Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. iv
Abk ürzungsverzeichnis v
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Gang der Untersuchung. 3
2 Grundlagen des Zusammenhangs zwischen investororientierter
Rechnungslegung und Kapitalmarkt 4
2.1 Stand der Forschung. 4
2.1.1 Konzepte und Theorien zum Zusammenhang zwischen investororientierter
Rechnungslegung und Kapitalmarkt. 4
2.1.2 Evidenz zum Zusammenhang zwischen investororientierter Rechnungslegung
und Kapitalmarkt 8
2.1.3 Evidenz zum Einfluss der Darstellungsart der Abschlüsse auf Investoren 10
2.2 Konzeptionelle Anforderungen von Investoren an Abschlüsse. 11
2.2.1 Überblick über wissenschaftliche Methoden zur Ableitung von Anforderungen
an Abschlüsse 11
2.2.2 Auswahl der deduktiv-logischen Methode zur Ableitung der konzeptionellen
Anforderungen von Investoren an Abschlüsse 12
3 Darstellung des IASB/FASB-Diskussionspapiers „Preliminary Views on
Financial Statement Presentation“ 19
3.1 Entstehungsgeschichte des Diskussionspapiers 19
3.2 Anwendungsbereich des Diskussionspapiers 20
3.3 Zweck und Ziele des Diskussionspapiers. 20
3.4 Prinzipien der Darstellung von Abschlüssen. 22
3.4.1 Prinzip der zusammenhängenden Darstellung der Abschlussbestandteile. 22
3.4.2 Prinzip der Aufgliederung von Informationen in einzelne Kategorien und
Unterkategorien 23
3.5 Geplante Änderungen der einzelnen Abschlussbestandteile 27
3.5.1 Bilanz. 27
3.5.2 Gesamtergebnisrechnung. 29
3.5.3 Kapitalflussrechnung 31
3.5.4 Anhang. 32
ii
4 Konzeptionelle Analyse des IASB/FASB-Diskussionspapiers „Preliminary
Views on Financial Statement Presentation“ aus Investorensicht. 37
4.1 Überprüfung der Grundsätze für investororientierte Abschlüsse 37
4.1.1 Prognoseeignung. 37
4.1.2 Disaggregation 43
4.1.3 Glaubwürdigkeit 45
4.1.4 Stetigkeit und Vergleichbarkeit 47
4.1.5 Verständlichkeit 49
4.1.6 Wesentlichkeit 51
4.2 Überprüfung der konkreten inhaltlichen Anforderungen an bewertungsrelevante
investororientierte Abschlüsse 52
4.3 Kritische Würdigung des Diskussionspapiers 54
5 Schlussbetrachtung 56
5.1 Thesenförmige Zusammenfassung. 56
5.2 Ausblick 58
Verzeichnis der Gesetze, Verordnungen und sonstigen Rechnungslegungsregeln 60
Internetquellenverzeichnis 62
Literaturverzeichnis 64
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Darstellung des Zusammenhangs zwischen investororientierter Rechnungslegung und Kapitalmarkt..............................................................7 Abbildung 2: Konzeptionelle Anforderungen von Investoren an Abschlüsse .................18 Abbildung 3: Gliederung der Abschlussbestandteile nach den Vorschlägen des IASB...23 Abbildung 4: Schematische Darstellung zur Aufspaltung der Posten der
Abkürzungsverzeichnis
BBK Buchführung, Bilanz, Kostenrechnung BFuP Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis DB Der Betrieb DP Diskussionspapier DStR Deutsches Steuerrecht ED Exposure Draft EG Europäische Gemeinschaft EU Europäische Union FASB Financial Accounting Standards Board GAAP Generally Accepted Accounting Principles GoB Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber IAS International Accounting Standards IASB International Accounting Standards Board IFRS International Financial Reporting Standards i.e.S. im engeren Sinne i.V.m. in Verbindung mit i.w.S. im weiteren Sinne KoR Zeitschrift für internationale und kapitalmarktorientierte
Rechnungslegung m.w.N. mit weiteren Nachweisen PiR Praxis der internationalen Rechnungslegung rev. revised RIC Rechnungslegungs Interpretations Committee UK United Kingdom US United States USA United States of America ZfbF Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche For-
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Am 16. Oktober 2008 veröffentlichten der internationale Standardsetzer IASB (International Accounting Standards Board) und der amerikanische Standardsetzer FASB (Financial Accounting Standards Board) das Diskussionspapier (Discussion Paper) „Preliminary Views on Financial Statement Presentation“ (vgl. DP FSP (2008)). Die vorgeschlagenen Änderungen haben tief greifende Folgen für Ersteller und Nutzer von Abschlüssen 1 (Financial Statements) nach IFRS. Wirtschaftswissenschaftler und Praktiker sprechen von einem „grundlegende[n] Wandel in der Darstellung (Hervorhebungen im Original) der Jahresabschlusselemente“ (Zülch/Pronobis (2008), S. 302), von einem „must read“ (Pounder (2008), S. 19) des Diskussionspapiers und die vorgeschlagenen Änderungen werden als signifikant beschrieben (vgl. Henry/Holzmann (2008), S. 79).
