Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Basis: Moses HESS
1.1. Gattung und Entfremdung
1.2. Geld
2. Zwischenfazit HESS
3. MARX
3.1. Wieder Geld
4. Fazit
5. Verwendete Literatur
Einleitung
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Gedanken über die Gesellschaft von Moses HESS 1 und seines berühmten Zeitgenossen Karl MARX, in dessen Werken sich einige Parallelen zu Ideen von Moses HESS finden, auseinander. Die Freundschaft, die MARX und HESS verband, unterlag den Spannungen ihrer jeweiligen persönlichen Entwicklung. Später grenzten sich MARX und ENGELS gegen die philosophische Clique, die als „wahre Sozialisten“ bekannt war und zu denen HESS gehörte, ab, weil sie ihnen zu idealistisch und schwärmerisch waren. Die Welt muss besser eingerichtet werden; darin sind sich MARX und HESS einig. Dass es die Ausbeutung der Menschen durch Menschen ist, auf der die kapitalistische Gesellschaft fußt und die den Pauperismus, die vorindustrielle Massenarmut hervorbringt, sehen sowohl HESS als auch MARX. Der Aufstand der Schlesischen Weber 1844 machte deutlich, dass die Industrialisierung und die damit verbundene Veränderung des sozialen Gefüges ein ernstzunehmendes Problem dieser Zeit war. Doch während MARX als einzige Möglichkeit, diesen Zustand zu überwinden die Auseinandersetzung der Klassen miteinander sehen, sucht HESS die Welt durch Erziehung und Bildung dem Kommunismus entgegenzuführen. HESS gilt als ein Vertreter der Junghegelianer 2 , welche an die Vernunft glaubten und es als ihre Aufgabe ansahen, die von Hegel erwähnte neue Epoche hervorzubringen 3 . Die Verarmung der Massen machte HESS zu einem entschiedenen Befürworter sozialer Gleichheit und gerechter gesellschaftlicher Verhältnisse, wird ansonsten von ihm aber als moralisch-philosophisches Problem behandelt. Seine Auseinandersetzung mit dem Geld, auf welche er sein Hauptaugenmerk legt, ist geprägt von den moralischen Kategorien Egoismus, Liebe, Glück und Gott. Die direkte Übertragung der Ideen FEUERBACHs von der Religion als ideellem Gegenstand auf die Gesellschaft als realem Phänomen, war durch ihre Polemik von Wirkung auf MARX, der in dem Artikel "Zur Judenfrage" 4 den Aufsatz von HESS "Über das Geldwesen" 5 , der einige Zeit zuvor entstanden war, weitestgehend wiedergibt. MARX greift in seiner Analyse der ökonomischen Determination des Kapitalismus Gedankengänge von HESS auf. Untersucht werden soll, welche Begriffe von
1 Hess, Moses: (1812 Bonn - 1875 Paris), 1837 `Die Heilige Geschichte der Menschheit´, 1842 Korrespondent der `Rheinischen Zeitung´ in Paris, Kontakt mit Karl Marx und Friedrich Engels, 1845/46 Herausgeber des `Gesellschaftsspiegel´, 1848 Emigration in die Schweiz, Belgien, Holland und Frankreich, 1862 `Rom und Jerusalem´, 1863 Eintritt in den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein; dtv-Lexikon Bd. 8, München 1972, S. 288.
2 McLellan, D.: Die Jungehegelianer und Karl Marx, München 1974, S. 16.
3 ebenda, S. 17.
4 Marx, K.: Zur Judenfrage, in: Marx, K./Ruge, A.: Deutsch-Französische Jahrbücher 1844, Leipzig 1973.
5 Hess, M.: Über das Geldwesen, in: Cornu, A./Mönke, W. (Hg.): Moses Hess - Philosophische und sozialistische Schriften 1837 - 1850, Berlin 1961.
Moses HESS in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft benutzt und verstanden werden, und wie sie durch MARX Verwendung finden.
1. Die Basis: Moses HESS
Um mich mit den Gedankengängen von HESS in bezug auf Geld auseinander zu setzten, gehe ich auf die wesentlichen, von ihm verwendeten Kategorien wie Gattung und Entfremdung ein, die sich in verschiedenen Arbeiten von ihm finden. Daran schließt sich eine Auseinandersetzung mit MARX an, in der Parallelen zu den Gedanken von HESS erscheinen.
1.1. Gattung und Entfremdung
Zuerst werde ich den Begriff "Gattung", so wie er bei HESS Verwendung findet, analysieren. Moses HESS beschreibt in seiner Arbeit "Über das Geldwesen" die Beziehungen der Menschen zueinander als ein Verhältnis von "Kannibale[n], Raubtiere[n], Blutsauger[n]." 6 Die menschliche Gesellschaft stellt eine "verkehrte Welt" 7 dar, in welcher "Gott und Geld die Welt regieren" 8 . Grundlage für diese Betrachtung HESS' ist die Vorstellung vom Menschen als Gattungswesen. Diese Betrachtung übernahm er von FEUERBACH, der sie in dem Werk "Über das Wesen des Christentums", das 1841 erschien, ausarbeitete. Die ursprüngliche Idee, den Menschen als Gattungswesen zu begreifen, stammt von D.F. STRAUSS, bei dem der Gedanke wie folgt entwickelt: die Schöpfung Gottes ist von einer unendlichen Fülle, die sich aber nicht in einem einzigen Exemplar einer Art widerspiegelt; erst aus der Menge der einzigartigen Einzelexemplare zusammen ergibt sich die Gattung. 9 STRAUSS beschreibt die Beziehung von Gott zu den Menschen ausgehend von Gott: Gott erschuf die Menschen, sie sind seine Produkte. FEUERBACH dreht diesen Gedanken um, behauptet, dass Gott ein Produkt der Menschen sei. Die Grundannahme ist dabei, dass sich das Wesen der Menschen im Gegenstand ihres Umganges offenbart: "An dem Gegenstande wird sich der Mensch seiner selbst bewusst: das Bewusstsein des Gegenstandes ist das Selbstbewusstsein des Menschen. […] Der Mensch verlegt sein Wesen zuerst außer sich, ehe er es in sich findet. Das eigne Wesen ist ihm zuerst als ein anderes Wesen
6 Ebenda. S. 335.
7 Ebenda.
8 Hess, M.: Über die Not in unserer Gesellschaft und deren Abhülfe, a.a.O., S. 324.
9 McLellan, D.: Die Junghegelianer und Karl Marx, München 1974, S. 108.
Arbeit zitieren:
Vera Dost, 2003, Moses Hess und Karl Marx, München, GRIN Verlag GmbH
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