Inhaltsverzeichnis ii
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG. 1
1.1 Zielsetzungen und Fragestellungen. 3
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit 3
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER AUSLÄNDISCHEN DIREKTINVESTITIONEN 6
2.1 Untersuchungsgegenstand ausländische Direktinvestitionen (ADI) 6
2.1.1 Motive, Typen und Formen von ADI. 7
2.1.2 Das Auslandsinvestitionsverhalten deutscher Unternehmen. 9
2.1.3 Bedeutung von ADI im Entwicklungsprozess von Schwellenländern 11
2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung von ADI 14
2.2.1 Die Eklektische Theorie der Direktinvestitionen (DUNNING) 14
2.2.2 Die Produktlebenszyklushypothese (VERNON) 18
2.3 Relevanz der vorgestellten Theorien und abgeleitete Hypothesen zu
deutschen Investitionen in Südafrika. 21
3 BETRACHTUNG RELEVANTER DETERMINANTEN DES INVESTITIONSKLIMAS 23
3.1 Externe Determinanten. 24
3.1.1 Reintegration in die internationale und regionale Staatengemeinschaft. 24
3.1.2 Beziehungen zur Europäischen Union und zu Deutschland 29
3.2 Interne Determinanten. 32
3.2.1 Naturgeographische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen 32
3.2.1.1 Natürliche Ressourcen, Raumstruktur und Humankapital. 33
3.2.1.2 Infrastrukturelle Ausstattung. 36
3.2.2 (Wirtschafts-) Politische Neuorientierung und rechtlicher Rahmen. 37
3.2.2.1 Politisches System und Stabilität 38
3.2.2.2 Wirtschaftspolitik und rechtlicher Investitionsrahmen. 39
3.2.3 Makroökonomische Situation, Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt 40
3.2.3.1 Makroökonomische Entwicklung 40
3.2.3.2 Sektorale Wirtschaftsstruktur 44
3.2.3.3 Arbeitsmarktentwicklung und -potenziale 45
3.2.4 Soziale Aspekte mit besonderem Einfluss auf Investitionsvorhaben. 47
3.2.4.1 Braindrain, Kriminalität und HIV/AIDS 48
3.2.4.2 Zerstörung rechtsstaatlicher Verhältnisse in Simbabwe 50
3.3 Zwischenfazit: Stärken-Schwächen-Profil des Standortes Südafrika 51
Inhaltsverzeichnis iii
4 DIE INVESTITIONSTÄTIGKEIT AUSLÄNDISCHER UNTERNEHMEN IN SÜDAFRIKA 54
4.1 Trends und Entwicklungen im Vergleich zu anderen emerging markets 54
4.2 Die vier Phasen der Direktinvestitionen von 1960 bis heute. 55
4.3 Strukturelle Analyse der ausländischen Direktinvestitionen. 58
4.3.1 Herkunftsländer der Investoren 59
4.3.2 Investitionsform. 60
4.3.3 Sektorale Struktur und Investitionsmotive. 61
4.3.4 Regionale Struktur. 63
4.4 Zusammenfassende Bewertung der ausländischen Direktinvestitionen 64
5 DIE INVESTITIONSTÄTIGKEIT DEUTSCHER UNTERNEHMEN IN SÜDAFRIKA 65
5.1 Historische und aktuelle Entwicklung der deutschen Direktinvestitionen. 65
5.2 Strukturelle Analyse der deutschen Direktinvestitionen. 69
5.2.1 Unternehmensgröße 69
5.2.2 Investitionsform. 71
5.2.3 Sektorale Struktur und Investitionsmotive. 73
5.2.4 Regionale Struktur. 77
5.3 Zusammenfassende Bewertung der deutschen Direktinvestitionen 80
6 FAZIT UND AUSBLICK. 83
LITERATURVERZEICHNIS 86
ANHANG 94
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 2.1: Das Wasserfallmodell der Internationalisierung von Unternehmen...................8
Abb. 2.2: Bestand deutscher Direktinvestitionen 1984-2000 .............................................9
Abb. 2.3: Die vier Phasen des Produktlebenszyklus ........................................................19
Abb. 3.1: Determinanten des Investitionsklimas im Neuen Südafrika.............................23
Abb. 3.2: Im- und Exportentwicklung Südafrikas 1980-2001..........................................25
Abb. 3.3: Regionale Zusammenschlüsse im Südlichen Afrika: SACU, CMA und
SADC ................................................................................................................26
Abb. 3.4: Importe und Exporte Deutschlands im Handel mit Südafrika 1985-2001 ......31
Abb. 3.5: Die wichtigsten Exportgüter Deutschlands nach Südafrika 2000 ....................31
Abb. 3.6: Die wichtigsten Importgüter Deutschlands aus Südafrika 2000.......................32
Abb. 3.7: Die Raumordnung Südafrikas: Provinzen und Wirtschaftszentren..................34
Abb. 3.8: Entwicklung des BIP-Wachstums in Südafrika im Vergleich mit ausge-
wählten Regionen 1990-2002............................................................................42
Abb. 3.9: Beitrag zum BIP und Beschäftigte nach Wirtschaftssektoren 1999 bzw.
