Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis. VI
1. Einleitung 1
2. Allgemeine Vorbemerkungen. 4
2.1 Terminologische Grundlagen 4
2.2 Landeskundliche Grundlagen. 7
2.3 Sprachliche Situation und Grundlagen. 10
3. Sprachgeschichtliche und -politische Rahmenbedingungen 13
3.1 Vom Mittelalter bis 1789 13
3.2 Sprachenpolitik in der Französischen Revolution. 15
3.2.1 Bekämpfung sprachlicher Divergenzen 17
3.2.2 Sprachenpolitik der Jakobiner. 19
3.2.3 Auswirkungen der Revolution auf das Elsässische. 20
3.3 Sprachenpolitik nach der Französischen Revolution 22
3.3.1 Sprachenpolitische Maßnahmen Frankreichs 22
3.3.2 Sprachenpolitik im Elsass 24
3.4 Sprachenpolitische Maßnahmen von 1945 bis heute 28
3.4.1 Die Situation nach dem Krieg 29
3.4.2 Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit 31
3.4.3 Auswirkungen auf das Elsässische. 33
4. Soziolinguistische und sprachenpolitische Untersuchung 36
4.1 Bisheriger Forschungsstand 36
4.2 Funktionen und Einflussfaktoren des Elsässischen. 42
4.2.1 Linguistische Einflussfaktoren 43
4.2.2 Sprachkontaktsituation und Multilinguismus. 44
4.2.3 Funktion und Einfluss der Medien 46
4.2.4 Funktion und Einfluss der Bildungspolitik 48
4.3 Bestimmungen der Variablen und Durchführung der Untersuchung. 50
4.3.1 Der Fragebogen 51
4.3.2 Durchführung der Untersuchung. 53
I
Inhaltsverzeichnis
5. Statistische Auswertungen. 55
5.1 Sprachkenntnisse. 55
5.2 Sprachgebrauch 57
5.2.1 Familie und Freunde. 57
5.2.2 Beruf, Öffentlichkeit und Freizeit 59
5.3 Sprachliche Selbsteinschätzung und Bewertung. 60
5.4 Sprachenpolitisches Bewusstsein 63
5.5 Lineare Regressionsanalysen 67
5.5.1 Regressionen des Sprachgebrauchs. 67
5.5.2 Regressionen der sprachlichen Selbsteinschätzung und Bewertung. 70
5.5.3 Regressionen des sprachenpolitischen Bewusstseins. 72
5.6 Logarithmische Regressionsanalyse 73
6. Fazit: zukünftige sprachliche Tendenzen und Perspektiven für das Elsass 74
Literaturverzeichnis. VII
Anhang XIV
Anlage 1: Bevölkerung pro km im Elsass. XIV
Anlage 2: Export- und Importgüter XV
Anlage 3: Arbeitslosenquoten in Frankreich. XV
Anlage 4: Graphie et prononciation de la langue alsacienne XVI
Anlage 5: Fragebogen XVII
Anlage 6: Übersicht der Antworten XXI
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Das Elsass
Abb. 2 Excédent de la balance commerciale de l’Alsace
Abb. 3 L’ALSACE: Le pays et ses parlers
Abb. 4 La transmission de l’alsacien
Abb. 5 Transmission conjointe de l’alsacien et du français en Alsace.
Abb. 6 Part des personnes parlant l’alsacien en 1999.
Abb. 7 L’alsacien mois parlé par les jeunes générations.
Abb. 8 Ergebnis der Frage „Savez-vous parler l’alsacien?“
Abb. 9 Fertigkeiten im Elsässischen.
