Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
Erläuterung der Aufgabenstellung 1
2 Wissen und Wissensmanagement 3
2.1 Der Begriff Wissen 3
2.2 Wissensarten 5
2.2.1 Implizites (tazites) und explizites Wissen 5
2.2.2 Personales und organisationales Wissen 6
2.3 Theorie der Wissensschaffung in Unternehmen 8
2.4 Betrachtung von Wissen auf Unternehmensebene 12
2.4.1 Die Wissensbasis 14
2.4.1.1 Die Wissensträger 16
2.4.1.2 Die Wissensverfügbarkeit 19
2.4.1.3 Dynamik der Wissensbasis 19
2.4.1.4 Zusammenfassung 21
2.5 Wissensmanagement 22
2.5.1 Definition Wissensmanagement 22
2.5.2 Die Bedeutung von Wissensmanagement auf UnternehmensebeneI 23
2.6 Modelle des Wissensmanagements 25
2.6.1 Theoretische Ansätze 25
25
2.6.1.1 Humanorientierter Ansatz nach Nonaka/Takeuchi 25
2.6.1.3 Das Bausteinkonzept von Probst/Raub/Romhardt 29
2.6.1.3.1 Wissensziele 30
2.6.1.3.2 Wissensidentifikation 31
2.6.1.3.3 Wissenserwerb 31
2.6.1.3.4 Wissensentwicklung 31
2.6.1.3.5 Wissens(ver )teilung 33
2.6.1.3.6 Wissensnutzung 33
2.6.1.3.7 Wissensbewahrung 34
2.6.1.3.8 Wissensbewe rtung 34
2.6.2 Beurteilung der verschiedenen Ansätze 35
2.6.3 Praktische Ansätze - Organisation 36
2.6.3.1 Wissensbasierte Unternehmenskultur 37
2.6.3.2 Organisationsform 38
2.6.3.3 Customer Relationship Management (CRM) 40
2.6.4 Praktische Ansätze - Informations- und Kommunikations - technologie 44
2.6.4.1 Intranet 45
2.6.4.2 Data Warehouse, OLAP und Data Mining 47
2.6.4.3 Groupware und Workflowmanagement 49
2.6.4.5 Customer Relationship Management System (CRM) 50
2.6.5 Barrieren 53
3. WM in der New Economy 57
3.1 Evolution der Neuen Ökonomie 57
3.2 Start- ups der New Economy 58
3.3 Eingrenzung der New Economy 60
3.3.1 New Economy - Vieldeutigkeit eines Begriffs 60
3.3.2 Von der Informationswirtschaft zur Internet-Ökonomie 64
3.4 Charkteristika der Internet - Ökonomie 67
3.5 Charakteristika der Internet-Unternehmen 75
3.5.1 Die klassische Internet-Gründung 75
3.5.2 Geschäftsmodelle 76
3.5.3 Probleme der Internet- Unternehmen und Lösungsansätze über
Wissensmanagement 80
3.5.3.1 Costomer Relationship 81
3.5.3.2 Wachstum und organisatorischer Wandel 83
3.5.3.3 Management 84
4. Fazit 85
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1 Einleitung
Erläuterung der Aufgabenstellung
Aufgabe dieser Arbeit ist es, das Konzept eines ganzheitlichen Wissensmanagementsystems darzustellen und die Frage zu klären, ob Unternehmen der New Economy damit ein hilreiches Managementkonzept zur Verfügung steht. Vorreiter im Wissensmanagement waren Ende der 80er Jahre grosse Konzerne und Beratungsfirmen. Im Unterschied zu Großunternehmen bieten Unternehmen der New Economy andere Rahmenbedingungen für ein derartiges System, die sich in einem anderen Anforderungsportfolio niederschlagen. Zunächst wird im Rahmen dieser Arbeit der Begriff Wissen und die Bedeutung von Wissen auf Unternehmensebene erläutert. Vor diesem Hintergrund muss Wissen als zusätzlicher Produktionsfaktor betrachtet werden, womit dem Wissensmanagement der Status der Nutzung von Kapital zukommt. Die Betrachtungsweise als "Wissenskapital" stützen Untersuchungen über den Anteil von Wissen an der Wertschöpfung eines Unternehmens. In einer Studie nach Heisig 1 gaben 36% der Befragten
deutschen Unternehmen an, der Anteil des Produktionsfaktors Wissen an der Wertschöpfung betrage mehr als 60 Prozent. Aufgrund dieser Befragung wird die Problematik des entgangenen Vorteils durch nicht genutztes Wissen in Unternehmen offensichtlich. 82% der Befragten beurteilten in der gleichen
1Vgl. Heisig 1999.
