Aber Sinn ist nicht nur dieses Verweisen auf andere Möglichkeiten, sondern auch die Lokalisierung dieser Verweisung in allem, was wir uns konkret als Gegenstand unserer Aktualität, unseres aktuellen Erlebens vorstellen. Ebenso ist, wenn wir von Bewusstsein auf Kommunikation umschalten, zu allem, was gesagt werden kann, zu aller Information, immer auch der Auswahlbereich vorhanden: Was habe ich erwartet, und was kommt? Was überrascht mich im Verhältnis zu dem, was auch noch möglich wäre? Wer sagt was? Soll ich Ja oder Nein sagen? Alle Items, die operativ aktualisiert werden, leben und haben Sinn nur, weil sie in einem Horizont anderer Möglichkeiten platziert sind. 1
1 Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie S.231
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit Elementen aus Niklas Luhmanns ,,Realität der Massenmedien‘‘ beschäftigen. Ich werde nicht nur Definitionen liefern - auf den folgenden Seiten werde ich vielmehr versuchen, ausgewählte Definitionen in klar abgesteckten Bereichen anzuwenden. An manchen Stellen mögen ,,Sprünge‘‘ auftauchen; dem externen Leser, der nicht am oben vermerkten Seminar teilgenommen hat, in dessen Rahmen ich in einem Referat bereits Grundlegendes zu Luhmanns Theorie der Massenmedien sagte, lege ich deshalb die Lektüre von ,,Die Realität der Massenmedien‘‘ 2 nahe. Dieses Werk ist - schon der Anzahl der Verweise nach - die Grundlage dieser Arbeit.
In den ersten Kapiteln beschäftige ich mich näher mit drei Luhmannschen Termini: Kommunikation, soziales Gedächtnis, Thema. Im letzten Teil werden Ergebnisse aus den vorangehenden Teilen aufgegriffen und unter der Metapher ,,Die Gesellschaft als Geschichte‘‘ aufeinander bezogen. Im klassischen Sinne kann man so die ersten drei Kapitel als ,,Einleitung‘‘ verstehen, das letzte Kapitel als ,,Hauptteil‘‘. Einen Hinweis zu einem Schluss findet der Leser im letzten Satz.
2 Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien (2004), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Inhaltsverzeichnis
1 Massenmedial garantierte Gesellschaftskommunikation 1
2 Das soziale Gedächtnis: Keine Fahrt ohne Fahrplan. 3
3 Themen als ,,lokale Module 5
4 ,,Die Gesellschaft als Geschichte 8
Literaturverzeichnis 13
1 Massenmedial garantierte Gesellschaftskommunikation
Kommunikation ,,verführt‘‘ dazu, überall über ganz bestimmte Dinge zu reden. In unserer beschleunigten Welt kommen wir schlicht nicht dazu, auch noch über das zu kommunizieren, was unsere jeweilige Kommunikation ermöglicht. Ohnehin gibt es ,,Probleme genug‘‘.
Gesellschaftliche Systeme bilden Kreise, in denen die Teilnehmer unter demselben Code kommunizieren, selegieren und so Komplexität reduzieren. Dass man ,,gleiche Unterschiede zieht‘‘ ist erst die Grundlage dafür, Probleme auszubilden, sich eins oder uneins zu sein, Gedanken auszutauschen. Themen sind dabei massenmedial durchgesetzte Kommunikationsmuster, die allerorts und zu jeder Zeit eingesetzt werden können. Wie kann man sich den Vorgang der Themenwahl vorstellen? 1. Es wird angenommen, dass der andere von dem, worüber kommuniziert werden soll, ,,gehört hat‘‘ und
2. dass er damit auch etwas ,,anfangen‘‘ kann, dass er darunter etwas versteht. 3 Dabei ist (zunächst) unerheblich, was der andere mit dem, worüber kommuniziert werden soll, anfängt; es spielt keine Rolle, ob verstehend oder missverstehend selegiert wird. Auch ein Aneinander-Vorbeireden kann demnach Kommunikation sein, solange denn der jeweils andere durch das eigene Selegieren zur Selektion motiviert wird, solange also feststeht, dass über dasselbe geredet, kommuniziert wird. Kommunikation kommt, so Niklas Luhmann, zustande, ,,wenn zunächst einmal eine Differenz von Mitteilung und Information verstanden wird. Das unterscheidet sie von bloßer Wahrnehmung des Verhaltens anderer. Im Verstehen erfasst die Kommunikation einen Unterschied zwischen dem Informationswert ihres Inhalts und den Gründen, aus denen der Inhalt mitgeteilt wird. Sie kann dabei die eine oder die andere Seite betonen, also mehr auf die Information selbst oder auf das expressive Verhalten achten. Sie ist aber immer darauf angewiesen, dass beides als Selektion erfahren und dadurch unterschieden wird. Es muss, mit anderen Worten, vorausgesetzt werden können, dass die Information sich nicht von selbst versteht und dass zu ihrer Mitteilung ein besonderer Entschluss erforderlich ist. Und das gilt natürlich auch, wenn der Mitteilende etwas über sich selbst mitteilt. Wenn und soweit
3 Der ,,Überschuss an Kommunikationsmöglichkeiten‘‘, der in der interaktionslosen Massenkommunikation entsteht - wenn also alle etwas hören, darunter jedoch Verschiedenes verstehen, wird durch eigene Realitätskonstruktionen, durch Standardisierung, durch Programmierung aufgefangen (vgl. Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien S. 11,12). 1
Arbeit zitieren:
Raphael Hoffmann, 2009, Die Gesellschaft als Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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