Hohe Diversifikation bei Unternehmen und Konzernen führt zu einem Informationsdefizit in Hinblick auf die aggregierten Daten der Jahres- und Konzernabschlüsse für die externen Betrachter. Daher soll eine Bereitstellung von Segmentdaten diesem Informationsdefizit entgegenwirken und gleichzeitig die Entscheidungsnützlichkeit von Daten der externen Rechnungslegung von Unternehmen und Konzernen verbessern.
Dabei erfüllen segmentierte Daten wichtige Anforderungen für Entscheidungsträger innerhalb des Unternehmens (Management) gleichermaßen wie für Stakeholder außerhalb des Unternehmens (insbesondere Investoren).
Die segmentierten Daten werden im Rahmen einer Segmentberichterstattung gesammelt im Rahmen der Jahres- bzw. Konzernabschlusse angegeben. Generell kann man nach Haaker/ Paarz eine Segmentberichterstattung wiefolgt definieren: „Eine Segmentberichterstattung stellt die im Rahmen der periodischen Berichterstattung stattfindende Informationsgewährung über Teilbereiche (Segmente) eines Unternehmens [bzw. Konzerns] dar. Unter einem Segment ist hierbei eine isolierbare Unternehmenseinheit innerhalb einer diversifizierten Wirtschaftseinheit, i.d.R. eines Konzerns, zu verstehen.“
Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser Segmentberichterstattung in der Rechnungslegung in Bezug auf in Deutschland ansässige Konzern-Aktiengesellschaften. In Kapitel II. erfolgt nun die Erläuterung des Aufbaus der Arbeit, sowie der vorgenommenen Eingrenzungen in Hinblick auf das speziell behandelte Thema zu einem Teilbereich der Segmentberichterstattung.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Abgrenzung und Aufbau der Arbeit
III. Segmentberichterstattung in der Rechnungslegung eines Konzerns bei in Deutschland ansässigen Aktiengesellschaften
1. Rechtsgrundlagen
2. Ablösung des IAS 14 durch IFRS 8
3. Die Segmentberichterstattung nach IFRS 8
3.1 Grundprinzip und Berichtsgrundsätze
3.1.1 Informationsfunktion als grundsätzliches Prinzip der Segmentberichterstattung
3.1.2 Berichtsgrundsätze
3.2 Anwendungsbereich
3.3 Definition der Geschäftssegmente („operating segments“)
3.4 Auswahl der berichtspflichtigen Segmente
3.4.1 Kriterien für die Zusammenfassung von Geschäftssegmenten
3.4.2 Quantitative Schwellen
3.5 Pflichtangaben in der Segmentberichterstattung
3.5.1 Allgemeine Informationen
3.5.2 Informationen über das Periodenergebnis und über die Vermögenswerte und Schulden
3.5.3 Bewertung und Bewertungsgrundlagen
3.5.4 Überleitungsrechnungen
3.5.5 Anpassung von bereits veröffentlichten Informationen
3.6 Angaben auf Konzernebene
3.6.1 Informationen über Produkte und Dienstleistungen
3.6.2 Informationen über geographische Bereiche
3.6.3 Informationen über wichtige Kunden
3.7 Zusammenfassung der Segmentberichterstattung
4. Grenzen der Segmentberichterstattung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anforderungen und die praktische Anwendung der Segmentberichterstattung nach IFRS 8 für in Deutschland ansässige Konzern-Aktiengesellschaften, um das Informationsbedürfnis externer Stakeholder zu decken.
