Einf ührung in die Wirtschaftsgeographie Seminararbeit WS 2001/2002
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsklärungen 01
2. Ursachen 02
2.1 Änderungen bei den politischen Rahmenbedingungen 02
2.1.1 Politische Liberalisierung und Deregulierung 02
2.1.2 Internationale Vereinbarungen 02
2.1.3 Ausweitung der Märkte 03
2.2 Änderungen der technisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen 03
2.2.1 Zunahme der weltweiten Transportkapazitäten 03
2.2.2 Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie 03
2.2.3 Erleichterte Möglichkeiten der Produktionsverlagerung 04
2.3 Änderungen der sozio-kulturellen Rahmenbedingungen. 04
3. Erscheinungsformen 06
3.1 Internationale Produktion und Standorte 06
3.2 Globale Märkte und Internationaler Sachgüterhandel 07
3.3 Internationale Direktinvestitionen und „Neue Formen der Internationalisierung“ 08
3.3.1 Internationale Direktinvestitionen 08
3.3.2 Neue Formen der Internationalisierung 10
3.4 Internationale Finanztransaktionen 10
3.5 Internationale Arbeitsmigration 11
4. Auswirkungen 12
4.1 Auswirkungen auf die Unternehmen unter besonderer Berücksichtigung
der Industrie 12
4.1.1 Zunehmender Wettbewerb 12
4.1.2 Spezialisierung und Konzentration 12
4.1.3 Zunehmende Transparenz 13
4.1.4 Beschäftigungswirkungen 13
4.1.5 Unternehmensspezifische Auswirkungen auf MNK und KMU 14
4.2 Auswirkungen auf die Umwelt 15
4.3 Auswirkungen auf die Nationalstaaten 16
4.4 Ungleichzeitigkeit der zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung 16
4.5 Schlussbemerkung: Kritik an der neuen Weltwirtschaftsordnung 17
Literaturverzeichnis S. 20
I
Die Themenstellung dieser Seminararbeit verlangt es, vorab die drei Begriffe „Industrie“, „Internationalisierung“ sowie „Globalisierung“ zu klären bzw. gerade zwischen den letzten beiden Begriffen klare Trennlinien zu ziehen. Der Begriff Industrie wird bei GABLER (2000: S.1321) wie folgt charakterisiert:
„Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten mit Hilfe von physikalischen, chemischen und biologischen Verfahren zu Konsum- und Produktionsgütern unter Verwendung von Lohnarbeit, Maschinen und Kapital.“
Zur Eingrenzung wird mit „Industrie“ in dieser Arbeit v.a. die sog. verarbeitende Industrie behandelt, welche zusammen mit dem Bergbau und dem Baugewerbe den sekundären wirtschaftlichen Sektor bilden. Handel, Verkehr und Dienstleistungen werden nach HARENBERG (1994: S.3224) dem tertiären Sektor, Landwirtschaft sowie die Fischerei dem primären Sektor zugerechnet, wobei Warenproduktion untrennbar mit Handel und unterstützenden Dienstleistungen verbunden ist. Dies wird in dieser Arbeit ebenfalls berücksichtigt.
Ein Fünftel des Weltsozialproduktes wird heute von multinationalen, d.h. grenzüberschreitend tätigen Unternehmen aller Größenordnungen geschaffen (vgl. BMWI 2002a). Ob nun dieses über nationale Grenzen hinweg stattfindendes Agieren im heutigen Ausmaß als Internationalisierung oder aber als Globalisierung zu bezeichnen ist, wird von vielen Autoren kontrovers diskutiert (vgl. KOCH 2000, SCHAMP 1996, GABLER 2000, BATHELT 2000, KRÄTKE 1995). Selbst bei der historischen Dimension der Internationalen Handelsbeziehungen, also ab welchem Zeitpunkt man von Internationalisierung sprechen kann, ist umstritten. Nach KUTSCHKER (1999b: S.3) beginnt der internationalen Leistungs-verbund bereits im antiken Rom, nach BATHELT (2000: S.99) erst mit dem Einsetzen der Industrialisierung. BATHELT (2000: S.101) schreibt weiter, dass neue Qualitäten in den internationalen Verflechtungen und deren veränderte wirtschaftlich-gesellschaftliche Grundlagen dazu geführt haben, dass der Grad der Durchdringung und Integration von Produktions- und Marktstrukturen auf globaler Ebene seit den 70er und 80er Jahren dieses Jahrhunderts eine vorher nicht gekannte Tiefe und Intensität erreicht hat und man deshalb von Globalisierung als einer neuen Qualität und fortgeschrittenen Stufe der Internationalisierung sprechen sollte.