2000...................................................................................................................44
Abb. 4.1: Entwicklung der ADI-Bestände in ausgewählten emerging markets
1980-2001..........................................................................................................55
Abb. 4.2: Der ADI-Bestand in Südafrika 1960-2001 : Vier Entwicklungsphasen...........56
Abb. 4.3: ADI-Bestand in Südafrika 1999: Anteile der Zielbranchen .............................61
Abb. 5.1: Entwicklung des deutschen Engagements in Südafrika 1980-2000 .................68
Abb. 5.2: Entwicklung der Exporte und des Investitionsbestandes deutscher Unterneh-
men nach bzw. in Südafrika 1980-2000............................................................72
Abb. 5.3: Regionale Verteilung der Hauptgeschäftsstellen der SAGC-Mitglieder ..........77
TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 2.1: Deutsche Direktinvestitionsbestände in ausgewählten Regionen 1980-2000 ..10
Tab. 2.2: Einfluss der Vorteilsarten auf die Form der Auslandsaktivität.........................16
Tab. 2.3: Interaktion zwischen den branchenspezifischen OLI-Faktoren und dem
Investitionsmotiv...............................................................................................17
Tab. 3.1: Entwicklung des südafrikanischen Handels mit den SADC-Ländern .............27
Tab. 3.2: Ausgewählte Daten zum Entwicklungsstand der Mitgliedsländer der SADC ..28
Tab. 3.3: Die neun Provinzen Südafrikas im Vergleich...................................................35
Tab. 3.4: Ökonomische Aspekte der Auswirkungen von HIV/AIDS ..............................50
Tab. 3.5: Stärken und Schwächen des Investitionsstandortes Südafrika..........................52
Tab. 4.1: Die wichtigsten ausländischen Direktinvestoren in Südafrika 1994-1999 .......59
Tab. 5.1: Entwicklung des deutschen Investitionsbestandes und der Beschäftigungs-
und Unternehmenszahlen in Südafrika 1976-2000 ...........................................66
Tab. 5.2: Beschäftigtenstruktur der deutschen Unternehmen in Südafrika ......................69
Tab. 5.3: Investitionen deutscher Großunternehmen (> 500 Mitarbeiter) in Südafrika ...70
Tab. 5.4: Zielbranchen der deutschen Investitionen in Südafrika 1981, 1990 und 2000 73
Abkürzungsverzeichnis v
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ABSA
ADI
ANC
ASEAN
BMZ
BIP
CMA
COMESA
DBB
DIHK
DTI
EIU
EU
F&E
GTZ
I&K
M&A
NAFTA
NEDLAC
OAU
SAA
SACU
SAGC
SAIRR
TDCA
UN
UNCTAD
UNDP
UNECA
WTO World Trade Organisation
1 EINLEITUNG
Die Weltwirtschaft erlebte in den vergangenen Jahren einen Prozess struktureller Trans-formation, durch den der Grad globaler ökonomischer Integration beachtlich erhöht wurde. In der Folge technischer Innovationen, zunehmender zwischenstaatlicher Kooperation sowie des Zusammenbruchs der staatswirtschaftlichen kommunistischen Systeme und der Durchsetzung des neoliberalen Paradigmas in der Wirtschaftspolitik eröffnen sich privatwirtschaftlichen Akteuren insbesondere seit Beginn der 1990er Jahre neue internationale Handlungsspielräume. Ausländische Direktinvestitionen (ADI) stellen in diesem Globalisierungsprozess eine Form der Internationalisierung von großer Bedeutung dar.
Weltweit stiegen die ADI-Flüsse in den 1990er Jahren kontinuierlich von durchschnittlich 225 Mrd. US$ in den Jahren 1990 bis ’95 auf einen Höchstwert von 1,49 Bio. US$ im Jahr 2000 an. Getragen wurde diese Entwicklung maßgeblich durch eine starke Ausweitung von transnationalen Fusionen und Übernahmen (mergers & acquisitions, M&A), die insbesondere in den Jahren 1999 und 2000 eine rasante Zunahme der weltweiten ADI nach sich zog. Im Jahr 2001 normalisierte sich der M&A-Boom und die ADI-Zuflüsse lagen mit 735 Mrd. US$ auf vergleichbarem Niveau wie 1998 (vgl. UNCTAD 2002, S. 4 u. S. 303). Wie in den vergangenen Jahren floss der größte Anteil der ADI -insgesamt 63,4 Prozent- in die Länder der Triade. Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenlä nder betrug 27,9 Prozent, wobei der Großteil innerhalb dieser Gruppe asiatischen und pazifische n Staaten zufiel. Afrika konnte 2,3 Prozent aller ADI-Zuflüsse auf sich vereinen, was einem Wert von 17,2 Mrd. US$ und dem bisher höchsten Anteil des Kontinents an den weltweiten ADI-Flüssen entspricht (vgl. UNCTAD 2002, S. 7 u. S. 303).
Innerhalb Afrikas stellt die Republik Südafrika mit einem Anteil von 38,8 Prozent an den afrikanischen ADI- Zuflüssen das bei weitem bedeutendste Zielland dar. Weitere Investitionen entfielen in nenne nswertem Umfang nur noch auf die Ölproduzenten Nigeria und Angola sowie auf Algerien und -aufgrund umfangreicher M&A im Jahr 2001- auf Marokko (vgl. UNCTAD 2002, S. 48ff.). Zu 80 Prozent kann das ADI-Wachstum in Afrika nach Aussage der UNCTAD auf den Anstieg der Investitionen in Südafrika zurückge- führt werden. Dieser betrug gegenüber dem Vorjahr 5,8 Mrd. US$, womit Südafrika
weltweit nach Mexiko, Frankreich und China an vierter Position der „Top FDI-Winners“ des Jahres 2001 liegt (vgl. ebd. 2002, S. 13 u. 48).
