Inhaltsverzeichnis
1. „Weißt du noch - damals- weißt du noch, Kamerad?“ - Einleitung
und Fragestellung 2
2. Die Ausgangslage 1945. 3
3. Der Wiederaufbau des Spielbetriebs 4
3.1 „Kalorienspiele“ 4
3.2 Liga-Gründungen 4
4. Die Rückkehr des DFB 5
4.1 Kernfrage: Organisation des Sports 5
4.2 Neugründung des DFB. 6
4.3 Neuer Verband- altes Personal. 7
5. Die internationale Anerkennung 7
5.1 Beitritt zur FIFA. 7
5.2 Erste WM- Teilnahme 1954. 8
5.3 Sonderstatus des Saarlandes. 9
6. Die Profi-Liga - Fluch oder Segen? 9
6.1 Vom Amateur zum Vertragsspieler. 9
6.2 Der „ Angestellte eines lizenzierten Vereins“ 11
7. Fazit. 13
Literaturverzeichnis 15
1. „Weißt du noch - damals - weißt du noch, Kamerad?“ - Einleitung und Fragestellung
Spricht man mit älteren Sportkameraden oder hört deren Unterhaltungen zu, so wird immer wieder die Frage nach dem Damals gestellt. Gerade im Fußball schwärmen viele, die sie noch erlebt haben, von der guten alten Zeit, als Fußball noch der Kameradschaft und sportlichen Betätigung wegen gespielt wurde und nicht den Interessen des Marktes unterworfen war. Besonders die Nachkriegsepoche mit Spielern wie Fritz Walter gilt den Zeitgenossen als beispielhaft, und nicht erst seit dem 50jährigen Jubiläum des Sieges von Bern bei der WM 1954 beschäftigt man sich mit dem Thema. Bei den Heutigen teilt sich die Beurteilung: die einen sehen in der Einführung der Bundesliga den entscheidenden Schritt zur Kommerzialisierung und Entfremdung des Fußballsports, die anderen können sich eine Zeit ohne die Profispielklasse gar nicht mehr vorstellen und haben wohl eher verwundert zur Kenntnis genommen, dass die Spielklasse jüngst erst das 40-jährige Bestehen feierte.
Aus welcher Sicht auch immer, es ist interessant zu beobachten, wie sich der Fußball seit dem Ende des Krieges quasi aus dem Nichts hin zu einer Eliteklasse und einem durchstrukturierten Verband entwickelte. Diese Entwicklung aufzuzeigen, soll Aufgabe dieser Arbeit sein. Dabei wird aber nicht nur der Bericht geschichtlicher Ereignisse im Vordergrund stehen. Die Bedingungen dieser Entwicklung - aus sportsoziologischer wie sportpolitischer Sicht - gilt es ebenfalls zu beschreiben.
Es soll also gefragt werden, wie und unter welchen Bedingungen sich der Wiederaufbau des Spielbetriebes in den Oberligen gestaltete. Von Bedeutung ist auch die Frage, wie es gelingen konnte, so schnell nach dem völligen Zusammenbruch ein funktionierendes Verbandswesen zu errichten und wieder internationale Anerkennung zu erlangen. Endlich wird nicht nur zu betrachten sein, was der Anlass zur Einführung der Bundesliga war, sondern auch warum es so lange dauerte, bis der Beschluss zu guter Letzt gefasst werden konnte.
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2. Die Ausgangslage 1945
Im Frühjahr 1945 bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 endete in Deutsch-land nach und nach der Zweite Weltkrieg. Die Siegermächte verfügten nicht nur ein Verbot der NSDAP, sondern lösten auch alle parteinahen Unterorganisationen auf. Zu ihnen gehörte der „Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL)“. Zu den dort angeschlossenen Verbänden gehörte auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und seine Landesverbände (Heinrich 2000, S. 163 f.). Damit waren sowohl Verband als auch der Spielbetrieb zerschlagen.
Auch auf FIFA-Ebene waren zunächst die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges zu spüren. 1945 schloss die FIFA Deutschland aus und untersagte jeglichen Spielverkehr mit deutschen Mannschaften (Kamper 2004, S. 18).
