1. Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
2. Bedingungsanalyse
2.1 Institutionelle Voraussetzungen
Die A-Schule in Z ist eine Grundschule mit Eingangsstufe. Die SuS meiner Klasse befinden sich in der Eingangsstufe 2 (im Folgenden E2 genannt), werden also bereits seit 1 ½ Jahren beschult. Die Einschulung fand im Alter von 5 Jahren statt.
Ich unterrichte die Klasse E2 seit August 2008 eigenverantwortlich in vier Unterrichtsstunden pro Woche im Fach Deutsch.
Der Deutschunterricht findet regelmäßig im Klassenraum der Klasse statt, der einen Sitzkreis bietet. Vor der Tafel kann ein Kinositz gebildet werden. Ein Sitzkreis aus Bänken steht im Klassenraum.
Die Tische im Klassenraum stehen in U-Form und die SuS sitzen jeweils, bis auf zwei Ausnahmen, mit einem Partner zusammen. Für ein szenisches Spiel wird die Mitte des Klassenraumes freigeräumt und die SuS gruppieren sich rundherum an den zur Seite gerückten Tischen. Da für die Einübung eines szenischen Spiels in Partnerarbeit nicht genügend Platz im Klassenraum allein besteht, werden zwei angrenzende Räume in der Erarbeitungsphase mitgenutzt. Die Aufsicht wird hierbei durch meine Mentorin oder Herrn X., dem Sozialpädagogen der Klasse, ergänzt.
2.2 Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler
Die Klasse E2 setzt sich aus 10 Schülerinnen und 10 Schülern zusammen. Die Gruppe besteht so seit der Einschulung, so dass ein großes Gemeinschaftsgefühl besteht.
Die Klasse ist eine lebhafte, bewegungsfreudige und lernbereite Gruppe. Die SuS begeistern sich für Vorlesesituationen und wünschen diese in jeder Frühstückspause. Zum Vorlesestoff gehören in dieser Zeit Bücher, die in unmittelbarer Verbindung zu
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Unterrichtsthemen stehen (Bsp. Das kleine Gespenst - Gespenster).
Ein Bilderbuch wurde bereits im Religionsunterricht behandelt (Irgendwie Anders v. Kathryn Cave). Die SuS waren dabei sehr motiviert und ihnen gelang es gut, die Figur „Irgendwie Anders“ darzustellen. Dabei erprobten sie auch das szenische Spiel, wobei Gelegenheiten hierzu immer wieder in den Unterricht integriert werden, so dass die SuS in der Regel keine Scheu haben vor der Gruppe zu agieren. Besonders hervorzuheben sind [Schülernamen entfernt, d.Red.], denen es gut gelingt sich in eine literarische Figur, mit der sie sich aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrung identifizieren können, hineinzuversetzen, deren Gedanken nachzuvollziehen und diese sprachlich zu äußern. 1
[Schülernamen entfernt, d.Red.] können bereits ansatzweise die Perspektive einer Figur einnehmen und auf einfacher sprachlicher Ebene deren Gedanken äußern. Ihnen helfen immer wieder Anstöße durch die Äußerungen anderer Kinder oder eindeutige Fragestellungen, die Ihnen Denkrichtungen vorgeben.
Dem Rest der Klasse gelingt es gut, die Perspektive einer Figur einzunehmen, mögliche Gedanken sprachlich zu äußern, sprich einen Text nachzuspielen oder noch durch eigene, textnahe Gedanken zu ergänzen.
Das Nachspielen literarischer Texte wird von Kindern in diesem Alter allgemein besonders bevorzugt. 2
X1 bekommt seit der Eingangsstufe 1 Förderunterricht.
Sie wird voraussichtlich die Klasse nach den Sommerferien, aufgrund der Ergebnisse eines sonderpädagogischen Fördergutachtens, verlassen und auf eine Lernhilfeschule gehen. Da X1 soziale Kompetenzen hat und immer erfolgreich mit Partnern zusammenarbeitet, wird ihr in dieser Stunde eine leistungsstarke Partnerin, X2, zur Seite gestellt, um sie im Einnehmen der Perspektiven zu unterstützen.
