Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Die Bedeutung des Sporttreibens in der modernen Gesellschaft
2.1. Die Kontinuität des Sports in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts 3
2.2. Sport als Gewinner des Wertewandels? 4
2.3.Abgrenzung von Breiten- und Spitzensport 6
3. Die Wechselbeziehung von Spitzensport und Medien
3.1. Der Beitrag der Medien zum Siegeszug des Spitzensports 7
3.2. Problematisierung des eminenten Medieneinflusses 8
4. Statusanalyse der Akteure im Spitzensport 10
5 F a z i t 1
6. Bibliographie 13
7. Anhang 14
1
1. Einleitung
„Mit den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und ihren Auswirkungen auf den Sport entwickelt sich dieser zu einem immer wichtiger und einflussreicher werdenden Kultur- und Sozialphänomen.“ 1 Diese Aussage, die einige wesentliche Aspekte der folgenden Arbeit aufgreift, trifft Otmar Weiß in seinem Werk „Einführung in die Sportsoziologie“. So möchte ich mich unter anderem mit der Frage auseinandersetzen, welche Bedeutung dem Sport als sozialem Feld, wobei ich eine notwendige Ausdifferenzierung von Leistungs- und Breitensport vornehmen werde, in der modernen Gesellschaft, explizit in der Bundesrepublik Deutschland, zukommt und inwieweit hier eine Veränderung im 20.Jahrhundert bzw. 21.Jahrhundert stattgefunden hat. Zählt der Sport bzw. besser gesagt gehören die handelnden Akteure im Sport wirklich zu den Profiteuren aus dem Wandel hin zu einer postmodernen Werteorientierung? Verändert die Gesellschaft den Sport oder der Sport die Gesellschaft? Diese Fragen stellen ganz zentrale Elemente des ersten Teils dieser Arbeit dar. Im weiteren Verlauf werde ich einen Schwerpunkt auf die Untersuchung des Einflusses der Medien auf die Rezeption, den Konsum und letztlich den kulturstiftenden Beitrag des Sports in der Gesellschaft legen, wobei die Betrachtungen primär für den Leistungssport Gültigkeitsanspruch besitzen werden. Welcher Wandel lässt sich durch die rasante Verbreitung der Massenmedien im Spannungsgefüge Sport-Gesellschaft-Medien beobachten? Schließlich folgt eine Episode, in der es sich ganz speziell um die handelnden Akteure im Feld des Sports drehen wird. Hier möchte ich allerdings nur einzelne Punkte wie das Geschlechterverhältnis und die Schichtenabhängigkeit im Sport knapp beleuchten und dabei lediglich ganz wesentliche Schlüsse vorstellen. Natürlich wird der Fokus auch auf der Frage nach Veränderung oder Kontinuität liegen.
Alles in allem ist es das Ziel der Arbeit, in einer ansprechenden Art und Weise die Faktoren im sozialen Feld Sport, die einem Wandel unterworfen oder durch eine Kontinuität charakterisiert sind, zu prüfen und dabei immer wieder den wechselseitigen Einfluss von Sport, Gesellschaft und Medien aufzugreifen. Die eingangs zitierte Formulierung von Otmar Weiß, dass der Sport gerade bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel einen absoluten Bedeutungszuwachs erfährt, bildet somit eine absolute Leitthese dieser Arbeit, die zur
1 Weiß, Otmar: Einführung in die Sportsoziologie. S.32.
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Disposition gestellt und nur durch die Schwerpunktsetzung der Medienrelevanz erweitert wird.