Abb. 10 Ergebnis der Frage „Quelle(s) langue(s) parlez-vous en famille?“
Abb. 11 Ergebnisse der Fragen „Quelle(s) langue(s) parlez-vous avec vos (grands)-
parents ?“ und „Quelle(s) langue(s) parlent-ils entre eux?“
Abb. 12 Ergebnis der Frage: „Quelle est la langue officielle/ Quelles sont les
langues officielles d'Alsace?“
III
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tab. 1 Bevölkerungszuwachs im Elsass 9
Tab. 2 Bevölkerung der 3 größten Agglomerationen. 9
Tab. 3 La pratique déclarée des langues en Alsace. 12
Tab. 4 Ergebnisse der Sprachenzählung im Elsass von 1926 27
Tab. 5 Ergebnisse der sprachlichen Erhebungen von 1946 und 1962 34
Tab. 6 Ergebnisse einer Untersuchung zum Sprachgebrauch von 1971 34
Tab. 7 Connaissance déclarée des langues ne Alsace et son évolution 37
Tab. 8 Connaissance déclarée de l’alsacien en fonction de l’âge et du sexe 37
Tab. 9 Ergebnisse der Erfassung nach Berufskategorien von 1965. 39
Tab. 10 Ergebnisse einer sprachlichen Untersuchung im ländlichen Milieu im
Unterelsass aus dem Jahre 1973 40
Tab. 11 Arten von Fragen und Beispielfragen 50
Tab. 12 Ergebnis der Frage „Quelles langues parlez-vous?“ 55
Tab. 13 Ergebnis der Frage „Quelle(s) langue(s) parlez-vous entre amis?“ 58
Tab. 14 Ergebnis der Frage „Quelle(s) langue(s) parlez-vous au travail?“ 59
Tab. 15 Ergebnis der Frage „Est-ce que l’alsacien est un handicap? 60
Tab. 16 Ergebnis der Frage „Voudriez-vous améliorer votre connaissance de la
langue alsacienne?“ 61
Tab. 17 Ergebnis der Frage „Pour vous, quelle est la langue la plus jolie?“ 62
Tab. 18 Ergebnis der Frage „Pour vous, quelle est la langue des sentiments?“ 62
Tab. 19 Ergebnis der Frage „Pour vous, quelle est la langue de l’humour?“ 62
Tab. 20 Ergebnis der Frage „Aviez-vous toujours le droit de parler l'asacien en
Alsace par le passé?“ 64
Tab. 21 Ergebnis der Frage „Est-ce que vous savez que la France a
constitutionnalis é ses langues regionales en 2008?“ 64
Tab. 22 Ergebnis der Frage „Êtes-vous d'accord avec cette décision?“ 66
Tab. 23 Ergebnis der Frage „Est-ce que vous connaissez la Nuit (européenne) des
mus ées et les Langues de France?“ 66
Tab. 24 Ergebnis der Frage „Est-ce que vous étiez là?“ 66
Tab. 25 Regressionsanalyse: y α β 1 Alter. 67
Tab. 26 Regressionsanalyse: y α β 1 Alter β 2 Geschlecht 68
Tab. 27 Regressionsanalyse: y α β 1 Alter β 2 Familie 69
Tab. 28 Regressionsanalyse: y α β 1 Familie. 69
Tab. 29 Regressionsanalyse: y α β 1 Freunde 70
IV
Tab. 30 Regressionsanalyse: y = α + β 1 *Alter + β 2 *Geschlecht + β 3 *Familie +
Tab. 31 Regressionsanalyse: y = α + β 1 *jolie + β 2 *sentiments + β 3 *humour ......... 71 Tab. 32 Regressionsanalyse: y = α + β 1 * connaissance ........................................... 71 Tab. 33 Regressionsanalyse: Recht = α + β 1 *Alter................................................. 72 Tab. 34 Regressionsanalyse: y = α + β 1 *Nuit + β 2 *Constitution............................. 72 Tab. 35 Regressionsanalyse: log y = α + β 1 *Alter................................................... 73
V
Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz Anm. Anmerkung BIP Bruttoinlandsprodukt bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise CES Collège d’ensiegnement secondaire d. h. das heißt DNA Dernières Nouvelles d’Alsace ETA Euskadi Ta Askatasuna (Baskenland und Freiheit) evtl. eventuell f. folgende ff. fortfolgende ggf. gegebenenfalls
INSEE Institut national de la statistique et des études économiques IRA Irish Republican Army Mio. Million o. g. oben genannt PS Parti Socialiste S. Seite s. siehe sog. sogenannt u. a. unter anderem URL Uniform Ressource Location vgl. vergleiche z. B. Zum Beispiel
VI
1. Einleitung
„Jusqu’à nos jours, l’alsacien, en tant que moyen de communication et de compréhension, a été qualifié de “langue vernaculaire”, donc populaire et d’une extension restreinte. C’est effectivement le parler que pratique le peuple habitant à l’intérieur des frontières dites “naturelles” que sont les Voges et le Rhin. Il s’agit par conséquent d’une langue essentiellement parlée, mais non écrite, plus exactement peu et mal transcrite.” (Matzen 1999: 1).
Sprache ist in Frankreich schon immer Staatsangelegenheit gewesen. Neben der Nationalsprache Französisch wird innerhalb des Staatsgebiets eine große Anzahl an weiteren Sprachen gesprochen, darunter befinden sich sowohl romanische Sprachen, germanische Varietäten, eine keltische als auch eine nichtindogermanische Sprache. Dazu kommen einige Kreolsprachen in den Überseegebieten.
Seit 1969 ist besonders in Frankreich die Tendenz zu beobachten, dass die Bevölkerung immer mehr den Wunsch verspürt, ihre Regionalsprachen zu schützen und zu fördern. Doch die französische Verfassung erkannte erst 2008 den offiziellen Status der Regionalsprachen an. Allerdings nicht im berühmten Artikel 2 „la langue de la république est le français“, sondern in einem neueingeführten Artikel 75, der lautet: „Les langues régionales appartiennent au patrimoine de la France.” (Loi constitutionnelle n°2008-724 du 23 juillet 2008, Article 75-1). Die Regionalsprachen sind der Nationalsprache also eindeutig untergeordnet und dementsprechend sind sie vom Aussterben bedroht. Empirisch bewiesen ist, dass immer weniger junge Menschen ihre Regionalsprache sprechen und sie zudem immer weniger gut lernen. Außerdem lässt sich eine massive sprachliche Substitution erkennen. Von diesem Phänomen sind viele mehrsprachige Gebiete betroffen. Die Sprachwahl der Sprecher hängt von einem komplexen Gefüge aus historischen, politischen, sozialen und kulturellen Variabeln ab und somit kann der Staat durch massive sprach- und sprachenpolitische Maßnahmen sowohl die Sprachwahl als auch das Sprachbewusstsein einer Bevölkerung beeinflussen.