Auch die Vereine, welche ebenfalls im NSRL zusammengeschlossen waren, wurden aufgelöst. Ihr Vermögen, einschließlich der Platzanlagen, wurde beschlagnahmt (Leinemann 1997, S. 254). Schon die Kriegszeit hatte die Situation der Vereine verändert. Durch den Militärdienst verloren sie ihre Spieler und es war nie gewährleistet, welche Spieler sich an der Front befanden, geschweige denn noch am Leben waren. So kam schon kurz vor Ende des Krieges der Spielbetrieb zum Stillstand. Bei Kriegsende fehlte es dann an Allem: an intakten Spielfeldern, an Trikots und Bällen, an Fahrzeugen, um auswärtige Mannschaften zu erreichen. Zudem befanden sich viele Spieler nun in Kriegsgefangenschaft.
Auch die Situation der Bevölkerung war dramatisch: Nahrungsmittel waren rationiert, es fehlte an Kleidung, Schuhen, Heizmaterial. Dennoch war die Sehnsucht nach Ablenkung vom elenden Nachkriegsalltag groß, und der Fußball war als Unterhaltungsangebot praktisch konkurrenzlos. So ist es nicht verwunderlich, dass Sportler und Funktionäre alsbald wieder versuchten, Vereine zu gründen und einen Spielbetrieb aufzubauen.
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3. Der Wiederaufbau des Spielbetriebs 3.1. „Kalorienspiele“
Die Zustimmung zu Vereinsgründungen hing aber von der Einstellung der örtlichen Militärregierungen ab, die solche Aktivitäten zunächst skeptisch beäugten. Allerdings wurde das Sportverbot von einzelnen Kommandanten eher lax gehalten. So kickten in Castrop-Rauxel schon am 7. Juli 1945 Auswahlmannschaften der nördlichen und der südlichen Stadtteile ge-geneinander (Schreiber, Abs. 3). Schon bald nach der Besetzung des völlig zerstörten München war das Spiel des FC Bayern gegen den FC Wacker München am 24. Juni 1945 eines der ersten auf deutschem Boden nach dem Ende der Hitler-Diktatur. Allerdings fand dieses Spiel ohne Erlaubnis der alliierten Behörden statt. Der damalige Vorsitzende des FC Bayern wurde daraufhin festgenommen und musste für zwei Tage ins Gefängnis (Kamper 2004, S. 16).
Schon bald wurde die Gründung von Vereinen auch offiziell wieder zugelassen und ab Dezember 1945 durften sogar die alten Traditionsnamen wieder verwendet werden (Schreiber a.a.O.).
Für die Spieler erwies es sich als einträglich, fußballerisches Talent zu besitzen. Insbesondere die namhaften Vereinsmannschaften, die recht schnell wieder zusammenfanden, trugen nahezu ständig Begegnungen für Naturalien oder Sachleistungen aus. Fritz Walter wird mit der Bemerkung zitiert: „Wo ein Ball oder einige Trikots, Fußballschuhe, ein Sack Kartoffeln oder ähnliches winkten, da holte man sich die Beute, indem man um sie spielte.“ (Gnegel 1953, S. 94). Zahlreiche Teams behalfen sich mit solchen „Kalorienspielen“. 3.2. Liga-Gründungen
So dauerte es nicht lange, bis auch ein regulärer Spielbetrieb wieder aufgebaut worden war. Schon am 4. November 1945 hatte in Süddeutschland eine reguläre Oberliga-Spielrunde mit 16 Mannschaften begonnen (Leinemann 1997, S. 271). Bei der Gestaltung des Spielbetriebs griff man auf die alten Strukturen aus der Zeit vor dem Kriege, nämlich die Einteilung in regionale Gruppen (Oberligen), zurück. Dies wurde auch die Teilung Deutschlands in vier militärische Besatzungszonen und Berlin begünstigt. So nahm die Oberliga-Landschaft der
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Arbeit zitieren:
Dimitrios Gavrilas, 2006, Fußball im Wirtschaftswunderland - Die Entwicklung des Fußballsports in Westdeutschland 1945- 1963, München, GRIN Verlag GmbH
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