X3 bekommt wegen seiner Mathematik- und Schreibleistungen ebenfalls Förderunterricht. Auch er kann immer wieder besonders gut mit einem Partner zusammenarbeiten und lässt sich bereitwillig Dinge von Gleichaltrigen erklären. Auch er wird deshalb mit einer leistungsstarken Partnerin zusammenarbeiten (X4).
X5 bekam bis zu den Osterferien aufgrund seiner Mathematik- und Schreibleistungen Förderunterricht. Dieser wurde dann auf Wunsch der Eltern hin abgebrochen. X5, der gerne mit jemandem zusammenarbeitet, aber zurückhaltend ist, wird mit Renzo zusammenarbeiten, der nicht zurückhaltend ist und X5 so beim darstellenden Spiel animieren kann. X6 gelingt es immer besser sich an Regeln in der Klasse zu halten und dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Mit Hilfe anderer SuS, die ihn an seine Aufmerksamkeit erinnern, gelingt es ihm manchmal, konzentriert zu arbeiten. Ihm sollte die Möglichkeit des szenischen Spiels besonders entgegenkommen, da er einen großen Bewegungsdrang hat.
Die SuS der Klasse sind es gewohnt, in einem Sitzkreis bzw. Kinositz zusammenzukommen. Dabei kommt es jedoch häufig zu erheblicher Lautstärke und die SuS müssen im Anschluss daran konsequent zur Ruhe aufgefordert werden. Die SuS sind geübt darin Spielszenen in Partnerarbeit zu entwickeln und anschließend zu erproben. Sie akzeptieren seitens der Lehrkräfte vorgegebene Partner ohne Probleme.
In der Partnerarbeit gibt es nur in Einzelfällen Konflikte was Entscheidungen betrifft, da es manchen SuS noch schwer fällt zu akzeptieren, nicht alles alleine bestimmen zu können. Das gilt vor allen Dingen für X7, der jedoch schon große Fortschritte gemacht hat und sich mit konsequenter Lehrerhilfe zurücknehmen kann.
X8 kommt am Montag neu in die Klasse. Da ich noch keine Möglichkeit hatte ihn kennenzulernen und seine Akte noch nicht vorliegt, er aber sonderpädagogischen Förderbedarf hat, habe ich ihm einen leistungsstarken und kommunikativen Partner zugeteilt (X9). Er geht immer offen auf andere Kinder zu, so dass X8 ein Gefühl des Aufgenommenseins entwickeln kann, was wichtig für sein Wohlbefinden ist.
X8 ist acht Jahre alt und besuchte bisher eine erste Klasse ohne ambulante Förderung.
1 Vgl. Spinner, Kaspar H.: Literarisches Lernen. In: Praxis Deutsch 200/2006. S. 10.
2 Vgl. Scheiner, Peter: Literarische Rezeption/Produktion. In: Literarisches Lernen. Hrsg. von Matthais Duderstadt u. Claus Forytta. Frankfurt a.M.: Grundschulverband-Arbeitskreis Grundschule e.V. (=Beiträge zur Reform der Grundschule. S. 134.
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Aufgrund seiner Leistungen an dieser Schule wurde ein sonderpädagogisches Fördergutachten erstellt. Er erhält nun an unserer Schule Förderunterricht.
In Reflexionen bzw. Anschlusskommunikationen müssen sich die SuS immer wieder üben, da für sie das Spielen selbst die größte Attraktivität besitzt. Bereits geübt wurde im Unterricht die Beurteilung von Gedichtvorträgen nach vorher erarbeiteten Kriterien. Fragestellungen waren z.B.„Was hat Dir gut gefallen?“ oder „Welchen Tipp würdest Du dem Vortragenden geben?“. Szenisches Spiel wurde bisher nur im Ansatz kommentiert, bzw. ich habe als Vorbild versucht zu verdeutlichen, inwieweit das Nachspielen eines Gedichtverses auch dem Inhalt und der Intention des Gedichtes entspricht. Aus diesem Grund muss in der vorbereiteten Unterrichtsstunde die Anschlusskommunikation durch gezielte Fragen genau angeleitet werden. Das Nennen von Stichwörtern ist den SuS’n bereits aus dem Deutsch- und Sachunterricht bekannt.