Im Elsass existieren drei Sprach- und Kommunikationssysteme: die französische Nationalsprache, die hochdeutsche Standardsprache und die elsässischen Varietäten. Französisch nimmt bei dieser Konstellation die offizielle Prestigesprache, Hochdeutsch die mehrfach geschriebene und Elsässisch die überwiegend gesprochene Sprache ein. Dieses Sprachkontinuum lässt sich einerseits durch die geographische Lage und andererseits durch den geschichtlichen Hintergrund erklären. So hat das Elsass beispielsweise vier Mal innerhalb eines dreiviertel Jahrhunderts die Staatsangehörigkeit gewechselt und dabei haben sowohl die deutschen als auch die französischen Staatsherren versucht durch sprachenpolitische Maßnahmen in die Sprachgewohnheiten einzugreifen.
1
Die Bilanz zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist ernüchternd. Weniger als 40% der erwachsenen Bevölkerung sprechen noch Elsässisch (vgl. INSEE 2002: 6). Mehrere Studien der letzten 50 Jahre konvergieren und ergaben, dass in den großen Ballungsgebieten, wie Strasbourg, Colmar oder Mulhouse die elsässische Sprache völlig aus dem Sprachrepertoire verschwunden zu sein scheint. Eltern bringen ihren Kindern aufgrund besserer beruflicher Chancen nur noch französisch bei und bis auf im landwirtschaftlichen Sektor, hat Elsässisch auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Bedeutung mehr. Das Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE) geht davon aus, dass im Jahr 2010 niemand mehr der elsässischen Sprache mächtig sein wird (vgl. INSEE 2002: 4).
Ziel dieser Arbeit soll es infolgedessen sein, die o. g. Befunde deduktiv zu überprüfen und allgemeingültige Aussagen über den derzeitigen Stand und zukünftigen Trend der Sprachverwendung, der sprachlichen Selbsteinschätzung und des Bewusstseins zu machen. Im Laufe der Arbeit werden also folgende Fragestellungen verfolgt: Welche Faktoren bestimmen und charakterisieren die Sprachverwendung im Elsass? Welche Auswirkungen haben die sprachenpolitischen Maßnahmen der letzten 200 Jahre? Wie stellt sich das Sprachbewusstsein der Regionalsprecher dar, welche Funktionen erfüllt die elsässische Mundart und interessiert sich die Bevölkerung für den Erhalt dieser Sprache? Die Daten der zugrundeliegenden Untersuchung basieren auf einer Face-to-Face Befragung, welche in drei Orten im Elsass auf Grundlage eines selbstkonstruierten Fragebogens, durchgeführt wurde.
Aufbau der Arbeit
Da für die Untersuchung mehrere Termini von Bedeutung sind, werden diese in einem ersten Teil untersucht. Es soll beispielsweise geklärt werden, was unter Sprachenpoltik verstanden wird und wie die Termini Regional- und Minderheitensprache sowie der Begriff Dialekt verstanden wird. Zudem müssen einige landeskundliche Grundlagen geklärt werden, da man auf Grund der Geographie u. a. die Sprachsituation, die sich heute aus verschiedenen Dialekten und offiziellen Sprachen zusammensetzt, verstehen kann.
Eine besonders bedeutsame Auswirkung auf die heutige Sprachsituation und Sprachverwendung haben die historischen und die politischen, speziell die sprachenpolitischen Einflüsse. Aus diesem Grund werden im dritten Teil dieser Arbeit die wichtigsten
2
Ereignisse der französischen und teilweise der deutschen Sprachenpolitik sowie deren Auswirkungen auf das Elsässische erörtert. Ein Fokus wird hierbei auf die Sprachenpolitik der Französischen Revolution gelegt, da ab 1789 die Revolutionäre durch politische Maßnahmen zum ersten Mal die Verwendung von Sprachen vorgeschrieben haben. Außerdem wird ein Schwerpunkt auf die Bildungspolitik im 19. und 20. Jahrhundert gelegt, da mittels des Schulwesens am effizientesten die Sprachstatusplanung durchgesetzt werden kann.
Nach dem historischen Überblick wird im 4. und 5. Kapitel die heutige Situation anhand der selbstdurchgeführten Untersuchung analysiert. Im 4. Abschnitt wird ein Fokus auf die Konstruktion des Fragebogens und die Durchführung der Untersuchung gelegt. Um eine Studie zur Sprachverwendung und zum Sprachbewusstsein durchzuführen ist es wichtig, sowohl den bisherigen Forschungsstand als auch die Einflussfaktoren, die den Sprachgebrauch begünstigen, zu kennen. Hierbei werden vor allem die Medien, die Literatur, die Erziehung, die Bildungspolitik sowie die Situation auf dem Arbeitsmarkt und der Wohnraum betrachtet. Infolgedessen wird der bisherige Forschungsstand auch thematisch und nicht chronologisch erörtert bevor die Funktionen und Einflussfaktoren des Elsässischen untersucht werden. Aus diesen Faktoren lassen sich anschließend die zu untersuchenden Variablen herleiten, die anhand mehrerer Fragenarten und -methoden getestet werden sollen.
