Inhaltsverzeichnis
1. Kulturelle Degeneration oder Konkurrenz Gottes? 1
Filme als Untersuchungsgegenstand
Hinf ührung
1.1. „Star Wars gibt uns Spiritualität“ - Ein Kassenschlager wird Religion 3
1.2. Eine Galaxie ohne Ende - Ein Thema mit vielen Hürden 4
2. Dir werde ich die ganze Macht und Herrlichkeit geben - Der Retter, 5
die Versuchung, der Abfall vom Guten und die Erlösung
Hauptteil
2.1. Quell des Guten und des Bösen - Das Gottesmotiv 8
2.2. Es gab keinen Vater - Das Motiv der Jungfrauengeburt oder 10
Trinit ät bei „Star Wars“?
2.3. Ich kann ohne sie nicht leben - Das Agapemotiv oder 11
Liebe als Triebfeder des Guten und Ursache des Bösen
2.3.1. Ich habe dich geliebt - Das Entfremdungsmotiv und Anakins Abfall 13
2.3.2. Ich kann ihn retten - Das Hoffnungsmotiv in Gestalt eines Bauernjunges 14
2.3.3. Liebe, Erfüllung, Erlösung - Das Umkehrmotiv 15
2.4. Die Stärke nach dem Tod - Das Motiv der Auferstehung 17
3. Eine Galaxie ohne Ende - Ausblick und religionspädagogische Bedeutung 18
Zusammenfassung und Abschluss
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 20
1
1. Kulturelle Degeneration oder Konkurrent Gottes?
Filme als Untersuchungsgegenstand Hinführung
Biblische Motive in Science-Fiction-Filmen? Anakin Skywalker in Analogie zu Jesus Christus? Warum dieses Thema in einer religionspädagogischen Arbeit?
Ich möchte zu Beginn meiner Ausführungen eine kleine Begebenheit schildern, die - so hoffe ich zumindest - den Grund für meine Themenwahl ersichtlich macht. Wir leben in einer Zeit, in der kaum jemand mehr die Motivation findet, sich religiöstradierter Wurzeln zu besinnen, geschweige denn diese an die nächsten Generationen weiterzugeben. Dies wurde mir im vergangenen Dezember wieder einmal deutlich vor Augen geführt. Ich unterhielt mich mit einem zehnjährigen Jungen und fragte ihn, ob er sich schon auf Weihnachten freue und ob er denn wisse, warum wir überhaupt dieses Fest feiern. Obwohl ich seinen familiären Hintergrund kenne und mir durchaus bewusst war, dass meine Frage provokant gewirkt haben muss, überraschte mich seine Antwort dennoch. „Weihnachten hat irgendwas mit Amerika zu tun. Da kriegen wir dann Geschenke.“ Als ich nun seine Eltern fragte, ob sie ihrem Kind nichts von der Weihnachtstradition erzählt hätten, wurde mir geantwortet: „Wir glauben nicht an Gott und haben auch keine Zeit unseren Kindern Dinge beizubringen, von denen wir selbst keine Ahnung haben. Und warum sollen wir den Kindern etwas erzählen, was um diese Jahreszeit sowieso permanent im Fernsehen gezeigt wird? Wenn es sie interessiert, sehen sie es doch dort.“ Über diese Aussage dachte ich lange Zeit nach. Was mich erschrak, war nicht etwa die Erklärung einer ostdeutschen Mittelstandsfamilie nichts mehr über Gott oder den Grund des Weihnachtsfestes zu wissen, sondern der zweite Teil ihres Statements. Ich will hier nicht den Umstand thematisieren, dass unsere Gesellschaft durch eine Art der kulturellen Degeneration gekennzeichnet ist -Weihnachten ist immerhin ein tradiertes Fest, dass von jedem in irgendeiner Art und Weise gefeiert wird und von dem man deshalb annehmen sollte, dass zumindest eine gewisse Grundkenntnis diesbezüglich vorhanden ist - sondern ich möchte mich mit der Funktion der modernen Medien beschäftigen, denen offenbar bei der Vermittlung grundlegenden Wissens ein großer Stellenwert beigemessen wird. Meine Einstellung bezüglich des religiös- tradierten Wissens mag ‚blauäugig’ oder idealistisch wirken, doch hat es mich auf dem Gebiet unserer Medienlandschaft zu Beobachtungen veranlasst, die man auf den ersten Blick kaum wahrnehmen kann. Es soll daher Versuch dieser Arbeit sein an einem konkreten filmischen Beispiel deutlich zu machen, wie religiöse Motive aufgegriffen, verarbeitet und vermittelt werden. Sich mit dem Vermittlungsaspekt religiöser Motive zu beschäftigen, ist nämlich eine der wesentlichsten Aufgaben der Theologie und vor allem der Religionspädagogik.