Als attraktivster Investitionsstandort, wirtschaftlich stärkstes Land und einziger Industriestaat südlich der Sahara nimmt Südafrika auf dem gesamten afrikanischen Kontinent eine Sonderstellung ein (vgl. FAZ-INSTITUT 2000, S. 253). Es gilt heute als eines der weitest entwickelten Schwellenländer, wird von der Weltbank als wenig verschuldetes Upper Middle Income Country 1 und vom US-amerikanischen Wirtschaftministerium als einer der führenden zehn Big Emerging Markets eingestuft (vgl. ERTNER 2002, S. 30; WELTBANK 2002a). Die politische Transformation, die nach der Abschaffung der Apartheid 2 1990 durch die demokratischen Wahlen im April 1994 und der daraus resultierenden Machtübernahme durch den African National Congress (ANC) offiziell eingele itet wurde, hat zur Re integration des ehemaligen Apartheid-Staates in die internationale Staatengemeinschaft und die Weltwirtschaft geführt. Wesentliche Rahmenbedingungen für ausländische Investoren haben sich seitdem verändert. Wirtschaftliche Reformen führten zu einer Liberalisierung der bis dahin durch autozentrierte Entwicklung und Importsubstitutionspolitik geprägten Volkswirtschaft, die nun als marktwirtschaftlich orientiert bezeichnet werden kann. Für Südafrika spielen ausländische Investoren im Transformationsprozess eine wichtige Rolle, da sie mit positiven Impulsen in Bezug auf die Beschä ftigung und den Wissens- und Ressourcentransfer einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung leisten. Dieser ist insbesondere vor dem Hintergrund starker sozioökonomischer und regionaler Disparitäten innerhalb des Landes als wesentliche Voraussetzung für die Kontinuität der friedlichen Transformation zu sehen.
Deutsche Unternehmen sind in Südafrika traditionell stark engagiert. Mehr als 370 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung waren 2000 in Südafrika präsent (vgl. DBB 2002).
1 Die Weltbank nimmt eine Einstufung aller Länder in Abhängigkeit vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro
Kopf in drei Klassen vor, namentlich high income, middle income und low income, wobei die middle inco-
me countries wiederum in die Unterklassen upper und lower unterteilt werden. Im deutschen Sprach-
gebrauch entspricht diese Klassifizierung der Einteilung in Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer
(vgl. WELTBANK 2002a).
2 Der Begriff „Apartheid“ entstammt dem burischen Ausdruck „apart“(=„besonders“ oder „einzeln“) und
wurde in Südafrika durch das South African Bureau for Racial Affairs (SABRA) geprägt (vgl. MUNDORF
1993, S.40). Er bezeichnet das in Südafrika von 1948 bis 1990 herrschende politische System der strikten
Rassentrennung und institutionalisierten Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung aus rassenideologi-
schen Gründen.
Gemessen am Anteil der ADI-Bestände lag Deutschland auf dem dritten Platz der Direkt-investoren in Südafrika hinter Großbritannien und den USA (vgl. TISA 2001, S. 40). Etwa zwei Drittel aller von deutschen Unternehmen in Afrika getätigten Direktinvestitionen gehen in die Republik Südafrika, woraus erkennbar wird, dass der Standort auch von deutscher Seite aus eine besondere Stellung innehat.
1.1 Zielsetzungen und Fragestellungen
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Betrachtung der Investitionstätigkeit ausländ ischer Unternehmen in Südafrika. Einflussfaktoren der internationalen Standortwahl von Investoren und mögliche Motive deutscher Unternehmen für ein Engagement in Südafrika sollen geklärt werden. Der Standort Südafrika wird im Hinblick auf Standortvorteile ebenso wie Investitionshemmnisse betrachtet, wobei die Untersuchung der Entwicklung des Investitionsklimas seit dem Ende der Apartheid einen besonderen Schwerpunkt bildet.
Die seit Anfang bzw. Mitte der 1990er Jahre in Südafr ika getätigten Direktinvestitionen ausländischer und insbesondere deutscher Unternehmen werden im Rahmen der Arbeit analysiert. Ziel dieser Analyse ist die Identifikation regionaler und sektoraler Verteilungsmuster der ADI. Zudem sollen Aussagen hinsichtlich vorherrschender Investitions-formen getroffen und theoretische Ansätze auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich die Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen seit der Transformation verändert hat und ob bzw. inwiefern sich das Investitionsverhalten deutscher Unternehmen von dem anderer Investoren untersche idet.
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit
Die Arbeit basiert im Wesentlichen auf der Auswertung themenbezogener Fachliteratur sowie geeigneter Sekundärstatistiken. Fragen zum Investitionsklima und zum Investitionsgeschehen in Südafrika wurden zudem mit Hilfe von Expertengesprächen geklärt. Sehr aufschlussreich war weiterhin der Besuch des Wirtschaftsgespräches Südafrika beim Bundesverband der deutschen Industrie e.V. (BDI) in Berlin, im Rahmen dessen
das Referat des Geschäftsführers der South African-German Chamber of Commerce & Industry (SAGC) MATTHIAS BODDENBERG wertvolle Hinweise geben konnte.
