Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. „Entwicklung“- Ein kontrovers diskutierter Begriff 3
3. Begründungen für die Anwendung der Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit4
3.1 Argumente für ein Engagement in der EZ 4
3.1.1 Interkulturelle Kommunikation 4
3.1.2 Ethische Argumente 5
3.1.3 Berechtigung der Ethnologie als gegenwartsrelevante Wissenschaft. 6
3.2 Argumente gegen eine Anwendung der Ethnologie in der EZ. 7
4. Tätigkeiten für Ethnologen in der EZ 8
4.1 Ethnologen als Gutachter. 8
4.2 Kulturvermittler 8
4.3 Experten. 8
4.4 Interessenvertretung benachteiligter Gruppen. 9
5. Die Beziehung von Fulbe- Viehhaltern im Liptako zur Entwicklungszusammenarbeit. 11
5.1 Entwicklungsinterventionen im Liptako. 11
5.1.1 Staatliche Entwicklungsdienste 11
5.1.2 Projekte externer Entwicklungshilfeorganisationen 12
5.1.3 Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) 13
5.3 Beispiel eines gescheiterten Projekts- Die JALDA in Yakouta. 14
6. Fazit 16
Bibliografie 19
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1. Einleitung
In den USA und Großbritannien ist die „Development Anthropology“ schon lange etabliert, in Deutschland dagegen ist eine solche Entwicklung bis jetzt größtenteils ausgeblieben. So behauptet zum Beispiel Gerd Spittler (1994:3): „Die Ethnologie dagegen, die sich mit den Völkern beschäftigt, die auf der Skala modern-traditional am traditionalsten sind, die die primitivste technische Ausstattung und das niedrigste Sozialprodukt haben, ist an Fragen der Entwicklung wenig interessiert. Das war von Anfang an so.“ Nichtsdestotrotz verlangen immer mehr Wissenschaftler, dass sich die Ethnologie für entwicklungspolitischrelevante Fragen öffnen solle. Ob dies sinnvoll ist, welche Tätigkeitsfelder das für Ethnologen bietet und was das für die Entwicklungspolitik bedeuten könnte, soll in dieser Arbeit erörtert werden. Im ersten Teil dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen geklärt und diskutiert. Es werden verschiedene Definitionen von Entwicklung vorgestellt und die Gründe diskutiert, aus denen sich die Ethnologie in der Entwicklungspolitik engagieren könnte, genauso wie diejenigen Argumente die dagegen sprechen. Es wird sich hierbei auf die deutschsprachige Ethnologie beschränkt. Danach werden verschiedene mögliche Aufgaben für Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit kritisch beleuchtet. Im zweiten Teil der Arbeit wird das Potenzial der Ethnologie für die Anwendung in der Entwicklungspolitik anhand eines Beispieles analysiert.
2. „Entwicklung“- Ein kontrovers diskutierter Begriff
Es existieren ganz unterschiedliche Auffassungen von Entwicklung An dieser Stelle sollen exemplarisch einige Definitionen genannt werden. Allerdings kann keine dieser Erklärungen als universell gelten, sondern dient nur der groben Systematisierung. Es wird bewusst auf eine Darstellung des Wandels von diesem Begriff im historischen Verlaufs verzichtet, sondern nur einige aktuellere Definitionen, aus zwei für diese Arbeit wichtigen Bereichen, gegeben: Der Entwicklungspolitik und der Entwicklungsethnologie. In der Entwicklungspolitik wird der Begriff folgendermaßen beschrieben: „Entwicklung ist all das, was zur Überwindung von Armut und der Strukturprobleme von Unterentwicklung beiträgt.“ (Nuscheler 2004: 225). Dies ist laut Nuscheler allerdings nur eine Umschreibung des Begriffsinhalts. Eine andere, dafür knappere Definition könnte lauten: „Entwicklung heißt wirtschaftlicher und sozialer
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Fortschritt.“ (Nuscheler 2004: 225). Auffällig bei diesen Definitionen ist, dass sie sich vor allem auf ökonomischen Ansatz stützen, sie sind sehr wachstumsorientiert. Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungsethnologie (AGEE) dagegen definiert Entwicklung in ihren ethischen Leitlinien wie folgt: „Wir definieren Entwicklung als die Verbesserung der Situation von Menschen gemäß ihrer eigenen Kriterien und Ziele vor dem Hintergrund einer gemeinsamen globalen Verantwortung. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit stellt dabei für uns eine logische Konsequenz aus diesem Entwicklungsbegriff dar.“ (Bliss (Hrsg.) 2002: 170). Wenn man diese Definition nun im Vergleich mit den beiden zuvor genannten betrachtet, ist es offensichtlich, dass sie wenig Gemeinsamkeiten haben. Zwar wird der soziokulturellen Dimension von Entwicklung theoretisch immer mehr Bedeutung zugemessen, aber trotzdem ist das Paradigma der Entwicklungspolitik weiterhin von der ökonomischen Wachstumsmaxime dominiert (Kremling 2004: 14). Die Ethnologie könnte das Potenzial haben der soziokulturellen Dimension gerecht zu werden, aber möglicherweise erschweren die unterschiedlichen Auffassungen von Entwicklung ein Engagement der Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) erheblich.