Im 5. Kapitel wird die Untersuchung sowohl deskriptiv als auch analytisch ausgewertet. Bei der deskriptiven Erörterung werden die Antworten prozentual erfasst und versucht aufgrund der zuvor gewonnen Erkenntnisse analysiert. Es soll beispielsweise gesagt werden, wie viel % der Probanden Elsässisch in der Schule gelernt haben oder wie viel % Elsässisch als Benachteiligung ansehen und warum. Anschließend sollen Regressionen hergeleitet werden, die mehrere Variablen in Abhängigkeit zueinander setzen können. Beispielsweise soll die Wahrscheinlichkeit Elsässisch im alltäglichen Leben zu verwenden, angegeben werden, wenn sich das Alter des Probanden um ein Jahr erhöht.
Im letzten Kapitel der Arbeit werden dann noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse zusammengefasst. Es soll des Weiteren versucht werden einen zukünftigen Trend der elsässischen Sprache sowohl bezüglich ihrer Verwendung als auch ihres Bewusstseins herzuleiten. Dabei sollen auch Aussagen über den Einfluss der zukünftigen sprach- und sprachenpolitischen Maßnahmen erörtert werden.
3
2. Allgemeine Vorbemerkungen
Da es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine soziolinguistische und sprachenpolitische Untersuchung einer Regionalsprache handelt, ist es notwendig letztgenannte Begriffe zu definieren und dabei z. B. den Terminus einer Regionalsprache von einem Dialekt oder einer Minderheitensprache abzugrenzen. Hierfür sollen verschiedene Definitionen betrachtet werden, denn oft werden diese Begriffe fälschlicherweise synonym gebraucht.
Neben den terminologischen Grundlagen, sollen auch die spezifischen landeskundlichen Eigenschaften erörtert werden. Eine geographische Betrachtung des Elsass ist nämlich deshalb notwendig, da die geographische Lage die Vergangenheit erklärt, die Gegenwart bedingt und die Zukunft orientiert (vgl. Phillips 1980: 17). Außerdem soll die sprachliche Situation kurz angerissen werden. Ein Fokus wird hierbei auf die derzeitigen Sprachkontakte und gesprochenen Dialekte im Elsass gelegt.
2.1 Terminologische Grundlagen
Eine Untersuchung sprachlicher Verhältnisse kann nicht ohne Berücksichtigung der Rolle der Sprach- und Sprachenpolitik vorgenommen werden. In diesem Zusammenhang ist zunächst eine terminologische Definition notwendig. Mit Sprachpolitik bezeichnet man alle Maßnahmen und Regeln, mit denen die Verwendung von Sprachen, also Sprachstatusplanung, vorgeschrieben wird. Sprachstatusplanung findet vornehmlich auf politischer Ebene, in Staaten und Organisationen statt. Die Sprachpolitik betrifft also politisch-institutionelle Eingriffe in die Sprachverwendung einer Sprache, zum Beispiel durch Reglementierungen des Fremdwortgebrauchs oder offiziell verordnete Sprachregelungen. Maßnahmen und Regeln, die auf den Status und die gesellschaftliche Funktion mehrerer Sprachen, also insbesondere in mehrsprachigen Ländern und internationalen Organisationen Einfluss nehmen, werden als Sprachenpolitik bezeichnet. Jene regelt also das Verhältnis verschiedener Sprachen zueinander in mehrsprachigen Gesellschaften. Sie stellt sich Fragen, wie z. B. welche Sprachen welchen rechtlichen Status haben und welche gesellschaftlichen Funktionen sie übernehmen.
„Diejenigen, die Sprachenpolitik betreiben, besitzen die Autorität, Sprachplanung zu dirigieren. Umgekehrt besitzen Vertreter der Sprachplanung keine Befugnis, Direktiven für sprachpolitische Regelungen festzulegen.“ (Haarmann 1988: 1666)
4
Zudem sollen die Begriffe Dialekt, Regional- und Minderheitensprachen voneinander abgegrenzt werden. Bezüglich der Definition eines Dialektes weisen alle Begriffsbestimmungen zwei Gemeinsamkeiten auf. Erstens kann ein Dialekt nur kontrastiv, also gegenüberstellend, zu anderen Sprachformen verwendet werden. Somit entspreche laut Maurer (2002: 15f.) ein Nicht-Dialekt meistens einer Standardsprache. Zweitens könne diese Abgrenzung nicht auf linguistisch-grammatikaler Ebene erfolgen, da sich Dialekte nicht qualitativ von anderen standardsprachlichen Formen unterscheiden. Dialekte stellen also eine nicht standardisierte Sprachvarietät dar. Anders gesagt sind Dialekte aus einer Übersprache hervorgegangen und regional begrenzt. Des Weiteren wird ein Dialekt häufig als Sprachform einer weniger gebildeten, sozial unterprivilegierten oder ländlichen Schicht bezeichnet. Die Verwendungsebene des Dialektes wird durch die kommunikativen Gewohnheiten der ebengenannten Schicht charakterisiert und befindet sich nicht in der Öffentlichkeit. Das heißt, dass es keine offiziellen Dokumente, die in Dialekt verfasst sind, gibt. Betreffend des sprachlichen Inventars ist der Dialekt im Vergleich zur Standardsprache als restringierter code anzusehen (vgl. Maurer 2002: 16f.).