Das Diskussionspapier ist innerhalb der Phase B der insgesamt drei Phasen des Konvergenzprojektes „Financial Statement Presentation Project“ 2 entstanden. Mit dem Diskussionspapier verfolgen die Standardsetzer das Ziel, die Darstellung der Abschlüsse so zu verändern, dass für die Investoren durch die Abschlüsse entscheidungsnützliche Informationen bereitgestellt werden (vgl. DP FSP (2008), Abschn. 1.6). Zu diesem Zweck sollen die Abschlussbestandteile 3 Bilanz, Gesamtergebnisrechnung und Kapitalflussrechnung nach den gleichen Kriterien Business, Financing, Income Taxes, Discontinued Operations und Equity 4 strukturiert werden. Die Kategorie Business soll darüber hinaus in die Unterkategorien Operating und Investing unterteilt werden. Hierdurch soll es Adressaten der Abschlüsse ermöglicht werden, leichter und schneller wertgenerierende Unternehmensaktivitäten erkennen zu können. Weitere drastische Änderungen sind für die Kapitalflussrechnung vorgesehen: In Zukunft soll nur noch die in der Praxis bis-
1 FinancialStatements werden im Einklang mit der amtlichen Übersetzung des IAS 1 (rev. 2007)
im Folgenden als Abschlüsse bezeichnet (vgl. Verordnung (EG) Nr. 1274/2008, S. 1).
2 Vgl. IASB (2008a) zur Übersicht über das Konvergenzprojekt.
3 Neben diesen drei Abschlussbestandteilen besteht ein vollständiger IFRS-Abschluss aus einer
Eigenkapitalveränderungsrechnung und dem Anhang (vgl. IAS 1.10 (revised 2007)). Die Überset-
zungen der Abschlussbestandteile sind im Einklang mit der amtlichen Übersetzung (vgl. Verord-
nung (EG) Nr. 1274/2008, S. 1).
4 In der Gesamtergebnisrechnung wird es keine Kategorie Equity geben.
1
her kaum verwendete direkte Darstellungsmethode der Cash-Flows erlaubt sein. Des Weiteren ist eine Überleitungsrechnung von der Kapitalflussrechnung zur Gesamtergebnisrechnung vorgesehen. Hierbei sollen Differenzbeträge in den einzelnen Posten entsprechend ihres Prognosegehaltes aufgegliedert werden (vgl. DP FSP (2008), S. 13-18).
Ausschlaggebend für die Erstellung des Diskussionspapier war, dass Investoren die derzeitige Darstellung der Abschlüsse bemängeln (vgl. z.B. CFA Institute (2007), S. III). Es wurde kritisiert, dass es keinen Standard für eine einheitliche Darstellung der Abschlusselemente gebe. Außerdem sei eine Verknüpfung zwischen den Informationen der Bestandteile des Abschlusses schwer erkennbar und es erfolge an manchen Stellen eine aggregierte Darstellung von Posten, obwohl eine disaggregierte Darstellung entscheidungsnützlicher sei (vgl. DP FSP (2008), Abschn. 1.11-1.17).