2
Als angehender Religionslehrer muss ich mich mit „[…] dem Alltag, der Lebenswirklichkeit der Menschen auseinandersetzen“ 1 , da ich sonst kein Gehör finden werde. Und eben diese Lebenswelt ist stark von Medien abhängig. In ihnen werden religiöse Themen entweder direkt oder indirekt angeschnitten und oftmals - zur Ausschmückung einer bestimmten Geschichteaus ihrem eigentlichen Kontext herausgerissen und verfälscht. 2 Dieser Fehlentwicklung versucht die Religionspädagogik entgegenzuwirken, indem bereits Schülern und Schülerinnen der reflektierte Umgang mit Medien und den darin enthaltenen religiösen Anspielungen vermittelt wird. 3 Die Beschäftigung mit dieser Thematik birgt aber auch eine große Gefahr in sich. Da viele Unterrichtsfächer mit dem Medium Film arbeiten, darf der Religionsunterricht - den ich wiederum als Ausdruck angewandter Religionspädagogik verstehe - ‚filmische Religiosität’ nicht nur als bloßen Aufmacher bestimmter Unterrichtseinheiten verwenden, sondern muss mit der Beschäftigung an die Erfahrungen der Schüler anknüpfen. 4 Obwohl es etliche Filme gibt, die explizit religiöse Elemente aufgreifen, eignet sich nicht jeder zur unterrichtsbezogenen Thematisierung. Klassisches Beispiel hierfür wäre „Das Leben des Brian“ (Terry Jones, 1979) 5 . In diesem Film werden die zu vermittelnden Erkenntnisse - in Bezug auf das Leben und Wirken Jesu - überspitzt und karikiert dargestellt. Deshalb empfiehlt er sich weniger zur tiefgründigen Auseinandersetzung mit medialer Religiosität. Doch welche Filme eignen sich nun?
„Das Kino ist eine göttliche Art […] dem Herrgott Konkurrenz zu machen“ 6 , sagt Federico Fellini. Wenn also die Religionspädagogik dem „[…] pädagogisch besonders schädlich[en]“ 7 Kino wiederum Konkurrenz machen will, muss sie mit anderen filmischen Beispielen arbeiten. Hier bieten sich solche Filme an, zu denen die Schüler eine außerschulische Vorkenntnis haben und durch die sie unbewusst mit biblisch-religiösen Aspekten in Kontakt gebracht werden. Diese werden aufgrund mangelnder religiöser Vorbildung heute nicht mehr so schnell erkannt. 8 Auf der Suche nach einem geeigneten ‚Untersuchungsobjekt’ bin ich dann im aktuellen Fernsehprogramm fündig geworden.
1 Inge KIRSNER/Michael WERMKE (Hg.): Religion im Kino. Religionspädagogisches Arbeiten mit Filmen, Jena 2005, Seite 6.
2 Vgl. ebd., Seite 5.
3 Vgl. ebd., Seite 7.
4 Vgl. ebd., Seite 8.
5 Anmerkung DM: Filmische Beispiele, die in den nachfolgenden Ausführungen angesprochen werden, sind mit Angaben zum Regisseur und Erscheinungsjahr kenntlich gemacht. Angaben diesbezüglich stammen aus dem Internet. < http://www.amazon.de/Monty-Python-Das-Leben-Brian/dp/B00008POJ8> .
6 Zit. nach: HERMANN, JÖRG: Roboterjunge mit Gefühlen: Steven Spielbergs „A.I. - Artifical Intelligence“ ist ein religiöser Film. In: zeitzeichen 2 (2001), Seite 52.
