Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Ursachen des Third-Person Effects. 4
2.1 Unrealistic Optimism 4
2.2 Self-Enhancement 4
2.3 Impersonal Impact 5
3 Wechselwirkungen mit anderen Phänomenen. 6
3.1 Hostile Media Phenomenon 6
3.2 Schweigespirale 7
4 Auswirkungen des Third-Person Effekts 8
5 Ergebnisse. 9
5.1 Zusammenfassung 9
5.2 Kritik 9
2
1 Einleitung
Täglich erreichen tausende von Nachrichten die ganze Welt. Eine der aktuellsten Nachrichten dieser Zeit ist der Amoklauf in Winnenden, bei dem ein 17-jähriger Realschulabsolvent in seiner ehemaligen Schule und auf seiner anschließenden Flucht insgesamt 15 Menschen erschoss.
Bei der Suche nach Ursachen für die Tat stehen, wie schon oft in vergleichbaren Fällen zuvor, gewalthaltige Computerspiele im Vordergrund. Die Meinungen dazu, ob gewalthaltige Spiele einen negativen Einfluss auf die Nutzer haben können, sind geteilt. Der lauter werdenden Kritik stehen diejenigen, die ebenfalls die für verantwortlich erachteten gewalthaltigen Spiele konsumieren, gegenüber, mit dem Argument, sie selbst, ließen sich nicht so sehr von den Inhalten beeinflussen, wie dies möglicherweise im Falle des Amokläufers geschehen sei. Währenddessen sieht die Öffentlichkeit sowie die Politik die Situation sehr ernst und baut ihre Forderungen nach Verboten auf der als sehr hoch wahrgenommenen Beeinflussbarkeit der Durchschnittskonsumenten auf.
Beiden Auffassungen liegt ein kommunikationswissenschaftliches Phänomen zu Grunde, das unter dem Begriff „Third-Person Effect“ verstanden wird.
Dieses Phänomen besagt, dass Menschen dazu tendieren, den Einfluss, den Massenmedien auf die Meinung und das Verhalten anderer haben, zu überschätzen bzw. anzunehmen, dass diese Medien einen größeren Einfluss auf andere haben, als auf sie selbst 1 . Der Third-Person Effect so wie eine Vielzahl anderer Self-Other-Phänomene, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen die Meinungen, Gedanken, Gefühle und Handlungen anderer Menschen falsch einschätzen, lassen sich unter dem Begriff „Pluralistic Ignorance“ zusammenfassen. Laut Hubert J. O’Gorman (1986) lautet die Definition für „Pluralistic Ignorance“ dementsprechend: „Pluralistic Ignorance refers to erroneous cognitive beliefs shared by two or more indviduals about the ideas, feelings, and actions of others” (S. 333). Die folgende Arbeit wird sich auf das Phänomen “Third-Person Effect” konzentrieren, seine Ursachen und Wechselwirkungen mit anderen Phänomenen im Spektrum von „Pluralistic Ignorance“ erläutern und anschließend auf die Auswirkungen alldessen auf das soziale Denken und Verhalten eingehen. Zuletzt sollen die gefundenen Ergebnisse zusammengefasst und kritisch betrachtet werden, sodass die oben genannten Sichtweisen schließlich nachvollzogen und bewertet werden können.
1 Vgl. Davison, W.Phillips (1983). The Third-Person Effect in Communication. Public Opinion
Quaterly, 47, 3.
3
2 Ursachen des Third-Person Effects
Zunächst einmal ist es nötig den Third-Person Effect und seine grundlegenden Ursachen und Bestandteile genauer zu betrachten, um anschließend zu verstehen in wiefern er mit anderen Phänomenen interagieren kann. Hierfür wird sich die Arbeit auf die Studie von Brosius und Engel (1996) berufen 2 .
2.1 Unrealistic Optimism
Wie bereits erwähnt wird beim Third-Person Effect angenommen, dass andere Menschen sich stärker von Medieninhalten beeinflussen lassen, als man selbst. Das hier zu Grunde liegende psychologische Phänomen ist der so genannte „unrealistic optimism“, der dafür verantwortlich ist, dass Menschen im Bezug auf die eigenen Gedanken und Handlungen eine weitaus positivere Sicht haben, als im Bezug auf die Gedanken und Handlungen anderer Menschen. Anschaulich wird dies in der Studie von Suzanne C. Segerstrom et al. 3 , die die optimistische Verzerrung bei Rauchern aufzeigte. Die Ergebnisse bestätigten die zu Beginn formulierte Annahme, dass Raucher im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit, selbst an einer „Raucherkrankheit“ zu erkranken unterschätzten und trotz Bewusstsein über die Höhe der Erkrankungsgefahr glaubten, sie selbst seien unter den Rauchern am wenigsten gefährdet. Dieses psychologische Verhalten lässt sich nun auch auf die Beeinflussbarkeit durch Massenmedien übertragen. Beim Konsumieren negativer Medieninhalte schaltet sich automatisch der „unrealistic optimism“ ein und bewirkt die Annahme, dass der Konsum auf einen selbst, keinerlei negative Auswirkungen hat, man selbst also unter allen Rezipienten am wenigsten gefährdet ist sich negativ beeinflussen zu lassen. Anders formuliert heißt dies, dass man davon ausgeht, dass andere sich stärker von Medieninhalten beeinflussen lassen, als man selbst, was genau das wiedergibt, was der Third-Person Effect aussagt.
2.2 Self-Enhancement
Voraussetzung dafür, dass der „unrealistic optimism“ greifen und somit der Third-Person Effect auftreten kann, ist, dass die untersuchten Medieninhalte negative Konnotationen haben, wie dies beispielsweise bei Werbung, gewalthaltigen Medieninhalten, pornographischen Medieninhalten etc. der Fall ist 4 . Doch woran liegt es, dass Menschen nur sich selbst
2 Vgl. Brosius, Hans-Bernd & Engel, Dirk (1996). The Causes of Third-Person Effects: Unrealistic
Optimism, Impersonal Impact, or Generalized Negative Attitudes Towards Media Influence?. International
Journal of Public Opinion Research, 8, 142-162.
3 Vgl. Segerstrom, Suzanne C. et al. (1993). Optimistic bias among cigarette smokers. Journal of Applied
Social Psychology, 23, 1606- 1618.
4 Vgl. Rojas, Hernando /Shah, Dhavan V. /Faber, Ronald J. (1996). For the Good of Others:
Cencorship and the Third-Person Effect Journal of Communication, 45, 166.
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Arbeit zitieren:
Daniela Will, 2009, Der Third-Person Effect: Eine Facette von Pluralistic Ignorance, München, GRIN Verlag GmbH
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Self Versus Others: Media, Messages, and the Third-Person Effect
Julie L. Andsager, H. Allen White
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