3. Begründungen für die Anwendung der Ethnologie in der
Entwicklungszusammenarbeit
3.1 Argumente für ein Engagement in der EZ
3.1.1 Interkulturelle Kommunikation
Die EZ ist eine Arena der interkulturellen Begegnungen und Beziehungen. Fremde Kulturen können meistens nicht vollständig mit den erkenntnistheoretischen Annahmen der eigenen Kultur verstanden werden, da die verschiedenen Kulturen eigene Sinn- und Wertsysteme entwickelt haben, die nicht unbedingt universell übertragbar sind (Prochnow 1996:16). In der EZ treffen nun diese unterschiedlichen Kultursysteme aufeinander. Durch mangelnde interkulturelle Kompetenzen kann es zu Kommunikationsproblemen und Missverständnissen kommen (Prochnow 1996:16). Die Ethnologie dagegen beschäftigt sich ausschließlich mit fremden Kulturen, dass heißt sie bewegt sich immer innerhalb eines interkulturellen Feldes. Sie besitzt ein fundiertes Wissen über einzelne Kulturen und Kultursysteme. Kulturen sind nie vollständig isoliert, sondern auch mit den Industriegesellschaften verknüpft- gerade in Zeiten der Globalisierung. Der Ethnologe kennt beide Seiten (Spittler 1994:4). Aufgrund dessen ist diese Wissenschaft prädestiniert für die „Übersetzung des Fremden“. Sie kann der eigenen
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Kultur fremde Vorstellungen und Werte verständlich machen. Dadurch können mögliche Konflikte vermieden werden und sie leistet einen Beitrag zum besseren Umgang mit fremden Völkern. Andererseits kann sie auch als Kritiker fungieren, indem sie auf mögliche negative Folgen entwicklungspolitischen Eingreifens aufmerksam macht (Prochnow 1996:16). Die Ethnologie wird im jetzigen Zeitalter der Globalisierung gelegentlich auch als „internationale Soziologie“ definiert. Sie kreiert die Basis für friedliches Zusammenleben. Um allerdings diesen positiven Effekt ausüben zu können, muss sie angewendet werden, und sollte sich nicht allein auf die reine Wissensproduktion beschränken (Poeschke 1991:41). Die existierenden Entwicklungsparadigma, zum Einen das Wachstumsparadigma der Ökonomen, zum Anderen das Modernisierungsparadigma der Soziologen, weisen Mängel auf und werden in Frage gestellt. Hier könnte die Ethnologie echte Alternativen durch die Berücksichtigung soziokultureller Faktoren anbieten (Spittler 1994:4).