- Rechtliche Grundlagen der Segmentberichterstattung in Deutschland
- Der Übergang von IAS 14 zu IFRS 8
- Anwendung des "Management Approach" zur Segmentdefinition
- Quantitative Kriterien und Auswahl berichtspflichtiger Segmente
- Pflichtangaben und Grenzen der Segmentberichterstattung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Informationsfunktion als grundsätzliches Prinzip der Segmentberichterstattung
In IFRS 8 Abs. 1 wird das Grundprinzip der Segmentberichterstattung formuliert: „Ein Unternehmen [auch: Konzern] legt Informationen offen, um die Adressaten seines Abschlusses in die Lage zu versetzen, die Wesensart und die finanziellen Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeiten, die es betreibt, sowie das wirtschaftliche Umfeld, in dem es tätig ist, bewerten zu können.“
Damit soll die Segmentberichterstattung als Ergänzung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichtes dienen, um damit eine wesentliche zusätzliche Informationsfunktion zu erfüllen. Nach Scherrer und Gräfer/Scheld sollen die Adressaten über die Geschäftsbereiche und deren Bedingtheiten informiert werden; ein besseres Verständnis für die bisherige Ertragskraft eines Konzerns und seiner Geschäftsbereiche entwickeln; einen besseren Überblick über die Risiken und Erträge eines Konzerns und seiner Geschäftsbereiche erhalten; generell den Konzern als Summer seiner Geschäftsbereiche besser einschätzen.
Insgesamt unterliegen die jeweiligen Segmente eines Konzerns verschiedenen und oftmals auch unterschiedlichen Umwelteinflüssen (z.B. Konjunktur, technologischer Stand, Innovationsgeschwindigkeit, Währungs- und Transferrisiken, Marktzugang, Export-/Importbeschränkungen, politische und soziale Stabilität etc.), welche erhebliche Einflüsse auf die Wachstumsaussichten, die Risiken und die Ertragslage ausüben. Infolgedessen besitzt die Segmentberichterstattung als Träger eines hohen Informationsnutzens eine entscheidungsbeeinflussende Wirkung.
Conenberg verweist zudem darauf, dass der Segmentberichterstattung in Hinblick auf die zunehmende Fokussierung zur Steigerung des Firmenwertes eine besondere Bedeutung zukommt. Dabei wird die Segmentberichterstattung „als Kernelement der wertorientierten Unternehmensberichterstattung gesehen.“ So kommt es im Endeffekt weniger darauf an, ob der Gesamtkonzern vom erwirtschafteten Ergebnis her gut aufgestellt ist, sondern vielmehr wird „an der Tatsache gemessen, ob das Unternehmen imstande ist, für die Shareholder Wert zu schaffen.“ Die Segmentberichterstattung leistet hierzu einen enormen Publizitätsbeitrag, weil „die Steuerung und Beurteilung der einzelnen Geschäftsbereiche hinsichtlich ihres Wertbeitrages dem Investor transparent gemacht wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert das Informationsdefizit bei diversifizierten Konzernen und die Rolle der Segmentberichterstattung als Instrument zur Verbesserung der Entscheidungsnützlichkeit.
II. Abgrenzung und Aufbau der Arbeit: Es wird die Fokussierung auf IFRS 8 erläutert, da dieser den bisherigen Standard IAS 14 ablöst und als internationaler Standard für kapitalmarktorientierte Konzerne an Bedeutung gewinnt.
III. Segmentberichterstattung in der Rechnungslegung eines Konzerns bei in Deutschland ansässigen Aktiengesellschaften: Dieses Kapitel behandelt detailliert die Rechtsgrundlagen, die Umstellung auf IFRS 8 sowie die spezifischen Definitionen, Auswahlkriterien und Berichtspflichten für Segmente.
1. Rechtsgrundlagen: Hier wird der historische Kontext sowie die aktuellen Normen wie IFRS 8 und DRS 3 in Bezug auf die deutsche Konzernrechnungslegung dargestellt.
2. Ablösung des IAS 14 durch IFRS 8: Das Kapitel vergleicht die konzeptionellen Unterschiede zwischen dem "Risks and Rewards Approach" (IAS 14) und dem "Management Approach" (IFRS 8).
3. Die Segmentberichterstattung nach IFRS 8: Dieser umfassende Abschnitt erläutert die Grundprinzipien, die Definition von Geschäftssegmenten und die Auswahlkriterien für die externe Berichterstattung.
3.1 Grundprinzip und Berichtsgrundsätze: Untersuchung der Informationsfunktion und der geltenden Grundsätze wie Segmentwesentlichkeit und Stetigkeit.