Die Ausarbeitungen über ADI in Südafrika stützen sich neben südafrikanischen Quellen auf Daten der UNCTAD, die in ihrem jährlich publizierten World Investment Report aktuelle Informationen zum weltweiten Investitionsgeschehen zur Verfügung stellt. Hauptquelle zur Erfassung der Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen bilden die jährlich als Beilage zur Zahlungsbilanzstatistik der Bundesrepublik erscheinenden Investitionsstatistiken der Deutschen Bundesbank (DBB). Es handelt sich hierbei um die umfassendste Statistik zum Bestand deutscher Direktinvestitionen 3 im Ausland, die neben einer Aufschlüsselung nach Anlageländern und Wirtschaftszweigen auch Angaben zur Anzahl der Firmen, zu den Beschäftigten und zum Umsatz enthält. Die Daten basieren auf Be-standsmeldungen von Firmen mit Sitz in Deutschland über ihr Vermögen im Ausland bzw. das „Vermögen Gebietsansässiger in fremden Wirtschaftsgebieten“, zu denen diese durch die Außenwirtschaftsverordnung §56a gesetzlich verpflichtet sind. Meldepflichtig sind Unternehmen und Privatpersonen, soweit sie am Meldestichtag mehr als zehn Prozent der Kapitalanteile oder Stimmrechte an einem Unternehmen im Ausland direkt oder indirekt (über Holding-Gesellschaften) besitzen und das Unterne hmen eine Bilanzsumme von mehr als 1 Mio. DM aufweist oder ein Unternehmen Zweigniederlassungen im Aus-land mit einem Bruttobetriebsvermögen von mehr als 1 Mio. DM im Ausland unterhält (vgl. DBB 2002, S. 71f.). Die Erhebungsmethode hat zur Folge, dass kleinere Betriebe ebenso ausgeklammert werden wie Unternehmen, deren deutsche Beteiligung unter zehn Prozent liegt, so dass es insgesamt zu einer nicht unerheblichen Unterbewertung des Investitionsumfangs kommt (vgl. BLANK). Dennoch bilden die Zahlen der Bundesbank die verlässlichste verfügbare D atenquelle und geben Grundstrukturen der Verteilung und Trends deutscher Direktinvestitionen wieder. Um differenziertere Aussagen hinsichtlich der in der Bundesbankstatistik nicht beachteten regionalen Verteilung der deutschen In-
3 DerUmfang von ADI kann entweder in Form der Direktinvestitionsbestände am Ende eines Jahres
(stock) oder dem jährlichen Zu- und Abfluss (flows) ausgewiesen werden. Da jedoch häufige Schwankun-
gen der Investitionstätigkeit nicht unüblich sind, sind Bestandwerte in der Regel als aussagekräftiger zu
bewerten und bilden daher auch in der vorliegenden Arbeit die statistische Grundlage (vgl. HÄRTEL &
JUNGNICKEL 1996, S.49).
vestitionen innerhalb von Südafrika treffen zu können, wurde auf Informationen der SAGC zurückgegriffen.
Aufbau der Arbeit
Nach einer theoretischen Einleitung im zweiten Kapitel, die sich zunächst mit der Erlä uterung des Begriffs der ausländischen Direktinvestition, den Motiven, Formen und Wirkungen von ADI und dann mit ausgewählten theoretischen Ansätzen zu Direktinvestitionen und internationaler betrieblicher Standortwahl beschäftigen wird, folgt in Kapitel drei eine ausführliche Betrachtung der Determinanten des Investitionsklimas in Südafrika und ihrer Entwicklung seit dem Ende der Apartheid. Dabei wird unterschieden zwischen internen Determinanten, deren Veränderungen aus der neuen (wirtschafts-) politischen Orientierung der ANC-Regierung resultieren, und externen Determinanten, die durch die Reintegration Südafrikas in die internationale Staatengemeinschaft Änderungen erfahren haben. Am Ende des dritten Kapitels erfolgt eine Zusammenfassung der bis dahin gewonnen Erkenntnisse, die in Form eines Stärken-Schwächen-Profils des Investi-tionsstandortes dargestellt wird. Kapitel vier umfasst eine Betrachtung der Entwicklung und Struktur der Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen in Südafrik a und dient als Basis für die Ausarbeitungen in Kapitel fünf, das die Untersuchung der deutschen Investitionstätigkeit zum Inhalt hat. Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Entwicklung des deutschen Engagements am Kap nachvollzogen und eine strukturelle Analyse bezüglich der Investitionsformen und der Verteilung nach Branchen und Standorten vorgenommen. Zudem werden Überlegungen zu den Motiven der Investoren und den Effekten der Investitionen auf die südafrikanische Wirtschaft angestellt. Die Arbeit wird abgeschlossen durch das Fazit in Kapitel sechs , das wesentliche Erkenntnisse zusammenfasst und mögliche weitere Entwicklungen sowie Handlungsempfehlungen skizziert.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER AUSLÄNDISCHEN DIREKT- INVESTITIONEN
Kapitel zwei bildet die theoretische Grundlage der Arbeit. Neben Definition und Klärung grundlegender Begriffe wird eine Betrachtung des Investitionsverhaltens deutscher Unternehmen im Ausland und potenzieller Auswirkungen von ADI in Entwicklungs- und Schwellenländern vorgenommen. Zudem werden zwei ausgewählte theoretische Ansätze der Erklärung von ADI vorgestellt. Am Ende des Kapitels werden die gewonnenen Erkenntnisse in Form von Hypothesen zusammengefasst, die als Untersuchungsrahmen für die nachfolgenden Ausarbeitungen dienen.
