II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
Symbolverzeichnis VII
1. Einleitung 1
2. Die Interaktionsbeziehung zwischen Etabliertem und potenziellem
Newcomer 4
2.1 Marktbeschreibung 4
2.2 Oligopoltheorie 8
2.2.1 Traditionelle Oligopoltheorie 8
2.2.2 Kritik 12
2.3 Spieltheorie als Analyseinstrument der Interaktionsbeziehung 15
3. Rolle und Auswirkungen von Marktzutrittsbarrieren 22
3.1 Begriffsbestimmung der Marktzutrittsbarriere 22
3.1.1 Literaturüberblick 22
3.1.2 Spezifizierung für die Interaktionsbeziehung zwischen
Etabliertem und potenziellen Newcomer 29
3.2 Schaffung von Marktzutrittsbarrieren durch Unternehmensverhalten 30
4. Anwendung defensiver Maßnahmen zur Eintrittsabschreckung 35
4.1 Konzepte in allgemeiner Form 35
4.1.1 Vorreiterschaft 35
4.1.2 Signaling 42
4.1.3 Kostenerhöhung des potenziellen Newcomers 51
4.1.4 Ruinöser Wettbewerb 54
4.2 Einsatz von Werbung zur Schaffung von Marktzutrittsbarrieren 56
4.2.1 Werbeausgaben als Wettbewerbsparameter 56
4.2.2 Werbeausgaben als Gegenstand einer defensiven Maßnahme 60
4.2.2.1 Vorreiterschaft 60
4.2.2.2 Signaling 66
III
4.2.2.3 Kostenerhöhung des potenziellen Newcomers ..........................70
5. Zusammenfassung und Ausblick ................................................................73
Anhang I: Die hinreichende Bedingung im COURNOT-Wettbewerb ....................... X
Anhang II: Nachweis für die Gewinnrelation von COURNOT-Wettbewerb zum
Monopol .................................................................................................................. X
Anhang III: Nachweis für Nash-Gleichgewichte im Basis-Eintritts-Spiel ......... XIII
Anhang IV: Nachweis für teilspielperfekte Nash-Gleichgewichte im Basis-Eintritts-Spiel ..................................................................................................... XIV
Anhang V: Nachweis für die Nicht-Teilspielperfektheit eines Nash-Gleichgewicht
im Vorreiterschafts-Spiel ..................................................................................... XV
Anhang VI: Herleitung der Wirtschaftlichkeits-Bedingungen im allgemeinen
Vorreiterschafts-Spiel I ........................................................................................ XV
Anhang VII: Flussdiagramm zur Definition der Marktzutrittsbarriere ............. XVII
Anhang VIII: Relationen und Interdependenzen zwischen Parametern, Faktoren
und Marktzutrittsbarrieren ............................................................................... XVIII
Anhang IX: Anreizkompatibilitätsbedingungen im allgemeinen Signal-Spiel .... XX
Anhang X: Kostenerhöhung bei linearer Kostenverlinkung ............................. XXII
Anhang XI: Anreizkompatibilitätsbedingungen im speziellen Signal-Spiel ... XXIII
Anhang XII: Nachweise für das Vorreiterschafts-Modell mit dem
Aktionsparamter Werbeausgaben ..................................................................... XXV
Literaturverzeichnis .......................................................................................... XXX
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Basis-Eintritts-Spiel
Abbildung 2: Allgemeines Vorreiterschafts-Spiel I
Abbildung 3: Allgemeines Vorreiterschafts-Spiel II
Abbildung 4: Kostenerhöhungs-Spiel
Abbildung 5: Bedingungen des Trennungs-Gleichgewichts im speziellen Signal-
Spiel
Tabelle 1: Teilspiele und Strategiemengen im Basis-Eintritt-Spiel .......................19 Tabelle 2: Bildet das Strukturmerkmal … eine Marktzutrittsbarriere nach der
Definition von BAIN/STIGLER?...............................................................................28 Tabelle 3: Teilspiele und Strategiemengen im allgemeinen Vorreiterschafts-Spiel I
................................................................................................................................37 Tabelle 4: Tendenzaussagen zur Parametervariation .............................................74
1
1. Einleitung
Seit den letzten 30 Jahren verfolgen die Wettbewerbsbehörden eine Deregulierungspolitik mit dem Ziel eine Entfaltung der marktlichen Wettbewerbspotenziale zu bewirken. 1 Hierdurch werden Monopolmärkte, die vorher aufgrund gesetzlicher Restriktionen für Marktzutritte versperrt waren, geöffnet. Dies führt regelmäßig zu einer Marktform, die annahmegemäß durch die Interaktionsbeziehung zwischen einem Angebotsmonopolisten (Etablierter) und einem Unternehmen mit möglichen Markteintrittsabsichten (potenzieller Newcomer) gekennzeichnet ist. 2 Dabei wirkt der Gewinn, den der Etablierte aufgrund seiner Marktmacht annahmegemäß erwirtschaftet 3 , auf den potenziellen Newcomer anlockend. Betrachtet dieser den Gewinn des Etablierten als charakteristisch für den Erwartungswert seines eigenen Gewinns im Falle seines Markteintritts und liegt dieser über seinem Opportunitätsgewinn, verspürt er einen Anreiz einzutreten um das Gewinnpotenzial zu realisieren. 4 Damit ist vor dem gegebenen Hintergrund mit einem Markteintritt zu rechnen. Indes lassen sich Fälle beobachten, in denen dennoch kein Eintritt erfolgt. 5 An dieser Stelle setzt das Konzept der Marktzutrittsbarrieren an.
Dabei erlangen insbesondere die Fragestellungen an Bedeutung, ob und wie der Etablierte den Markteintritt durch sein Verhalten verhindern kann, d.h. selbst eine Marktzutrittsbarriere schaffen kann. 6 Denn stellt sich für den potenziellen Newcomer der Eintritt als Chance dar, repräsentiert er aus der Sicht des Etablierten eine Bedrohung. Zum einen verringert der Markteintritt sachverhaltsbedingt seinen Marktanteil und zum anderen reduziert die Erhöhung der Wettbewerbsintensität seine Gewinnmarge. 7 Gelingt dem Etablierten jedoch die Eintrittsverhinde-
1 Vgl.Carlton/Perloff (2005), 716, 721f. Damit ist explizit nicht die Marktöffnung von natürlichen
Monopolen gemeint, da in diesem Falle die Kostenstrukturen zu thematisieren sind. Zu denken ist
hier beispielsweise an konzessionierte Märkte, in denen die Vergabe der Konzessionen dereguliert
wird.
