In der heutigen Zeit spricht man oft vom Burnout-Syndrom, wenn sich Menschen ausgebrannt und erschöpft fühlen, sodass sie ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen können und sich in ärztliche Behandlung begeben müssen.
Zur Zeit gibt es jedoch noch kein einheitliches Krankheitsbild des Burnout-Syndroms, was eine Diagnose für mögliche Patienten erschweren kann. Das Burnout-Syndrom enthält aber klinische Symptome, die sich in einer psychosomatischen oder psychischen Krankheit manifestieren und langfristig zur Arbeitsunfähigkeit führen können 1 . Weitere Anzeichen und Symptome für einen möglichen Burnout wären u.a. Depressionen und Ängste, oder körperliche Beschwerden, wie Magen-Darm- und Kreislaufprobleme sowie chronische Schmerzen z.B. Tinitus 2 .
Die Entwicklung von Symptomen zum Burnout-Syndrom lässt sich in drei Stufen einteilen. - Die erste Stufe ist die emotionale Erschöpfung, die sich in subjektivem Erleben von Kraftlosigkeit, Ohnmacht, dem Gefühl nicht verstanden zu werden und am Ende zu sein äußert.
- Die zweite Stufe ist der Zynismus, der eine gefühllose, abgestumpfte Reaktion gegenüber den Schülern hervorruft.
- Die dritte Stufe ist eine reduzierte Leistungsfähigkeit, die sich in Leistungsunzufriedenheit, Antriebsverlust und mangelnder Tatkraft äußert. 3 Lehrer/innen, die Anzeichen oder Symptome eines Burnout-Syndroms zeigen, gehen meistens mit starken Ängsten in die Schule oder bekommen Schweißausbrüche, Bluthochdruck oder müssen sich übergeben.
Ich denke, dass das keine guten Vorrausetzungen sind, um den Schultag zu beginnen, ihn ordentlich und strukturiert zu leiten oder Schüler zu motivieren. Zur Motivation sind diese Lehrer dann meistens nicht mehr in der Lage, weil sie sich in einer Schutzhaltung befinden und nichts mehr an sich heran lassen.
Mehr als erschreckend sind die in der Vorlesung genannten Zahlen, dass rund 90% der Lehrerinnen und Lehrer teilweise zehn Jahre vor Erreichen des Renten/Pensionsalters dienstunfähig werden. Frauen sollen vom Burnout-Syndrom stärker betroffen sein als
1 1 Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil
3/2006 S.14
2 http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/lehrer-burn-out _aid_232766.html
3 Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil
3/2006 S.15
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Männer, was durch ihre Doppelfunktion in Familie und Beruf begründet wird 4 .Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass sich sowohl im Lehramtsstudium, wie auch in der Schule an sich, im Kollegium und in der politischen und öffentlichen Meinung gegenüber Lehrer/innen etwas verändern muss.
Ich bin der Meinung, dass es zu Beginn des Lehramtsstudiums einen Eignungstest geben sollte, der gezielt nach den Fähigkeiten und Vorstellungen fragt, aber vor allem auch nach den Motivationsgründen für dieses Studium. In einer Studie von Udo Rauin von der Goethe-Universität kam heraus, dass jeder vierte Studienanfänger nie Lehrer werden wollte, sondern das Studium nur wählten, um im Heimatort zu bleiben, einen sicheren und familienfreundlichen Arbeitsplatz zu haben oder ein überschaubares Studium. 5 Ich halte es für fragwürdig, ob das Lehramtsstudium aufgrund dieser Entscheidungen die richtige Wahl ist, denn als angehender Lehrer/in sollten Eigenschaften wie Kontaktfreude, Lebensfreude, ein ,,Händchen“ für den Umgang mit Menschen, Liebe zu Kindern und Jugendlichen, sowie ein gewisser Sinn für Humor gegeben sein 6 und im Vordergrund stehen. Durch einen Selbsteinschätzungs-Fragebogen 7 , könnte man zusätzlich überprüfen, ob man die richtige Studienrichtung getroffen hat.
Viele Lehrkräfte sind offensichtlich der Auffassung, sich für ihren Beruf ,,aufopfern” und das Risiko von Beeinträchtigungen des Wohlbefindens oder Erkrankungen wissentlich ,,in Kauf nehmen“ zu müssen. Aber ,,ausgebrannte Lehrkräfte“, die sich nur noch mit der Erfüllung ihrer Aufgaben und Verpflichtungen abquälen, gefährden nicht nur die eigene Gesundheit, sonder übertragen dieses Leiden auf Schulklassen, auf Kollegien und das Schulklima 8 . Hier liegt eine große Gefahr der Bildung, denn der Lehrer/in muss die Schüler begeistern, ihre Neugier und ihren Tatendrang für das zu erlernende Thema wecken. Das schafft ein ,,ausgebrannter“ Lehrer, der den Sinn seiner Arbeit aus den Augen verloren hat natürlich nicht. Denn somit sind die Schüler gelangweilt, fangen an zu stören und die Lehrkraft fühlt sich wieder als wäre sie gescheitert, was eine Depression oder ein Burnout weiter fördert oder verstärkt.