2.1 Untersuchungsgegenstand ausländische Direktinvestitionen ( ADI)
Auslandsinvestitionen sind grundsätzlich zu unterscheiden in Portfolioinvestitionen und Direktinvestitionen. Während Portfolioinvestitionen in der Regel aus reiner Gewinnorientierung heraus entstehen und ausschließlich auf finanzieller Ebene ablaufen, sind Direktinvestitionen neben dem reinen Ertragsmotiv durch den Erwerb von Kontrollrechten an im Ausland gebundenem Kapital charakterisiert (vgl. BRAUN 1988, S. 7; PFAFFER- MAYR 1996,S. 1). Dieser Arbeit liegt die Begriffsdefinition der DBB zugrunde, die ADI versteht als Kapitalanlagen im Ausland „die vom Investor in der Absicht vorgenommen werden, einen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapitalnehmenden Unternehmens zu gewinnen oder einem Unternehmen, an dem der Investor bereits maßgeblich beteiligt ist, neue Mittel zuzuführen“ (zitiert nach BRAUN 1988, S. 8). Die im Vergleich zu Portfolioinvestitionen eindeutig langfristige Ausrichtung der Investition sowie der Wille des ausländischen Investors zur aktiven Geschäftspolitik vor Ort und der damit verbundene Transfer von Know-how und Managementfähigkeiten haben zur Folge, dass ADI Auswirkungen auf Strukturen und Prozesse im Empfängerland haben. Sie sind daher aus gesamtwirtschaftlicher und aus wirtschaftsgeographischer Sicht besonders interessant.
Eng verbunden mit dem Begriff der ADI ist der Begriff des Multinationalen Unterne hmens (MNU), unter dem nach DICKEN ein Unternehmen zu verstehen ist „which has the power to co-ordinate and control operations in more than one country, even if it does not
own them“ (ebd. 1999, S. 8). MNU besitzen oder kontrollieren demnach Wertschöpfungsaktivitäten in mehr als einem Land und tätigen dabei Direktinvestitionen.
2.1.1 Motive, Typen und Formen von ADI
Investitionsmotive von Unternehmen sind in der Realität sehr vielschichtig. Theoretisch können sie nach beschaffungsorientierten, kostenorientierten, strategischen und absatz-orientierten Motiven unterschieden werden (vgl. DUNNING 1999, S. 3f. u . 1993a, S. 57ff.). Beschaffungsorientierte ADI dienen der Belieferung des investierenden Unternehmens mit Rohstoffen und Vorprodukten, die im Inland nicht ausreichend oder nicht hinreichend preiswert zur Verfügung stehen (vgl. BRAUN 1988, S. 21). Ihre Bedeutung ist weltweit seit Jahrzehnten zurückgegangen, jedoch gibt es noch (Entwicklungs-) Länder, die ausschließlich aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen für ausländische Investoren von Interesse sind (vgl. DUNNING 1999, S. 12). Auch für Südafrika lässt sich vermuten, dass beschaffungsorientierte ADI im Hinblick auf den außergewöhnlichen Ro hstoffreichtum des Landes noch eine Rolle spielen. Dem Typus der kostenorientierten ADI liegt das Motiv der Ausnutzung günstiger Produktionsfaktoren zugrunde (vgl. DBB 1997, S. 68). Sie können streng genommen auch als eine Sonderform der bescha ffungsorientierten Investitionen (z.B. des „Rohstoffes“ Arbeitskraft) gesehen werden, so dass sie von verschiedenen Autoren nicht als eigenständiger Typ abgegrenzt werden. Strategische ADI werden von Unternehmen in der Absicht vorgenommen, eine errungene Marktstellung bzw. einen unternehmensspezifischen Wettbewerbsvorteil zu behaupten bzw. Konkurrenten auszuschalten (vgl. DUNNING 1999, S. 4). Der vie rte und heutzutage bedeutendste ADI- Typus ist der der absatzorientierten ADI. Aufgrund einer zune hmenden Sättigung der inländische n Märkte sowie der Globalisierung von Produkt- und Faktormärkten investieren Unternehmen heute vornehmlich mit dem Ziel der Markterschließung, -erweiterung und -erhaltung (vgl. HOFFMANN 1997, S. 13; REKER 2001, S. 180). Für die Zukunft ist angesichts der fortschreitenden Globalisierung der Produktionsprozesse und des Outsourcings einzelner Produktionsschritte jedoch zu erwarten, dass kostenorientier- te ADI mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden.
Konkret können ADI im Empfängerland sowohl durch Neugründungen als auch durch Übernahmen, Zusammenschlüsse oder Beteiligungen entstehen. Folgende Grundformen der Direktinvestition werden nach §56 der Außenwirtschaftsverordnung von 1993 unterschieden (vgl. BMJ 1993, S. 1959):
- Neugründung eines Unternehmens oder Geschäftszweiges im Ausland (in Form eines
Tochterunternehmens, so genannte greenfield investments),
- Erwerb von bestehenden ausländischen Unternehmen oder von Beteiligungskapital an
diesen (M&A),
- Errichtung eines gemeinsamen Unternehmens mit einem oder mehreren einheimischen
Partnern (Joint Ventures),
- Zuführung von Kapital zu Unternehmen, Zweigniederlassungen oder Betriebsstätten,
die dem deutschen Kapitalgeber gehören oder an denen er beteiligt ist und Rückfüh-
rung von solchem Kapital sowie
- Kreditvergabe an ein ausländisches Unternehmen, das sich unter Kontrolle des deut-schen Kreditgebers befindet.