2 So auch Hüschelrath (2009), S. 213.
3 Vgl. Schumann/Meyer/Ströbele (2007), S. 285ff., 356.
4 Vgl. Baumol (1982), S. 3f. Sämtliche Charakteristika bestreitbarer Märkte seien zunächst erfüllt.
5 Vgl. exemplarisch U.S. Court of Appeals (1945), o.S.
Diese Arbeit beschränkt sich stets auf die Analyse von einem Etablierten und einen potenziellen
Newcomer. Die Möglichkeit zur Kollusionsbildung wird nicht untersucht.
6 Vgl. Kreps (1994), S. 302f.
7 Vgl. Besanko/Dranove/Shanley (2000), S. 326. Für diese Tendenzaussagen sind insbesondere
eine konstante Nachfrage sowie Produkthomogenität anzunehmen.
2
rung, kann er weiterhin einen Monopolgewinn vereinnahmen. 8 Dies könnte er mittels defensiver Maßnahmen erreichen, welche er allein zu diesem Zweck durchgeführt. Diese müssen den Gewinn-Erwartungswert des potenziellen Newcomers negativ werden lassen und diesem somit den Anreiz zum Markteintritt nehmen. Hierzu müssten diese Maßnahmen eine Reduktion der erwarteten Umsätze und/oder eine Erhöhung der erwarteten Kosten des potenziellen Newcomers bewirken. 9 Dies erreicht der Etablierte durch eine Variation seiner Aktionsparameter, d.h. der Angebotsmenge oder des Angebotspreises. Ergänzend kann er seine Wettbewerbsparameter, wozu beispielsweise die Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder Werbung zählen, zur Zielerreichung variieren.
Der Etablierte wird jedoch nicht in jedem Fall defensive Maßnahmen durchführen, da dies mit Kosten verbunden ist. Neben den direkten Kosten, die bei einer Variation der Wettbewerbsparameter anfallen können, stehen die indirekten Kosten, die aufgrund von Gewinneinbußen bei einer Abweichung der Aktionsparameter von ihrem vormaligen Gleichgewichtswert anfallen. Daher stellt der Etablierte zur Entscheidungsfindung über die Durchführung einer eintrittsverhindernden Maßnahme ein Gewinnkalkül an. Er führt die Maßnahme nur durch, wenn die Eintrittsverhinderung wirtschaftlich vorteilhafter ist, als die Eintrittszulassung. 10
Nur wenn die Interaktionsbeziehung zwischen dem Etablierten und dem potenziellen Newcomer zu einem Gleichgewicht führt, das durch Nicht-Eintritt gekennzeichnet ist, hat der Etablierte durch sein Verhalten eine Marktzutrittsbarriere geschaffen. Ziel dieser Arbeit ist es die Bedingungen für ein solches Gleichgewicht herauszuarbeiten.
Als geeignete Analysemethode wird hierzu im zweiten Kapitel die extensive Form der Spieltheorie hergeleitet und auf die grundlegende Markteintrittsentscheidung angewendet. Im dritten Kapitel wird der Begriff der Marktzutrittsbarriere bestimmt und hierauf aufbauend die Möglichkeit des Etablierten zur Schaffung einer Marktzutrittsbarriere theoretisch abgegrenzt. Basierend auf dieser Grundlage wer-
8 InAnlehnung an Carlton/Perloff (2005), S. 76.
9 Vgl. Hüschelrath (2009), S. 219.
10 Vgl. Besanko/Dranove/Shanley (2000), S. 330. Diese Wirtschaftlichkeitsbedingung wird im
Verlauf der Arbeit konkretisiert und auf den jeweils untersuchten Sachverhalt angepasst.
3
den im vierten Kapitel die Maßnahmen in praktische Konzepte eingebunden. Diese Konzepte werden zunächst in allgemeiner Form vorgestellt (Abschnitt 4.1) und anschließend auf Kompatibilität mit der Variation von Werbeausgaben als speziellem Wettbewerbsparameter geprüft (Abschnitt 4.2). Die Arbeit schließt in Kapitel fünf mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Aus- blick.
4
2. Die Interaktionsbeziehung zwischen Etabliertem und potenziellem Newcomer 2.1 Marktbeschreibung
Wie einleitend skizziert wurde, wird die Interaktionsbeziehung zwischen dem Etablierten und dem potenziellen Newcomer wesentlich durch die Gewinnkalküle der beiden Unternehmen bestimmt. Diese Gewinnkalküle halten jeweils den eigenen Unternehmensgewinn im Eintrittsfall dem des Nicht-Eintrittsfalls entgegen. Dabei kommt es insbesondere darauf an, welche Marktformen bei der Bestimmung der Gewinne zugrundegelegt werden, da mit unterschiedlichen Marktformen unterschiedliche Gewinnniveaus einhergehen. 11 Diese Gewinnniveaus gilt es zunächst separat zu bestimmen und anschließend in Relation zu setzen.
Eindeutig ist, dass ohne existierende Eintrittsdrohung der Etablierte eine Monopolrolle einnimmt und sobald beide Unternehmen im Markt anbieten ein Duopol, als Spezialfall des Oligopols mit nur zwei Anbietern 12 , gebildet wird. Es gilt demnach herauszuarbeiten, wann dieser Wechsel zwischen den beiden Marktformen stattfindet.
Es könnte sich bereits mit Aufnahme der Interaktionsbeziehung um ein Duopol handeln. Charakteristisch für diese Marktform ist der Tatbestand der oligopolistischen Interdependenz. 13 Folglich müsste die zwischen den beiden Unternehmen bestehende Interaktion den Tatbestand der oligopolistischen Interdependenz erfüllen. Zur Prüfung sind zunächst die relevanten Charakteristika der oligopolistischen Interdependenz zu entwickeln, anschließend die Interaktion zwischen Etabliertem und potenziellen Newcomer zu konkretisieren und final diese beiden Sachverhalte einander entgegenzuhalten.
