n UMTS – Universal Mobile Telecommunications System – sah man
im Jahr 2000 vor Beginn der Lizenzvergaben in Europa eine viel versprechende
Schlüsseltechnologie für drahtlose, breitbandige Kommunikation
mit der Option auf große Gewinnpotentiale.
Dabei sahen die einzelnen Staatsregierungen auf Grund der hohen
Datenübertragungsraten enorme Chancen für eine moderne, mobile
Informationsgesellschaft. Sie wollten daher einen ausreichenden
Wettbewerb sicherstellen, um einerseits akzeptable Preise für diese
neue Technologie garantieren zu können und andererseits ein Maximum
an neuen Arbeitsplätzen zu schaffen. Ein weiterer, gern gesehener
Nebeneffekt war die Möglichkeit die stark verschuldeten
Staatskassen zu füllen, ohne die üblichen Proteste, welche bei Steuererhöhungen
drohen, befürchten zu müssen.
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden verschiedene Arten
der Lizenzvergabe vorgestellt und deren Eignung unter Effizienzgesichtspunkten
betrachtet.
Darauf aufbauend werden die wichtigsten Lizenzvergaben in Europa
sowie ihr jeweiliges Ergebnis kurz dargestellt. Eine genauere Betrachtung
wird der deutschen Auktion zu Teil. Es werden die Auktionsregeln,
der Ablauf und das Ergebnis aufgezeigt, um einen Vergleich
mit den anderen vorgestellten Ländern zu ziehen.
Im dritten und letzten Teil, wird als erstes den veränderten Bedingungen,
nach Ende der UMTS-Auktion, zur Beschaffung von Fremdkapital
auf den internationalen Kapitalmärkten, als zweites den technischen
Schwierigkeiten bei der Umsetzung der UMTS-Pläne der
Telekommunikationskonzerne und abschließend der Konkurrenzsituation
durch andere Techniken, Beachtung geschenkt.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
A. Theorie der Lizenzvergabe
I. Arten der Lizenzvergabe unter Effizienzgesichtspunkten
II. Markteintritts-Modell
III. Wettbewerber-Verdrängungs-Modell
B. UMTS-Versteigerung
I. Versteigerung in verschiedenen Ländern
II. Versteigerung in Deutschland
1. Auktionsregeln
2. Ablauf
3. Ergebnis
III. Vergleich
C. Entwicklung nach der UMTS-Versteigerung
I. Entwicklung der Kapitalkosten
II. Technische Probleme
III. Alternativen zu UMTS
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert die deutsche UMTS-Versteigerung unter spieltheoretischen Gesichtspunkten, bewertet deren Effizienz im internationalen Vergleich und untersucht die wirtschaftlichen sowie technischen Herausforderungen, die sich für die Mobilfunkkonzerne im Anschluss an die Auktionsphase ergaben.
- Grundlagen verschiedener Mechanismen der Lizenzvergabe
- Spieltheoretische Modellierung des Markteintritts und Wettbewerberverhaltens
- Vergleichende Analyse europäischer Auktionsdesigns
- Implikationen für die Kapitalstruktur und Rating-Entwicklung der Telekommunikationsbranche
- Technische Hürden und alternative Technologien im Mobilfunkmarkt
Auszug aus dem Buch
II. Versteigerung in Deutschland
Die Bieterteams bestanden aus zwei autorisierten Personen eines jeden an der Auktion teilnehmenden Konzerns. Zusätzlich durften je zwei Stellvertreter bestellt werden. Jedem Bieter wurde innerhalb des Veranstaltungsgebäudes für die Dauer der Auktion ein separater Raum zur Verfügung gestellt, in dem sich ein Auktionscomputer zur Abgabe der Gebote befand. Außerdem standen ein Festnetztelefon zur Verfügung, welches ausschließlich zur Kontaktaufnahme mit dem Auktionator genutzt werden konnte und ein weiteres Festnetztelefon sowie ein Faxgerät, das Verbindungen lediglich zu den Entscheidungsträgern der als Bieter zugelassenen Unternehmungen ermöglichte.
