Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ii
Abbildungsverzeichnis iv
Abk ürzungsverzeichnis v
1 Einleitung 1
1.1 Ausgangssituation. 1
1.2 Motivation und Zielsetzung. 2
2 Grundlagen und Charakteristika von Problemkrediten. 4
2.1 Definition Kredite. 4
2.2 Problemkredite / Notleidender Kredit 5
2.2.1 Distressed Debts 5
2.2.2 Sub- und Non-Performing Loans 6
2.3 Rahmenbedingungen und Markt für Non-Performing Loans 7
2.3.1 Historische Entwicklung 7
2.3.2 Rahmenbedingungen 13
2.3.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 13
2.3.2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen. 15
2.3.2.2.1 Forderungsabtretung 15
2.3.2.2.2 Banklizenz. 15
2.3.2.2.3 Bankgeheimnis 17
2.3.2.2.4 Datenschutz 20
2.3.2.2.5 Amtsgeheimnis. 20
3 Akteure und ihre Motivationen 22
3.1 Motivationsgründe der Transaktionspartner. 22
3.1.1 Verkaufsanreize und Handlungsalternativen der Banken 22
ii
3.1.2 Investoren und Erwerbsmotive. 31
3.2 Investitionsstrategien von NPL Investoren 33
3.2.1 Passives Investment. 33
3.2.1.1 Trading 33
3.2.1.2 Buy-and-Hold-Investoren 35
3.2.2 Aktives Investment 36
3.2.2.1 Control-Oriented Strategie 37
3.2.2.2 Non-Control-Oriented Strategie. 38
3.2.3 Exit-Strategien 39
3.3 Investitionsmöglichkeiten der NPL Investoren 40
3.3.1 Single Name Transaktionen 40
3.3.2 Basket- und Portfoliotransaktionen 41
4 Repräsentative Struktur einer NPL Transaktionen 42
4.1 Typische Ausgangssituationen 42
4.2 Vorüberlegungen einer NPL Transaktion für Investoren 43
4.3 Informationsbedarf der Investoren / Due Diligence 44
4.4 Bewertung und Preisfindung aus Sicht der Investoren. 45
4.4.1 Grundsätzliche Rendite- und Preisfindungsüberlegungen zu NPL 45
4.4.2 Discounted Cash Flow Methode 46
4.4.3 Marktorientierte Methode. 47
4.4.4 Liquidationswertverfahren. 49
5 Fazit. 50
5.1 Zielerreichung. 50
5.2 Perspektiven und Handlungsempfehlungen 51
Anhang vi
Literaturverzeichnis vii
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 - Größenschätzung dt. NPL-Markt
Abbildung 2 - Handlungsalternativen
Abbildung 3 - Umgang mit NPL für Banken
Abbildung 4 - Risiko-Rendite-Spektrum von Opportunity Fonds
Abbildung 5 - Bestimmung des Fremdkapitalwertes
iv
Abkürzungsverzeichnis
ABS - Asset Backed Securitisation
AGB - Allgemeine Geschäftsbedingungen
BaFin - Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BDSG - Bundesdatenschutzgesetz
BGB - Bürgerliches Gesetzbuch
bzw. - beziehungsweise
DCF - Discounted Cash Flow
EBITDA - earnings before interest, taxes, depreciation and amortization
FK - Fremdkapital
GmbH- Gesellschaft mit beschränkter Haftung
HGB- Handelsgesetzbuch
IFRS - International Financial Reporting Standards
IPO - Initial Public Offering
LBO - Leverage-Buy-out
MaRisk - Mindestanforderungen an das Risikomanagement
Mrd. - Mrd.
NPL - Non-Performing Loan
NV - Nominalverschuldung
p.a. - per annum
v
S&P - Standard and Poors
SPV - Special Purpose Vehicle
StGB - Strafgesetzbuch
USA- United States of America
UW - Unternehmenswert
z.B. - zum Beispiel
zus. - zusätzlich
vi
Einleitung
1
1.1 Ausgangssituation
Kreditinstitute stehen aktuell vor einem gravierenden Strukturwandel. Dieser resultiert insbesondere aus den veränderten Eigenkapitalanforderungen aus den Basel II-Richtlinien, dem Wegfall der Gewährsträgerhaftung, dem Abschwung des Immobilienmarktes in Ostdeutschland sowie der steigenden Anzahl von Unternehmensinsolvenzen, welcher aus einem konjunkturellen Abschwung resultiert. In Folge dessen befinden sich die Unternehmensinsolvenzen weiterhin auf einem hohen Niveau von etwa 30.000 jährlich (Stand 2007/2008). 1 Im Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise kann davon ausgegangen werden, dass diese eine erhöhte Anzahl von Insolvenzen mit sich bringen wird. Die daraus folgende erschwerte Kreditrückführung von Seiten der betroffenen Unternehmen führt zu einem höheren Ausfall von Krediten, dem sich die Banken stellen müssen. Der steigende Wettbewerbsdruck in Folge der Globalisierung in Verbindung mit einer geringen Eigenkapitalrendite zwingt deutsche Banken dazu, ihre Rentabilität auf ein vergleichbares Niveau zu steigern und ihre operativen Risiken zu minimieren. Im Vergleich zu europäischen Banken mit durchschnittlich 15 Prozent Eigenkapitalrendite, erreichen deutsche Banken lediglich ca. 9 Prozent. 2 Zur Lösung dieser Herausforderung stehen den Kreditinstituten bestimmte Handlungsalternativen zur Verfügung, wie die eigene Betreuung des Kreditengagements - dies eventuell in Verbindung mit einem externen Dienstleister -oder der Verkauf des Kredites an spezielle Investoren. Für eine eigene Betreuung müssen die Aspekte der Eigenkapitalhinterlegung nach den Basel-II-Richtlinien sowie die Vorschriften der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) beachtet werden. So müssen ausfallgefährdete Kredite mit einem deutlich höheren Eigenkapitalanteil hinterlegt werden als dies bei einem „gesunden“ Kredit erforderlich ist. Für einen Verkauf der Forderung sprechen die Eigenkapitalentlastung, der Liquiditätszufluss, eventuell geringere Refinanzierungskosten auf dem Kapitalmarkt sowie ein geringerer Personalaufwand für das Fachpersonal (Sanierungsabteilung,
1 Vgl. o.V. (2009), Creditreform, Studie Unternehmensinsolvenzen in Europa, 2009, o. A.
2 Vgl. Kuhlwein von, N.; Richthammer, M. (2006), S. 1.
1
Analysten, Abwicklungsspezialisten). Eine wichtige Rolle bei der Veräußerung dieser Engagements übernehmen dabei die Investoren, welche sich auf die Betreuung und aktive Restrukturierung von Not leidenden Krediten spezialisiert haben. Die einzelnen Käufer verfolgen dabei unterschiedliche Strategien, wobei die Gesundung des Unternehmens und damit eine Wertsteigerung des Fremdkapitals im Vordergrund stehen. Ziel der Investoren ist dabei stets eine risikoadäquate Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Hemmnisse bei der Veräußerung der Forderungen bestehen in Bank- bzw. Amtsgeheimnis und im Datenschutzgesetz. So dürfen Kreditinstitute keine Informationen über Kreditverhältnisse offenlegen, soweit keine Zustimmung des Schuldners vorliegt. Die Verschwiegenheitspflicht der Bank gegenüber ihrem Kunden steht somit der Auskunftspflicht dem Käufer gegenüber entgegen. 3
1.2 Motivation und Zielsetzung
In der den vergangen Jahren wurden Finanzinvestoren häufig als „Heuschrecken“ in der öffentlichen Presse und politischen Diskussion dargestellt. Diese würden Unternehmen wirtschaftlich „aussaugen“ und lediglich das Ziel verfolgen, eine möglichst hohe Rendite zu generieren, ohne auf moralische Grundsätze Rücksicht zu nehmen. Die Berichterstattung erfolgte dabei einseitig und undifferenziert, da weder eine Unterscheidung nach Investorentyp noch nach dem Status des Investitionsobjektes stattfand. Es soll aufgezeigt werden, dass hier eine Unterteilung vorgenommen werden muss, da Unternehmen in der Krise durch die Expertise und Kapitalstärke von Finanzinvestoren durchaus profitieren können. Selten verfolgt der Investor die Liquidation, sondern vielmehr die Sanierung und Fortführung des Unternehmens als Strategie zur Erreichung der angestrebten Rendite. Weiterhin soll die Bedeutung eines funktionierenden NPL-Marktes in Deutschland für Banken und Investoren hervorgehoben werden. So zeigt ein Vergleich mit anderen nationalen NPL-Märkten, wie dem der USA, dass sowohl die Marktteilnehmer als auch die Schuldner durch den Handel mit Krediten eine Besserstellung erfahren. Ein standardisierter Markt für Not leidende Kredite könnten demnach die Auswirkungen von globalen Krisen für deutsche Banken und Unternehmen mildern. Zudem könnte die Gesellschaft durch eine
3 Vgl. Schalast, C.; Daynes, C. (2005), S. 19.
2
Stabilisierung des Finanzsektors profitieren, da die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinken würde und dadurch Arbeitsplätze erhalten bleiben würden.