Der ganze Schultag müsste anders organisiert werden, sodass es längere Erholungsphasen/Pausen zwischen den einzelnen Stunden gibt. Denn eine zehn- oder in manchen Schulen eine fünf-Minuten Pause zwischen den Stunden, in denen der Lehrer häufig
4 4 vergl. 3
5 http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/lehrer-burn-out _aid_232766.html
6 Joachim Bauer: ,,Lob der Schule”3.Auflage 2007;Hoffmann und Campe; Hamburg S. 76
7 Fragebogen von Prof. Uwe Schaarschmidt, Institut für Psychologie, Universität Potsdam
8 Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil
3/2006 S.15
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noch den Raum wechseln muss, bietet keinerlei Erholung. Besonders dann nicht, wenn die vorherige Stunde sehr stressig und laut war, wird dieser Stress oft mit in die beginnende Stunde übertragen. Der Stress wird oft sogar noch verstärkt, wenn der Lehrer auf dem Weg in die folgende Stunde von Schülern oder Kollegen zu verschiedenen Themen befragt wird und er zusätzlich noch Unterrichtsmaterial, wie z.B. Landkarten oder Fernseher organisieren muss. Selbst in den zwanzig- bis dreißigminütigen Hofpausen werden Lehrer als Pausenaufsicht eingesetzt, was wiederum keine Erholung bietet, da sich häufig Konflikte und Streitereien entwickeln, in die der Lehrer eingreifen muss und somit wieder Stress erfährt 9 . Da heutzutage leider fast nur negative Rückmeldungen an die Lehrerschaft überwiegen 10 , ist es um so wichtiger, dass sich Lehrer in einem harmonischen Kollegium befinden, in dem sie Rückhalt erfahren und sich nicht mehr als Einzelkämpfer verstehen, der Angst haben muss, wenn er sein Problem zur Sprache bringt, als unfähig zu gelten oder sein Gesicht zu verlieren 11 . Der Rückhalt durch das Kollegium spielt eine wichtige Rolle in der Burnout-Prävention 12 . Es wirkt sehr entlastend Probleme mit der Klasse oder mit einzelnen Schülern/Eltern zur Sprache zu bringen, weil durch ein solches Gespräch eine neue Perspektive oder Sichtweise des Problems beleuchtet werden und somit eine schnelle Lösung erreicht werden kann. Durch diese Gespräche können sich Lehrer untereinander beraten, da sie evtl. genau die gleichen Probleme erlebt und überstanden haben und somit Lösungsansätze bieten können. Außerdem könnten auch Seminare oder Kurse helfen, Probleme zu lösen. Wenn jedoch ein Kollegium an sich nicht besteht, weil jeder nur Augen für sich hat, kann das als Mobbing (mit Mobbing ist hier das Übersehen und/oder Überhören von Problemen gemeint 13 ) und somit wieder zum Auftreten des Burnouts führen. Eine gewisse Art von Mobbing ist in meinen Augen auch die öffentliche Bewertung oder eher Abwertung der Lehrer durch Schüler auf verschiedensten Internetseiten, aber das sei nur am Rande erwähnt.
Da Eltern immer häufiger erzieherische Aufgaben auf die Lehrkräfte übertragen, kommt es, neben den ohnehin schon schwierigen Lehraufgaben, zu zusätzlichen Belastungen 14 . Die Kinder spielen zu Hause meistens alleine am Computer, was zur Folge haben kann, dass soziale Bindungen schwer aufgebaut werden und wenn, dann auch nur sehr flüchtig
9 erarbeitet aus http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/245/336094/text/
10 Joachim Bauer: ,,Lob der Schule”3.Auflage 2007;Hoffmann und Campe; Hamburg S. 61
11 PÄD Forum: Unterrichten Erziehen, Harald Uhlendorff, Michelle Brehm, Michael Essers; Heft 1 36/27 Jahrgang
Januar/Februar 2008; Essays Berichte ect.pp. Potsdam/Berlin S. 52
12 PÄD Forum: Unterrichten Erziehen, Harald Uhlendorff, Michelle Brehm, Michael Essers; Heft 1 36/27 Jahrgang
Januar/Februar 2008; Essays Berichte ect.pp. Potsdam/Berlin S. 52
13 PÄD Forum: Unterrichten Erziehen, Harald Uhlendorff, Michelle Brehm, Michael Essers; Heft 1 36/27 Jahrgang
Januar/Februar 2008; Essays Berichte ect.pp. Potsdam/Berlin S. 52
14 http://www.tresselt.de/burnout.htm
4
Arbeit zitieren:
Daniel Rahn, 2009, ,,Ausgebrannte“ Lehrerinnen und Lehrer, München, GRIN Verlag GmbH
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