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Studie den entgangenen Nutzen durch "brachliegendes" Wissen mit mittel bis hoch. Ein erfolgreiches Wissensmanagement kann sich direkt auf die Wertschöpfung des Unternehmens auswirken. Komplettiert wird das Wissensmanagementsystem mit der Ausarbeitung theoretischer Ansätze und den Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis. Im Weiteren wird auf die Besonderheiten der New Economy eingegangen und auf Unternehmen der Internet-Ökonomie eingegrenzt. Zum Abschluss werden die dargebrachten Ergebnisse zusammengeführt und der Nutzen eines Wissensmanagementsystems für Internet-Unternehmen analysiert.
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2 Wissen und Wissensmanagement
2.1 Der Begriff Wissen
Bevor auf die Konzepte WM und New Economy eingegangen werden kann, muss zuerst der Begriff Wissen definiert, abgegrenzt, in verschiedenen Arten dargestellt und Möglichkeiten seiner Generierung aufgezeigt werden. Für den Begriff Wissen gibt es keine eindeutige oder allgemeingültige Definition, da man von verschiedensten Sichtweisen aus (z.B. Philosophie, Psychologie, Soziologie) Wissen interpretieren kann. Da Wissen in dieser Arbeit vor einem betriebswirtschaftlichen Hintergrund betrachtet wird, stellen folgende Definitionen einen guten Überblick dar: Wissen ist...
"... das Resultat verarbeiteter Informationen. Zum Wissen gehören Kenntnisse, Meinungen, Auffassungen, Bewertungen und Ziele" 2
"... die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden.“ 3 "... alles, was ein Akteur zur Erzeug ung von Handlungen, Verhalten und Lösungen verwendet: Kenntnisse, Meinungen, praktische Regeln und Techniken, Patentrezepte, Weltbilder, aber auch Bräuche, Mythen und Aberglaube; ... bedeutungsvolle, kontextgebundene Information" 4
2Kraak 1991, S.12.
3Probst et al.1997, S.44.
4Preissler et al. 1997, S.2.
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"... zweckgerichtete Kompetenz der Organisation und ihrer Mitarbeiter" 5 "... die Gesamtheit aller Kenntnisse auf einem bestimmten Gebiet" 6 Wissen stützt sich bis zu einem gewissen Grad auf Daten, auf codierte Zeichen ohne Interpretation ihrer Bedeutung. Sie bilden das Rohmaterial für die Schaffung von Information, die als Nachricht einen Empfänger erreicht, für den deren Inhalt eine Veränderung (Weltbild, Selbstverständnis, etc.) bewirkt und ihm zu einer neuen Einsicht verhilft. Wissen bildet aus Erfahrungen, Wertvorstellungen, Kontextinformationen und Fachwissen einen Rahmen zur Beurteilung und Eingliederung neuer Erfahrungen und Informationen. Entstehung und Anwendung von Wissen findet im Kopf statt und ist damit direkt an die Person gebunden. Der Anwendungsbezug führt zu Könnerschaft bei der betreffenden Person, die durch Wollen zum Handeln wird. Wird kontextabhängig richtig gehandelt, dann liegt Kompetenz vor, die durch Einzigartigkeit zu Wettbewerbsfähigkeit führt. Dieser Sachverhalt wird durch die "Wissenstreppe" sehr gut beschrieben (s.Abb.1). 7
Wissen befähigt Menschen mit den vorhandenen Informationsquellen intelligent umzugehen und entsprechend zu handeln. Wissen ist in seiner strukturiertesten Form in Datenbanken und Dokumenten zu finden und in Routinen, Prozessen, Praktiken und Normen enthalten. Wissen ist zugleich Prozess und Bestand. Wissen wird zu einem Drittel aus Dokumenten bezogen und zu zwei Dritteln durch persönliche Kontakte (formelle Ausbildungsverhältnisse, informelle Gespräche, etc.) vermittelt. 8
5Chrobok 1998, S.184.