7
GRABER, Bruno: Das Evangelium nach George Lucas.
8 Vgl. KIRSNER, Inge: Religion und Kino, Mythos und Wirklichkeit. In: Inge KIRSNER/Michael WERMKE (Hg.): Religion im Kino. Religionspädagogisches Arbeiten mit Filmen, Jena 2005, Seite 25f.
3
Der Privatsender ProSieben hat sich seit September dieses Jahres einer ‚Macht’ verschrieben 9 , die über das „[…] Geschick der ganzen Galaxis“ 10 entscheiden kann. Wenn die Einschaltquoten sinken und der Konkurrenzkampf deutscher Fernsehanstalten um die besten Sendeplätze apokalyptische Ausmaße annimmt, wird diese ‚Macht’ als scheinbar letzte Rettung angerufen. Die ‚Macht’ ist nicht etwa ein Synonym für den trinitarischen Gott der Christenheit oder für andere religiöse Traditionen unserer Gegenwart, sondern sie ist eine Größe, die sich nur im Film offenbart - in der „Star-Wars-Saga“ des George Lucas.
1.1. „Star Wars gibt uns Spiritualität.“ - Ein Kassenschlager wird Religion
„Star Wars gibt uns Spiritualität. Es ist genauso, wie über die Bibel, den Koran oder die Torah nach einem höheren Selbst zu suchen. Mystik habe ich von Obi-Wan gelernt, nicht von Johannes dem Täufer.“ 11 Dieser Ausspruch stammt von einem der zehntausend Jedi, die mittlerweile in Großbritannien leben und von behördlicher Seite sogar als Glaubensgemeinschaft akzeptiert werden. Es spricht für unsere Zeit und bestätigt meine anfängliche Einschätzung, dass eine fiktive und filmisch umgesetzte Geschichte - die nach Aussagen ihres Schöpfers bewusst Elemente der unterschiedlichsten Religionen aufgreifteher als Befriedung spiritueller Bedürfnisse empfunden wird, als traditionelle Religionen. Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat die Begeisterung für „Star Wars“ unglaubliche Dimensionen angenommen. Was sich anfänglich nur an den Kinokassen bemerkbar machtedie erste Star-Wars-Trilogie spielte „[…] weltweit 1,3 Milliarden Dollar [ein]“ 12 - spiegelt sich nun auch im religiösen Leben vieler Menschen wieder. Bei einer Volkszählung im Jahr 2002 beantworteten über 70.000 Australier die Frage nach ihrer Religionszugehörigkeit mit ‚Jedi’. 13 Das gesteigerte Bekenntnis zu „Star Wars“ als Religion vollzog sich in derselben
9
Anmerkung DM: Seit 19. September 2008 strahlt ProSieben sämtliche Episoden der Star-Wars-Saga aus. Den Anfang machte "Star Wars: Episode I - Die Dunkle Bedrohung", Freitag, 19.09.2008, um 20.15 Uhr. Nachfolgende Sendetermine waren: "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger", Sonntag, 21.09.2008, um 20.15 Uhr/ "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith", Sonntag, 28.09.2008, um 20.15 Uhr (Zum ersten Mal im Free-TV)/ "Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung ", Freitag, 03.10.2008, um 20.15 Uhr/ "Star Wars: Episode V - Das Imperium schlägt zurück", Freitag, 10.10.2008, um 20.15 Uhr und "Star Wars: Episode VI - Die Rückkehr der Jedi-Ritter", Freitag, 17.10.2008, um 20.15 Uhr. Siehe:
10
GRABER, Bruno: Das Evangelium nach George Lucas.
11 Zit. nach: ebd.
12 HAUSER, LINUS: Ein Neomythos kehrt zurück: Anfragen an die Kult-Serie „Star Wars“. In: Herder Korrespondenz 53 (1999), Seite 412/ Anmerkung DM: Mit der ‚ersten Trilogie’ sind die Star-Wars-Filme gemeint, die zwischen 1977-1983 entstanden (Episode IV-VI). Die restlichen Teile (Episode I-III) - auch bekannt als ‚neue Trilogie’ - entstanden zwischen 1999-2005.