Abb. 2.1: Das Wasserfallmodell der Internationalisierung von Unternehmen
Quelle: eigene Darstellung angelehnt an GÜTSCHLEG 1999, S. 15
Die Form des ausländischen Engagements bestimmt das betriebswirtschaftliche Risiko des Investors auf der einen und seine Einfluss- und Gewinnmöglichkeiten auf der anderen Seite. Ein häufig zu beobachtender Zusammenhang besteht zwischen der Entwicklung der Exporte und der Direktinvestitionen deutscher Unternehmen, was in der Literatur durch die schrittweise Internationalisierung von Unternehmen erklärt wird (vgl. DBB 1997, S. 67; HÄRTEL, JUNGNICKEL ET AL. 1996, S. 124). Unternehmen beginnen demnach die Erschließung bislang unbekannter Märkte zunächst durch den Export. Mit wachsender Erfahrung und Marktkenntnis des Auslandsmarktes erfolgt eine vorsichtige Verlagerung von Know-how und Kapital, die zunächst in Form von Lizenzvergabe oder Franchising (also ohne Eigenkapitalbindung) stattfindet und im Folgenden durch kapitalbindende Maßnahmen wie die Vereinbarungen von Joint Ventures oder die Errichtung von Auslandsniederlassungen weitergeführt wird. Erst b ei ausreichender Erfahrung folgt schließlich der Aufbau eigener Tochtergesellschaften mit lokaler Fertigung (vgl. Abb. 2.1).
2.1.2 Das Auslandsinvestitionsverhalten deutscher Unternehmen
Abb. 2.2: Bestand deutscher Direktinvestitionen
1984-2000 (in Mrd. €)
Quelle: eigene Darstellung nach DBB div. Jg.
Jahr 2000 mehr als siebenmal so
hoch wie 1984 und erreichte den vorläufigen Spitze nwert von 505 Mrd. €. Deutschland ist damit eines der größten Investorländer weltweit.
In anderen Industrieländern investieren deutsche Unternehmen hauptsächlich in Form von M&A, während beim Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern Neugründungen überwiegen (vgl. REKER 2001, S. 113). Absatzstrategische Motive wie Markterschließung, Marktsicherung und -wachstum spielen nach Befragungen des Ifo-Instituts München bei mindestens der Hälfte der Investitionsentscheidungen deutscher Unternehmen die primäre Rolle; kostenorie ntierte Faktoren wie Lohnkosten oder Besteuerung gewinnen jedoch an Bedeutung (vgl. KÖDDERMANN & WILHELM 1996, S. 131ff.).
Die regionale Struktur der Tab. 2.1: Deutsche Direktinvestitionsbestände in ausge-
wählten Regionen 1980-2000 (in Mio. €)
korea, Malaysia, Singapur
* 1 ohne Japan, Neuseeland und Australien, * 2 ohne Hongkong
und Thailand in Asien. Auf
Quelle: eigene Zusammenstellung nach DBB div. Jg.
dem afrikanischen K ont i-
nent, der insgesamt nur knapp ein Prozent der deutschen Direktinvestitionen auf sich zieht, gehen zwei Drittel der Investitionen in die Republik Südafrika (vgl. Tab. 2.1).
In Bezug auf die sektorale Struktur der Direktinvestitionen deutscher Unternehmen lassen sich folge nde Feststellungen treffen: Der größte Teil der Auslandsinvestitionen wird von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes getätigt. Besonders hervorzuheben sind als Hauptinvestoren (Herkunftsbranchen) die Automobilindustrie, die chemische Industrie, Elektrotechnik sowie Maschinenbau. Seit wenigen Jahren stellen zudem Finanzdienstleistungen eine weitere wichtige Herkunftsbranche dar. Die Struktur der Zielbranchen deutscher Direktinvestitionen steht in Abhängigkeit zum Entwicklungsstand des Ziellandes: Während in Entwicklungs- und Schwellenländern die Hälfte aller Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe getätigt wird, entspricht dieser Wert in industrialisierten Ländern nur 28 Prozent. Dominant ist in beiden Fällen die Chemiebranche, gefolgt vo m Kraftfahrzeug- bzw. Kraftfahrzeugteilebau. In den Industrieländern fließt ein weiteres Drittel der Investitionen in den Finanzsektor, wogegen in Entwicklungs- und Schwellenländern Handels- und Reparaturbetriebe wichtige Zielbranchen sind (vgl. DBB 2002, S. 8f., S. 14f., S. 32f., S. 38f.; REKER 2001, S. 116ff.; RÖHM 1999, S. 9f.).
Zusammengefasst werden deutsche Direktinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern vorwiegend aus absatzstrategischen Gründen und in Form von Neugründungen vorgenommen. Be vorzugte Branchen bilden die chemische Industrie, der Kraftfahrzeug-und Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Handels- und Reparaturbetriebe. Regionale Schwerpunkte bestehen in einigen Transformationsstaaten Osteuropas sowie Brasilien, Mexiko, Argentinien, Singapur, Hongkong, Südkorea, China und in Südafrika.
2.1.3 Bedeutung von ADI im Entwicklungsprozess von Schwellenländern
Der Ressourcentransfer aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer in Form von privaten Investitionen hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und ist mittlerweile zur Hauptquelle des Kapitaltransfers in sich entwickelnde Volkswirtschaften geworden. In den Empfängerländern haben die Investitionen dabei vielschichtige Auswirkungen (vgl. HOFFMANN 1997, S. 27f.; HOLZ-KEMMLER 2001, S. 16f.; RÖHM 1999, 8f.):
- Veränderung der nationalen Handels- und Zahlungsbilanz;
- direkte und indirekte Beschäftigungseffekte;
- materieller und immaterieller Ressourcentransfer;
- soziale und politische Implikationen;
- Auswirkungen auf Wirtschaftsstrukturen, Wettbewerb und Standortqualität sowie
- Auswirkungen auf die nationale Souveränität.