Einige Autoren verwenden Dialekt und Mundart synonym. Allerdings besteht der Unterscheid zwischen einem Dialekt und der Mundart darin, dass spezifischen Eigenheiten eines Dialektes schriftlich aufgezeichnet werden können. Mit Mundart wird dahingegen als die Art und Weise, wie Wörter auszusprechen sind, und zwar unabhängig von ihrer Schreibweise, verstanden. Auch die elsässische Bevölkerung bezeichnet ihre Sprache als Mundart, da sie vorwiegend mündlich gebraucht wird. Allerdings sind im Laufe der Zeit auch Texte und Literatur auf Elsässisch verfasst worden und auch die Charta der Regional- und Minderheitensprachen erklärt das Elsässische zur Regionalsprache. 1 Allerdings ist bis heute keine einheitliche Grammatik der elsässischen Sprache erschienen (vgl. Kleiber 1995: 39).
Maurer (2002: 28) definiert den Terminus der Regionalsprache als mündliche Varietät ohne den Status einer offiziellen Sprache oder Nationalsprache, deren Verbreitungsgebiet sich aufgrund historischer Gegebenheiten konstituiert hat. Schwierigkeiten bei dieser Definition gibt es allerdings, wenn es sich um sog. autochthone Sprachen, wie das Baskische, Bretonische, Elsässische, Flämische etc. handelt. Auf diesem Gebiet herrscht terminologisch nur wenig Übereinstimmung. Bei Definierung der letztgenannten Sprachen werden die Termini Regional-, Territorial- und Minderheitensprachen häufig
1 An dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Regionalsprache Elsässisch auch viele Dialekte, wie das Hoch-und Niederalemannische, aufweist. (Anm. d. Verfassers)
5
synonym verwendet, was nach Auffassung der Europäischen Union nicht korrekt ist. So sieht die Charta der Regional- und Minderheitensprachen eine Differenzierung der beiden Termini vor. Eine Regionalsprache ist an ein geographisches Gebiet geknüpft, in dem sie von der Mehrheit der Bevölkerung verwendet wird. Eine Minderheitensprache, ist eine Sprache, die zwar offiziellen Status als Sprache hat, aber nirgends auf dem Ter-ritorium von der Mehrheit der Bevölkerung gebraucht wird (vgl. Conservatoire du patrimoine de Gascogne 2006: 12). Als Beispiel könnte hierfür das Arabische in Frankreich genannt werden.
„Au sens de la présente Charte:
a. par l'expression «langues régionales ou minoritaires», on entend les langues:
ii. différentes de la (des) langue(s) officielle(s) de cet Etat;
elle n'inclut ni les dialectes de la (des) langue(s) officielle(s) de l'Etat ni les langues des migrants;
b. par «territoire dans lequel une langue régionale ou minoritaire est pratiquée», on entend l'aire géographique dans laquelle cette langue est le mode d'expression d'un nombre de personnes justifiant l'adoption des différentes mesures de protection et de promotion prévues par la présente Charte;
c. par «langues dépourvues de territoire», on entend les langues pratiquées par des ressortissants de l'Etat qui sont différentes de la (des) langue(s) pratiquée(s) par le reste de la population de l'Etat, mais qui, bien que traditionnellement pratiquées sur le territoire de l'Etat, ne peuvent pas être rattachées à une aire géographique particulière de celui-ci.“
(Charte européenne des langues régionales ou minoritaires, Article 1)
Ladin (1982: 69) sieht den Terminus der Regionalsprache im Elsass im Zusammenhang mit Hochdeutsch und Elsässisch. Er weist zudem darauf hin, dass es divergierende Bezeichnungen unter den Sprachen selbst gäbe. Je nach Alter bezeichnet die Bevölkerung entweder das Hochdeutsche oder das Elsässische als Regionalsprache. So neigt vorwiegend die ältere Bevölkerung dazu, erstgenannte Sprache als Regionalsprache des Elsass zu bezeichnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Regionalsprache eine Sprachform bezeichnet, die der Standardsprache zwar nahe kommt, aber regionale Färbungen aufweist. Oft handelt es sich um eine Übergangsform zwischen einem lokalen Dialekt und einer Standardsprache. Sie befindet sich in einer Art Diglossiesituation. Im Gegensatz
6
zur Nationalsprache ist es eine Sprache, die in einem Raum, der keine staatliche Einheit bildet, verwendet wird. Das Elsässische ist somit Regionalsprache des Elsass. 2
2.2 Landeskundliche Grundlagen
Das Elsass stellt zunächst einen geographischen Raum dar, der sich in zwei Departements, Bas-Rhin und Haut-Rhin, gliedert. Die nördliche Grenze ist zum einen die Staatsgrenze zur Bundesrepublik Deutschland, zum anderen die Grenze zum Departement Moselle. Die östliche Grenze bildet der Rhein und somit gehört das Elsass zum Rheinland, das den nördlichen Korridor, der den Norden und Süden miteinander verbindet, bildet. Zudem ist die Europabrücke, die in Straßburg den Rhein überspannt, eine der am meist genutzten Passierstellen Europas und infolgedessen befindet sich das Elsass an einem der größten Verkehrsknotenpunkte Europas. Diese korreliert natürlich positiv mit der wirtschaftlichen Lage des Landes.