3.2 Anwendungsbereich: Klärung, für welche Konzerne die Anwendung von IFRS 8 verpflichtend ist und wann eine freiwillige Segmentierung vorliegt.
3.3 Definition der Geschäftssegmente („operating segments“): Beschreibung der Eigenschaften, die ein Bereich erfüllen muss, um als Geschäftssegment zu gelten.
3.4 Auswahl der berichtspflichtigen Segmente: Detaillierte Analyse, wie aus operativen Segmenten durch Zusammenfassung oder quantitative Schwellen die berichtspflichtigen Segmente ermittelt werden.
3.5 Pflichtangaben in der Segmentberichterstattung: Übersicht über die geforderten quantitativen und qualitativen Angaben, einschließlich Überleitungsrechnungen.
3.6 Angaben auf Konzernebene: Informationen zu Produkten, Dienstleistungen, geographischen Bereichen und wichtigen Kunden, die unabhängig von der Segmentstruktur auf Konzernebene bereitzustellen sind.
3.7 Zusammenfassung der Segmentberichterstattung: Ein systematischer Überblick in Tabellenform über die Regelungen des IFRS 8.
4. Grenzen der Segmentberichterstattung: Kritische Auseinandersetzung mit den Nachteilen einer zu tiefgehenden Segmentierung, wie etwa Wettbewerbsnachteile oder Verwirrung durch Methodenunterschiede.
Schlüsselwörter
Segmentberichterstattung, IFRS 8, IAS 14, Management Approach, Geschäftssegmente, Konzernabschluss, Kapitalmarktorientierung, Informationsfunktion, Segmentwesentlichkeit, Überleitungsrechnung, Operative Segmente, Finanzberichterstattung, Wertorientierung, Konzernrechnungslegung, DRS 3
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Segmentberichterstattung in Konzernabschlüssen von in Deutschland ansässigen Aktiengesellschaften, mit besonderem Fokus auf die Anforderungen des Rechnungslegungsstandards IFRS 8.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Grundlagen, der Paradigmenwechsel vom IAS 14 hin zum IFRS 8, die Definition und Identifikation von Geschäftssegmenten sowie die konkreten Anforderungen an die Pflichtangaben in der Berichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Durchführung der Segmentberichterstattung nach IFRS 8 darzustellen, um die Entscheidungsnützlichkeit der bereitgestellten Daten für externe Adressaten wie Investoren zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse der kodifizierten Vorschriften des IFRS 8 sowie einer Auswertung der einschlägigen Fachliteratur und Standardwerke zur Konzernrechnungslegung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rechtsgrundlagen, die Erläuterung des "Management Approach" zur Segmentabgrenzung, die quantitativen Schwellenwerte zur Segmentauswahl sowie die Darstellung der Berichtspflichten und deren Grenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie IFRS 8, Segmentberichterstattung, Management Approach, operative Segmente und Konzernrechnungslegung charakterisieren.
Was genau versteht man unter dem "Management Approach" im Kontext von IFRS 8?
Der Management Approach bedeutet, dass die Segmentierung des Konzerns für externe Berichte strikt an der internen Organisationsstruktur und der Steuerung durch den sogenannten "Chief Operating Decision Maker" ausgerichtet wird.
Warum ist die Abgrenzung von Segmenten für einen Konzern so bedeutend?
Eine korrekte Segmentierung ist entscheidend, um den Investoren ein transparentes Bild über die unterschiedlichen Risiko- und Ertragsquellen innerhalb eines diversifizierten Konzerns zu vermitteln und somit die Bewertung durch den Kapitalmarkt zu verbessern.
Welche Rolle spielen die "quantitativen Schwellen" bei der Auswahl der Segmente?
Die Schwellenwerte (z.B. 10%-Regel für Erträge oder Vermögen) dienen als objektive Kriterien, um sicherzustellen, dass nur wirtschaftlich bedeutsame Einheiten als separate Segmente im Abschluss ausgewiesen werden, wodurch eine Informationsüberflutung vermieden wird.
- Quote paper
- Alois Maichel (Author), 2008, Die Segmentberichterstattung in der Konzernrechnungslegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142433