Die Bewertung dieser Effekte ist in der wissenschaftlichen Diskussion nicht unumstritten und „has as its basis a fundamental disagreeme nt about the nature, style, and character of a desirable development process“ (TODARO 1997, S. 538). Anhänger des neolib eral bzw. neoklassisch geprägten Entwicklungsbegriffes, dem eine lineare Vorstellung von Entwicklung zugrunde liegt, sehen ADI als eine Möglichkeit, die Kluft zwischen vorhandenem und für die weitere Entwicklung benötigtem Human- und Finanzkapital zu schließen und den wirtschaftlichen Aufholungsprozess der sich entwickelnden Volkswirtschaften zu beschleunigen (vgl. NUNNENKAMP 1998, S. 15). Positiv zu bewerten ist demnach die in aller Regel entstehende Aktivierung der Za hlungsbilanz, die sich aus der gesteigerten Kapitalzufuhr und Exportsteigerungen, bzw. Importsubstitution durch die Etablierung neuer oder den Ausbau bestehender Industrien ergibt. Damit ve rbunden ergeben sich vielfach Zugangsmöglichkeiten zu neuen Märkten sowie eine Diversifizierung der innerstaatlichen Produktions- und Wirtschaftsstruktur und eine Erweiterung der inländischen technologischen Basis. Insbesondere für Länder, die ihre lohnkostenbedingten Wettbe-werbsvorteile bereits eingebüßt haben, jedoch nicht oder noch nicht über komparative Vorteile bei der Produktion von neuem Wissen verfügen, eröffnen sich durch den Zugang zu modernem Know-how und neuester Technik neue wirtschaftliche Perspektiven (vgl. RÖHM 1999, S. 8). Unterstützend hierbei wirken vor allem mögliche Sekundäreffekte, die sich durch die Verknüpfung mit der einheimischen Wirtschaft in Form von Zuliefer- oder Weiterverarbeitungsbetrieben sowie unternehmensnahe n Dienstleistern bilden können. Allerdings ist die Entstehung dieser so genannten Spill-Over-Effekte durch forward und backward linkages mit der nationalen Ökonomie abhängig von der Art bzw. der Form der Investition: Während von rohstofforientierten und absatzorientierten Investitionen, die die bisherige Binnenmarktproduktion substituieren, nur sehr geringe g esamtwirtschaftliche Effekte zu erwarten sind, ist bei sonstigen absatzorientierten Investi- tionen, insbesondere wenn sie auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind, durchaus von posi-
tive n Wirkungen auszugehen (vgl. NUNNENKAMP 2000, S. 188f.). Wichtig ist zudem die Betrachtung der Investitionsform, da Neugründungen in der Regel stärkere positive Impulse auf die nationale Ökonomie ausüben als M&A.
Nicht vergessen werden darf jedoch, dass jedes investierende Unternehmen aus dem betriebswirtschaftlichen Motiv der Gewinnmaximierung heraus handelt und keinen öffentlichen Auftrag zu erfüllen hat (vgl. TODARO 1997, S. 535). Kritiker sehen daher insbesondere bei beschaffungsorientierten Investitionen die Gefahr der Ausbeutung nationaler Ressourcen. Im Falle von substituierenden Investitionen stellt die Verdrängung nationaler Industrien ein Problem dar und die häufig zu beobachtende regionale und sektorale Konzentration von Direktinvestitionen kann verschärfend auf bereits bestehende sozioökonomische und räumliche Disparitäten wirken (vgl. TODARO 1997, S. 540). Weitere Verdrängungseffekte ergeben sich auch durch die Einführung neuer Produktionstechnologien, die die lokalen arbeitsintensiven Produktionsmethoden ersetzen und so zu negativen Beschäftigungseffekten führen, oder durch die Produktion „unangepasster Produkte“, die Veränderungen der Konsumgewohnheiten hervorrufen, die Grundbedürfnisbefriedigung der Bevölkerung jedoch ungeachtet lassen (vgl. HOFFMANN 1997, S. 27). Insbesondere von Dependenztheoretikern wird die mächtige Position der MNU gegenüber den oft schwachen Regierungen der Entwicklungs- und Schwellenländer kritisiert, die ihrer Auffassung nach zu einer Vertiefung politischer und ökonomischer Abhängigkeitsbeziehungen zum Investorland führt.
Insgesamt gesehen ist jedoch zu erwarten, dass „die positiven Wachstums- und Beschä ftigungswirkungen im Zielland überwiegen, da sonst auch die Zielländer nicht so großes Interesse an Direktinvestitionen zeigen würden“ (HOLZ-KEMMLER 2001, S. 17). Internationale Organisationen empfehlen Entwicklungs- und Schwellenländern seit den Finanzkrisen in Asien und Lateinamerika verstärkt, die wirtschaftliche Entwicklung mit Hilfe von Direktinvestitionen zu stützen, um sie auf eine nachhaltig stabile Basis zu stellen und durch den Technologie- und Wissenstransfer den Anschluss an die OECD-Staaten im Blick zu beha lten (vgl. NUNNENKAMP 2001, S. 3).