Die Art, wie Informationen zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens dargestellt werden, hat vermutlich einen Einfluss auf die Entscheidungen von Investoren, obwohl durch die Darstellung die zugrunde liegenden ökonomischen Aktivitäten nicht beeinflusst werden. 5 Inwieweit die Rechnungslegung für die Investoren eine Informationsfunktion erfüllt, wird in der Literatur kontrovers diskutiert. 6 Das IASB hingegen unterstellt implizit, dass die Rechnungslegung eine Informationsfunktion für die Kapitalmarktteilnehmer erfülle (vgl. Paarz (2007), S. 2). Eine Änderung der Darstellung der Abschlüsse, insbesondere mit dem Ziel den Inves-toren entscheidungsnützlichere Informationen bereit zu stellen, setzt voraus, dass Rechnungslegungsinformationen für Investoren überhaupt relevant sind. Außerdem sollten die vorgenommenen Änderungen den Anforderungen der Investoren entsprechen. Nicht zuletzt setzt eine Änderung eines Rechnungslegungsstandards voraus, dass die Kosten für die bilanzierenden Unternehmen nicht den Nutzen, der durch die Änderung für die Investoren entsteht, übersteigen. Für die Akzeptanz der neuen Vorschriften sollten die Änderungen von einer Mehrheit der bilanzierenden Unternehmen als ausgewogen wahrgenommen werden. Deshalb ist es er- 5 Vgl.für einen Überblick über den Einfluss der Darstellungsart von Rechnungslegungsinformati-
onen auf Entscheidungen die Artikel von Ghani et al. (2009) und Dull et al. (2003, S. 187-189).
6 Vgl. für einen Überblick zur Informationswirkung der Rechnungslegung Vollmer (2008),
Mölls/Strauß (2007) und Wagenhofer/Ewert (2007, S. 101-138).
2
forderlich bei der Einführung eines neuen Standards die Konsequenzen für die bilanzierenden Unternehmen zu untersuchen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Diskussionspapier „Preliminary Views on Financial Statement Presentation” einer kritischen Würdigung unterziehen. Hierzu werden folgende Forschungsfragen behandelt: 1) Welche Anforderungen stellen Investoren an Rechnungslegungsinformationen? 2) Welche Änderungen sieht das Diskussionspapier für die Darstellung der Abschlüsse vor? 3) Erfüllen die vorgeschlagenen Änderungen die Anforderungen der Investoren? Antworten auf diese Fragen können helfen, mögliche Schwachpunkte in den Ausführungen des Diskussionspapiers zu finden. Dadurch könnten den Standardsetzern Verbesserungs-vorschläge für die geplanten Änderungen aufgezeigt werden.
1.2 Gang der Untersuchung
Die Untersuchung ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel zwei wird betrachtet, inwieweit Rechnungslegung eine Informationsfunktion für den Kapitalmarkt erfüllt. Hierzu werden theoretische, empirische und experimentelle Nachweise diskutiert. Des Weiteren werden auf deduktiver Basis die rechnungslegungsbezogenen In-formationsbedürfnisse der Investoren abgeleitet. 7 In Kapitel drei werden die vorgeschlagenen Änderungen zur Darstellung der Abschlüsse präsentiert und aufbauend auf den Erkenntnissen aus Kapitel zwei und drei werden in Kapitel vier die vorgeschlagenen Änderungen einer kritischen Analyse unterzogen. Es wird geprüft, inwieweit die vorgeschlagenen Änderungen den Anforderungen der Inves-toren entsprechen. Im Rahmen der kritischen Würdigung des Diskussionspapiers wird aufgezeigt welche Konsequenzen die vorgeschlagenen Änderungen für die bilanzierenden Unternehmen mit sich bringen. Eine thesenförmige Zusammenfassung und ein Ausblick auf weitere Untersuchungsmöglichkeiten bilden den Schluss dieser Arbeit.
7 Vgl. z.B. Paarz (2007), Hüfner (2007), Moxter (2003), Ruhwedel/Schultze (2002) und Ballwieser
(2002; 2001) für deduzierte, investororientierte Rechnungslegungsprinzipien.
3
2 Grundlagen des Zusammenhangs zwischen investor-orientierter Rechnungslegung und Kapitalmarkt
2.1 Stand der Forschung
2.1.1 Konzepte und Theorien zum Zusammenhang zwischen investor-
orientierter Rechnungslegung und Kapitalmarkt
Die Existenz der Rechnungslegung auf Kapitalmärkten kann durch agency-theoretische Überlegungen begründet werden (vgl. Jensen/Meckling (1976), S.