6Heinrich 1995, S.564.
7Vgl. North 1999, S. 39 ff.
8Vgl. Davenport,Prusack 1998, S.32ff.
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9 Abb.1: Wissenstreppe
2.2 Wissensarten
2.2.1 Implizites (tazites) und explizites Wissen
Besonders im Unternehmensumfeld ist es sinnvoll, vorliegendes Wissen gemäß den Gesichtspunkten implizites oder explizites Wissen und weiterhin personales oder organisationales Wissen weiter zu klassifizieren.
9Vgl. Drucker 1993, S. 35.
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„Ohne eine klare Einsicht in die Problematik der Übergänge zwischen implizitem und explizitem Wissen kommt nicht zum Vorschein, warum das Kernproblem von Wissensmanagement die Verknüpfung und Rekombination der personalen und organisationalen Komponente von Wissen, Lernen und Innovationskompetenz ist.“ 10
Explizites Wissen lässt sich im Gegensatz zum impliziten systematisch in Strukturen oder Prozessen darlegen und ist damit gut dokumentier- und vermittelbar. Derartig kodifiziert k ann es laut Weißbach einen Beitrag zur Lösung strukturierter Probleme leisten, indem der Lösungsweg zum Beispiel in einem Prozessablauf dargestellt wird. Im Resultat kann Wissen vor allem in expliziter Form physisch gespeichert und direkt verteilt werden. Implizites Wissen repräsentiert dagegen eher das subjektive Können, also Fähigkeiten und Kompetenzen, die nicht vollständig beschreibbar sind. Diese mentalen Modelle, Glaubens- und Rechtfertigungssysteme, ergeben insgesamt ein Bild von der Realität sowie Vorstellungen über die Zukunft und beinhalten so vermutete Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Implizite Wissensbestände sind schwer formalisierbar und können nur indirekt, zum Beispiel über Analogien, weitergegeben werden. 11 Damit wird eine Problemlösung als A rbeitsergebnis auch durch die Fähigkeit des Ausführenden limitiert, neues Wissen in die eigenen Erfahrungen und Kompetenzen, also den internalisierten Wissensbestand, einzufügen und so in eigenen Tätigkeiten zu berücksichtigen.
10Vgl. Willke, H. 1998, S.17.
11Vgl. Weissbach et al. 1998
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2.2.2Personales und organisationales Wissen
Personales Wissen befindet sich nur für einzelne Individuen im Zugriff, kollektives Wissen dagegen für mehrere zur gleichen Zeit. Wenn implizites Wissen gleichermaßen in verschiedenen Köpfen vorhanden ist, so ist es organisational. Ist explizites Wissen nur durch Verschluss oder Verschlüsselung für ein Individuum erreichbar, ist es personal. 12 In Organisationen ist Wissen häufig in Dokumenten oder auf Speichermedien enthalten. Es erfährt ferner eine allmähliche Einbettung in organisatorische Routinen, Praktiken, Normen, Standardverfahren, Kodifizierungen, Arbeitsprozess-Beschreibungen, Traditionen und die spezifischen Kulturmerkmale einer Organisation. 13
Erst personales und organisationales Wissen zusammen „bieten gegenüber den Kontingenzen und Anforderungen einer dynamischen Umwelt einigermaßen Gewähr dafür, dass die notwendigen Anpassungen gelingen, weil sich Schwächen der einen Seite durch Stärken der anderen kompensieren lassen.“ 14
Für Unternehmen ist letztlich das kollektive Wissen ausschlaggebend, weil es koordinierte Handlungszusammenhänge darstellen kann. Einzelne Experten genügen nicht, sofern sie ihr Wissen nicht im Umfeld mitteilen und dort adäquate Handlungen aktivieren können. Personales Wissen muss daher kollektiviert werden, d.h. ursprünglich nur wenigen zugängliches Wissen wird durch Maßnahmen mehreren zugänglich gemacht.