2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung von ADI
Nachfolgend werden zwei ausgewählte Theorien der ADI vorgestellt. Die von JOHN H. DUNNING entwickelte Eklektische Theorie gilt als bisher umfassendster Erklärungsansatz für die Entstehung von Direktinvestitionen und dient in der vorliegenden Arbeit daher dem grundsätzlichen Verständnis unternehmerischer Auslandsaktivitäten (vgl. BRAUN 1988, S. 324f.; HEIDUK & KERLEN-PRINZ 1999, S. 25f.; STEIN 1992, S. 140f). Die Produktlebenszyklushypothese von RAYMOND VERNON liefert einen wichtigen Erklärungsbeitrag zum Verständnis der Investitionstätigkeit von Unternehmen aus entwickelten Ländern in weniger entwickelten Ländern und ist daher für die Betrachtung deutsche r Direktinvestitionen in Südafrika interessant (vgl. DUNNING 1993a, S. 71).
2.2.1 Die Eklektische Theorie der Direktinvestitionen (DUNNING)
Ende der 1970er Jahre entwickelte DUNNING das so genannte OLI-Paradigma, das aus drei Gründen als eklektisch bezeichnet wird (vgl. ebd. 1993b, S. 197 u. 1981, S. 110): Erstens integriert es drei partialanalytische Ansätze (Monopoltheorie nach HYMER & KINDLEBERGER, Internalisierungsthese nach BUCKLEY & CASSON und Standorttheorie nach TESCH) zu einem geschlossenen Aussagensystem. Zweitens dient die Theorie der Begründung aller Typen und Motive von ADI und ist zudem drittens zur Erklärung alternativer Formen unternehmerischer Auslandsaktivitäten wie Export und Lizenzvergabe geeignet. Die Kernthese der Theorie besagt, dass ein Unternehmen unter den Internationalisierungsalternativen die Direktinvestition dann auswählen wird, wenn die drei konstitutiven Bedingungen des OLI-Paradigmas, die so genannten O-, L- und I-Advantages, erfüllt sind (vgl. DUNNING 1999, S. 1ff.; 1993a, S. 79ff. u. 1981, S. 79f.):
1. Unternehmensspezifische Wettbewerbsvorteile (ownership-specific advantages)
Die erste Komponente des OLI-Paradigmas basiert auf der Monopoltheorie nach HYMER und KINDLEBERGER und bildet die Voraussetzung für das Zustandekommen jeglicher unternehmerischer Auslandsaktivität. Unternehmensspezifische Vorteile (O-Advantages) sind direkt an die Unternehmung gebunden und bestehen weitgehend unabhängig vom Standort. Sie verschaffen dem ausländischen Unternehmen auf dem Gastmarkt trotz be- stehender Informationsnachteile gegenüber den einheimischen Unternehmen daher eine
exponierte Marktstellung (vgl. HYMER 1976, S. 41f.; KINDLEBERGER 1973, S. 245f.). DUNNING unterscheidet drei Grundformen unternehmensspezifischer Vorteile, die erklären, warum sich MNU auf fremden Märkten durchsetzen (vgl. ebd. 1993b, S. 191):
- Wettbewerbsvorteile, die ein Unternehmen unabhängig von der internationalen Aus-
richtung, z.B. aufgrund der Unternehmensgröße, Marktmacht, hohen technologischen
Know-hows etc. hat,
- Wettbewerbsvorteile, die die Tochtergesellschaften großer Unternehmen gegenüber
kleineren einheimischen Anbietern auf dem Auslandsmarkt besitzen, beispielsweise
durch die Nutzung von Ressourcen der Mutterunternehmung oder von Verbundvortei-
len in Beschaffung, Produktion, Absatz oder Finanzierung, sowie
- Wettbewerbsvorteile, die sich aus der Multinationalität von Unternehmen ergeben, wie
z.B. eine höhere Flexibilität bei der Beschaffung und der Produktion und Vorteile der
Ris ikodiversifizierung.
2. Internalisierungsvorteile (internalization-incentive advantages) Neben den O-Advantages muss ein Unternehmen als zweite Bedingung zur Entstehung von ADI den Anreiz haben, die Wettbewerbsvorteile innerhalb der eigenen Organisation zu nutzen anstatt sie z.B. durch Lizenzvergabe anderen Unternehmen zu überlassen. Gemäß der Transaktionskostenökonomie ergeben sich beim Austausch von vertraglich vereinbarten Leistungen zwischen Geschäftspartnern Kosten, deren Art und Höhe sich in Abhängigkeit von der Koordinationsform des Austausches, der entweder über den Markt oder unternehmensintern stattfinden kann, unterscheiden. Zu Direktinvestitionen kommt es nach DUNNING dann, wenn grenzüberschreitende Transaktionen kostengünstiger i nnerhalb eines (multinationalen) Unternehmens als über den Markt durchgeführt werden könne n, d.h. ein Unternehmen über Internalisierungsvorteile v erfügt. Konkret ergeben sich diese I-Advantages z.B. beim Transfer von unternehmerische m Know-how, das auf firmeninternen Märkten zu geringeren Kosten und unter besserer Geheimhaltung auszuschöpfen ist als durch marktlichen Austausch. Weitere wesentliche I-Advantages ergeben sich durch die Entstehung von economies of scale 4 und economies of scope 5 (vgl. DICKEN 1998, S. 187; REKER 2001, S. 22f.).
4 Interne Ersparnisse, die infolge sinkender Stückkosten bei wachsenden Betriebsgrößen und zunehmender
Massenproduktion entstehen.
5 Kostenvorteile, die sich durch eine flexible Organisation ergeben, z.B. durch die Fähigkeit, das Produkt-
sortiment oder den Produktionsprozess kurzfristig umstellen zu können.
Arbeit zitieren:
2002, Ausländische Direktinvestitionen in Südafrika - Entwicklung des Investitionsklimas und die Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen seit dem Ende der Apartheid, München, GRIN Verlag GmbH
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