Zur Unterscheidung zwischen Internationalisierung und Globalisierung ist nach GORDON (1997) die Form der Koordination grenzüberschreitender ökonomischer Aktivitäten entscheidend und damit für mich eine nachvollziehbare und für meine Arbeit sinnvolle Begriffsabgrenzung. Bei der Internationalisierung erfolgt eine Koordinierung des Marktes über den Preis, wobei grenzüberschreitende Aus-tauschvorgänge, vor allem der grenzüberschreitende Handel mit Waren und Dienstleistungen, zwischen unabhängigen Wirtschaftsakteuren stattfinden. Bei der Globalisierung, die durch das Zusammenwachsen von Märkten über nationalstaatliche Grenzen hinaus sowie einer große Zahl von organi-satorischen und sozialen Neuerungen gekennzeichnet ist, erhalten Koordinationsmechanismen kooperativer und flexiblerer Art vermehrte Bedeutung, wobei sich verschiedene Koordinationsprinzipien zunehmend überlagern und gleichzeitig wirken. Diese Abgrenzung macht es meiner Ansicht nach möglich, daß sowohl Internationalisierung, aber auch Globalisierung als gleichzeitig erscheinende Formen der grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Aktivität heute in Erscheinung treten können. Ich möchte zuerst mit der Erläuterung der Ursachen beginnen, um dann daruf aufbauend die Er-scheinungsformen und schließlich die Auswirkungen der zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung der Industrie, kurz umrissen, aufzuzeigen.
Politische, technisch-wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten gravierend verändert. Die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung gerade in der Industrie vollzieht sich im wesentlichen als Folge dieser tiefgreifenden Änderungen. Diese Änderungen sind entweder Auslöser oder Verstärker des Prozesses und werden selber wieder zu Merkmalen, d.h. sie bedingen sich selber und verstärken sich gegenseitig. (vgl. KOCH 2000: S.7) KOCH (2000) nimmt in seinem Buch „Globalisierung der Wirtschaft“ eine eingängige Einteilung der Ursachen in drei Bereiche vor, an welcher sich die Gliederung für dieses Kapitel orientiert.
2.1 Änderungen bei den politischen Rahmenbedingungen
2.1.1 Politische Liberalisierung und Deregulierung
Liberalisierungsbestrebungen vor allem seit Mitte der 80er Jahre sind durch den Prozess der weltweiten Durchsetzung der vier zentralen wirtschaftlich Freiheiten gekennzeichnet. Im einzelnen sind es die Freiheit des Waren- und Dienstleistungsverkehrs, die Freiheit des Kapitalverkehrs und die Freizügigkeit von Personen inklusive der Niederlassungsfreiheit für Unternehmer. Der Abbau von Handelsbeschränkungen, zu welchen z.B. Zölle und andere behindernde Regulierungen des Außenhandels zählen, stimuliert bzw. initialisiert den grenzüberschreitenden Handel auch mit industriell produzierten Gütern und Dienstleistungen. Reduzierung von Devisen- und Kapitalverkehrsvorschriften beschleunigt Investitionen ausländischer Unternehmen und verbessert damit grundsätzlich Rahmenbedingungen für ausländische Investoren und internationale Finanztransaktionen. (vgl. KOCH 2000: S.7)
Deregulierung beschreibt einen Prozess auf nationaler Ebene, bei welchem als überflüssig erachtete staatliche Bestimmungen und Regelungen nach intensiver Überprüfung von staatlicher Seite abgebaut werden, da ein Umdenken bei der Bewertung der ökonomischen Effizienz monopolistischer und staatlich regulierter Bereiche der Volkswirtschaft stattfand (vgl. KLEINERT 2000: S.174) Dies beseitigt Hindernisse für die Marktkräfte und macht damit Standorte attraktiv. Die Privatisierung von Staatsunternehmen steht in engem Zusammenhang mit der Deregulierung, da durch die Aufgabe von Staatsmonopolen bzw. durch die Öffnung von ehemals staatlich reglementierten Sektoren wie die Telekommunikation, die Energie, die Infrastruktur und Teile des Finanzmarktes neue Wachstumsmärkte geschaffen werden, die oftmals wenig erschlossen sind und daher hohe Zuwachsraten und Gewinne erwarten lassen. Gerade die neuen Sektoren gestalten sich außerordentlich kapital- und technologieintensiv, stellen aber gleichzeitig aufgrund der hohen Erwartungen eine attraktive Möglichkeit für internationale Investoren dar. (vgl. KOCH 2000: S.7f, SCHAMP 1996: S.207 sowie FUCHS 1998)