Die Grenze im Nordwesten hat hingegen keinen geographischen Hintergrund. Es waren hauptsächlich religiöse Gegebenheiten, die dafür sorgten, dass die Kantone von Drulingen und Saar-Union dem Elsass angeschlossen wurden. Da die Bevölkerung der letztgenannten Kantone vorwiegend protestantisch ausgerichtet war, wurden sie 1800 dem Departement Bas-Rhin und nicht dem katholischen Departement Moselle zugeteilt (vgl. Philipps 1980: 15f.). Somit erklärt sich auch die „krumme“ Form des Elsass oder auch „l’Alsace bossue“ (Maurer 2002: 6) genannt.
Die Südgrenze stammt aus dem Jahr 1871. Bis zum Krieg gehörte das Kanton Belfort dem Departement Haut-Rhin an. Da es den französischen Truppen gelang, die Festung in Belfort bis zum Ende des Krieges zu behalten, durfte das Kanton in französischer Hand bleiben und gehörte somit nicht mehr zum Elsass, welches nach deutschem Sieg dem deutschen Staatsgebiet zugeordnet wurde. 3
Des Weiteren gliedert sich die elsässische Rheinebene nord-südlich in Streifen unterschiedlicher Breite. Das mittlere Stück zwischen Straßburg und Colmar ist das
2 Da das Elsässische von der Bevölkerung selbst überwiegend als Mundart bezeichnet wird, wird auch dieser Terminus synonym mit den Termini Regionalsprache des Elsass und elsässische Sprache in dieser Arbeit verwendet. Die Bevölkerung wird an einigen Stellen als Minderheit bezeichnet, da auch in offiziellen Gesetzen diese Begrifflichkeit verwendet wird. In Bezug auf die französische Bevölkerung stellen nämlich nach französischem Recht die Elsässer, genauso wie die Bretonen oder Basken, eine Minderheit dar. (Anm. d. Verfassers)
3 Eine genauere Betrachtung befindet sich in Kapitel 3.3.4.
7
schmalste. Nördlich und südlich dieser Linie wird die Fläche aufgrund geographischer Besonderheiten wie Gebirge und Rhein immer breiter. Der Besiedlungsdichte nach zu urteilen hat die Ebene in ostwestlicher Richtung drei wechselnde breite Zonen: im Osten die Schwemmlandzone des Rheins, die im Süden sehr schmal verläuft und sich erst nördlich von Markohlsheim verbreitert, da sie sich dort mit der Schwemmlandzone der Ill vereinigt. In den Vogesen ist die Breite der alten Glätschertäler bezogen auf eine mögliche Besiedlung des Landes sehr günstig. Allerdings verhindern Feldbau, Weide-und Waldwirtschaft hier eine dichte Bevölkerung. Folgende Abbildung dient dem geographischen Überblick:
Obwohl das Elsass mit einer Größe von 8 280 km² die kleinste Region Frankreichs darstellt, ist es bezogen auf das Bevölkerungswachstum die zweitgrößte. Auf die ebengenannte Größe verteilten sich ca. 1 817 000 Einwohner 4 . Dieses führt zu einer Dichte von 209 Einwohnern/km². 5 Die größte Bevölkerungsdichte ist zwischen Zabern und Maseveaux entlang des Gebirgsrandes (vgl. Stoeckicht 1942: 13f.). Tabelle 1 zeigt stich-
4 Nachdem INSEE 2009 zählte man am 01.01.2006 genau 1 815 493 Einwohner (näheres zur Bevölkerungsentwicklung siehe Anlage 1)
5 In Frankreich beträgt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte 93,59 Einwohner/km² und in Europa 116 Einwohner/km² (vgl. INSEE 2009)
8
propenartig den Bevölkerungszuwachs ab 1996 und Tabelle 2 die drei größten Ballungsräume.
Tabelle 1: Bevölkerungszuwachs im Elsass. Quelle: Alsace Internationale 2005.
Tabelle 2: Bevölkerung der 3 größten Agglomerationen. Quelle: Alsace Internationale 2005.