Die oligopolistische Interdependenz ist in die strukturelle Interdependenz und die Verhaltensinterdependenz zu unterteilen, wobei beide Elemente gegeben sein
11 Vgl. anstatt vieler Schumann/Meyer/Ströbele (2007), S. 356.
12 Vgl. anstatt vieler Schumann/Meyer/Ströbele (2007), S. 341.
Die Ausweitung auf mehrere Unternehmen schafft keinen ausreichenden Mehrwert um die damit
einhergehende Erhöhung des Grades an Komplexität und Kompliziertheit zu rechtfertigen. Vgl.
Pasche (2004), S. 55; Varian (2006), S. 481.
13 Vgl. anstatt vieler Schumann/Meyer/Ströbele (2007), S. 340f. Der feststehende Begriff der oli-
gopolistischen Interdependenz wird auch für die Betrachtung des Duopols beibehalten.
5
müssen, um den Tatbestand der oligopolistischen Interdependenz zu begründen. 14 Die strukturelle Interdependenz rekurriert auf das Zusammenwirken der unternehmerischen Mengen und Preise im Markträumungsprozess. Die Verhaltensinterdependenz stellt auf die unternehmerische Entscheidungsebene ab und bezeichnet die Notwendigkeit bei der eigenen Entscheidungsfindung die erwarteten Verhaltensweisen des jeweiligen Konkurrenten sowie dessen Reaktionen auf die eigenen Verhaltensweisen zu berücksichtigen. 15
Ändert ein Anbieter seine Aktionsparameter wird hierdurch eine Veränderung der Absatzsituation des anderen Anbieters bewirkt, et vice versa - ganz gleich, ob er hierauf reagiert (strukturelle Interdependenz). 16 Eine solche Reaktion wird vor dem Hintergrund einer für beide Anbieter gültigen neoklassischen Gewinnmaximierungshypothese für beide Anbieter aber stets notwendig, d.h. die Handlungen des anderen Anbieters sind bei der eigenen Entscheidungsfindung zu berücksichtigen, et vice versa (Verhaltensinterdependenz). Dieser Prozess wiederholt sich so lange, bis ein Gleichgewicht erreicht wird. 17
Die dargestellte Interdependenz lässt sich durch einen Rückgriff auf die Begriffe der Entscheidungstheorie verdeutlichen. Während die strukturelle Interdependenz durch die Menge aller unsicheren Ereignisse als für beide Unternehmen identische Randbedingung erfasst wird, verlangt die Verhaltensinterdependenz die Erfassung der Menge an Entscheidungsalternativen des jeweiligen Konkurrenten als jeweils zusätzliche Randbedingung. Die oligopolistische Interdependenz lässt sich damit als unternehmensbezogenes Informationsniveau charakterisieren, welches die Erwartungsbildung über die Entscheidung des Konkurrenten bestimmt. Wird ein Gleichgewichtsbildungsprozess betrachtet, sind mehrmalige Entscheidungen zu
14 Vgl. Friedman (1977), S. 5f.
15 Vgl. Friedman (1977), S. 5f., Schreyögg (1984), S. 12. Vgl. auch die Ausführungen bei Schu-
mann/Meyer/Ströbele (2007), S. 339f.
16 Vgl. Friedman (1977), S. 5f.; Im Ergebnis auch Hüschelrath (2009), S. 222.
Als Aktionsparameter sind sämtliche im unmittelbaren Einflussbereich des Unternehmens liegen-enden Parameter zu verstehen, die zur Erreichung eines bestimmten Ziels eingesetzt werden. Vgl.
Suchanek (2007), S. 24. Als solche werden in dieser Arbeit die marktlichen Entscheidungsvariab-
len Menge und Preis bezeichnet. Vgl. Friedman (1988), S. 607. Siehe Kapitel 3.2 für die Abgren-
zung zu Wettbewerbsparametern.
17 In Anlehnung an die Ausführungen bei Pasche (2005), S. 30f.
6
analysieren. Werden dabei Lerneffekte angenommen, so wird das Informationsniveau über diese Lerneffekte verändert. 18
Nachdem die oligopolistische Interdependenz konkretisiert wurde, soll nachfolgend die Beziehung zwischen Etabliertem und potenziellen Newcomer charakterisiert werden. Als bedeutsames Element dieser Beziehung gilt es zunächst die Eintrittsentscheidung des potenziellen Newcomers zu beleuchten. Diese ist als Prozess zu verstehen, den es in zwei Phasen, die Vor- und die Nacheintrittsphase einzuteilen gilt. 19 Die Voreintrittsphase beginnt, sobald der potenzielle Newcomer erstmalig irreversible Kosten zu tragen hat. 20 Irreversible Kosten sind dabei solche Kosten,
„die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Marktzutritt und dem Marktaustritt entstehen und
auch dann nicht abgebaut werden können, wenn die Produktion vollständig eingestellt und die
Investitionsgüter liquidiert werden“. 21
Der Kostenbegriff ist dabei nicht im Sinne seiner regelmäßigen, der betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung entstammenden Definition als leistungsbezogener Güterverbrauch zu verstehen, sondern vielmehr vor dem Hintergrund der entscheidungsleitenden Funktion der Kostenrechnung sachverhaltsbezogen als Summe sämtlicher die Eintrittsentscheidung beeinflussende Ausgaben auszulegen. Zu diesen zählen insbesondere die originären Marktzutrittskosten, die fixen Marktaustrittskosten sowie die in Abhängigkeit der Spezifität anfallenden Liquidationsverluste aus der Veräußerung immaterieller und materieller Vermögenswerte. 22 Die Nacheintrittsphase beginnt sobald der potenzielle Newcomer erstmalig tatsächlich anbietet. 23 Mit dem Übergang von der Vor- in die Nacheintrittsphase ist der Markteintritt erfolgt.
