Meinungen und Informationen ausgetauscht werden, also ein Diskurs zu Stande kommt. Heutzutage hängt das unmittelbar mit diversen Kommunikationsformen (nicht nur im Internet) und der sozialen, freilich häufiger digitalen, Netzwerkbildung innerhalb verschiedenster Plattformen zusammen. Nicht nur über Blog, Twitter und Facebook werden Meinungen und Diskurse angestachelt, sondern gerade auch durch die Einfachheit selbst im Internet aktiv zu werden 1 . Grenzen, Barrieren, Möglichkeiten verschwimmen und die Öffentlichkeiten, die natürlich immer noch existent sind, verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Raum in die offene Privatheit einer Mediengesellschaft 2 . Nun. Öffentlichkeit in begriffsgeschichtlicher Entwicklung zu charakterisieren und zu definieren, würde insoweit zu weit führen, dass man nicht in der hier gegebenen Kürze schlüssig und bis ins Detail argumentieren kann, inwieweit sich dieser gesellschaftliche Wandel vollzogen hat bzw. immer noch vollzieht. Aus diesem Grund soll es im Weiteren ausreichen Öffentlichkeit als realen (physische Sichtbarkeit) oder aber auch virtuellen (physische Unsichtbarkeit) Raum der Meinungsäußerung und des Informationsaustausches zu bezeichnen. Ich werde also von einer Öffentlichkeit sprechen, die nicht mehr zwingend von einer physischen Anwesenheit der Personen abhängig ist 3 .
Um nun in eine detaillierte Argumentation hinfort zu schreiten sei zunächst noch eine ausreichende terminologische Abgrenzung des Filmgenres Kriegsfilm zu verhandeln. Hierbei stütze ich mich auf den Lexikoneintrag von Brockhaus. Kriegsfilm bezeichnet demnach ein Genre „für Spielfilme, in deren Mittelpunkt die Darstellung von Kriegshandlungen sowie deren Auswirkungen steht. Kriegsfilme können dokumentarische und propagandistische Elemente enthalten […], kriegsverherrlichende Züge tragen […] oder gegen den Krieg appellieren (Antikriegsfilm).“ 4 Die Wichtigkeit einer Öffentlichkeitsdiskussion im Zusammenhang mit dem Kriegsfilm liegt meines Erachtens auf der Hand. Kriegfilme sind
1 Vgl: Mirjam Maritz, „Museumsquartier: Aufruhr um neue Hausordnung“, Die Presse 08.06.2009, http://diepresse.com/home/panorama/wien/485664/index.do?from=suche.intern.portal, 22.06.2009.
2 Vgl: Hannah Arendt, „Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten“, Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Hg. Jörg Dünne/Stephan Günzel, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 424f; Anm. Arendt spricht hier von einem „privaten Charakter des Privaten“, welcher sich dadurch charakterisiert, dass der Privatmensch gegenüber den anderen nicht recht in Erscheinung tritt aber in der modernen Gesellschaft auch dieser private Raum zuungunsten des Einzelnen zerstört wird; diesem Komplex möchte ich insoweit dem kongruent wissen, was ich eine offene Privatheit nenne und damit meine, dass die Öffentlichkeiten, die beispielsweise in der römischen Antike ausschließlich in öffentlichen Räumen entstanden sind, heute aufgrund der Massenmedien teilweise von privaten Räumen ausgehen und in virtuellen Räumen entstehen.
3 Vgl: Hannah Arendt, „Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten“, Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Hg. Jörg Dünne/Stephan Günzel, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 420-433; Anm. beschreibt Öffentlichkeit im antiken Stadt-Staat (Polis); hier Öffentlichkeit als das begriffen wo Meinungen und Informationen in einem öffentlichen Raum, also unter physischer Anwesenheit der Protagonisten entstehen.
4 „Kriegsfilm“, Brockhaus Enzyklopädie, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, https://univpn.univie.ac.at/+CSCO+d0756767633A2F2F6A6A6A2E6F65627078756E68662D72616D6C787962
636E727176722E7172++/be21_article.php, 23.06.2009.