Bei unbekannten Begriffen fragen die SuS leider noch selten selbst nach, so dass die L. immer wieder die Kinder dazu auffordert Fragen zu stellen. 3. Sachanalyse
Das Bilderbuch „Der glückliche Mischka“ von Marcus Pfister erschien 2001 in der 3. Auflage. Es handelt von Mischka, einem Igel, der ein glückliches Leben führt. Er liegt in seinem Garten, betrachtet die Welt um sich herum und kennt alle um ihn herum lebenden Lebewesen, Pflanzen und Tiere, und deren Eigenschaften. Eines Tages spricht sein Großvater ihn auf seine Lebensweise an und ärgert sich darüber. Er fordert, dass Mischka etwas erreicht, etwas schafft, das Glück beim Schopf packt und nicht herumhockt. Mischka kann diese Ansicht nicht so recht verstehen und ist eigentlich davon überzeugt, dass er glücklich ist. Dennoch entscheidet er sich, sich auf den Weg zu machen und andere Tiere aufzusuchen, um herauszufinden, ob sie das Leben so viel besser meistern als er.
Er trifft nun auf verschiedene Tiere, die alle Höchstleistungen vollbringen möchten (Schildkröte schnellste Schildkröte der Welt, Feldhase der Klügste aller Feldhasen, Dachs stärkster Dachs der Welt). Die Ameisen sind sogar so beschäftigt, dass sie gar nicht auf ihn reagieren. Mischka erkennt, dass alle Tiere fleißig und ehrgeizig sind und, dass sie auf ein Ziel hin arbeiten, wozu auch das Glücklichsein zählt. Er stellt jedoch auch fest, dass die Tiere dabei nichts mehr um sich herum wahrnehmen (nichts mehr hören, fühlen, bestaunen).
Mischka denkt darüber nach, ob dieses Leben ein besseres sei und macht sich auf den Heimweg. Nachdem er seinen Garten erreicht hat und ihn die Umgebung fröhlich stimmt, entscheidet er sich dazu, dass er nicht der Beste in irgendeiner Disziplin werden möchte. Er möchte auch nicht später glücklich werden, sondern er stellt fest, dass er doch jetzt schon ganz zufrieden und glücklich ist. Nun trifft Mischka wieder auf seinen Großvater und er bestätigt ihm diesmal, dass er etwas geschafft und gelernt habe. Der Großvater ist krank und Mischka bereitet ihm einen Tee zu. Er ist erstaunt und stolz über Mischkas Kenntnisse und sagt abschließend zum ihm, dass er ja noch viel von ihm lernen könne.
Die für die vorbereitete Unterrichtsstunde ausgewählte Szene ist der Einstieg in die Lektüre, in dem Mischka zuerst alleine in seinem Garten ist. Die Bilder sind allgemein sehr aussagekräftig. Sie stellen die Mimik und Gestik der Figuren deutlich dar und sind eine Verstehenshilfe für den Rezipienten. Das erste Bild (auch das Titelbild), 1. Doppelseite, zeigt Mischka glücklich und zufrieden in seinem Garten liegend. Es stellt die Zufriedenheit Mischkas sehr gut dar, die auch im Text erwähnt wird. Das zweite Bild, Mischka riecht an einer Blume, ist nicht im Text repräsentiert. Der Rest des Textes dieser Seite wird nicht im Bild abgebildet.
Nach der Rezeption dieses Teils entsteht ein Bild absoluter Harmonie, die Mischka umgibt. Darauf folgt eine Überraschung. Die Harmonie wird durch das Gespräch mit dem Großvater gestört, der Mischkas Verhalten als Faulheit interpretiert und ihn dazu auffordert, etwas zu schaffen, zu leisten. Hier wird klar, dass die beiden Figuren unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und dem, was man tun sollte, haben: Mischka empfindet sein „Rumlümmeln“ als Tun, schließlich kennt er die Tiere und Pflanzen um sich herum und deren Heilkräfte. Doch sein Großvater ist anderer Meinung. Nur welcher? Das wird aus dieser Textstelle noch nicht direkt ersichtlich.
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Arbeit zitieren:
Marina Lerch, 2009, Unterrichtsvorbereitung Deutsch: Handlungsorientierte Erarbeitung des Bilderbuches Marcus Pfister "Der glückliche Mischka", München, GRIN Verlag GmbH
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