13
Vgl. „Jedi Ritter verwirren australische Statistiker“. In: Die Rheinpfalz, 28.08.2002.
4
Zeitspanne, in der in Deutschland die Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche um fast 30 Prozent zurückging. 14 Allein dieser Aspekt macht eine ausführliche Beschäftigung mit „Star Wars“ unumgänglich. Es soll in den nachfolgenden Ausführungen jedoch nicht darum gehen, wie diese Entwicklung zu erklären ist, sondern warum bei dieser Entwicklung religiöse Motive eine Rolle spielen und wo sie explizit in den Star-Wars-Filmen aufgegriffen werden.
1.2. Eine Galaxie ohne Ende - Ein Thema mit vielen Hürden
Bei der Behandlung des Themas müssen einige Abstriche gemacht werden. Obwohl „Star Wars“ von christlichen, buddhistischen, jüdischen und fernöstlichen Religionsanspielungen lebt, kann diese Arbeit sich nur mit den christlich-biblischen Motiven beschäftigen. Alles weitere - obwohl es durchaus interessant wäre - würde den Umfang der Ausführungen sprengen. Des Weiteren kann nicht der gesamte Handlungsplot wiedergegeben werden. Bei einer Spieldauer von weit mehr als 14 Stunden kann nicht jede Kleinigkeit nacherzählt werden. Auch ist das Star-Wars-Universum so umfangreich, dass bei der Analyse bestimmter Motive der personale Blickwinkel eingegrenzt werden muss. 15 Es soll deshalb ein Charakter im Mittelpunkt der Überlegungen stehen - Lord Darth Vader. Sein biografischer Werdegang, vom neunjährigen Sklavenjungen bis zu seinem Opfertod im Alter von 45 Jahren, ist eingebettet in einen christlichen Motiv-Rahmen. Um eben diese Motive - hier vor allem das Agapemotiv, das auf Grundlage der Erläuterungen Gerd Theißens bearbeitet wird - soll es explizit gehen. Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Zitation: 1997 wurden die Episoden IV-VI digital überarbeitet und teilweise ergänzt, sodass die Angabe von relevanten Filmzitaten nur ungenau erfolgen kann. Deshalb wird in den entsprechenden Zitaten kein Zeitpunkt, sondern immer eine Zeitspanne angegeben. 16
Bevor nun genauer ins das Thema eingestiegen wird, soll der Inhalt der Filme grob umrissen werden.
14 Vgl. „Gottloses Europa“. In: Die Zeit online, 06.04.2005. < http://www.zeit.de/2005/15/Entchristianisierung>.
15 Anmerkung DM: Die Formulierung ‚Star-Wars-Universum’ bezieht sich auf all jene Aspekte - gemeint sind Charaktere, Schauplätze, Ereignisse usw. - die in den Filmen zwar angesprochen werden, jedoch in der internationalen Fan-Gemeinde ausgebaut und erweitert wurden. So zum Beispiel taucht in „Episode I - Die Dunkle Bedrohung“ die Kopfgeldjägerin Aura Sing auf (I, 01:03:06-01:03:08). In den Filmen wird zwar nichts weiter über sie berichtet, doch in der Community hat sie eine eigene Biografie und eine wichtige Rolle im Gesamtzusammenhang.
16 Anmerkung DM: Die Filmzitation erfolgt nach dem Muster (Kürzel der entsprechenden Episode, Beginn des Filmausschnittes in Std.: Min.: Sek.- Ende des Filmausschnittes in Std.: Min.: Sek.). Beispiel: (V, 02:01:00- 02:01:34) meint ("Star Wars: Episode VI - Das Imperium schlägt zurück", 02:01:00-02:01:34).
Arbeit zitieren:
Daniel Meyer, 2008, Der verführte Jesus, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
'Möge die Macht mit Dir sein...'. Sinnsuche und jugendliche Re...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Examensarbeit, 121 Seiten
Coming of Age: Hawaiian Culture in Kirby Wright's Fiction
Bachelorarbeit, 46 Seiten
Religiöse Motive und Analogien zur Religion in der Rockmusik
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Daniel Meyer's Text Der verführte Jesus ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Daniel Meyer hat den Text Der verführte Jesus veröffentlicht
Daniel Meyer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare