1 Einleitung
„Tsunami“ - eine Naturkatastrophe mit Auswirkungen auf Land, Stadt, Bevölkerung, Tourismus und Politik. Das gewaltige Naturphänomen versetzte am 26. Dezember 2004 eine ganze Bevölkerung in Angst und Schrecken, als es die Küstenregionen am Indischen Ozean erreichte und eine Katastrophe mit schwerwiegenden Folgen verursachte. Dieses Ereignis bewegte nicht nur den asiatischen Raum; die ganze Welt berichtete von dem durch Seebeben ausgelösten Tsunami.
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich zunächst mit den allgemeinen geophysikalischen Ursachen, den Auswirkungen und den gefährdeten Gebieten auseinandersetzen. Ich stelle die geophysikalischen Prozesse bei einem Erdbeben hierbei in den Fokus meiner Hausarbeit, um die sich ausbreitenden Wellenbewegungen eines Tsunamis zu verstehen. Ebenfalls möchte ich mich näher mit dem interessanten Themenbereich auseinandersetzen, welche geographischen Gebiete besonders von einer Tsunamikatastrophe gefährdet sind.
Dass die Naturgewalten über solch eine Macht und Gewalt verfügen, ist einerseits erschreckend, andererseits jedoch weckt es Interesse, respektvolle Ehrfurcht und „Faszination“ - sofern dies in einer Naturkatastrophe zutreffen kann - für die Naturgewalten dieser Erde. Dass Erdbeben bzw. Seebeben Tsunamis auslösen, ganze Dörfer und Tausende von Menschenleben vernichten, sogar Inselgebiete überfluten und überschwemmen können, hat folglich Auswirkungen in vielen Dimensionen und es ist eine große Aufgabe, signifikante Ursachen, Faktoren und Zusammenwirkungen zu begreifen und aufzuarbeiten. Inzwischen ist das Naturphänomen Gegenstand intensiver internationaler Forschung geworden. Ziel der Forscher weltweit ist es, Tsunamis zu ergründen und Ursache sowie Wirkung zu analysieren, um somit zukünftige Zerstörungen wenn möglich gering zu halten, Warnungen zu formulieren und Menschenleben zu schützen.
Um einen Theorie-Praxis-Bezug herzustellen, möchte ich mich nach der Auseinandersetzung mit den allgemeinen Ursachen und Auswirkungen spezifisch mit dem Unglück in Thailand am 26. Dezember 2004 auseinandersetzen. Das danach entwickelte Warnsystem gilt es ebenfalls zu erläutern, um die Fortschritte und Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor weiteren Naturereignissen zu verdeutlichen.
Ich habe mir dieses Thema aufgrund meines großen Interesses an geophysikalischen Prozessen der Erde ausgewählt und verknüpfe es gleichzeitig mit dem Ziel, die Ursachen und das „Warum?“ zu begreifen. Sehr fasziniert, wenn auch gleichzeitig schockiert, bin ich von der Macht unserer Natur, die es nun gilt ein Stück weit zu ergründen.
2
2 Allgemeines zu der Naturkatastrophe „Tsunami“
2.1 Der Tsunami
Tsunamis gelten als die gefährlichsten Naturkatastrophen mit dem höchsten Zerstörungspotenzial. Sie treten primär in Verbindung mit Seebeben auf, welche „durch Bewegungen an den Subduktionszonen ausgelöst werden“ 1 . Es handelt sich bei diesem Naturphänomen um Wellenbewegungen (auch „seismische Seewogen“) des Ozeans, welche durch Senkung und Hebung des Meeresbodens bei Erdbeben, Vulkaneruptionen, untermeerischen Rutschungen (diese gibt es an fast allen Kontinentalabhängen) oder aufgrund von Abbrüchen von Vulkanflanken entstehen. Der Tsunami besteht aus mehreren Wellen, welche kreisförmig und intervallartig auf die Küstengebiete treffen. Durch Erdbeben am Meeresboden, bei dem sich vertikale Bodenbewegungen ausbreiten, werden am häufigsten Tsunamis ausgelöst. 2
Das Naturereignis verursacht schwerwiegende Zerstörungen: Häuser und Unterkünfte, Wälder, Inseln, Landstriche und ganze Küstenregionen werden überflutet und zerstört, während Tausende von Menschen in die Fluten gerissen und getötet werden und dabei nicht nur ihre Familienangehörigen und Freunde sondern auch ihre Häuser mitsamt ihrem Hab und Gut verlieren. Die Auswirkungen sind folglich für Mensch und Natur äußerst verheerend.