Bezüglich wirtschaftlicher Daten, weist das Elsass 2007 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 49 824 Mio. Euro auf (vgl. INSEE 2009). Der wirtschaftlich stärkste Bereich des Elsass ist der Außenhandel, wobei Produkte aus dem Automobilsektor gefolgt von chemischen Produkten die am meist exportierten Güter sind. 6 Abbildung 2 zeigt die Ex-porte und Importe von 2000 bis 2007. Festzuhalten ist, dass bis auf im Jahr 2005 die Exporte immer die Importe überstiegen, so dass es zu einem positiven Saldo und vermutlich auch zu einem Leistungsbilanzüberschuss kam. Infolgedessen steht die Region an wirtschaftlichen Indikatoren gemessen sehr gut dar.
Auch die Arbeitslosenquote von 6,7% im Jahr 2008 ist im Verhältnis zu den Quoten anderer französischer Regionen sehr gering. In Frankreich beträgt der Durchschnitt 7,8%. 7 Auch im europäischen Vergleich liegt die Arbeitslosenquote des Elsass damit unter dem Durchschnitt von 7,5% 8 (vgl. INSEE 2009).
6 Eine Übersicht über die Export- und Importgüter des Elsass befindet sich in Anlage 2.
7 Eine Übersicht der Arbeitslosenquoten in Frankreich befindet sich in Anlage 3.
8 Der Wert ist bezogen auf die Eurozone 12. (Anm. d. Verfassers)
9
Abbildung 2: Excédent de la balance commerciale de l’Alsace. Quelle: INSEE 2009.
2.3 Sprachliche Situation und Grundlagen
Abbildung 3 zeigt, dass das Elsass und Lothringen zu einer großräumigen Sprachlandschaft gehören. Zwar liegen die beiden Regionen in einem Sprachgebiet, trotzdem haben sie, was die Mundarten betrifft, wenig Gemeinsamkeiten. Mit der Regionalsprache Elsässisch werden die germanischen Dialekte im Elsass bezeichnet. So gibt es vor allem die als alemannisch bezeichneten Dialekte (alémanique), die dem Oberdeutsch gleichen. Der südlichste Teil des Elsass, Sundgau, gehört zum Hochalemannischen und das restliche Elsass zum Niederalemannischen. Die lothringischen Dialekte (francique) werden hingegen dem Mitteldeutsch zugerechnet.
„Selon les critères de classement de la géolinguistique classique, le domaine alsacien présente deux aires dialectales non homogènes et d’étandue inégale: l’alémanique (majoritaire) et le francique, qui ressortissent respectivement à l’allemand supérieur (partie méridionale du haut-allemand) et à l’allemand moyen (partie septentrionale du haut-allemand). (Cerquiglini 2003: 23f.)
Das Alemannische ist die Sprache der gleichnamigen Alemannen, die neben den Germanen ab dem 3. Jahrhundert das Elsass besiedelten. Genauso wie andere lebende Sprachen hat auch das Alemannische viele Entwicklungen durchlebt. Heute wird es u. a. auch in Süddeutschland, in Österreich und vor allem in der Schweiz gesprochen (vgl. Phillips 1980: 31).
10
Nachdem vermehrt versucht worden ist, die elsässische Sprache zu unterdrücken, besteht sie heute nur noch infolge des mangelnden Sprachkontinuums zum Deutschen auf mündlicher Ebene. Die hochdeutsche Sprache hat weitgehend den Status einer erlernten Fremdsprache. Bei grenzüberschreitenden Arbeitspendlern im Norden und Nordwesten des Elsass scheint sich die Mundartpraxis, aufgrund der deutschen Grenze, zu stabilisieren. In Richtung Schweiz allerdings wird vermehrt Französisch gebraucht. Dieses könnte damit begründet werden, dass das Elsass hier an die französischsprachige Schweiz grenzt, in der kaum deutsch gesprochen wird. Die abschließende Tabelle ent-
11
hält einen Überblick über die neben Französisch gesprochenen Sprachen im Elsass. Es zeigt sich ganz deutlich, dass Elsässisch und Deutsch die am meist verwendeten Sprachen sind. Im Vergleich zu Zahlen nach dem zweiten Weltkrieg sind 39% der erwachsenen Bevölkerung, die noch Elsässisch sprechen, allerdings sehr gering.
3. Sprachgeschichtliche und -politische Rahmenbedingungen
Das Elsass ist heute sowohl durch die politische, kulturelle und sprachliche Zugehörigkeit Frankreichs geprägt, als auch durch den geschichtlichen Hintergrund zu Deutsch-land. Aus diesem Grund kann man die sprachliche und kulturelle Situation der elsässischen Bevölkerung nicht erörtern, bevor man sich nicht mit ihrer Geschichte aus-einandergesetzt hat. Infolgedessen handelt der folgende Abschnitt von einem kleinen historischen Überblick mit sprachenpolitischer Fokussierung.