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aufgrund ihrer Darstellung von Krieg - sei dahingestellt in welcher ästhetischen Weise - und ihrer Konsumierung immer ein Teil der gesellschaftlichen Wahrnehmung bzw. verankert jeder Kriegsfilm bestimmte Bilder in den Köpfen der Betrachter. Diese Bilder eines Kriegsfilms können aber keineswegs als Zeitdokumente herhalten, da sie produzierte Kunstbilder mit einer bestimmten Ästhetik verkörpern. Die Relativierung mit Blick auf tatsächliche Fakten ist also nicht nur wichtig, sondern muss Teil der Konsumierung eines Kriegsfilms sein. Demnach ist die Diskussion, d.h. der öffentliche Diskurs über den Film, ein entscheidender Punkt, weil dadurch der Film als ästhetisches Produkt hinterfragt und kritisch beleuchtet wird; Meinungen treffen aufeinander und erzeugen einen Diskurs. Diese Meinungsbildung und Diskussion ist also insoweit immens wichtig, da das Kunstprodukt Film auch im Kontext mit der eigenen Meinung und vor allem der eigenen Wahrnehmung diskutiert werden muss, sodass Kriegsereignisse, auf die sich ein Kriegsfilm immer bezieht, nicht zur Verzerrung der tatsächlichen Realität führen und somit Geschichte mittels filmischer Ästhetik verklären könnten.
Die Wichtigkeit des Öffentlichkeitsdiskurses im Zusammenhang mit dem Kriegsfilm liegt also nicht primär in der Öffentlichkeit, die innerhalb der Kinoprojektion entsteht, sondern in der Öffentlichkeit, die entsteht, wenn über einen bestimmten Kriegsfilm diskutiert wird. Auch diese Öffentlichkeit entsteht nicht nur in einem öffentlichen Raum wie etwa innerhalb einer universitären Diskussion, sondern heutzutage gerade eben auch im Internet, in einer virtuellen Öffentlichkeit also. Die Möglichkeit einer globalen und vor allem schnellen Kommunikation vereinfacht die Meinungs- und Diskursbildung enorm. Die offene Privatheit der heutigen Mediengesellschaft ist diesbezüglich ein gewinnbringender Aspekt, da jedem individuell ermöglicht wird über einen Kriegsfilm differenziert in einer virtuellen Öffentlichkeit nachzudenken und Meinungen zu äußern bzw. Ansichten zu schärfen. Die Gefahr liegt wohl in der Anonymität und der Unsichtbarkeit des menschlichen Individuums innerhalb dieser Diskussion. Eine virtuelle Öffentlichkeit entsteht nämlich nicht in einem realen Raum, sondern in einem virtuellen und die direkte Konfrontation mit anderen Meinungen, der durchaus physische Konflikt also, geht in einer Diskussion innerhalb des Internets verloren. Der immense Vorteil liegt wohl in der globalen Vernetzung 5 . Zusammenfassend ist also nochmals die wichtige Bedeutung des Meinungsaustauschs und Diskurses nach der Lektüre eines Kriegfilms zu nennen; obgleich in einer virtuellen oder realen Öffentlichkeit. Doch damit ist die Frage noch nicht im Detail geklärt, warum die Thematisierung von Öffentlichkeit im Zusammenhang mit einer Filmanalyse von
5 Anm. globale Vernetzung auch diesbezüglich wichtiger Punkt, da man relativ einfach über einen Kriegsfilm über Vietnam mit einem Vietnamesen diskutieren kann (vorausgesetzt sprachliche Barrieren sind nicht vorhanden).
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Kriegsfilmen ebenfalls bedeutend ist. Diese Problematik setzt die Vorherige nahtlos fort. Filmanalyse meint nämlich nicht nur den Film in seiner Struktur und Funktionsweise oder auch Darstellungsweise zu analysieren, sondern gerade im Bezug auf den Kriegsfilm - der immer auch politisch ist - herauszufiltern wie ein spezieller Film mit seiner spezifischen Filmästhetik auf den Zuschauer wirkt. Diesbezüglich rückt wiederum nicht nur die Öffentlichkeit ins Blickfeld, die während des Betrachtens zwischen Film und Zuschauer entsteht (filmexterne Repräsentationsebene), sondern eben auch eine Öffentlichkeit, die im Film dargestellt wird und somit einen Teil des ästhetischen Produkts repräsentiert (filminterne Repräsentationsebene). Der zuvor analysierte Aspekt der Öffentlichkeit, die nach der Filmlektüre von immenser Bedeutung ist, sollte teilweise genau dadurch geprägt sein diese Öffentlichkeiten zu analysieren und zu thematisieren. Im Idealfall findet also Filmanalyse dann statt, wenn sich Öffentlichkeiten im Sinne eines Meinungs- und Informationsaustausches bilden.
(29.06.2009)
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Thomas Ochs, 2009, Öffentlichkeit im Kontext einer Analyse von Kriegsfilmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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