Weitere Telekommunikationsendgeräte (zum Beispiel Mobiltelefone) waren nicht zugelassen. Ein Mitarbeiter der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) war während des gesamten Bietverfahrens im jeweiligen Raum mitanwesend. Nach Aufruf jeder einzelnen Versteigerungsrunde hatten die jeweiligen Vertreter maximal 40 Minuten Zeit ein neues Angebot abzugeben. Das Mindestgebot für eine Lizenz mit zwei Blöcken belief sich auf 200 Millionen DM, für eine Lizenz mit drei Blöcken auf 300 Millionen DM. Die Gebote waren in vollen Hunderttausend DM abzugeben. In der jeweils folgenden Runde mussten die Gebote um mindestens zehn Prozent erhöht werden. Im Ablauf dieser Auktion als die Beträge in astronomische Höhen stiegen wurde dieser Satz um die Hälfte, dass heißt auf fünf Prozent, verringert.
Des Weiteren durfte sich ein Unternehmen nur einmal an der Auktion beteiligen, Anteilsverflechtungen waren also beispielsweise grundsätzlich verboten. Dies stellte ein Problem für Hutchinson Whampoa aus Hongkong dar, welche mit ihrem Partner E-Plus eine Lizenz ersteigern wollte, zu jenem Zeitpunkt aber Anteilseigner an der Deutschen Telekom AG war. Deren Aktien musste sie, um den Auktionsregeln zu entsprechen, in der folgenden Zeit abstoßen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Erwartungen an UMTS als Schlüsseltechnologie zur Jahrtausendwende und skizziert den Aufbau der Untersuchung von theoretischen Grundlagen bis hin zu den praktischen Folgen der Auktion.
A. Theorie der Lizenzvergabe: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Verfahren wie Lotterien oder Auktionen und analysiert mittels spieltheoretischer Modelle das Verhalten von Neueinsteigern gegenüber etablierten GSM-Betreibern.
B. UMTS-Versteigerung: Hier werden die Versteigerungsdesigns in Europa verglichen, wobei der Fokus auf den spezifischen Auktionsregeln, dem Ablauf und dem Ergebnis der deutschen Auktion liegt.
C. Entwicklung nach der UMTS-Versteigerung: Das Kapitel befasst sich mit den ökonomischen Spätfolgen für die Telekommunikationsbranche, insbesondere bezüglich der Verschuldung, sowie den technischen Schwierigkeiten und technologischen Alternativen.
Fazit: Das Fazit bewertet das deutsche Auktionsdesign als erfolgreich trotz anfänglicher Kritik und ordnet die langfristigen Herausforderungen durch Marktentwicklungen ein.
Schlüsselwörter
UMTS, Lizenzversteigerung, Spieltheorie, Auktionsdesign, Mobilfunk, GSM, Markteintritt, Wettbewerb, Kapitalmarkt, Bonität, Ratingagenturen, Wireless-LAN, Frequenzblöcke, Allokationseffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftlichen und spieltheoretischen Hintergründe der deutschen UMTS-Versteigerung sowie die daraus resultierenden Folgen für die Branche.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Auktionstheorie, dem internationalen Vergleich von Vergabeverfahren, der Unternehmensfinanzierung in der Telekommunikationsbranche und der technischen Marktentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Effizienz des gewählten deutschen Auktionsdesigns theoretisch und empirisch zu bewerten und die Auswirkungen auf die beteiligten Konzerne aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine spieltheoretische Analyse angewandt, um strategisches Bieterverhalten und Markteintrittsbarrieren zu modellieren und zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Aufarbeitung des Auktionsablaufs in Deutschland sowie eine Analyse der nachfolgenden finanziellen und technischen Problematiken.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Auktionsdesign, Nash-Gleichgewicht, Bonitätsrating, Frequenzallokation und Wettbewerbsintensität.
Warum war das deutsche Auktionsdesign im Vergleich zur Schweiz erfolgreicher?
Die Arbeit führt den Erfolg auf die Vermeidung einer im Voraus festen Lizenzanzahl zurück, was einen intensiveren Wettbewerb ermöglichte, während in der Schweiz ein Markteintritts-Flop zu verzeichnen war.
Wie beeinflusste die Auktion die Bonität der Unternehmen?
Die hohen Auktionspreise belasteten die Bilanzen der Konzerne massiv, was zu einer Herabstufung durch Ratingagenturen und dadurch zu höheren Finanzierungskosten für Fremdkapital führte.
- Arbeit zitieren
- Michael Pohl (Autor:in), Oliver Baudendistel (Autor:in), 2003, Die deutsche UMTS-Versteigerung unter spieltheoretischen Gesichtspunkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14453