12Vgl. Rehäuser/Krcmar 1996, S.7.
13Vgl. Davenport/Prusack 1998, S.32.
14Willke, H. 1996, S.281.
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Wettbewerbsvorteile erwachsen der Organisation aus organisationalem Wissen. Dieses ist in ein Netz von Beziehungen so eingebettet, dass es nicht in Einzelteile zerlegt und als solche imitiert oder erworben werden kann. 15
2.3Theorie der Wissensschaffung in Unternehmen
Die Umwandlung individuellen, impliziten Wissens in kollektives Wissen ist Voraussetzung für eine bessere Informationsversorgung und -bearbeitung sowie für eine Wertschöpfung durch Wissen. Organisationales, d.h. kollektives Wissen ist nur das Wissen, das unabhängig von den Mitarbeitern in den Operationsformen des sozialen Systems Unternehmen gespeichert ist. 16 Hierzu zählen Regelsysteme, Standardverfahren, Leitlinien, Arbeitsprozessbeschreibungen, Routinen, Traditionen, Datenbanken usw. Die symbolische Kultur des Unternehmens ist ebenfalls ein Element des kollektiven Wissens; in welchem Maß sie explizierbar ist, ist freilich strittig. Die Schaffung kollektiver Wissensbestände ist also eine Hauptaufgabe des Unternehmens, bei der ein systematisches Wissensmanagement hilft. Voraussetzung hierfür ist z. B. der Austausch von Erfahrungen und Gedanken, die Individuen oder kleine Teams mit ihren Projekten gemacht haben. Sie sollten als „lessons learned“ dokumentiert und aufbereitet werden, um anderen Mitarbeitern und Teams zur Verfügung zu stehen, die ähnliche Aufgaben bewältigen müssen. Auf diese Weise wird verhindert, Fehler zu wiederholen.
15Vgl. Schneider, U. 1996, S.21.
16Vgl. Willke 1998, S.16.
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Freilich macht jeder seine eigenen Fehler, d.h. der Kontext, in dem das (fremde) Wissen, das nun übertragen werden soll, entstanden ist, muss stets mit reflektiert und daher dokumentiert werden; sonst kommt es zur unreflektierten Weitergabe von Rezepten. 17
Eine grundlegende Voraussetzung für die Kollektivierung von Wissen ist eine funktionsfähige Kommunikationsstruktur und eine hohe Kommunikationsintensität. Das Wissen Einzelner muss verteilt und geteilt werden, damit es für das gesamte Unternehmen dauerhaft nutzbar wird. Das verallgemeinerte und explizierte kollektive Wissen kann dann wieder als Grundlage für neue Erfahrungen und Lernprozesse der Individuen dienen; es wird angepasst, lokalen Bedingungen und Lernerfahrungen entsprechend modifiziert und kann dann erneut expliziert und generalisiert werden.
Durch eine Verbindung von implizitem und expliziten Wissen, also einem quasi vertikal verlaufenden Wissenszyklus von individuellem zu kollektiven Wissen, wird das Wissen des Unternehmens insgesamt erweitert und verbessert. Die japanischen Wissenschaftler Nonaka und Takeuchi beschreiben vier Mechanismen der Wissensveränderung bzw. -weitergabe (s. Abb. 2):
17Vgl. Becker 2000.