Die deutschen Banken könnten durch einen geregelten Markt für Not leidende Kredite ihre Kapitalbasis stärken und dementsprechend ihr Rating verbessern.
3
Grundlagen und Charakteristika von Problemkrediten
2
2.1 Definition Kredite
Kredite, abgeleitet von den lateinischen Begriffen credere „glauben“ und creditum „das auf Treu und Glauben Anvertraute“ ist die Gebrauchsüberlassung von Geld (Banknoten, Münzen, Giralgeld) oder vertretbaren Sachen (Warenkredit) meist auf eine im Voraus bestimmte Zeit an einen Dritten gegen Entgelt in Form von Zinsen. Die Vergabe von Krediten geschieht zu bestimmten Konditionen, wie Höhe des Kredites, Zinssatz, Laufzeit, Zahlungsterminen und zu stellenden Sicherheiten. Kredite können an Privatpersonen, Unternehmen oder an Staaten vergeben werden. Beispiele hierfür sind Kontokorrentkredite, Immobiliendarlehen, Betriebsmittelkredite oder öffentliche Kredite in Form von Bundesanleihen, Bundesschatzbriefen oder seit 2008 die Tagesgeldanleihe der Bundesrepublik Deutschland. Kreditgeber sind hauptsächlich Kreditinstitute, wie Geschäfts-, Universal- oder Zentralbanken, aber ebenso können es auch Privatpersonen sein, welche ihr Erspartes zinsbringend als Kredite vergeben. Als Beispiel hierfür kann die Online-Kredit-Plattform „Smava“ 4 angeführt werden, auf welche Privatpersonen Mikrokredite 5 an andere Privatpersonen oder Selbständige vergeben können. Als Kreditgeber dazu dient eine Bank, welche direkt nach Abschluss des Darlehensvertrages das Darlehen an die Privatpersonen weiterverkauft. Da in Deutschland eine Banklizenz zur Kreditvergabe benötigt wird, ist dieser „Zwischenschritt“ über die Bank nötig.
4 Details siehe Homepage unter: http://www.smava.de.
5 Vgl. Klein, M., (o.J.), S. 330.
4
2.2 Problemkredite / Notleidender Kredit
Distressed Debts
2.2.1
Eine allgemein gültige und verbindliche Definition und Klassifizierung zu einem einheitlichen Standard bzw. eine Legaldefinition für Problemkredite oder notleidende Kredite existiert bisher weder im Finanzmarkt noch in der wissenschaftlichen Fachliteratur. 6 „Die Einordnung von Krediten als „notleidend“ variiert aufgrund unterschiedlicher steuerlicher, bilanzieller und aufsichtsrechtlicher Richtlinien.“ 7
In der Praxis haben sich durch das Fehlen einer einheitlichen Definition bestehende Charakteristika aus dem Bond- bzw. Kreditmarkt sowie aus den Bestimmungen aus dem Basel II-Akkord durchgesetzt. Dabei werden unter dem Begriff „Distressed Debts“ oder zu Deutsch Problemkredite oder Not leidende Kredite Verbindlichkeiten verstanden, bei denen eine Leistungsstörung oder eine stark gesunkene Kreditnehmerbonität vorliegt. Hierbei wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres mit einem Ausfall oder der Nichterfüllung der Pflichten des Schuldners aus der Verbindlichkeit gerechnet. Forderungen dieser Art unterliegen zumeist einem bankinternen Rating von B- (S&P) bzw. gleichwertigen Ratings anderer Rating-Agenturen. Als Leistungsstörung wird in Deutschland ein Zahlungsverzug für Zins- und Tilgungsleistungen von 90 Tagen angesehen. 8 Auch die Nichteinhaltung von sogenannten „Covenants“, worunter Neben- oder Zusatzvereinbarungen in Kredit- oder Anleiheverträgen zu verstehen sind, kann dazu führen, dass Verbindlichkeiten als „Distressed“ deklariert werden. In diesen „Covenants“ verpflichtet sich der Schuldner bestimmte Dinge zu unterlassen bzw. zu tun (positive bzw. negative Neben- oder Zusatzvereinbarung). Notleidende Kredite müssen von den Banken zu Lasten des Ertrages wertbereinigt werden. Die Bezeichnung „Distressed Debts“ bildet somit den Oberbegriff für die Kategorien Sub-Performing und Non-Performing.