2.1.2 Internationale Vereinbarungen
Internationale Vereinbarungen im Bereich von Währung und Wirtschaft schaffen einen verbindlichen Rahmen und damit die Voraussetzungen für eine weitere Intensivierung der Globalisierung. 1947 erfolgte die Gründung der ersten „General Agreement on Tariffs and Trade“ (GATT)-Verhandlungsrunde, welche sich 1994 in Form der World Trade Organisation (WTO) als feste Orga-
nisation der Vereinten Nationen (UN) etablierte, die die Einhaltung der einzelnen Ergebnisse der GATT-Verträge überwacht. Die achte und letzte GATT-Verhandlungsrunde (die sog. „Uruguay-Runde“) von 1986-1993 endete mit Ergebnissen wie der generellen Absenkung der Zölle für Industrieprodukte um durchschnittlich 40% bis 2003 und den Vereinbarungen zum internationalen Dienst-leistungshandel (z.B. das Allgemeine Abkommen über Dienstleistungshandel (GATS) mit Inländer-behandlung und Meistbegünstigung, das Abkommen über Finanzdienstleistungen mit Marktliberalisierungen, sowie Vereinbarungen über den Schutz des geistigen Eigentums (TRIPs)). Zu weiteren wegbereitenden internationalen Vereinbarungen zählen erstens internationale Finanz-und Währungsvereinbarungen wie der Internationaler Währungsfond (IWF), die Weltbank (IBRD) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zur Stabilisierung der Weltwirtschaft, zweitens internationale technische Standards im Bereich Prüf- und Sicherheitsnormen (ISO), bei der Nutzung von Globalen Positionierungssystemen (GPS), bei Frequenzen im Global System for Mobile Communication (GSM) und Übertragungsrechten wie bei UMTS und dem Global Positioning System (GSM), sowie drittens die Schaffung von fairen Handels- und Wettbewerbsgrundlagen durch ökologische und soziale Mindeststandards. (vgl. KOCH 2000: S10f, KUTSCHKER 1999b: S.9f, S.20)
2.1.3 Ausweitung der Märkte
Für die Ausweitung der Märkte nicht nur für Industrieprodukte sind zum einen Integrationsbestrebungen in Europa, wie der Europäische Binnenmarkt durch den Maastricht-Vertrag 1992 sowie die zum 1.1.2002 endgültig vollzogene Währungsunion in fast allen EU-Staaten, und der Aufbau transnational-regionaler 1 Zonen weltweit zur Förderung des Freihandels. 2 Zum Anderen entstehen seit Mitte der 80er Jahre neue Wachstumszentren in Asien (fünf kleinen Tigerstaaten und Japan) und in einigen Ländern Lateinamerikas und damit potentielle Märkte für Konsum- und Investitionsgüter. Außerdem führen ökonomische Transformationsprozesse in den Ländern des ehemaligen Ostblocks durch die Beseitigung der bestehenden ideologischen Grenzen und in China durch eine langsame Politik der Öffnung zu einer Neuorientierung der Planwirtschaft hin zu unterschiedlich stark liberalisierten Marktwirtschaften. Dies bewirkt das Einsetzen erheblicher Waren- und Kapitalflüsse in diese ursprünglich völlig staatlich regulierten Märkte. Ähnliches ist in Lateinamerika durch eingeleitete Demokratisierungs- und Liberalisierungsprozesse zu beobachten. (vgl. KOCH 2000: S.12ff, KUTSCH- KER 1999b:S.10f)
2.2 Änderungen der technisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
2.2.1 Zunahme der weltweiten Transportkapazitäten
Die ständige Abnahme der Transportkosten trotz wachsenden Welthandels ist durch die Bereitstellung immer größerer Transporteinheiten (z.B. Container- und Tankschiffe, Großraumflugzeuge), die Entwicklung neuer Schiffstechnologie, Umschlagstechniken und neuer Formen von Logistikdiensten sowie die Reduzierung der Transportzeiten zu erklären und führt immer mehr dazu, dass geographische Entfernungen die Internationalisierungs- und Globalisierungstendenzen bei der Produktion von Waren und Industriegütern kaum noch behindern. (vgl. KOCH 2000: S.13f, SCHAMP 1996: S.208, FUCHS 1998: S.6, KUTSCHER 1999b: S.20)