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•Implizites Wissen einzelner Personen wird durch Sozialisationsprozesse personengebunden weitergegeben (z.B. durch Imitation, Beobachtung). Wissen einzelner wird so zum impliziten Wissensbestand kleiner Teams. •Wird dieses implizite Wissen externalisiert, wird es zu explizitem Wissen, das kollektiv in Regeln gespeichert werden kann (z.B. durch Handbücher, Dokumentationen, Quality Circles). Das Wissen des Teams wird zur Formulierung von Strategien genutzt, die im Sinne des Unternehmenszwecks gerechtfertigt werden.
•Hieraus entstehen Handlungsmuster, die auch in andere Gruppen im Unternehmen verbreitet werden können. Durch Kombination können verschiedene explizite Wissensbestände neues Wissen schaffen (z.B. durch Austausch der verschiedenen Quality Circles, gemischte Experten- und Problemlösungsteams, Aushandlung von neuen Regeln usw.). Ein Wissensnetzwerk entsteht.
•Das explizite Wissen wird durch Internalisierung wieder zu implizitem Wissen (d.h. die Teilnehmer entwickeln in diesen Strukturen ihr Wissen individuell weiter) . Verbindet man diesen Gedankengang mit der Vorstellung
18Vgl. Nonaka, Takeuchi, 1997, S. 75.
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der individuellen und kollektiven Ebene des Wissens, ergibt sich der organisatorische Lernzirkel (s. Abb.3). 19
Abb. 3: Organisatorischer Lernzirkel
In der Handlung des einzelnen Mitarbeiters wird sein individuelles (implizites und explizites) Wissen angewandt. Er handelt aufgrund seiner persönlichen Wahrnehmung der Situation und seiner kognitiven Muster. Bei einer Kollektivierung seiner Handlungsgrundlagen wird zusätzliches Wissen generiert. Das zuvor individuelle Wissen wird auch anderen Personen zugänglich gemacht. Die Kollektivierung erfolgt z. B. über Kommunikationen (Austausch) oder Beobachtung.
Das Wissen ist nun redundant in den Wissensvorrat mehrerer Individuen übergegangen, gemeinsame Deutungen sind möglich. In Aushandlungsprozessen kann dieser gemeinsame (i. d. R. explizite) Wissensbestand neu
19Vgl. Müller-Stewens/Pautzke 1991, S.195; Güldenberg 1998, S.201ff,246f.
20Vgl. Müller-Stewens/Pautzke 1991, S.195.
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kombiniert werden. Vorschläge zur Veränderung werden anschließend durch Institutionalisierung in der Organisation gespeichert. Die Wissensbasis wird sozusagen offiziell verändert, indem etwa Regelbestände oder Arbeitsplatzbeschreibungen modifiziert werden. In der Handlung der einzelnen Mitarbeiter, die sich an den neuen Regeln orientieren, manifestiert sich das neue Wissen. In konkreten Handlungen und Entscheidungen nehmen sie darauf Bezug und machen es zur alltäglichen Handlungsvoraussetzung. Es kommt zu einem Feedback an die individuellen Wissensbestände. Durch Habitualisierung wird das neue Wissen mit der Zeit zu einer Selbstverständlichkeit, die wieder Grundlage neuer Handlungen ist. Neu erlerntes explizites Wissen wird zu implizitem Wissen.
2.4Betrachtung von Wissen auf Unternehmensebene
Wissen kann als Ressource betrachtet werden, die neben Arbeit, Boden und Kapital gerne als vierter Produktionsfaktor gewürdigt wird. Sowohl für Unternehmen im High-Tech-Bereich als auch für solche, die Low-Tech-Produkte herstellen, sowohl für Produktionsunternehmen als auch für Dienstleistungsanbieter ist die Verfügbarkeit von relevantem Wissen von besonderer Bedeutung. Ein Grund hierfür ist, dass Wissen in zunehmendem Maße die Produkte eines Unternehmens prägt. Dies gilt unmittelbar für Unternehmen, die primär wissensbasierte Produkte (z.B. Beratung, Weiterbildung, Planung und Informationsverarbeitung) anbieten. 21 Aber auch andere Unternehmen stellen fest, dass ursprüngliche Nebenleistungen, die sich durch besonderes Wissen
21Vgl. Nurmi 1998, S.26; Ortwein/Spalleck 98, S.105.