3.1 Vom Mittelalter bis 1789
Der deutsche Dialekt implementierte sich im Elsass ungefähr zeitgleich mit dem Zusammenfall des römischen Reiches (2. Hälfte des 4. Jahrhunderts) im Zuge der Völkerwanderung, als die Alemannen den Rhein überquerten. Erst 100 Jahre später (ca. im Jahr 496), wurden jene von den Franken besiegt, die sowohl aus romanisierten als auch germanisierten Stämmen bestanden. Die fränkischen Könige schufen 640 das Herzogtum Elsass. Unter den Karolingern erfolgte anschließend eine Neuorganisation der Verwaltung. So wurde das Elsass in zwei Grafschaften (Nordgau und Sundgau) geteilt. In Straßburg besiegelten dann Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche ihr Bündnis, die Straßburger Eide. Im Teilungsvertrag von Verdun (843) ging das Elsass an ihren Bruder Lothar. Es sollte der Beweis sein, dass die Franken westlich der Vogesen blieben und die „romanisierten“ Franken in eine andere Richtung gingen. Elsass und Ost-Lothringen gehörten somit zum deutschen Sprachraum (vgl. Ladin 1982: 40). Doch Lothars Brüder machten ihm den Besitz streitig bis die Region 870 wieder an ihn zurück fiel. Im Jahr 925 zwang Heinrich I. von Sachsen dem Elsass seine Herrschaft auf und infolgedessen wurde es endgültig ins Imperium eingegliedert (vgl. Bister-Broosen 1998: 20).
Straßburg erlangte 1262 den Status einer Reichsstadt und auch die anderen großen elsässischen Städte erhielten bis Ende des 14. Jahrhunderts diesen Status. Das Elsass gehörte also seit den Anfängen zu den wichtigsten Gebieten deutscher Kultur und Sprache. Gutenberg soll sogar in Straßburg den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden haben (vgl. Bister-Broosen 1998: 20).
In der Zeit, in der das Lateinische immer mehr durch einheimische Sprachen ersetzt worden ist, waren elsässische Städte die ersten, die in ihrer Volkssprache die elsässische
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Mundart, beurkundeten. Der Grund hierfür war das hohe Maß an sprachlichem Selbstbewusstsein der Elsässer. Des Weiteren wurde die Sprache nicht primär als Nationalmerkmal aufgefasst, sondern als notwendiges Mittel zur Verständigung verstanden. Dieses Denken hielt viele Jahre an. So war bis Mitte des 17. Jahrhunderts die französische der deutschen Sprache nachrangig. Hierfür sorgten vor allem das Fehlen eines dem französischen Vorschub leistenden Hofes und das hartnäckige Bestreben der Behörden sowie der protestantischen Kirche, sich gegen das Französische als Vehikel des Katholizismus abzuschotten (vgl. Hartweg 2002: 64).
Nach über 1000 Jahren Vorherrschaft der deutschen Sprache, kam es nach dem dreißigjährigen Krieg zum Umschwung der sprachlichen Situation (vgl. Ladin 1982: 44). Auf-grund von Kriegszerstörungen und Wiederbevölkerungsmaßnahmen kam es zu einer arealen Veränderung. Durch den westfälischen Frieden ging der größte Teil des Elsass an Frankreich und damit verbunden war der Rückgang der deutschen Sprache, vor allem in den oberen Schichten. So begann die elsässische Bourgeoisie schon im 17. Jahr-hundert, sich in Wort und Schrift in Französisch auszudrücken. Dadurch, dass es vermehrt französische Literatur gab, gewann letztgenannte Sprache vor allem beim Adel und Großbürgertum immer mehr an Bedeutung. Es dauerte nicht lange, bis das Großbürgertum zweisprachig war, denn die französische Sprache wurde in Bezug auf den Arbeitsmarkt immer wichtiger. Insbesondere wurden Staatsämter nur noch mit Personen, die der französischen Sprache mächtig waren, besetzt. Zudem kam das Französische in Mode, da sie in ganz Europa als die Sprache der Gebildeten galt (vgl. Hartweg 2002: 64). Allerdings hatte das Kleinbürgertum zu jenem Zeitpunkt kaum Zugang zu der „neuen“ Sprache. Hier überwiegte weiterhin das Deutsche oder die Mundart.
In den folgenden Jahren drang das Französische immer weiter vor, allerdings ohne explizite Sprach- oder Sprachenpolitik, aber aufgrund politischen Willens, und wird zur Amtssprache erklärt. Infolgedessen gab es keine deutschen Straßen- oder Ortsnamen mehr. Ferner wurden u. a. das Militär, der Zoll und die Presse umgestellt. Des Weiteren war das Deutsche nicht mehr mit der „Sprache Seiner Majestät“ vereinbar und das Französische wurde vor allem bei den oberen Schichten als „Sprache der Zukunft“ ver-standen (vgl. Hartweg 2002: 64).
Frankreich begann also schon sehr früh, den Gebrauch von Sprachen durch politischen Willen zu organisieren. Nachdem sich das Land territorial ausgedehnt hatte, musste einerseits die Zentralgewalt gefestigt und andererseits die Verwaltung effizienter ge-
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Arbeit zitieren:
Dipl. Hdl. Juliane Müller, 2009, Das Elsässische - Eine soziolinguistische und sprachenpolitische Untersuchung, München, GRIN Verlag GmbH
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