Tsunamis treten am Häufigsten im Indischen und Pazifischen Ozean auf. Es handelt sich hierbei um die geologischen Gefahrenzonen. Dies zeigte auch die Tsunamikatastrophe am 24. Dezember 2004 in Sumatra, Indonesien. Die Gründe dieser Phänomene werden im weiteren Verlauf der vorliegenden Hausarbeit näher beschrieben.
2.2 Etymologie
Was verbirgt sich hinter dem Wort „Tsunami“? Der Begriff bedeutet aus dem Japanischen übersetzt „Hafenwelle“: „tsu“= Hafen, „nami“= Welle. 3
Er wurde von japanischen Fischern geprägt, als diese mit der „besonders gefährlichen Art von Wellenbildung im Meer“ 4 erstmals konfrontiert wurden: Zwar beobachteten sie beim Fischen auf offener See oftmals nur sehr geringe Wellenbewegungen, doch als sie eines Tages am Abend in den Hafen zurück kehrten, registrierten sie mit Entsetzen, dass eine
1 Grotzinger, J.; Jordan, T.H.; Press, F.; Siever, R. (2008): Allgemeine Geologie. Heidelberg. S. 350
2 Vgl. Dikau, Richard; Weichselgartner, Juergen(2005): Der unruhige Planet. Der Mensch und seine Naturgewalten. Darmstadt; S. 75
3 Vgl. http://www.geolinde.musin.de/aktuell/erdbeben/tsunami1.htm Stand: 23.03.2009 um 13:05 Uhr
4 Vgl. http://www.agenda21-treffpunkt.de/lexikon/tsunami.htm Stand: 19.02.09 um 17:33 Uhr 3
riesige Welle den Hafen zerstört und verwüstet hatte. Die überlebenden Opfer „berichteten über haushohe Wellen, die mit großer Wucht alles in ihrer Bahn zerstörten“ 5 .
Der japanische Name hat sich auch unter den Wissenschaftlern etabliert. Die frühesten Entdeckungen und Auffälligkeiten eines Tsunami wurden im nördlichen Teil der Ägäis verzeichnet und stammen aus dem Jahre 479 vor Christus. 6
2.3 Historische Gliederung der schwerwiegendsten Tsunamis weltweit
Um einen Überblick über die zahlreichen sich ereigneten Tsunami zu verschaffen, soll die folgende Auflistung dienen. Es geht hierbei um die schwerwiegendsten Tsunamis weltweit, welche etliche menschliche Opfer forderten, Ausnahmezustände ausriefen, Küsten und ganze Städte zerstörten und durch seine Naturgewalt vor nichts Halt machten:
26. Dezember 2004: Indischer Ozean vor der Insel Sumatra: Seebeben mit einer Stärke von 9,3 auf der Richterskala kostete 280.000 Menschen das Leben und wurde zu einer der bisher schlimmsten Tsunami-Katastrophen dieser Geschichte. Auch Gebiete in Ost- und Südostafrika waren betroffen, obgleich diese Tausende von Kilometern entfernt waren.
17. Juli 2000: Vor der indonesischen Insel Java löste ein Seebeben der Stärke 7,7 einen Tsunami aus und forderte 700 menschliche Opfer. Trotz vorhandener Informationen über die drohende Katastrophe wurde von den Behörden keine Warnung ausgesprochen.
17. August 1999: Ein Erdbeben im Nordwesten der Türkei in der Meeresbucht von Marmara verursachte einen verheerenden Tsunami. Etwa 17.000 Menschen verloren ihr Leben, Tausende wurden verletzt.