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auszeichnen (z.B. Serviceangebote), im Laufe der Zeit zu Hauptprodukten geworden sind und einen wesentlichen Teil zum Umsatz beitragen. Hinzu kommt, dass auch die meisten sonstigen Produkte einen steigenden Anteil wissensbasierter Funktionen aufweisen und der daraus resultierende wissensbasierte Zusatznutzen in vielen Fällen zum wettbewerbsentscheidenden Faktor wird. 22 Zudem ist Wissen eine wesentliche Grundlage aller Prozesse und Funktionen eines Unternehmens, wobei auch hier eine zunehmende Wissensintensität zu verzeichnen ist (s. Abb.4).
Abb.4: Einordnung und Entwicklungstrend von Produkten in einer Gesamtleistungsmatrix 23
Die vertikale Achse repräsentiert in Abb.4 den Anteil immaterieller Leistungskomponenten am gesamten Leistungsbündel. Die horizontale Achse steht für das Customizing, also die immer stärker auf den Kunden bezogene und mit dem Kunden zusammenarbeitende Form der Leistungserstellung. Der Trend,
22Vgl. Davis/Botkin 1994, S.169f.
23Hardt 1996, S.11.
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der sich allenthalben beobachten l ässt, ist der einer Verlagerung produktiver
Aktivitäten von links unten nach rechts oben, d. h. einer Informationsintensivierung von Produkten und Produktionsprozessen bei gleichzeitiger Ausrichtung auf individuelle Kundenwünsche.
2.4.1Die Wissensbasis
Für Know-how intensive Produkte und Dienstleistungen, wie z. B. die Dienste von Rechtsanwälten oder Unternehmensberatern gelten hohe und häufig sogar steigende Marktpreise. Wissen steigt mit seiner Nutzung und Erfahrung im Wert, da es vielfach verwendet, kombiniert und dabei weiterentwickelt wird. Dabei ist Wissen ein Engpassfaktor, weshalb Wissensmärkte durch steigende Nachfrage gekennzeichnet sind, was sich u. a. am Beispiel der anhaltenden Nachfrage nach Beratungsleistungen oder der Knappheit von IT-Experten und Ingenieuren in der Wirtschaft zeigt. Die Tatsache, dass Wissen sowohl in die Unternehmensprodukte als auch in die Unternehmensprozesse und -funktionen einfließt, erklärt zugleich, dass eine auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmte Wissensbasis einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen bildet. Entscheidende Determinanten des aktuellen Erfolgs eines Unternehmens sind die Kosten der Leistungserstellung, die Qualität der Leistungen sowie -insbesondere in Märkten mit kurzen Produktlebenszyklender Zeitfaktor. Auf alle diese Eckpunkte übt die verfügbare Wissensbasis eines Unternehmens einen deutlichen Einfluss aus. So lassen sich die Kosten der Leistungserstellung durch einen gezielten Wissenseinsatz senken, indem
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Erkenntnisse über neue Kosten sparende Fertigungsmethoden
genutzt,unnötige Aufwendungen vermieden und bereits vorhandene Wissensergebnisse mehrfach verwendet werden. 24 Außerdem verbessert sich
mit höherem Wissensstand oft auch die Qualität von
Managemententscheidungen, was gegebenenfalls weitere Kostensenkungen begünstigt. 25 Die Kostenvorteile können wiederum in höhere Deckungsbeiträge
