Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 3
2. Das außerhäusliche Territorium. 4
2.1 Welche Räume umfasst das
au ßerhäusliche Territorium? 5
2.2 Wann wird die Wohnumgebung genutzt bzw. nicht genutzt? 8
3. Stubenhocker und Fernsehgucker? 13
4. Schluss. 15
5. Literaturverzeichnis. 17
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1. Einleitung
Die ökologische Psychologie setzt sich mit den Mensch-Umwelt-Beziehungen auseinander. Sie wirft sowohl die Frage auf, inwiefern der Mensch seine Umwelt beeinflusst, als auch, welchen Einfluss die Umwelt auf den Menschen ausübt. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den Bereich der Kindheit und erörtert durch den Vergleich empirischer Untersuchungen die Frage, inwieweit die Wohnumgebung Einfluss darauf hat, ob ein Kind außerhäusliche Plätze aufsucht oder sich eher im Hause aufhält und inwiefern das Aufsuchen des einen Ortes den anderen Ort ausschließt, das heißt, ob die Anzahl der innerhäuslichen Tätigkeiten wie das Fernsehgucken mit der Häufigkeit außerhäuslichen Spielens negativ korreliert.
Zwar ist das Gedeihen und Heranwachsen von Kindern nicht ausschließlich von der Wohnumgebung abhängig, sondern zusätzlich von Faktoren wie Erziehung, sozialer Status, geschlechtsspezifische Unterschiede usw., doch prägt der Lebensraum der Kinder nicht unerheblich ihre Entwicklung. So sieht Nissen die Umgebung der Kinder nicht als reinen Aufenthalts- und Spielort, sondern als einen Ort, an dem sich Kinder „Gesellschaft aneignen, sich mit Gesellschaft auseinandersetzen“ (1997, S. 174). Die Umwelt hat gleichzeitig eine räumliche und eine soziale Funktion (Nissen 1997, S. 176). Insofern wirkt ein Spielraum nicht nur für den Augenblick, sondern er begleitet und formt das Kind. Zu Beginn wird aufgezeigt, was der außerhäusliche Spielraum von Kindern, der „home range“ (Flade 1993), darstellt und welche Räume er umfasst. Unter welchen Bedingungen wird er aufgesucht bzw. nicht aufgesucht und inwiefern ist er für die kindliche Entwicklung wichtig?
Der innerhäusliche Tätigkeitsbereich des Kindes umfasst unter anderem das Fernsehen. Im zweiten Teil der Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, von welchen Faktoren die Häufigkeit und die Ausdauer des Fernsehguckens abhängen, und wozu erhöhter Fernsehkonsum führt. Macht er aus Kindern „Stubenhocker“?
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2. Der außerhäusliche Territorium
Bevor ich auf die konkreten außerhäuslichen Spielräume eingehen und mögliche Gründe für ein Aufsuchen bzw. Nicht-Aufsuchen aufzeigen werde, soll dargelegt werden, wozu der Spielraum dient, welche Funktionen er hat. Der Spielraum bzw. das Territorium des Kindes erstreckt sich von der Wohnung, der näheren Wohnumgebung bis hin - mit zunehmendem Alter - zu öffentlichen Plätzen. Im Unterschied zum personal space besteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen dem Kind und dem Raum, auch außerhalb der Zeiten, in denen das Kind den Raum aufsucht. Diese Verbindung führt zu einer Ortsidentität. Das heißt, das Kind oder die Person identifiziert sich mit dem Gebiet, dem Spielraum, den es aufsucht, wobei die Ortsidentität der
Aufrechterhaltung der eigenen Identität dient (Miller, 1990, S. 334-335). Weiterhin führt die Raumaneignung zur Umweltkontrolle. Wer über ein Territorium verfügt, hat eine Kontrolle über den Zugang zu seinem Raum. Das heißt, er kann bestimmen, mit wem und wann er interpersonale Kontakte haben möchte (Silbereisen & Noack, 1990, S. 380). Es kommt zu einer engen „Verknüpfung des mit Privatheit bezeichneten Zustands der Umweltkontrolle mit einer positiven Selbstbewertung“ (Silbereisen & Noack, 1990, S. 380). Umweltaneignung steht in Zusammenhang mit Kontrolle, mit Identität und Selbstbewertung. Diese Prozesse setzen ein Lernen voraus. Was Kinder in ihrer Wohnumgebung lernen, steht in Abhängigkeit zu den Angeboten dieser Umgebung (Dippelhofer-Stiem, 1995, S. 145). Kindgerechte Erlebniswelten können ein breiteres Spektrum an kindlichen Erfahrungsräumen bieten, jedoch sind Kinder auch in der Lage, Räume für sich umzustrukturieren. So schreibt Dippelhofer-Stiem weiter, dass Kinder es schaffen, „selbst monotone Wohnblocksiedlungen am Stadtrand ‚umzuleben‘“ (1995, S. 145). Allerdings ist meines Erachtens zu bezweifeln, dass sich ein nicht-kindgerechter Spielraum auf Dauer positiv auf die kindliche Entwicklung auswirken wird. Dies belegen auch die unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse zum Thema Langeweile auf der Straße. Rauschenbach und Wehland fanden heraus, dass Langeweile mit den gegebenen Spielmöglichkeiten korreliert, und dass bei Großstadtkindern die
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Langeweile auf der Straße größer ist als bei Dorfkindern (1989, S. 123, S. 129-130). Doch auch Dippelhofer-Stiem räumt ein, dass in monotonen Wohnblocksiedlungen „nicht jene Bandbreite von Erfahrungen“ (1995, S. 145) gemacht werden kann.
Rauschenbach und Wehland schreiben positiven Erfahrungsräumen eine Förderung der Autonomie zu, während negative Erfahrungsräume die eigene Ohnmacht mitteilen und implantieren. (1989, S. 28). Gerade deshalb kommt den Erlebensräumen außerhalb des Hauses ein hoher Stellenwert zu, der Einfluss auf die Einstellungen und die Fähigkeit zur Konfliktbewältigung auch im späteren Erwachsenen-Dasein hat. Die Räume der Kindheit wirken nicht nur zeitlich punktuell und begrenzt, sondern weitreichend, lebenslang. Die Wohnumgebung ist also keineswegs lediglich ein objektiv materieller Raum, sondern er „ist subjektiv wahrgenommener und angeeigneter Erfahrungsraum“ (Nissen, 1998, S. 175) Raumaneignung schließt „die Verarbeitung der in ihnen enthaltenen Interessenkonflikte“ (Nissen, 1998, S. 175) mit ein.
2.1 Welche Räume umfasst das außerhäusliche Territorium? Der Streif- und Spielraum von Kindern umfasst die nähere und weitere Umgebung des Kindes, in dem es sich aufhält. Hierbei bezeichnet der Spielraum das Territorium, das von dem Kind genauestens gekannt wird, wo es sich auskennt. Der Streifraum ist das Gebiet, durch das es streift, um neue Erfahrungen zu sammeln, das ihm jedoch nicht so vertraut ist wie der Spielraum (Flade, 1990, S. 359).
Wenn Kinder eines bestimmten Viertels ihren Streif- und Spielraum erweitern, so kann das mit nicht hinreichend gegebenen Möglichkeiten zum Spielen und Entdecken in der eigenen Wohnumgebung zusammenhängen (Flade, 1990, S. 360-361).
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Arbeit zitieren:
Petra Brüning, 2004, Kinder zwischen "Stubenhocken" und Straßenspiel: Wann spielen Kinder draußen?, München, GRIN Verlag GmbH
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