2.2.2 Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie
Als die bedeutendste Basisinnovation im vierten Kondratieff-Zyklus (1945-1985) gilt der Transistor und die darauf aufbauende integrierte elektronische Schaltung (die Microelektronik), die z.B. den modernen Computer ermöglichte. Dadurch konnten die weitreichenden Entwicklungen des fünften Kondratieff-Zyklus (1985-2040) in der Kommunikations- und Informationstechnologie erst erfolgen. (vgl. KLAUS 1999: S.4). 3
Die sog. „Dritte Industrielle Revolution“ führt zu einer gewaltigen Erhöhung der Informationsgeschwindigkeit bei gleichzeitiger radikaler Senkung der Informationskosten. Moderne Informations-und Kommunikationstechnologien schaffen in Echtzeit, also ohne Zeitverzögerung (space-time compression) und über große Entfernungen hinweg (Shrinking world) innerhalb der Unternehmens-organisation eine effektive Wahrnehmung von Informations-, Übermittlungs- und Überwachungsfunktionen und erzeugen eine „virtuelle Nähe“ innerhalb eines Unternehmens. Für die unternehmensinterne Kommunikation v.a. in Großunternehmen der Elektro-, Chemie- und Autoindustrie gewinnt der Elektronische Informationsaustausch (EDI) zu Zwecken der weltweiten Kontroll- und Koordinationsaktivitäten zunehmend an Bedeutung. Durch die Ausbreitung von Internet-Diensten werden Internationalisierungs- und Globalisierungstendenzen ebenfalls beschleunigt, und neue Potentiale zur Erschließung weltweit integrierter Produktions- und Marktstrukturen entstehen. (vgl. SCHAMP 1996: S.208, KOCH 2000: S.14, FUCHS 1998: S.6, KUTSCHKER 1999b: S.20, BATHELT 2000: S.107f)
2.2.3 Erleichterte Möglichkeiten der Produktionsverlagerung
Eine laufende Substitution von Arbeit durch Kapital zeigt sich in der sinkenden Bedeutung der menschlichen Arbeit beim industriellen Produktionsprozess und in zunehmenden Automatisierungsprozessen, sowohl für ursprünglich maschinenunterstützende Arbeit als auch für hochwertigere Steuerungs- und Aufsichtsfunktionen, die bis dato Menschen ausführten. Arbeit als austauschbarer Kos-tenfaktor reduziert Vorteile der klassischen Industrieländer bei der Ausübung von Hilfsfunktionen und höher qualifizierten Funktionen, und erleichtert somit die Möglichkeiten der Produktionsverlagerung in Schwellenländer, in denen durch Angleichungsprozessen bei Ausbildungsstandards ebenfalls besser ausgebildete Humanressourcen herangezogen werden können. Als weitere Voraussetzungen für eine internationale Produktionsverlagerung gelten erstens die Vereinfachung von Produktionsprozessen, die Standardisierung von Fertigprozeduren und die weltweite Verfügbarkeit von neuesten Technologien, zweitens die globale Optimierung der Wertschöpfungskette durch Modularisierung, drittens das Outsourcing als Auslagerung einer kompletten Komponentenfertigung während der Produktion in andere, vernetzte Unternehmen, sowie viertens die erheblich höhere Mobilität und Flexibilität der Industrieunternehmen, welche sich durch sinkende Fertigungstiefe aufgrund der Konzentration auf Kernkompetenzen sowie durch ständig verbesserte Methoden der Standardisierung (z.B. Platt-formfertigung bei der Automobilbranche) bemerkbar macht. (vgl. KOCH 2000: S.15ff)
2.3 Änderungen der sozio-kulturellen Rahmenbedingungen.
Insgesamt betrachtet kann man in den einzelnen Kulturen weltweit, v.a. in solchen von den Entwicklungen der Internationalisierung und Globalisierung betroffenen westlichen Industrieländern sowie in
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Alois Maichel, 2002, Globalisierte Industrie?, München, GRIN Verlag GmbH
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