17. Juli 1998: Tsunami an der Nordküste von Papua-Neuguinea forderte 2.000 Tote.
12. Dezember 1992: Eine 26 Meter hohe Welle überschwemmte die Flores-Inseln; Tausende von Verletzten, jedoch keine Tote.
16. August 1976: Ein Tsunami an den Küstenregionen der Philippinen forderte 5.000 menschliche Opfer.
28. März 1964: Durch einen Tsunami in Alaska und an der gesamten Westküste Alaskas' und der USA entstand ein Sachschaden von 100 Millionen Dollar, während die Katastrophe 122 menschliche Opfer forderte.
5 Ebd.
6 Vgl. Niedek, Inge; Frater, Harald (Hrsg.) 2003: Naturkatastrophen 4
22. Mai 1960: Hawaii: Durch das erste Warnsystem konnte eine ganze Region frühzeitig evakuiert werden; 61 Menschen starben. Das Epizentrum befand sich in Chile. Als die 11 Meter hohe Welle auf die Küsten Chiles traf, fanden 1000 Menschen den Tod.
28. Dezember 1908: Messina in Italien; Mehr als 75.000 Tote.
27. August 1883: Insel Krakatau, Indonesien: Ein Vulkanausbruch zerstörte und versenkte knapp zwei Drittel der Insel. Dadurch wurde eine 35 Meter hohe Welle ausgelöst, welche 36.000 Menschen das Leben kostete. Durch den Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter machte sich an der Küste Großbritanniens ebenfalls der Tsunami bemerkbar. Die Luftdruckwelle, welche durch die gewaltigen Explosionen entstand, umrundete siebenmal die Erde.
1. November 1755: Lissabon, Portugal: Durch ein Erdbeben entstand ein Feuer, das zwei Drittel der Stadt vernichtete. Als die Menschen an der Küste nach Schutz suchten, wurden sie von haushohen Flutwellen erfasst; 60.000 Menschen kamen durch diese Naturkatstrophe ums Leben. 7
3 Ursachen und Auswirkungen
3.1 Allgemeine Ursachen
Geologen und Wissenschaftler beschäftigen sich seit je her mit spezifisch signifikanten geologischen Prozessen, durch die Tsunamikatastrophen hervorgerufen werden. Diese entstehen durch
Senkung und Hebung des Meeresbodens bei Erdbeben
Vulkaneruptionen
submarine Rutschungen
Abbrüchen von Vulkanflanken
große Wassermassen, die aus ihrem Gleichgewicht gebracht werden und dadurch Störungen in den Meeren verursachen
massive unterseeische Explosionen, die Energie freizusetzen, um Wassersäulen nach oben zu katapultieren.
Primär werden Tsunamis durch die Entstehung von Erdbeben verursacht, doch auch Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge ins Meer bergen große Gefahren. Wie bereits erwähnt hängt der Grad der Zerstörung von der Nähe des Epizentrums (zu griech.
7 Vgl. http://www.tsunami-alarm-system.com/phaenomen-tsunami/phaenomen-tsunami-vorkommen.html#ce_354 Stand:08.03.09 um 13:30 Uhr 5
epíkentros = über dem Mittelpunkt; (Geol.): über dem Erdbebenherd liegendes 8 ) ab; Küsten nahe des Epizentrums werden von schwerwiegenderen Auswirkungen durch die Zerstörungskräfte eines Tsunami heimgesucht. Deutlich wird, dass sich die Kräfte erst entfalten, wenn sie auf die umliegenden Küsten des Epizentrums treffen. Der Pazifische und der Indische Ozean gelten als geologische Gefahrenzonen und stehen deshalb im Fokus wissenschaftlicher Erforschungen. Auf diese Beobachtung wird in Punkt 3.1.2 „Geologische Gefahrenzonen“ näher eingegangen. Entlang des Pazifischen Feuerrings (auch:
zirkumpazifischer Feuerring; Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umgibt) bewegen sich die Platten der Erdkruste aufeinander zu und werden dadurch zum Teil in die Tiefe gedrückt. Durch diesen Prozess werden Spannungen im Gestein ausgelöst und es kommt zur Entfaltung von Erdbeben. 9