oder in Preisvorteile am Markt umgesetzt werden. Zugleich kann die Güte der Wissensbasis die vom Kunden wahrgenommene Qualität der angebotenen Produkte beeinflussen und somit zu einer Profilierung gegenüber der Konkurrenz beitragen. Je umfassender und aktueller das jeweilige Wissen ist, desto neuartigere, ausgereiftere und damit in der Regel auch qualitativ höherwertige Produkte können entwickelt und vermarktet werden. Hinzu kommt, dass ein dem Kunden angebotener wissensbasierter Zusatznutzen (etwa in Form von Beratung oder zusätzlichen Service) immer öfter Wettbewerbsentscheidend wirkt. 26 Schließlich lässt sich durch einen gezielten
Wissenseinsatz auch die für die Produktentwicklung, Vermarktung etc. benötigte Zeit verkürzen, indem zum Beispiel geeignete Methoden ausgewählt, Suchzeiten verringert und Doppelarbeiten vermieden werden. 27 Durch die
Ermöglichung vergleichsweise niedriger Kosten, hoher Absatzzahlen und frühzeitiger Marktpräsenz trägt eine fundierte Wissensbasis also zum aktuellen wirtschaftlichen Erfolg und damit zum Gewinn eines Unternehmens bei. Im Zusammenhang mit dem zukünftigen Erfolgspotenzial eines Unternehmens sind zusätzlich zwei weitere Faktoren von Interesse: zum einen ist es wichtig, dass bestehende Wettbewerbsvorteile von einem Unternehmen über längere Zeit aufrechterhalten werden können, und zum anderen ist für die zukünftige
24Vgl. Wagner 1998, S.22-24.
25Vgl. Ghingold/Johnson 1997, S. 276-277.
26Vgl. Ghingold/Johnson 1997, S. 271-273.
27Vgl. Ortwein/Spalleck 1998, S.105.
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Entwicklung des Erfolgs eine entsprechende Fle xibilität des Unternehmens relevant. Auch auf diese beiden Faktoren übt die bestehende Wissensbasis einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. Da nämlich der Aufbau einer spezifischen Wissensbasis i. d. R. an langfristige und kostspielige Prozesse gekoppelt ist, ist die Einholung eines Wissensvorsprungs durch konkurrierende Unternehmen kaum kurzfristig möglich, so dass i. d. R. eine gewisse Nachhaltigkeit einer wissensbasierten Erfolgsposition gegeben ist. 28 Dieser Effekt kann durch das Setzen von Standards sowie durch eine konsequente Nutzung von Erfahrungskurveneffekten weiter abgesichert werden. Für Unternehmen ist es daher besonders in ihren Kerngeschäftsfeldern wichtig, über eine gut ausgebaute Wissensbasis zu verfügen, die sie gegenüber der Konkurrenz auszeichnet. Die beherrschten Wissensgebiete bilden außerdem die Grundlage für neue Entwicklungen. Die Flexibilität eines Unternehmens wird in diesem Zusammenhang in starkem Maße durch das vorhandene Wissen und die dadurch gegebenen Handlungsmöglichkeite n sowie durch die Lernfähigkeit, also die Fähigkeit der Anpassung der eigenen Wissensressourcen an neue Anforderungen und veränderte Rahmenbedingungen, bestimmt.
Die Bedeutung der Wissensressourcen für den Unternehmenserfolg findet zunehmend Beachtung, und die Fähigkeit wissensintensiver Unternehmen, am Markt signifikante Erträge zu erwirtschaften, wird allgemein als hoch eingeschätzt. Diese Einschätzung spiegelt sich u. a. in den Börsennotierungen der Unternehmen wider. So ist festzustellen, dass der Wert der Börsenkapitalisierung wissensintensiver Unternehmen häufig höher ist als der von kapitalintensiven Unternehmen, selbst wenn dem keine entsprechenden Bilanzgewinne gegenüberstehen.
28Vgl. Dierickx/Cool 1989, S.1507-1509.
