Den Horror in Bezug auf Cindy Shermans Werke zu untersuchen, ist ein sehr vielseitiges und keineswegs einfaches Unterfangen. Da Shermans Kunst zu allererst die Frau und die mit ihr verbundene Problematik ins Zentrum stellt und gleichzeitig ihr Medium Fotographie der filmischen Ästhetik sehr nahe bringt - ich denke da vor allem an ihre „Untitled Film Stills“ und „Centerfold“ -Bilder - ist es naheliegend, dass man bei der Analyse der Rolle der Frau in Filmen, vor allem in Horrorfilmen beginnt. In Horrorfilmen spielt, genauso wie in den oben angegebenen Werken Cindy Shermans, der Voyeurismus, sowie der Phallozentrismus und der Sadismus des Mannes eine große Rolle. Die offensichtlich auf Alfred Hitchcocks Filme anspielenden Film Stills „ #14“ und „ #48“ geben ein gutes Beispiel zu diesem Thema ab.
Sherman war dem Aspekt des Horrors, wie sie selber sagt, sehr zugetan. Die Grausamkeit der „Sex Pictures“ sowie der „Disaster-Pictures“ bestätigen diese Tatsache nur zu gut. Auch die „Fairy Tales“ und die „Clown-Pictures“ zeugen von einem außergewöhnlichen Gespür für das an das Horrorhafte grenzende Unheimliche.
Horror ist ein Genre, das wahrscheinlich wie kein anderes mit einer Menge Komplexen des Menschen wie der einzelnen Geschlechter beladen ist, sie offenbart und befriedigt zugleich. Diese Arbeit wird somit zu einem großen Teil die feministische Sicht des Horror-Genres - die mit der Freudschen, also psychoanalytischen eng verbunden ist - behandeln.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Schaulust – der Blick des Mannes
Der Blick der Frau
„Untitled Film Stills“ à la Hitchcock und die „Centerfolds“
Das Monster, „Sex-Pictures“ und „Disasters“
Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Horror-Genre unter einer feministischen und psychoanalytischen Perspektive, wobei sie die Werke der Künstlerin Cindy Sherman in den Kontext filmischer Ästhetik und voyeuristischer Mechanismen setzt.
- Die Rolle der Frau als voyeuristisches Objekt im Kino
- Der Einfluss psychoanalytischer Konzepte (Freud/Lacan) auf das Horror-Genre
- Die Analyse von Cindy Shermans Werken im Hinblick auf den "Blick des Mannes"
- Die symbolische Funktion des Monsters als Spiegel weiblicher Kastration oder Macht
- Die kritische Auseinandersetzung mit Genrestereotypen und weiblicher Identität
Auszug aus dem Buch
Die Schaulust – der Blick des Mannes
Die Schaulust, die Skopophilie, ist, laut Freud, einer unserer Urinstinkte. Die beim Kind anzutreffende Lust, Neues, bzw. Verbotenes zu entdecken ist der Ursprung des „erwachsenen“ Voyeurismus, der andere zu Objekten macht und sich an seiner Kontrolle über das beobachtete Objekt labt – zwanghafte Spannerei zum Zweck der sexuellen Befriedigung ist hierbei der Extremfall. Die Entdeckung des eigenen Körpers in den frühen Jahren der Kindheit – Freud nennt das den „prägenitalen Autoerotismus“ – überträgt sich später auf die Beobachtung und vielleicht Vergleichung der anderen mit einem selber.