6 Vgl. Lützenrath, C. et al. (2006), S. 12.
7 o.V. (2005), S. 4.
8 Vgl. o.V. (2004), S. 23.
5
Sub- und Non-Performing Loans
2.2.2
Der Begriff der Sub-Performing Loans umfasst diejenigen Verbindlichkeiten, welche nachfolgende Bedingungen erfüllen. Es liegt eine Verschlechterung der Vermögensverhältnisse, respektive des Ratings vor, was regelmäßig zu einer unzureichenden Sicherheitenbestellung führt. Damit einher geht, dass
Vertragsbedingungen, die Voraussetzungen für eine Kündigung des Vertrages sind, zwar noch nicht vorliegen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese verletzt werden als sehr hoch angenommen werden. Auch befinden sich solche Verbindlichkeiten zumeist auf einer bankinternen „Watchlist“, da die Schuldner zwar grundsätzlich noch nicht ausgefallen sind, aber nur noch einen Teil der vertraglich festgelegten Zins- und Tilgungszahlungen leisten können. 9
Dagegen sind bei den Non-Performing Loans die Verträge bereits gekündigt oder es liegen die Voraussetzungen für eine Kündigung des Vertrages vor. Es wird nicht mehr mit einer vollständigen Rückzahlung der Verbindlichkeiten oder mit Zins- oder Provisionszahlungen gerechnet. Der Kredit befindet sich im Status des „Default“, was mit „Leistungsstörung“, „Nichterfüllung“ oder „Zahlungseinstellung“ übersetzt werden kann.
Aufgrund von fehlenden allgemeingültigen deutschen Übersetzungen der Begriffe Distressed Debts, Sub-Performing Loans und Non-Performing Loans im Zusammenhang mit problembehafteten Verbindlichkeiten, werden im weiteren Verlauf die englischen Fachtermini beibehalten.
9 Vgl. Richter, N. (2006), S. 12.
6
2.3 Rahmenbedingungen und Markt für Non-Performing Loans
Historische Entwicklung
2.3.1
„Auffällig ist bei einem internationalen Vergleich, dass der Hintergrund von schnell wachsenden NPL-Märkten regelmäßig die Verbindung einer Immobilienkrise („Blase“) mit gesamtwirtschaftlichen Problemen (…) ist.“ 10 Im folgenden Teil wird herausgestellt und an Hand von historischen Ereignissen begründet, in wie fern das oben aufgeführte Zitat die Hintergründe zur Entstehung eines Marktes für Non-Performing Loans weltweit treffend wieder gibt und beschäftigt sich im weiteren Verlauf intensiver mit der Entwicklung der Märkte der USA und Deutschlands.
Der Beginn des „Distressed Corporate Debt Investing“ in den USA, geht auf das Jahr 1929 zurück, in welchem die große Depression Ihren Ursprung hat. Eine aus der Krise heraus entstehende immer größer werdende Zahl an Insolvenzen weckte zunehmend das Interesse von Investoren, die z.B. schon damals anfingen in Verbindlichkeiten von Eisenbahnunternehmen (70er Jahre), Immobilienfonds (Mitte der 70er und 80er Jahre), Energie-und Stahlunternehmen (80er und 90er Jahre) sowie seit der Jahrtausendwende in die Verbindlichkeiten von Telekommunikationsunternehmen zu investieren. 11 Im Jahr 1987 konnte durch die Überarbeitung des US Bankruptcy Code eine Vereinfachung der Unternehmensreorganisationsverfahren geschaffen werden, welche Anreize zur Unternehmensfortführung boten. 12 Eine weitere Rolle für die zunehmende Entwicklung des Distressed Debt Investing in den USA spielten Mitte der 80er-Jahre die große Anzahl von Unternehmen, welche durch einen Leverage Buyout übernommen wurden. Als Finanzierungsinstrument wurden so genannte „Junk Bonds“, was als Schrottanleihen übersetzt werden kann, herausgegeben. Hierbei handelt es sich um Bonds, die bereits zum Zeitpunkt der Emission über ein geringes Rating und eine hohe Verzinsung. verfügen. Zu Schwierigkeiten führte dies als es im Jahr 1987 zu einem Kursverfall an den Börsen mit einer einhergehenden Rezession kam und es somit vielen
10 Vgl. Schalast (2007), S. 2.
11 Vgl. Richter, N. (2006) , S.73.
12 Vgl. ebd., (2006), S. 73.
7
Arbeit zitieren:
Markus Keller, 2009, Non-Performing Loans aus Investorensicht, München, GRIN Verlag GmbH
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