2. Die Bedeutung des Sporttreibens in der modernen Gesellschaft
2.1. Die Kontinuität des Sports in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert
Zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage, ob der Sport bereits Mitte des 20.Jahrhunderts den Stellenwert besaß, der ihm nach Weiß heute zukommt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist sicherlich, wie man diesen Stellenwert definiert, heißt durch welche Parameter der Stellenwert schließlich charakterisiert werden kann. Aufgrund der enormen technischen Fortschritte gerade im Bezug auf die neuen Massenmedien wie Fernseher oder Internet würde ein Vergleich der Rezeption wegen der stark unterschiedlichen Möglichkeiten sicherlich hinken. Bleibt die Frage, welche Kriterien man zur Gegenüberstellung heranziehen kann. So kann man das Vorhandensein von Sportvereinen und deren Mitgliederrekrutierung vergleichen. Hier zeigt sich, dass der deutsche Sportbund zu seiner Gründung 1950 3,2 Millionen Mitglieder und19874 Vereine vorweisen konnte. 1970 betrug die Zahl der Mitglieder bereits 10,1 Millionen bei 39201 Vereinen. 1990 ist sogar ein weiterer Anstieg bis auf 23,7 Millionen Mitglieder bzw. 67984 Vereine zu verzeichnen gewesen. Dieser Anstieg setzte sich weiter fort, so dass 2003 26,9 Millionen Menschen in 89307 Vereinen organisiert gewesen sind. Das heißt, dass von 1950 bis 2003 ein Anstieg der in Vereinen organisierten deutschen Staatsbürger von 6,7% auf rund 33% zu verzeichnen ist. 2 Hieraus wird deutlich, dass zumindest in Bezug auf die Nachfrage nach Sport in organisierten Vereinen ein extremer Zuwachs sichtbar wird. Es muss also ein einschneidender sozialer Wandel stattgefunden haben, der diese starke Zunahme bedingt oder zumindest gefördert hat. Natürlich bleibt die Frage des Stellenwertes des Sports in der Gesellschaft ausschließlich anhand der Mitglieder- und Vereinszahlen höchstens unvollständig beantwortet, da man sich die Strukturen des jeweiligen sozialen Systems Sport vergegenwärtigen muss. Und hier zeigen sich gravierende Unterschiede. Noch Mitte des 20.Jahrhunderts wurde Sport als eine spielerische Form des Zeitvertreibs angesehen und nahezu ausschließlich in der Freizeit verortet. 3 Dem gegenüber finden wir heutzutage ein Sportverständnis in Deutschland vor, das geprägt ist durch „Standardisierung, Rationalisierung und Spezialisierung […] als Resultate
2 Vgl. http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dsb/arbeitsfelder/wiss-ges/Dateien/Mitgliederentwicklung-
Jahresmagazin-2004.pdf Deutscher Sportbund: Mitgliederentwicklung im Deutschen Sportbund -
Die größte Personenvereinigung Deutschlands vor neuen Herausforderungen. S.1.
3 Vgl. Schwier, Jürgen/Schauerte, Thorsten: Soziologie des Mediensports. S.10.
3
des Leistungsprinzips in der Gesellschaft“ 4 . Das Verständnis von Sport hat sich also grundlegend verändert und die Strukturen des sozialen Systems Sport vollkommen neu bestimmt. Dass dies hauptsächlich auf den Wertewandel in der Gesellschaft zurückzuführen und somit soziokulturell abhängig ist, wird thematischer Gegenstand des Kapitels 2.2. sein. Doch wo liegt nun die Kontinuität des Sports? Sie liegt darin, dass Sport vor allem in Form von Wettkämpfen jederzeit eine Faszination bei Publikum und Gesellschaft ausgelöst hat und als Erlebnis mit Spannung und Emotionen schon immer sozial akzeptiert gewesen ist. 5 Bereits in der Antike ging von den Olympischen Spielen eine einmalige Faszination aus, die auch im eigentlich zu betrachtenden Zeitraum dieser Arbeit beispielsweise bei der jedes Jahr stattfindenden Tour de France, der Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern oder der goldenen Ära der 90er Jahre der Chicago Bulls in der amerikanischen Basketballliga zu beobachten ist. Der hohe soziale Status, der den sogenannten „Sportlegenden“ vergangener Jahrzehnte wie Franz Beckenbauer, Michael Jordan oder Mohammed Ali zukommt, manifestiert diese Feststellung zusätzlich. So bleibt also letztlich festzuhalten, dass der Sport als soziales Feld schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf die Menschen ausgeübt hat und somit kein „neuzeitliches“ Phänomen darstellt.
2.2. Sport als Gewinner des Wertewandels?
Wie bereits erwähnt, spielt die Problematik des Wertewandels direkt in das Spannungsfeld Sport-Gesellschaft hinein. In diesem Kapitel, das direkt an die eingangs formulierte These des „Profiteur Sport“ von Otmar Weiß anschließt, geht es nun also darum, wie dieser Wertewandel in Deutschland hin zu einer postmodernen Werteorientierung charakterisiert ist und ob gerade der Sport von diesem Wandlungsprozess profitieren konnte. Hierbei möchte ich mich an den oben bereits erwähnten Schlagworten Standardisierung, Rationalisierung und Spezialisierung orientieren, die auch nach Guttmann ganz wesentliche Charakteristika der modernen Leistungsgesellschaft darstellen. 6 Inwieweit haben diese Aspekte einen guten Nährboden im sozialen Feld Sport gefunden bzw. eine Entfaltung des Potentials befördert?
So befördert der hohe Grad an Standardisierung der Arbeits- und Freizeit das gemeinsame Betreiben von Sport (gerade Mannschaftssportarten), da so sichergestellt werden kann, dass
4 Weiß, Otmar: Einführung in die Sportsoziologie. S.31.
5 Vgl. Schwier, Jürgen/Schauerte, Thorsten: Soziologie des Mediensports. S.10.
6 Zitiert nach Weiß, Otmar: Einführung in die Sportsoziologie. S.32.
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Arbeit zitieren:
Marius Hummitzsch, 2009, Sport in der Gesellschaft zwischen Wandel und Kontinuität, München, GRIN Verlag GmbH
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