Abb. 1: Durch Seebeben ausgelöste Flutwellen 10
8 http://www.duden.de/definition/epizentrum Stand: 23.03.09 um 13:14 Uhr
9 Vgl. Niedek, Inge; Frater, Harald (Hrsg.) (2003): Naturkatastrophen S. 19
10 Vgl. http://www.wdr.de/themen/panorama/katastrophe/seebeben_suedostasien/infobox/ html.php?block=1&artnr=3&blockoff=1 Stand: 27.02.09 um 12:30 Uhr 6
Ereignen sich Seebeben (Beben unter dem Meer), werden die zügigen „Auf- und Abbewegungen des Meeresbodens und die gewaltigen darüber liegenden Wassermassen aus dem Gleichgewicht“ 11 gebracht. Wie in Abbildung 1 als Punkt 1 markiert, entstehen in dieser Zone durch ruckartige Bewegungen des Meeresbodens bei einem Erdbeben Wasserwellen, die sich als seismische Wellen oder Tsunamis ausbreiten. Nimmt die Geschwindigkeit der Wellenbewegungen ab, so haben wir es gleichermaßen mit niedriger werdender Wassertiefe zu tun: Nahe der Zone des Seebebens beträgt die Geschwindigkeit etwas 800 Kilometer pro Stunde, Wassertiefe 6000 Meter. Die Geschwindigkeit nimmt weiter ab: Von 800 km/h auf 500 km/h, 150 km/h bis sie mit einer Stärke von 50 km/h auf die Küste trifft. Neben dieser Geschwindigkeit hat die Tsunamiwelle eine Höhe von 20 Metern erreicht. Diese Zahl variiert je nach Seebebenstärke, beobachtbar ist jedoch, dass die Welle auf dem offenen Ozean nur wenige Zentimeter erreicht, während sie in flachen Küstengewässern eine Höhe von etlichen Metern erreichen kann. 12
3.1.1 Erdbeben und Seebeben
Erdbeben werden auch als Begleiterscheinungen der globalen Plattentektonik bezeichnet: Durch Plattenbewegungen (Tektonik), die in den schmalen Zonen entlang der Plattengrenzen entstehen, wirken Kräfte, welche in hohem Maße die Gesteine der kontinentalen Kruste beeinflussen. Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Erdbeben spielen die seismischen Wellen (griech. Seismos= Erschütterung), die sich radial vom Erdbebenherd weg ausbreiten und je nach Stärke entsprechende Schäden verursachen. 13
Angetrieben durch die Konvektionsprozesse im Erdmantel (Konvektion: lat. convehere = mitnehmen, mittragen), bei denen eine Wärmeleitung stattfindet, bewegen sich die mosaikartig angeordneten Kontinentalplatten der Erdkruste gegeneinander, aneinander vorbei oder übereinander. 14 Erdbeben sind somit Folgen innerer Wärme, die die Erde seit ihrer Entstehung vor 4,6 Milliarden Jahren nach außen abgibt. 15
Durch die Konvektionsprozesse steigt heißes Mantelmaterial - es handelt sich hierbei um Materialien der sich unter der Erdkruste befindenden, mächtigen Schale im Erdinnerenaus bis zu 2900 Kilometer Tiefe auf. Dadurch wird Wärme an die Erdoberfläche transportiert. Der kontinuierliche Wärmefluss, der nach außen abgegeben wird, wird vom
11 Vgl. Niedek, Inge; Frater, Harald (Hrsg.) (2003): Naturkatastrophen S. 19
12 Vgl. Grotzinger, J.; Jordan, T.H.; Press, F.; Siever, R. (2008): Allgemeine Geologie. Heidelberg. S. 351
13 Vgl. Ebd.
14 Vgl. Dikau, Richard; Weichselgartner, Juergen 2005: Der unruhige Planet. Der Mensch und seine Naturgewalten. Darmstadt; S. 62
15 Vgl. Vgl. Grotzinger, J.; Jordan, T.H.; Press, F.; Siever, R. (2008): Allgemeine Geologie. Heidelberg. S. 351 7
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Leonora Krätzig, 2009, Der Tsunami - Das Unglück 2004 am Indischen Ozean, München, GRIN Verlag GmbH
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