306). Der Manager ( = Agent) im Unternehmen verfügt gegenüber dem Investor 8 ( = Prinzipal) über einen Informationsvorsprung. Rechnungslegung soll dazu dienen, diese Informationsasymmetrie zu vermindern (vgl. Hartmann-Wendels (1991), S. 132-133). Einer so verstandenen Rechnungslegung kommt eine Informationsfunktion i.w.S. zu, die sich folgendermaßen interpretieren lässt: Zum einen helfen die Rechnungslegungsinformationen den Investoren bei Investitionsentscheidungen (Informationsfunktion i.e.S.), zum anderen geben die Informationen den Investoren Aufschluss darüber, wie die Unternehmensleitung gewirtschaftet hat (Rechenschaftslegung) (vgl. Busse von Colbe (1993), S. 13-14; Ronen (1979)). In der weiteren Untersuchung wird ein Schwerpunkt auf die Informationsfunktion i.e.S. (Decision Usefulness) gesetzt, da diese im Hinblick auf die Zwecksetzung des Diskussionspapiers von zentraler Bedeutung ist.
Die Rechnungslegung nach internationalen Regeln (International Financial Reporting Standards, IFRS) wird aufgrund ihres obersten Ziels - die Bereitstellung entscheidungsnützlicher Informationen für Investoren (vgl. IFRS-Framework F.12 i.V.m. F.10; Coenenberg (2005), S. 19) - teilweise als investororientierte Rechnungslegung bezeichnet. 9 Rechnungslegungsinformationen gelten dann als entscheidungsnützlich, wenn sie beim Investor zu einer Änderung der Entscheidung führen (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 105). Dazu müssen die Informationen relevant und verlässlich sein (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 105). Eine Operationalisierung dieser beiden Faktoren wird im Rahmen der Forschung zur Kapi-
8 AlsInvestoren werden aktuelle oder potenzielle Eigenkapitalgeber verstanden, die sich über den
Kapitalmarkt an einem Unternehmen bereits beteiligen oder dies beabsichtigen. Vgl. zur Definiti-
on der Investoren auch Kapitel 2.2.2.
9 Vgl. z.B. Weißenberger (2008), S. 427; Ernstberger et al. (2008), S. 30; Padberg (2007), S. 1;
Paarz (2007), S. 1.
4
talmarktrelevanz der Rechnungslegung angestrebt. 10 Besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Rechnungslegungsinformationen und kapitalmarktbezogenen Daten wie z.B. Aktienpreisen oder -renditen, dann werden die Rechnungs-legungsinformationen als kapitalmarktrelevant bezeichnet (vgl. Beaver (2002), S. 459). Möller/Hüfner (2002) unterscheiden Prognoserelevanz, Entscheidungsrelevanz und Bewertungsrelevanz der Rechnungslegung. 11 Die Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung für Investoren wird durch alle drei Aspekte beeinflusst (vgl. Lindemann (2006), S. 969). Informationen der Rechnungslegung sind prognoserelevant, wenn sie die Prognose kapitalmarktrelevanter Ereignisse (Aktienpreise, Insolvenzen, etc.) ermöglichen (vgl. Lindemann (2006), S. 970-971). Führen Rechnungslegungsinformationen zu besseren Entscheidungen der Kapitalmarktteilnehmer, dann wird die Rechnungslegung als entscheidungsrelevant bezeichnet (vgl. Möller/Hüfner (2002), S. 413). Bewertungsrelevanz liegt vor, wenn die Rechnungslegung zur fundamentalen Bewertung von Aktien beiträgt (vgl. Lindemann (2006), S. 970). Ergebnisse der empirischen Studien zur Kapitalmarktrelevanz der Rechnungslegung könnten von Standardsetzern wie dem IASB, aber auch von Investoren genutzt werden, um Rechnungslegungsregeln zu beurteilen (vgl. Barth et al. (2001a), S. 86-88). 12
Neben den Arbeiten von Beaver (1968) und Ball/Brown (1968) führte die Theorie der Informationseffizienz von Fama (1970) zur rechnungslegungsorientierten Ka-pitalmarktforschung (vgl. Mölls/Strauß (2007), S. 79). Aus diesem Grund wird dieser wichtige Beitrag zur Informationsverarbeitung von Rechnungslegung auf Kapitalmärkten kurz dargestellt. Fama (1970) unterscheidet in seiner Theorie der Informationseffizienz des Kapitalmarktes drei Formen der Informationseffizienz, die sich hinsichtlich der verarbeiteten Informationen in den Wertpapierpreisen unterscheiden (vgl. Coenenberg (2005), S. 1225) und unterschiedliche Folgen für die Rechnungslegung haben (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 87). Im Kontext der Rechnungslegung ist vor allem die mittelstrenge Form der Informationseffi-
10 Ball/Brown(1968) und Beaver (1968) initiierten mit ihren Arbeiten die Forschung zur Kapital-
marktrelevanz von Rechnungslegung. Überblicke zu dem Stand der Literatur finden sich bspw. in
Mölls/Strauß (2007), Lindemann (2006), Holthausen/Watts (2001) und Kothari (2001).
11 Eine Unterscheidung der unterschiedlichen Ansätze ist für die Interpretation der Ergebnisse
empirischer Studien wichtig (vgl. Lo/Lys (2000), S. 1).
12 Holthausen/Watts (2001) hingegen gehen davon aus, dass die Forschung zur Kapitalmarktrele-
vanz ohne Nutzen für Standardsetzer ist. Im Rahmen dieser Arbeit werden die Ergebnisse empiri-
scher Untersuchungen als nützlich für die Beurteilung von Rechnungslegungsalternativen gesehen.
5
zienz von Bedeutung (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 94; Coenenberg (2005), S. 1225). In diesem Fall werden alle öffentlich zugänglichen Informationen - also auch die externe Rechnungslegung - in den Wertpapierpreisen verarbeitet (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 94). Somit kann ein Investor durch Rechnungsle-gungsinformationen keinen Vorteil mehr erzielen, denn alle öffentlich verfügbaren Informationen sind bereits in den Preisen reflektiert (vgl. Coenenberg (2005), S. 1225). Lediglich durch Insiderwissen ließen sich noch überdurchschnittliche Renditen erzielen (vgl. Labhart (1999), S. 49). Im Hinblick auf das Diskussionspapier gibt es eine wichtige Interpretation der Theorie der mittelstrengen Informationseffizienz, nämlich dass es nur darauf ankommt, „…dass eine Information öffentlich verfügbar ist, nicht aber auf die Form der Publikation.“ (Wagenhofer/Ewert (2007), S. 94). 13 Dieser Theorie folgend wäre der Vorschlag, die Darstellung der Abschlüsse zu ändern, hinfällig, da keine neuen Informationen für den Markt entstünden. Hinsichtlich der Gültigkeit der mittelstrengen Informationseffizienz gibt es jedoch seit einigen Jahren vermehrt Zweifel. 14 Abbildung 1 stellt die erläuterten Zusammenhänge von Rechnungslegung und Kapitalmarkt grafisch dar.
13 Empirisch wird diese Aussage jedoch widerlegt. Vgl. hierzu Kapitel 2.1.3.
14 Vgl. zur Kritik z.B. Lee (2001) und Malkiel (2003).
6
Abbildung 1: Darstellung des Zusammenhangs zwischen investororientierter Rechnungslegung
und Kapitalmarkt
(Quelle: Eigene Darstellung)
Einige Studien zeigen, dass die traditionelle Finanzberichterstattung (Financial Reporting) den Anforderungen des Kapitalmarktes nicht mehr gerecht wird. 15 Insbesondere reichen die Informationen der Abschlüsse oftmals nicht für eine Unternehmensbewertung aus (vgl. Schultze et al. (2009), S. 13). Neben der traditionellen Finanzberichterstattung nutzen deshalb vor allem größere Kapitalgesellschaften zunehmend die wertorientierte Berichterstattung (Value Reporting) zur Kapitalmarktkommunikation (vgl. Schultze et al. (2009), S. 13; Pellens et al. (2000), S. 1825). Im Rahmen des Value Reporting werden unternehmenswerterhebliche Daten an Unternehmensexterne kommuniziert. Die Berichterstattung geht dabei über die Pflichtpublizität hinaus (vgl. Ruhwedel/Schultze (2002), S. 609). Dadurch sollen Informationsasymmetrien zwischen Investoren und der Unternehmensleitung abgebaut und eine eventuell vorhandene Wertlücke zwischen dem aktuellen Aktienpreis und dem inneren Wert des Unternehmens vermindert werden (vgl. Ruhwedel/Schultze (2002), S. 609).
15 Vgl. zur Kritik an der traditionellen Finanzberichterstattung z.B. Köthner (2005), S. 408-409.
7
Nach dieser Darstellung von Theorien und Konzepten zum Zusammenhang zwischen Rechnungslegung und Kapitalmarkt sollen im folgenden Abschnitt verschiedene empirische und experimentelle Studien vorgestellt werden, die Aufschlüsse über den aktuellen Stand der Entscheidungsnützlichkeit von Rechnungs-legungsinformationen geben können.
2.1.2 Evidenz zum Zusammenhang zwischen investororientierter
Rechnungslegung und Kapitalmarkt
In empirischen Studien kann die Hypothese, Rechnungslegungsinformationen seien relevant für den Kapitalmarkt, nicht abgelehnt werden (vgl. Lindemann (2006), S. 976; Coenenberg (2005), S. 1236). Allerdings fanden Ball/Brown schon 1968 heraus, dass ein Großteil der Informationen der Rechnungslegung bereits vor der Veröffentlichung in Aktienpreisen eingepreist zu sein scheinen (vgl. Ball/Brown (1968)). Lindemann (2006) kommt in seinem state-of-the-art-Artikel zur Kapitalmarktrelevanz der Rechnungslegung nach Auswertung der Literatur zu dem Ergebnis, „…dass die Bewertungsrelevanz der untersuchten Größen Gewinn und Buchwert des Eigenkapitals sowohl in den USA als auch in Deutschland im Laufe der letzten Jahrzehnte…“ (Lindemann (2006), S. 988)
wahrscheinlich abgenommen hat, 16 wohingegen die Entwicklung der Entscheidungsrelevanz 17 von Rechnungslegungsgewinnen im Zeitablauf unklar ist (vgl. Lindemann (2006), S. 988). Die Vermutung, dass die IFRS kapitalmarktrelevanter sind als die deutschen Regeln nach HGB, wird empirisch nicht eindeutig beant- 16 Lo/Lys(2000) finden heraus, dass die Bewertungsrelevanz von Gewinnen in den USA für den
Zeitraum 1972 bis 2000 abgenommen hat, während Lev/Zarowin (1999) für einen vergleichbaren
Zeitraum zusätzlich zu dem Ergebnis kommen, dass die Bewertungsrelevanz des Buchwertes des
Eigenkapitals abgenommen hat. Vorstius (2004) zeigt auf, dass die Bewertungsrelevanz beider
Rechnungslegungsgrößen für den deutschen Kapitalmarkt abgenommen hat. Brown et al. (1999)
zeigen, dass bei Berücksichtigung von Größeneffekten, die Studien von Collins et al. (1999) und
Francis/Schipper (1999) ebenfalls zu dem Ergebnis führen, dass die Bewertungsrelevanz von Ge-
winnen und Buchwerten des Eigenkapitals in den USA in den letzten Jahrzehnten abgenommen
hat. Ohne Berücksichtigung dieses Zusammenhangs kommen die Autoren der beiden Studien zu
gegensätzlichem Ergebnis.
17 Nach der Studie von Landsmann/Maydew (2002) ist die Entscheidungsrelevanz von Gewinnen
in den USA für den Zeitraum 1972 bis 1998 leicht gestiegen. Lo/Lys (2000) kommen zu dem
differenzierteren Ergebnis, dass die Entscheidungsrelevanz von Gewinnen großer Unternehmen in
den USA (das Sample von Landsmann/Maydew (2002) bestand aus größeren Unternehmen) zuge-
nommen hat, wohingegen die Entscheidungsrelevanz von Gewinnen kleinerer Unternehmen abge-nommen hat.
8
wortet (vgl. Lindemann (2006), S. 988). 18 Empirische Studien belegen, dass von den Abschlüssen eine relativ geringe Informationswirkung für Investoren ausgeht. Vor Bekanntgabe des Abschlusses werden bereits Informationen aus der Rechnungslegung - bspw. über Zwischenberichte oder Ad-hoc Mitteilungen - an den Kapitalmarkt kommuniziert. Diese Vorabinformationen führen wahrscheinlich dazu, dass von den Abschlussdaten eine geringe Informationswirkung ausgeht (vgl. Mölls/Strauß (2007), S. 85). Francis et al. (2002) weisen für die letzten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine zunehmende indirekte Entscheidungsrelevanz von Einkommenszahlen der Rechnungslegung in den USA nach. Laut der Autoren steigt die Informationswirkung der Einkommenszahlen aufgrund zusätzlicher Angaben über die Entstehung des Einkommens (z.B. Pressemitteilungen mit detaillierten Angaben zum Betriebsergebnis) (vgl. Francis et al. (2002), S. 543). Während Francis et al. (2002) den zunehmenden Informationsgehalt vor allem mit detaillierteren Einkommensrechnungen erklären, sehen Collins et al. (2009) den Hauptgrund in der zusätzlichen Veröffentlichung von so genannten „Pro-Forma-Earnings“ 19 (vgl. Collins et al. (2009), S. 28). Beide Studien kommen demnach zu dem Ergebnis, dass detailliertere Informationen zu den Einkommenszahlen die Entscheidungsrelevanz der Rechnungslegung erhöhen.
Hinsichtlich der Aussagekraft der Ergebnisse der empirischen Untersuchungen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die methodische Vorgehensweise der Studien teilweise kritisch beurteilt wird (vgl. z.B. Mölls/Strauß (2007), S. 92; Wagenhofer/Ewert (2007), S. 117-122). Aus den Ergebnissen können Vorschläge für eine „optimale“ Rechnungslegung aufgrund der Kritik an der Methodik nur mit Einschränkungen gewonnen werden (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 123). Holthausen/Watts (2001) weisen daraufhin, dass die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen zur Kapitalmarkerelevanz für Standardsetzer nur hilfreich sein können, wenn der Kapitalmarkt über ein Mindestmaß an Informationseffizienz verfügt (vgl. Holthausen/Watts (2001), S. 18). Außerdem ist fraglich, inwieweit empirische Ergebnisse, die in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeit-
18 Gemäßder Studie von Bartov et al. (2005) liefern die IFRS Investoren entscheidungsnützlichere
Informationen als das HGB. Vorstius (2004) kommt zu dem gegensätzlichen Ergebnis und
Hung/Subramanyam (2007) können keine höhere Kapitalmarkrelevanz bei einem der beiden Sys-
teme ausmachen.
19 „Pro-Forma-Earnings“ sind Einkommenszahlen, die von allgemein anerkannten Grundsätzen
der Rechnungslegung (GAAP) abweichen (vgl. Ciccone (2002), S. 1).
9
punkten gewonnen wurden zur Beurteilung von Rechnungslegungsregeln herangezogen werden können (vgl. Thingaard et al. (2006), S. 49). Im Rahmen dieser Arbeit werden die Ergebnisse empirischer Untersuchungen trotz der Kritik als nützlich für die Beurteilung von Rechnungslegungsalternativen gesehen (so auch z.B. Barth et al. (2001a)).