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2.4.1.1 Die Wissensträger
Da Wissen selbst immateriell ist, ist es an Wissensträger gebunden und wird nur durch diese erfahrbar. Unter den Begriff Wissensträger werden diejenigen körperlichen Elemente subsumiert, in denen sich Wissen manifestieren kann. 29 Damit gehören zu den Wissensträgern in einem Unternehmen die Mitarbeiter (als Individuen und als Gruppen) ebenso wie beispielsweise Bücher, Computer und Fertigungsmaschinen.
Personelle Wissensträger treten in einer Organisation als eigene Mitarbeiter, Mitarbeiter von Fremdfirmen oder Selbständige auf. Die konkrete Ausprägung des Wissens einer Person lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Dazu gehören die Ausbildung, die bisherigen Erfahrungen sowie der jeweilige Aufgabenbereich im Unternehmen, der sowohl durch die fachlichen Anforderungen als auch durch die Position innerhalb der Hierarchie charakterisiert wird. Die Gesamtheit dieser Faktoren bildet den spezifischen Hintergrund der Person, der sich etwa bei Ingenieuren, Verwaltungskräften und Managern deutlich unterscheidet. 30
Ferner spielen wissensrelevante Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstsicherheit, Extraversion, Initiative, Willenskraft und Kreativität eine bedeutende Rolle. Und darüber hinaus beeinflusst auch eine affektive, motivationale Komponente den Umgang der personellen Wissensträger mit Wissen. 31 In personellen Wissensträgern ist potentiell die gesamte Spannweite des Wissens verkörpert und i.a. sind auch nur sie zu einer eigenständigen Erzeugung neuen Wissens, im Gegensatz zu materiellen Wissensträgern, in der Lage.
29In Anlehnung an Ewald 1989, S.40.
30Vgl. Schein 1996, S 13-16.
31Vgl. Asenkerschbaumer 1987 S.66 ff.
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Bei materiellen Wissensträgern steht überwiegend die Speicherungsfunktion im Vordergrund. Dementsprechend hängt die Qualität des in den materiellen Wissensträgern gespeicherten Wissens letztlich weniger von der Art des Trägers als von der jeweiligen Quelle des Wissens ab. Materielle Wissensträger können wie folgt unterschieden werden 32 : •Druckbasierte Wissensträger (Bücher, Fachzeitschriften, Notizzettel, etc.) •Audiovisuelle Wissensträger (Tonbänder, Fotos, Videobänder, etc.) •Computerbasierte Wissensträger (Festplatten, Disketten, CD-ROMs, etc.) •Produktbasierte Wissensträger (Erzeugnisse, Einsatzmittel, Fertigungsanlagen, etc.)
Druckbasierte Wissensträger können explizites kenntnisgebundenes Wissen aufnehmen, das in die Form von Text und/oder Bild umgesetzt wurde. Wissensinhalte, die in audiovisuellen Wissensträgern gespeichert werden sollen, müssen unmittelbar in akustischer und/oder optischer Form vorliegen und von den entsprechenden Aufnahmegeräten erfassbar sein. Audiovisuelle Wissensträger sind somit zum einen zur Speicherung von Kenntnissen expliziter Art geeignet. Zum anderen können sie durch die Aufnahme und anschließende Analyse von Vorgängen auch die Gewinnung von neuem sowie die Explizierung von implizitem Wissen bewirken. Zur Speicherung in computerbasierten Wissensträgern müssen die Wissensinhalte in digitaler, computerlesbarer Form vorliegen. Schließlich zählen auch die im Unternehmen vorhandenen Produkte zu den Trägern von Wissen. In den produktbasierten Trägern ist unterschiedliches Wissen zu finden. So enthalten sie in der Regel Wissen über ihre Existenz, ihre Herkunft und ihre Qualität. 33 Produkte geben Hinweise auf das bei der
32In Anlehnung an Berndt 1995, S.285,392-394.
33Vgl. Ellinger 1966, S. 263-265.
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