Laura Mulvey hat entdeckt, dass das Kino dem Trieb der Schaulust die allerbeste Gelegenheit gibt, sich auszuleben. Schon allein die Kinobedingungen - Dunkelheit des Zuschauerraumes, in der man sich verstecken kann, die Helligkeit der Leinwand, also die Beleuchtung des unwissenden beobachteten Objektes – erfüllen alle Voraussetzungen für einen sicheren voyeuristischen Genuss. Hier wird mit dem Phänomen des Filmes gespielt: Er wird hergestellt ohne - aus diegetischer Sicht - Rücksicht auf den Zuschauer zu nehmen – und ist doch nur für ihn gemacht. Da der Zuschauer zwar der aktive Voyeur ist, aber selber nicht teilnimmt, projiziert er seine Wünsche auf die Schauspieler. Er erkennt sich in ihnen wieder. Das führt uns direkt zum „Spiegelmoment“ von Jaques Lacan. Das Kind, das sich das erste mal im Spiegel erkennt, erkennt sein Spiegelbild, aufgrund seiner eingeschränkten motorischen Fähigkeiten, fälschlicherweise als vollendeter als seinen echten, nur „erspürten“ Körper. Dieses Ideal-Ich ist mit den Schauspielern im Kinofilm vergleichbar, die besser, schöner und mutiger sind als wir selber, die uns jedoch, da wir sie durch unsere Erfahrungen mit uns selber erkannt haben, nicht fremd sind – wir identifizieren uns mit ihnen, mit unseren Wunsch-Ichs. Wir haben hier also Gegensätzliches: Die Sexualtriebe und das Ich-Libido.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Verbindung zwischen Cindy Shermans Kunst und der Darstellung der Frau im Horror-Genre unter psychoanalytischer Betrachtung.
Die Schaulust – der Blick des Mannes: Erläuterung des psychoanalytischen Konzepts der Skopophilie und wie das Kino die voyeuristischen Wünsche des männlichen Zuschauers bedient.
Der Blick der Frau: Untersuchung der Rolle der Frau im Film, wobei ihr Blick auf das Monster und ihre Funktion als "blinder Fleck" oder Fetisch analysiert werden.
„Untitled Film Stills“ à la Hitchcock und die „Centerfolds“: Analyse konkreter Bildserien von Cindy Sherman und wie diese voyeuristische Machtstrukturen und Anleihen an Alfred Hitchcock thematisieren.
Das Monster, „Sex-Pictures“ und „Disasters“: Diskussion über die Affinität zwischen dem Monster und der weiblichen Hauptrolle sowie die Interpretation von Shermans provokanten Bildserien.
Nachwort: Persönliches Resümee der Autorin und kurzer Ausblick auf den Film "Office Killers" als fehlendes Puzzlestück der Analyse.
Schlüsselwörter
Cindy Sherman, Horror-Genre, Voyeurismus, Psychoanalyse, Feministische Filmtheorie, Skopophilie, Kastrationsangst, Untitled Film Stills, Fetischisierung, Das Monster, Machtstrukturen, Identität, Alfred Hitchcock, Weibliche Repräsentation, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Repräsentation der Frau im Horror-Genre unter Rückgriff auf die fotografischen Werke von Cindy Sherman.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der männliche Blick, voyeuristische Filmmechanismen und die psychoanalytische Deutung von Frauenbildern im Horrorfilm.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Shermans Kunstwerke mit filmischen Horrorkonzepten zu verknüpfen und die feministische Sicht auf diese visuelle Kultur herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und filmtheoretische Herangehensweise, die stark auf psychoanalytischen Ansätzen von Freud, Lacan und Laura Mulvey basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen des Voyeurismus, die Rolle des Monsters als Projektion weiblicher Macht oder Kastration und dekonstruiert ausgewählte Bildserien von Cindy Sherman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Voyeurismus, feministische Filmtheorie, Cindy Sherman, Kastrationsangst und der Blick des Mannes.
Wie verändert die "blinde" Frau die Dynamik im Horrorfilm?
Die "blinde" Frau verweigert den Blick und das sexuelle Begehren, wodurch sie nach psychoanalytischer Lesart ihre Reinheit bewahrt, während die "sehende" Frau oft als lüstern bestraft wird.
Inwiefern spielen Shermans "Sex-Pictures" mit Klischees?
Die Bilder nutzen groteske Kompositionen aus Puppenteilen, um die Vorstellungen des männlichen Betrachters von der Frau als erotischem Objekt zu ironisieren und zu entmenschlichen.
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- Kaja Dymnicki (Author), 2008, Der Horror und die Frau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144667