2.1.3 Evidenz zum Einfluss der Darstellungsart der Abschlüsse auf
Investoren
Im Hinblick auf das Diskussionspapier sind empirische und experimentelle Studien, die sich mit der Art der Darstellung von Rechnungslegungsinformationen auseinander setzen, von besonderem Interesse. Insbesondere die Frage, ob und wie Investoren durch die Darstellung von Abschlüssen beeinflusst werden, kann hilfreiche Aufschlüsse für die Einschätzung des Diskussionspapiers geben. Die Auswertung der Literatur 20 führt zu dem Ergebnis, dass die Darstellungsart von Informationen zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens vermutlich einen Einfluss auf die Entscheidungen von Investoren hat. Beeinflusst werden Investoren z.B. durch das Format, das zur Präsentation der ergebnisneutral im Eigenkapital erfassten Erträge und Aufwendungen (Other Comprehensive Income) verwendet wird. 21 Weitere Studien belegen, dass die Kapitalflussrechnung je nach Darstellungsmethode einen unterschiedlichen Nutzen für Investoren hat. Krishnan/Largay III. (2000) kommen für die USA, Clinch et al. (2002) für Australien zu dem Ergebnis, dass die direkte Methode geeigneter für die Prognose zukünftiger Cash-Flows ist als die indirekte Methode. Barth/Schipper (2008) stellen sowohl theoretische als auch empirische Studien vor, die belegen, dass eine höhere Transparenz in der Finanzberichterstattung kapitalmarktorientierter Unternehmen mit geringeren Kapitalkosten einhergeht. Das heißt ceteris paribus fordert ein In-vestor für kapitalmarktorientierte Unternehmen mit transparenter Finanzberichterstattung eine geringere Rendite als für ein Unternehmen mit weniger transparenter Finanzberichterstattung. Unter Transparenz in der Finanzberichterstattung verstehen Barth/Schipper (2008) das Ausmaß, mit dem die Abschlüsse die zugrunde
20 Auf diesem Forschungsgebiet wurden bisher kaum Studien veröffentlicht (vgl. Ding et al.
(2008), S. 146).
21 Zu diesem Ergebnis kommen bspw. Tarca et al. (2008), Hunton et al. (2006), Beale/Davey
(2001), Maines/McDaniel (2000) und Hirst/Hopkins (1998).
10
liegenden ökonomischen Aktivitäten in einer verständlichen Weise offen legen (vgl. Barth/Schipper (2008), S. 174).
2.2 Konzeptionelle Anforderungen von Investoren an Abschlüsse
2.2.1 Überblick über wissenschaftliche Methoden zur Ableitung von
Anforderungen an Abschlüsse
Nach den Ausführungen in Kapitel 2.1 kann die Hypothese, dass Rechnungslegung für den Kapitalmarkt relevant sei, nicht abgelehnt werden. Allerdings existieren auch keine Theorien und Konzepte, die präzise erläutern wie die Informationen am Kapitalmarkt ausgewertet werden. Ohne diese Erkenntnisse können jedoch keine konkreten Rechnungslegungsregeln, die dem Zweck der Entscheidungsnützlichkeit folgen, abgeleitet werden (vgl. Moxter (2000), S. 2146-2147; Streim (2000), S. 120-127). Aus dem Nichtvorhandensein einer Theorie zur Ableitung konkreter, entscheidungsrelevanter Rechnungslegungsregeln folgt auch der Mangel einer Theorie zur Beurteilung von Rechnungslegungsregeln (vgl. Paarz (2007), S. 37).
Da eine solche Theorie nicht zur Verfügung steht, muss auf Alternativen zur Beurteilung von Rechnungslegungsregeln zurückgegriffen werden. Die vorgeschlagenen Änderungen des Diskussionspapiers sollen in dieser Diplomarbeit aus der Sicht eines Investors beurteilt werden. Diese Vorgehensweise liegt nahe, weil das Ziel der Änderungen die Entwicklung eines Abschlusses ist, der Investoren zukünftig entscheidungsnützliche Informationen liefern kann (vgl. DP FSP (2008), Abschn. 1.6). Zur Entwicklung der Anforderungen von Investoren an die Rechnungslegung gibt es zwei Methoden in der Wissenschaft: Die Anforderungen können deduktiv-logisch oder empirisch-induktiv abgeleitet werden. 22
Die Ermittlung der Anforderungen auf empirische Weise weist den Vorteil auf, dass die Anforderungen direkt aus Experimenten oder Befragungen mit Investoren sowie aus Beobachtungen von Kapitalmarktreaktionen abgeleitet werden können (vgl. Lange, C. (1989), S. 77-79). Demgegenüber stehen jedoch Nachteile wie die Abhängigkeit der Ergebnisse von der Repräsentativität der Untersuchung (vgl.
22 Vgl. für eine Diskussion der Unterschiede beider Vorgehensweisen die Beiträge von Zimmer-
mann/Werner (2004), S. 135-145 und Lange (1989), S. 77-93.
11
Arbeit zitieren:
Vincent Leinenbach, 2009, Discussion Paper "Preliminary Views on Financial Statement Presentation", München, GRIN Verlag GmbH
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