Die Entscheidung über die Art und die Höhe der Ausgaben in der Voreintrittsphase muss der potenzielle Newcomer auch abhängig vom Verhalten des Etablierten machen. Dieser wiederum muss die Aktivitäten des potenziellen Newcomers in
18 Für den gesamten Absatz vgl. Pasche (2004), S. 5ff.
19 Für einen mehr als Ansatz mit mehr als zwei Phasen vgl. Porter (2000), S. 606ff.
20 Vgl. Kolbe (1991), S. 16, 23.
21 Vgl. Kolbe (1991), S. 25, 72 (Zitat S. 25).
22 Vgl. Kolbe (1991), S. 20ff.
23 Vgl. Geroski (1991), S. 10f. Es finden sich auch Ansätze, die den Zeitpunkt in Abhängigkeit der
Höhe der durch den potenziellen Newcomer getätigten irreversiblen Kosten definieren. Vgl. hierzu
Kolbe (1991), S. 16.; Schmidt (1998), S. 28.
7
dessen Voreintrittsphase in Bezug auf die Eintrittswilligkeit beurteilen. 24 Kann er hieraus eine eindeutige Intention zum Markteintritt ableiten, hat er hierauf zu reagieren. Damit ist in der Voreintrittsphase für den potenziellen Newcomer die Verhaltensinterdependenz stets erfüllt, für den Etablierten nur, wenn er die Eintrittsentscheidung als unwiderruflich wertet. 25 Die strukturelle Interdependenz kann sachverhaltsbedingt erst gegeben sein, sobald der potenzielle Newcomer eintritt, da erst dann der Markträumungsprozess vollzogen werden kann. Im Ergebnis ist die Interaktion zwischen potenziellem Newcomer und Etabliertem bis zum Erreichen der Nacheintrittsphase als monopolistische Marktform und mit dem Erreichen der Nacheintrittsphase als Duopol zu charakterisieren. Der Wandel der Marktform fällt somit mit dem Wechsel der Eintrittsphasen zusammen.
Auf dieser Grundlage kann das Gewinnkalkül des potenziellen Newcomers konkretisiert werden. 26 Der potenzielle Newcomer tritt ein, wenn der Kapitalwert seiner mit den subjektiven Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichteten, zukünftigen betriebswirtschaftlichen Periodengewinne, diskontiert mit dem Opportunitätskostenzins, größer als sein Opportunitätsgewinn ist. Um die vorliegende Interaktionsbeziehung fokussieren zu können, sei für den Opportunitätsgewinn des potenziellen Newcomers ein Wert von null angenommen. Da vom Betrachtungszeitpunkt die Periodengewinne nach Eintrittszeitpunkt in der Zukunft liegen, die Zukunft jedoch naturgemäß unsicher ist, handelt es sich bei der Eintrittsentscheidung um eine unter Risiko, welchem durch die Bildung von Erwartungswerten, die zu einem Kapitalwert summiert werden Rechnung zu tragen ist. 27 Es kommt damit für sein Gewinnkalkül ausschließlich auf den im Duopol erzielbaren Gewinn an. Zur tendenziellen Charakterisierung dieses Duopolgewinns soll auf statische Oligopolmodelle zurückgegriffen werden, die nachfolgend vorgestellt werden.
24 In Anlehnung an Schmidt (1998), S. 28. Die Höhe der durch den potenziellen Newcomer getä-
tigten irreversiblen Kosten stellt einen hierfür möglichen Indikator dar.
25 Vorstellbar erscheint beispielsweise, dass der potenzielle Newcomer Markteintrittsabsichten hat.
Zur Unterbreitung eines Angebots muss er eine Produktionseinrichtung bauen. Der Etablierte
wertet diese Aktivitäten als Signal der Marktzutrittswilligkeit des potenziellen Newcomers. Erste-rer könnte verstärkte Werbeausgaben tätigen um abschlusswillige Konsumenten zu gewinnen,
bevor der potenzielle Newcomer eintritt. Dieser kann folglich die genannten Konsumenten nicht
mehr ansprechen. Vgl. Hilke/Nelson (1984), S. 368. Er könnte aber ebenso Werbeausgaben tätigen
um die genannte Folge abzuwenden.
26 Auf das Gewinnkalkül des Etablierten wird noch einzugehen sein.
27 Vgl. Kolbe (1991), S. 5f., 31f., 35ff., 40f., 49f. Zur Komplexitätsreduktion wird eine Risikoneut-
ralität des potenziellen Newcomers unterstellt.
8
2.2 Oligopoltheorie
2.2.1 Traditionelle Oligopoltheorie
Zur Abbildung eines oligopolistischen Marktes existiert eine Vielzahl an Modellen, die sich dabei regelmäßig auf die Modelle von COURNOT (1988) sowie von BERTRAND (1988) stützen. Sollte sich eines dieser beiden Modelle als eindeutig vorziehenswürdig erweisen, wäre dieses für die Analyse der Nacheintrittsphase zugrundezulegen. Daher werden die Modelle nachfolgend zunächst in ihrer Grundform vorgestellt und im Anschluss einer kurzen Beurteilung unterzogen.
COURNOT beschreibt in einem zeitlosen Modell den Mengenwettbewerb zweier Anbieter, í µí± 1 und í µí± 2 , in einem homogenen Oligopolmarkt, welcher durch die Marktnachfragefunktion í µí± = í µí±(∙) definiert wird, wobei í µí± den Marktpreis angibt und í µí± die aggregierte Angebotsmenge. Ferner wird angenommen, dass beide Un-
ternehmen zu identischen, konstanten Grenzkosten produzieren, die gleich null sein sollen. Zur Bestimmung des Gleichgewichts transformiert COURNOT diese in í µí°¾ eine inverse Marktnachfragefunktion í µí± ⋅ = í µí± −1 ⋅ 28 , welche durch í µí± = í µí± í µí±
í µí±
mit í µí± í µí± ∈ í µí± í µí± ⊆ í µí± und í µí± ∈ í µí°¾ = {1,2} bestimmt wird. Demnach wählen beide Unternehmen eine Menge í µí± í µí± , welche von der Menge des anderen Unternehmens í µí± −í µí± abhängt, d.h. í µí± í µí± ≡ í µí± − í µí± −í µí± . Beide Anbieter bestimmen unabhängig voneinander ∗ , wobei sie die Menge des jeweils anderen ihre gewinnmaximierenden Mengen í µí± í µí±
Unternehmen í µí± −í µí± als konstant annehmen (Cournotvermutung). 29 Erst im An- ∗ wirddiese Menge jeweils am Markt angeboschluss an die Bestimmung von í µí± í µí±
ten. 30 Für den Preis wird angenommen, dass dieser seinen markträumenden Wert annimmt, d.h. í µí± ≡ í µí±(í µí±). Die Gewinnfunktion jedes Anbieters ist definiert als: 31
28 „In this case it will be convenient to adopt the inverse notation”. Cournot (1988), S. 63.
29 Vgl. Kreps (1994), S. 288.
Für die Notation in der gesamten Arbeit gilt, dass bei Aktions- und Wettbewerbsparametern, die
einen Wert aus einer Menge an möglichen Werten annehmen können nicht explizit zwischen Akti-onen und Strategien unterschieden wird. Für die Unterscheidung gilt: Liegt eine Abhängigkeit vor,
d.h. z.B. í µí±¥ í µí± (∙) oder eine Relation í µí±¥ í µí± (∙) , handelt es sich um eine Strategie, ansonsten eine Aktion.
30 Vgl. Kreps/Scheinkman (1983), S. 326; Pasche (2004), S. 31.
31 COURNOT abstrahierte in seinem Modell von Produktionskosten. Vgl. Cournot (1988), S. 63.
Die Kostenfunktion wird für eine Erfüllung der hinreichenden Bedingung relevant. Siehe Anhang I
für Nachweis.
9
Jedes Unternehmen verhält sich bei der Entscheidung über seine gewinnmaximale Menge wie ein Monopolist und löst das Problem:
zeigt die Mengenänderung von í µí± í µí± ausgehend einer Mengenänderungen von í µí± −í µí±
an. Die Interpretation der Reaktionsfunktion kann dabei geometrisch als auch algebraisch erfolgen. Geometrisch stellt sie einen Graph dar, der die Schar der Isogewinnkurven in deren Maximum schneidet. Algebraisch bilden die Reaktionsfunktionen der beiden Unternehmen ein simultanes Gleichungssystem, wobei die Lösung desselben ein Marktgleichgewicht bildet, denn genau dann erweist sich die Erwartung über das Verhalten des Konkurrenten, welches für die eigene Gewinnmaximierung als Annahme zugrunde gelegt wurde, nämliche eine Reaktionslosigkeit, als korrekt. 32 Für den angenommenen Fall gleicher Produktionstechnologie, d.h. eine Produktion zu für beide Unternehmen identischen, konstanten Grenzkosten mit í µí± í µí± = í µí± −í µí± = 0, ergibt sich ein Marktgleichgewicht in dem beide ∗ ∗ = í µí± ∗ zum Preis í µí± ∗ = í µí±(í µí± ∗ ) anbie-Unternehmen die gleiche Menge í µí± í µí± = í µí± −í µí±
ten. In diesem Gleichgewicht erwirtschaften beide Unternehmen einen annahmegemäß positiven Gewinn. Der Etablierte muss im Vergleich zu seiner Monopolisten-Rolle der Voreintrittsphase indes einen Gewinnabschlag verzeichnen. 33
Das COURNOT-Modell gilt als das erste Modell eines oligopolistischen Wettbewerbes und bildet damit den Ausgangspunkt für zahlreiche Weiterentwicklungen. 34 Die wohl bekannteste Weiterentwicklung stellt das bereits angesprochene Modell durch BERTRAND dar. Auch BERTRAND analysiert einen homogenen Oligopolmarkt in einem zeitlosen Modell. 35 Da die von den Unternehmen produzierten Güter für die Nachfrager vollkommene Substitute sind, kaufen sie stets bei dem Anbieter, der einen niedrigeren Preis verlangt. Für den Fall, dass beide Anbieter den gleichen Preis verlangen sei angenommen, dass jedes Unternehmen jeweils die Hälfte der Gesamtnachfrage auf sich zieht. Weiterhin wird angenommen, dass jedes Unternehmen so viel produziert um die gesamte Nachfrage zu
32 Vgl. Friedman (1983), S. 23f.
33 Siehe Anhang IId.
34 Einen Überblick über die Weiterentwicklungen findet sich bei Daughety (1988), S. 25ff.
35 Die Beschreibung des Bertrand-Modells erfolgt in enger Anlehnung an Tirole (1988), S: 455ff.
10
befriedigen. Die Marktnachfragefunktion nimmt die Form í µí± = í µí±(∙) an, die für die nachfolgende Analyse konkretisiert wird als í µí± í µí± = í µí»¼ − í µí±. Dabei zeigt í µí»¼ die
Sättigungsmenge an. Ferner sei angenommen bei Unternehmen identische, konstante Grenzkosten aufweisen und keine Fixkosten anfallen. Damit lässt sich die Gewinnfunktion eines Unternehmens darstellen als:
nimmt: 36
Aus (3) geht hervor, dass sich jedes Unternehmen einen nicht negativen Gewinn sicher kann, indem es seinen Preis nicht unter seine Grenzkosten senkt.
Für die Bestimmung des Gleichgewichts sei angenommen, dass beide Unternehmen simultan ihren gewinnmaximierenden Preis bestimmen, wobei sie den Preis des jeweils anderen Unternehmens als konstant ansehen (Bertrandvermutung). 37 ∗ wird die zu diesem Preis korres-Erst im Anschluss an die Bestimmung von í µí± í µí±
pondierende Angebotsmenge durch die gegebene Marktnachfragefunktion ermittelt. 38 Für den beschriebenen Wettbewerb existiert ein eindeutiges Gleichgewicht ∗ ∗ ), in dem bei gegebenem í µí± −í µí± ∗ der eigene Preis í µí± í µí± ∗ den eigenen Gewinn í µí¼ í µí± ∗ (í µí± í µí± , í µí± −í µí± ∗ ∗ maximiert. Dieses Gleichgewicht erfüllt die Gleichung: í µí± í µí± = í µí± −í µí± = í µí±.
Dieses als BERTRAND-Paradox bezeichnete Marktergebnis lässt sich intuitiv nach- ∗ ∗ vollziehen, indem zunächst der Fall í µí± í µí± > í µí± −í µí± > í µí± angenommen wird. In diesem
Fall setzt í µí± í µí± nichts ab und sein Gewinn ist entsprechend null. Setzt í µí± í µí± einen Preis ∗ ∗ von í µí± í µí± = í µí± −í µí± − í µí¼, wobei í µí¼ einen äußerst kleinen, aber positiven Wert annimmt,
zieht es die gesamte Nachfrage auf sich und erzielt einen Stückgewinn von
36 Vgl. für den gesamten vorherigen Absatz Tirole (1988), S. 456.
37 Vgl. Kreps (1994), S. 292.
Da die Nachfragefunktion an der Stelle í µí± í µí± = í µí± −í µí± unstetig ist, ist auch die Gewinnfunktion an
dieser Stelle unstetig. Daher lässt sich die Gewinnfunktion (3) nicht differenzieren, weshalb eine
Optimierung über die Differenzierung nach der unabhängigen Variable nicht durchführbar ist(Vgl.
Chiang (1984), S. 151, 235)
38 Vgl. Kreps/Scheinkman (1983), S. 326.
11
∗ í µí± −í µí± − í µí¼ − í µí±. In diesem Fall erzielt aber í µí± −í µí± einen Gewinn von Null, weshalb í µí± −í µí± seinen Preis geringfügig niedriger als í µí± í µí± setzt. Es setzt ein gegenseitiger Preis-unterbietungswettbewerb ein, der so lange anhält bis der Marktpreis den Grenzkosten entspricht. 39 Für den Fall konstanter, identischer Grenzkosten beider Unternehmen ergibt sich damit ein der Marktform der vollständigen Konkurrenz identisches Ergebnis. In diesem Gleichgewicht erwirtschaften beide Unternehmen einen Gewinn von null und setzten ihren Wettbewerbspreis. 40 Das erreichte Gleichgewicht lässt sich dabei auch als ein Gleichgewicht unter Mengenwettbewerb interpretieren. In einem solchen impliziert die Mengenänderung eines Unternehmens eine genau solche Mengenänderung des Konkurrenten, dass der Gleichgewichtspreis unverändert bleibt. 41
Es lässt sich zusammenfassen, dass die beiden vorgestellten Oligopol-Modelle ein Marktgleichgewicht mit unterschiedlichen Ergebnissen prognostizieren. Die Ursache hierfür liegt nicht in der Tatsache begründet, dass den Modellen unterschiedliche Aktionsparameter zugrunde liegen, sondern in dem abweichenden Zeitpunkt der Bestimmung der Produktionsmenge und dem damit verbundenen Preisbildungsprozess. 42 Hieraus ergeben sich jeweils unterschiedliche unternehmensindividuelle Nachfragefunktionen. 43 Während die Nachfrager im COURNOT-Modell lediglich passiv über die Nachfragefunktion berücksichtigt werden, greifen sie im BERTRAND-Modell aktiv als Entscheidungseinheit ein, allerdings erst nachdem die Anbieter ihre Preise gesetzt haben. 44
Entscheidend für den Fortgang der Analyse sind die Gewinnrelationen zwischen der Marktform der Voreintrittsphase, dem durch den Etablierten gebildeten Monopol und der Marktform der Nacheintrittsphase, dem Duopol. Es wurde herausgearbeitet, dass der Monopolgewinn den Gewinn im COURNOT-Wettbewerb über- 39 Vgl.Tirole (1988), S. 457. Dass dieses Gleichgewicht stabil ist, lässt sich durch die Überlegung
∗ ∗ í µí± í µí± > í µí± −í µí± = í µí± verdeutlichen. í µí± −í µí± könnte seinen Preis um í µí¼ erhöhen ohne jegliche Marktanteile
zu verlieren. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Ausführungen im Fließtext. Tirole (1988),
S. 457f.
40 Vgl. Tirole (1988), S. 457f.
Dieses Ergebnis ändert sich, wenn Fixkosten integriert werden oder konstante, aber unterschiedli-
che Grenzkosten angenommen werden.
41 Vgl. Krouse (1990), S. 80.
42 Vgl. Kreps/Scheinkman (1983), S. 326f.
43 Vgl. Shapiro (1989), S. 349.
44 Vgl. Daughety (1988), S. 19, 23.
12
steigt und dieser wiederum unter den gegebenen Annahmen den Gewinn im BERTRAND-Wettbewerb übersteigt, der null ist. 45
2.2.2 Kritik
Die in ihrer Grundform vorgestellten Modelle COURNOTs und BERTRANDs sollen nachfolgend kritisch vor dem Hintergrund der Berücksichtigung der oligopolistischen Interdependenz zur Prüfung auf Vorziehenswürdigkeit einander gegenübergestellt werden. Kann eines der beiden Modelle als eindeutig vorziehenswürdig identifiziert werden, ist dieses als Grundlage für die Anbieterinteraktion und die hieraus resultierenden Gewinnniveaus in der Nacheintrittsphase heranzuziehen.
Die Referenz für die Beurteilung der Abbildung der oligopolistischen Interdependenz darf dabei nicht in der Realitätsnähe der Annahmen und Parameterwahl gesucht werden. Vielmehr muss die Referenz in der Validität der aus dem Modell hervorgebrachten Ergebnisse liegen, sprich, die Fähigkeit reale Ergebnisse und Phänomene möglichst exakt vorherzusagen. Die Frage nach der Vorziehenswürdigkeit kann damit endgültig nur empirisch beantwortet werden. 46
Vom theoretischen Standpunkt erscheint es jedoch naheliegend, dass ein Modell oligopolistischer Märkte nie angemessen sein kann, wenn es nicht den Tatbestand der oligopolistischen Interdependenz in seiner Wesentlichkeit erfasst. 47 Dies soll nachfolgend für die Verhaltensinterdependenz kurz untersucht werden. 48 Die Integration der Verhaltensinterdependenz lässt sich anhand der Reaktionsfunktion beurteilen, die nach grammatischer Auslegung - die Reaktion wird dabei als Ant-wort auf eine vorangehende Aktion im Sinne einer wechselseitigen Beziehung ausgelegt 49 - genau diese Verhaltensinterdependenz abbildet. Indes liegt beiden Modellen mit der COURNOT- bzw. der BERTRAND-Vermutung die Annahme der
45 Vgl. Tirole (1988), S. 144f., 456, 458, Siehe auch Anhang IIe.
46 Vgl. Friedman (1966), S. 8f., 12f., 14f.
47 The “relevant question to ask about the “assumptions” of a theory is not whether they are de-
scriptively “realistic”, for they never are, but whether they are sufficiently good approximations
for the purpose in hand.” Friedman (1966), S. 15.
48 Für die strukturelle Interdependenz kann angeführt werden, dass sich im COURNOT-Modell mög-
licherweise keine implizite Marktnachfragefunktion bilden lässt, wodurch der Modellmechanismus
außer Kraft gesetzt wäre. Eine tiefergehende Beurteilung bedarf eines Rückgriffs auf die allgemei-ne Gleichgewichtstheorie (Vgl. hierfür Pasche (2005), S. 30f.), welche daher an dieser Stelle aus
Komplexitätsgründen unterbleibt.
49 Vgl. o.V. (2005).
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eigenen Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung etwaiger Aktionsparameteränderungen des Konkurrenten zugrunde, während gleichzeitig unterstellt wird, dass der Konkurrent dies nicht tut. Eine solche Form der Entscheidungsbildung ist jedoch als myopisch und nicht rational zu beurteilen. Denn rationales Verhalten erfordert in diesem Zusammenhang gerade, dass beide Unternehmen davon ausgehen, dass auch der jeweilige Konkurrent rational handelt und dieses wiederum beiden Anbietern bekannt ist. 50 Somit wird begrifflich etwas vorgegeben abgebildet zu werden, was nicht abgebildet wird, eine interdependente Aktion-Reaktions-Beziehung zur Entscheidungsbildung.
Diese Kritik lässt sich auf einer anderen Ebene fortsetzen. Denn sowohl das COURNOT- als auch das BERTRAND-Modell unterstellen, dass beide Unternehmen stets die gleichgewichtigen Mengen bzw. Preise setzen. Dieses Verhalten kann nur als rational identifiziert werden, wenn die Interaktion als einmaliges Aufei-nandertreffen interpretiert wird, denn andernfalls ließe sich der Gewinn durch abweichendes Verhalten steigern, vorausgesetzt die Annahme myopischen Verhaltens besitzt Gültigkeit. 51 Andererseits bedarf es gerade der Mehrperiodigkeit, da nur so das Zustandekommen des Gleichgewichts erklärt werden kann. 52 Um diese Kritikpunkte zurückzuweisen müsste der Markt beim erstmaligen Aufeinandertreffen der Anbieter sofort sein Gleichgewicht erreichen.
Zudem lassen beide Modelle aufgrund ihrer zeitlosen Ausgestaltung über den formalen Gewinnmaximierungsmechanismus keine negativen Gewinne zu. Die Möglichkeit des Etablierten bewusst negative Gewinne im Duopol herbeizuführen, beispielsweise durch das Setzen eines Preises unter Grenzkostenniveau, um hierdurch dem potenziellen Newcomer den Anreiz zum Markteintritt zu nehmen, stößt hier an formale Grenzen. Diese Möglichkeit gilt es aber für die Analyse der Markteintrittsentscheidung explizit zuzulassen. Denn bei einer mehrperiodigen Betrachtung könnte dieses Setzen eines „Kampfpreises“ zu einem Gleichgewicht führen, wenn es dem Etablierten gelingt den Eintritt zu verhindern und er danach auf sein altes Preisniveau zurückkehren kann.
50 Vgl. Arrow (1986), S. 392.
51 Vgl. Pasche (2005), S. 31. Für das COURNOT-Spiel vlg. auch Schumann/Meyer/Ströbele (2007),
S. 347.
52 Vgl. Cournot (1988), S. 64f., Tirole (1988), S. 716f.
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Zusammenfassend kann keines der beiden Modelle als vorziehenswürdig identifiziert werden. Vielmehr sind beiden Modellen erhebliche Kritikpunkte entgegenzuhalten, da der für ein Oligopol charakteristische Tatbestand der oligopolistischen Interdependenz in beiden Modellen nicht angemessen berücksichtigt wird. Zur Behebung dieses Defektes bedarf es insbesondere der Aufgabe der zeitlosen Betrachtungsweise um die Verhaltensinterdependenz als dynamischen Prozess formal abbilden zu können. 53 Dies gelingt durch die Spieltheorie als Analyseform, da hierdurch eine explizite Integration des Informationsniveaus beider Konkurrenten möglich wird und Lerneffekte über das Verhalten des Konkurrenten berücksichtigt werden können. 54
Wird auf eine Dynamisierung der Duopolbeziehung verzichtet, erscheint es angemessen von den erarbeiteten Ergebnissen lediglich die Gewinnrelationen des Duopols im Vergleich zum Monopol für den Fortgang der Arbeit zu verwenden. Je nach untersuchtem Sachverhalt wird dabei für die Nacheintrittsphase ein positiver Gewinn, der beispielsweise bei einem COURNOT-Wettbewerb entsteht, aber in Relation geringer als der Monopolgewinn ist, oder aber ein negativer Gewinn, der beispielsweise durch das Setzen von „Kampfpreisen“, die unter Grenzkosten- niveauliegen, zugrundegelegt.
Im Ergebnis ist die Interaktion zwischen Etabliertem und potenziellen Newcomer für die Vor- und die Nacheintrittsphase in Bezug auf die Gewinnrelationen hinreichend konkretisiert. Im Folgenden gilt es diese Phasen gemeinsam zu betrachten. Auch an dieser Stelle bietet die Spieltheorie mit der extensiven Spielform den zu dieser Analyse notwendigen formalen Rahmen. Mit Hilfe dieser Spielform gelingt es das Informationsniveaus der beiden Unternehmen abzubilden 55 und damit die Entscheidungen der Vor- und der Nacheintrittsphase zu verbinden.
53 Vgl. Shapiro (1989), S. 351f., 356, 397ff.
54 Mas-Colell/Whinston/Green (1995), S. 387; Friedman (1977), S. 7.
55 Vgl. Güth (1992), S. 278; Fudenberg/Tirole (1991), S. 70; Basar/Olsder (1995), S. 38.
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2.3 Spieltheorie als Analyseinstrument der Interaktionsbeziehung
Die Markteintrittssituation soll zunächst als Spiel zweier rationaler Spieler í µí± ∈ í µí°¾ = {1,2} abgebildet werden. Diese Spieler werden dabei durch die beiden
Anbieter repräsentiert, wobei der potenzielle Newcomer als Spieler 1 und der Etablierte als Spieler 2 bezeichnet wird. Als rational gilt ein Unternehmen, wenn es die, bei vorher gebildeter Vermutung über die Aktionswahl des anderen Spielers, für sich optimale Aktion wählt, d.h. die Aktion, die zu einem nicht geringeren Gewinn als jede andere wählbare Aktion führt. 56 Abbildung 1 stellt dieses Spiel in extensiver Form dar.
Abbildung 1: Basis-Eintritts-Spiel
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Dixit (1982), S. 13.
Jedes Spiel der extensiven Form Γ besitzt einen festen Regelkatalog an Kompo-
nenten, die es vor Spielbeginn zu definieren gilt. Hierzu gehören neben den Spielern die Menge der Endpfade (terminal histories), wobei ein Endpfad als Folge direkt aufeinander folgender Aktionen í µí± (actions), die vom Startpunkt bis zu einem Endpunkt des Spiels reicht definiert ist, der Spielerfunktion í µí±(ℎ), die jedem
Pfad, der nicht gleichzeitig Endpfad ist einen Spieler zuordnet als auch die Auszahlungsfunktionen í µí±¢ í µí± , welche jedem Spieler für alle Endpfade entsprechende Unternehmensgewinne zuweisen. 57 Die Endpfade werden hier durch
í µí°¸, í µí± , í µí°¸, í µí°¾ und (í µí°¸ ) gebildet und die Spielerfunktionen lauten í µí± ∅ = 1 und í µí± í µí°¸ = 2. Die entsprechenden Auszahlungsfunktionen führen für Spieler 1 zu í µí± í µí°¾ und für Spieler 2 den Auszahlungen í µí±¢ 1 í µí°¸ = 0, í µí±¢ 1 í µí°¸í µí± = í µí¼ 1 , í µí±¢ 1 í µí°¸í µí°¾ = í µí¼ 1 í µí± í µí± í µí°¾ . Für diese Auszahlungen sollen dabei í µí±¢ 2 í µí°¸ = í µí¼ 2 , í µí±¢ 2 í µí°¸í µí± = í µí¼ 2 , í µí±¢ 1 í µí°¸í µí°¾ = í µí¼ 2 í µí± í µí°¾ mit í µí± = 1,2 gelten. í µí± die Relationen í µí¼ 2 > í µí¼ í µí± > 0 > í µí¼ í µí±
56 Anwendung der allgemeinen Ausführungen aus Osborne (2004), S. 4, 6.
57 Vgl. Osborne (2004), S. 153ff..
16
Zu Spielbeginn entscheidet der potenzielle Newcomer über seinen Markteintritt. Für den Fall des Eintritts (í µí°¸) kommt es zu einem Wettbewerbsspiel über dessen
Ausgang ausschließlich die Aktionswahl des Etablierten entscheidet. Die ihm dabei zur Wahl stehende Aktionsmenge lässt sich aus den Endpfaden und der Spielerfunktion deduzieren und beinhaltet sämtliche ihm nach dem Pfad (í µí°¸) zur Wahl stehenden Aktionen, d.h. í µí°´ í µí°¸ = {í µí±, í µí°¾}. Dabei symbolisiert (í µí°¾) das Führen eines rivalisierenden Wettbewerbskampfes und (í µí±) das Vornehmen einer Marktteilung.
Dieses Spiel besitzt einen dynamischen Charakter, da der Etablierte (secondmover) über das Verhalten des potenziellen Newcomers (first-mover) informiert ist und somit diese Information bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigt. Entscheidend für die Klassifizierung als dynamisches Spiel ist dabei das Informationsniveau, nicht die zeitlich versetzte Aktionswahl. 58 Letztere wird in dieser Arbeit als Abgrenzungskriterium für als solche zu bezeichnende Perioden verwendet, die ökonomisch zu trennende Zeiträume abgrenzen. Dies ist dann der Fall, wenn der Zeitraum ein solches Ausmaß annimmt, dass eine Diskontierung der diesem Zeitraum zuzurechnenden Gewinne erforderlich ist. Ersteres führt zur Unterteilung des Spiels in unterschiedliche Stufen, wobei im Spielverlauf eine neue Stufe begründet wird, sobald der ziehende Spieler über den vorangehenden Zug des Gegenspielers informiert ist. 59 Zur Bestimmung der Informationsniveaus ist es notwendig für jedes Unternehmen Informationsmengen zu definieren. Hierfür wird die Menge der Pfade í µí°» í µí± , die nicht gleichzeitig Endpfade bilden und für die í µí± ℎ = í µí± gilt, für jeden Spieler in relevante Informationsmengen zerlegt, wo-
bei eine Informationsmenge jeweils die Menge aller nicht endpfadbildenden Pfade umfasst, von denen Spieler í µí± das Spiel fortsetzen, zwischen denen er aber nicht
unterscheiden kann. In dieser Terminologie heißt ein Spiel vollkommen, wenn jede Informationsmenge einelementig ist. 60 Hier wird die Informationsmenge des
58 Vgl. Fudenberg/Tirole (1991), S. 70, 107.
59 Damit wird Basar/Olsder (1995), S. 1, S. 12; Fudenberg/Tirole (1991), S. 70 gefolgt. Tatsächlich
existiert keine allgemein akzeptierte Trennungslinie. Vgl. Basar/Olsder (1995), S. 12. Aus der
Verwendung der Zeit als Trennungskriterium resultieren häufig gleiche, nicht jedoch in jedem Fall
identische Ergebnisse. Vgl. Fudenberg/Tirole (1991), S. 70.
Für die Menge an Wettbewerbsspielen gilt das Modell von STACKELBERG als das erste in diesem
Sinne dynamische Spiel. Auf der ersten Stufe wählt Spieler eins seine Menge und Spieler zwei auf
Stufe zwei.
60 Vgl. Osborne (2004), S. 313f., Rasmusen (2001), S. 47ff.
Arbeit zitieren:
Hendrik von der Brelie, 2009, Rolle und Auswirkungen von Marktzutrittsbarrieren in oligopolistischen Märkten, München, GRIN Verlag GmbH
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