhalten. (Bortz & Döring, 2006, S. 232) Aufgrund von Vorurteilen und „halbstarken“ Witzen über die typischen Geschlechtsrollen könnten die männlichen Jugendlichen anstatt ihrer wirklichen Auffassung aus Witz und gewünschter Anpassung die den Vorurteilen entsprechenden Aussagen
ankreuzen. Um ernsthafte Antworten zu erzielen, wurden auch weitere Maßnahmen durchgeführt (siehe auch Fragebogenerhebung). In Frage 5 wurde bewusst der Pol Männersache als erstes genannt, damit aufgrund der oben erläuterten Vorurteile männliche Jugendliche nicht vorschnell ohne eine gedankliche Reflektierung alle Tätigkeiten der Frau zuschreiben. (Einfluss der Vergleichsrichtung- Porst, 2008, S.119)
Um weitere Verfälschungstendenzen zu vermeiden, wurden auch bewusst die zusammengehörigen Items in der Fragebatterie 7 nicht hintereinander, sondern
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vermischt abgefragt, damit die Befragten jede Einstellungsaussage vor dem Ankreuzen durchdenken.
Die Schriftart und Schriftgröße wird öfters gewechselt, um eine Übersichtlichkeit zu schaffen und die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Kurze Instruktionen zur Beantwortung der Fragen sollen klar und verständlich sein. Die Sprache und Formulierungen im Fragebogen sind auf die jugendliche Zielgruppe abgestimmt. (Raab- Steiner, & Benesch, 2008, S.63) Zum Schluss ist es wichtig sich bei den Befragungsteilnehmern zu bedanken und ihnen die Möglichkeit zu geben sich zur Befragung zu äußern. Beim Pretest- Fragebogen wird um eine Beurteilung der Testlänge gebeten (fünfstufige numerische Skala mit den Endpunkten absolut in Ordnung und viel zu lang). Außerdem wird gebeten Anmerkungen und Veränderungsvorschläge zum Fragebogen abzugeben.
6. Modalitäten der Datenerhebung
6.1 Die Stichprobenauswahl
Eine Forschung zu betreiben, die für alle Jugendliche Deutschlands repräsentativ sein könnte, wäre im Rahmen einer Hausarbeit natürlich zu aufwendig gewesen und nicht realisierbar. Daher kam schließlich die Idee die Befragung im eigenen Wohnort Ostbevern, eine Gemeinde mit 10909 Einwohnern, durchzuführen. Zuerst war das Vorhaben eine Stichprobe aus der Grundgesamtheit von Jugendlichen im Alter von 14- 16 Jahren durchzuführen und dabei die genauen Merkmale dieser Gesamtheit zu berücksichtigen (Geschlecht, Schulform). Allerdings war die Stadtverwaltung aus Datenschutzgründen nur bereit, (nach einer schriftlichen Beantragung und Zahlung einer Gebühr) die Anzahl der in Ostbevern lebenden 14-, 15- und 16jährigen weiblichen und männlichen Jugendlichen zu benennen. Die Schulen genehmigten nur eine Befragung in jeweils einer Klasse in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien durchzuführen. Damit die befragten Schüler ungefähr alle das gleiche Alter haben, wurde beschlossen, die Fragebögen in jeweils einer 9. Klasse der drei verschiedenen Schulformen der Gemeinde verteilen zu lassen. Die Auswahl der jeweiligen 9. Klasse erfolgte zufällig. Die Fragebögen durften im Sekretariat der einzelnen Schulen
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abgegeben und am letzten Schultag abgeholt werden. In einem Schreiben wurden die Lehrer darum gebeten, die Befragung in einer 9. Klasse
durchzuführen und darauf zu achten, dass die Fragebögen von jedem Jugendlichen eigenständig beantwortet werden.
Die Rücklaufquote war mit 100% sehr erfreulich. Nach einem ersten Überblick der Fragebögen fiel auf, dass 81 von 89 Schülern fünfzehn Jahre alt waren. Um die Repräsentativität zu erhöhen, wurden daher nur die 81 fünfzehnjährigen Schüler in der Auswertung berücksichtigt. Die Schulen wurden gebeten, die genaue Anzahl ihrer weiblichen und männlichen fünfzehnjährigen Schüler anzugeben. In Ostbevern leben 165 fünfzehnjährige Jugendliche (98 weibliche, 67 männliche), nach Berücksichtigung der Angaben der Schulen besuchen zwei der 165 Jugendlichen anscheinend andere Schulen außerhalb des Ortes. So konnte man von einer Grundgesamtheit von 163 fünfzehnjährigen Jugendlichen ausgehen, die entweder die Haupt- oder Realschule oder das Gymnasium besuchen. Es wurden also nahezu die Hälfte (49,7%) der Grundgesamtheit befragt. (81 von 163 fünfzehnjährigen Jugendlichen) Dann wurde eine prozentuale Aufteilung der durchgeführten Stichprobe nach den Merkmalen Geschlecht und Schulform denen der Grundgesamtheit gegenüber gestellt. (siehe Diagramme Anhang 3)
Es zeigt sich glücklicherweise, dass die Stichprobe ein recht gutes Abbild der Grundgesamtheit bezüglich der Merkmale darstellt. Die Stichprobe gilt als merkmalsspezifisch repräsentativ, da ihre Zusammensetzung hinsichtlich einiger relevanter Merkmale der Populationszusammensetzung entspricht. (Bortz & Döring, 2006, S. 397)
6.2 Pretests
Vor der Hauptbefragung war es notwendig mehrere Pretests durchzuführen, um den Fragebogen gegebenenfalls zu verändern und zu optimieren. Es handelt sich hierbei um Probedurchläufe, die mit einer kleineren Stichprobe durchgeführt werden. Es wird um ein Feedback und Anregungen gebeten, unter anderem zur Prüfung der Verständlichkeit, des Layouts, der Sprache und der Länge des Fragebogens. (Raab- Steiner & Benesch, 2008, S.59)
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Eva Ortmann-Welp, 2009, Geschlechtsspezifisches Rollenverständnis von Jugendlichen gegenüber der Arbeitsteilung im Haushalt, München, GRIN Verlag GmbH
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