3.1.2 Ethische Argumente
Es wird oft konstatiert, dass die Ethnologie eine historische Verpflichtung gegenüber den Ländern der dritten Welt habe, in der Entwicklungspolitik tätig zu werden. Während der Kolonialzeit haben sich die Machthaber oft ethnologischen Forschungsergebnissen bedient, um ihr Herrschaftssystem noch effizienter zu gestalten. Im Gegenzug dafür standen die deutschen Wissenschaftler unter dem Schutz der französischen oder britischen Kolonialregierung und konnten so ihre Feldforschung durchführen (Prochnow 1996:18). Aus diesem Verhalten in der Vergangenheit resultiert die Forderung nach Wiedergutmachung gemachter Fehler. Diese könne am ehesten durch ein Engagement der Ethnologie in der EZ erfolgen (Prochnow 1996:18). Dagegen behauptet Spittler (1994:3): „Gewiß mögen sich einzelne Ethnologen den jeweiligen Kolonialherren angedient haben, aber die Ethnologie erlangte weder für die deutsche, noch die französische, noch die englische Kolonialherrschaft eine große Bedeutung. Die Fragestellungen und Forschungsergebnisse der Ethnologie waren nur sehr begrenzt für die Kolonialverwaltung verwertbar“. Demnach kommt laut Spittler der „historischen Verpflichtung“ nur ein geringer Legitimitätsanspruch zu. Anders liegt der Fall allerdings beim Verursacherprinzip, welchem eine der „historischen Verpflichtung“ ähnliche Argumentation zugrunde liegt: Da die Krise der Entwicklungsländer durch andere Länder mitverursacht wurde, ist es nur legitim, wenn diese versuchen den betreffenden Ländern zu helfen diese Krise zu überwinden (Prochnow 1996:18). Gerade die Ethnologie hat in diesem Zusammenhang auch einen humanitären Auftrag. Sie darf nicht vergessen, dass die Menschen, denen diese Wissenschaft ihre Erkenntnisse
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verdankt, zumeist in Entwicklungsländern ansässig sind (Prochnow 1996:18). Neben den ethischen Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern, hat die Ethnologie aber genauso Aufgaben gegenüber der eigenen Gesellschaft. Eine der Hauptaufgaben der Ethnologie sollte es sein, an der herrschenden Auffassung von Entwicklungszusammenarbeit, die sich zumeist auf technische und finanzielle Unterstützung beschränkt, konstruktive Kritik zu üben. Gerade weil „die Aufgaben, die sich für die Ethnologie auf diesem Feld ergeben, nicht nur Gegenwart und Zukunft der fremden, sondern ebenso der eigenen Gesellschaft berühren“(Prochnow 1996:19).
Eine andere zentrale Aufgabe der Ethnologie sollte die Aufklärung der Öffentlichkeit sein. Um das interkulturelle Verständnis zu fördern, müssen ethnische, religiöse, rassische u. ä. Vorurteile in der Bevölkerung bekämpft werden (Prochnow 1996: 19).
3.1.3 Berechtigung der Ethnologie als gegenwartsrelevante Wissenschaft
Die Ethnologie beschäftigt sich traditionell mit urproduktiven Gesellschaften. Diese sind allerdings im Verschwinden begriffen. Deswegen ist es existenziell für die Disziplin sich eher anwendungsbezogenen Aufgaben, wie zum Beispiel der Entwicklungszusammenarbeit, zuzuwenden. Die Ethnologie heutzutage versteht sich selbst nicht mehr als eine Wissenschaft die bloßes Wissen über fremde Kulturen sammelt, sondern versucht ebenfalls eine anwendungs- und praxisbezogene Wissenschaft zu sein (Prochnow 1996:15). Auch die Erwartungshaltung der Studenten tendiert dahin, dass entwicklungspolitisch relevante Fragestellungen in Forschung und Lehre einbezogen werden (Prochnow 1996:20). Dieses Argument ist weniger altruistisch als die vorhergehenden, aber nichtsdestotrotz wichtig. Ein weiteres Argument ist, dass die Ethnologie sich praktischen Feldern, wie der EZ, zuwenden solle, um präventiv Missbrauch zu vermeiden. Die Wissenschaftler sollten ihre Forschungsergebnisse selber in der Praxis verwenden, da sie so Einfluss auf die Verwertung hätten. Andernfalls könnten Außenstehende die Ergebnisse zu ihren eigenen Zielen und Zwecken einsetzen, so dass Missbrauch möglich ist (Poescke 1991:8). Andere Wissenschaftler behaupten zudem, dass sich das Fach in einer Krise befände. Sie befürworten eine Reform der bestehenden Ethnologie. „Die neue Kulturanthropologie erscheint mir die wichtigste aller Wissenschaften zu sein, da sie sich mit dem Menschen aller Zeiten befaßt. Sie hält dem heutigen Menschen einen Spiegel vors Gesicht und zwingt ihn, sich kennenzulernen...Sie muß am Menschen arbeiten, weil er derjenige ist, der die Welt zerstört“ (Schlesier 1980:34 in: Poeschke 1991:7). Es wird also gefordert, dass die Ethnologie als Wissenschaft Verantwortung zu übernehmen habe für das Weltgeschehen (vgl. dazu auch
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Arbeit zitieren:
Neele Siebers, 2008, Die Rolle der Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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