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1. Einleitung 1
2. Ergebnisse der großen Leistungsvergleichsstudien - 3
Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganztagsschulen?
2.1 TIMSS - Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie 4
2.2 PISA - Programme for International Student Assessment 6
2.3 IGLU - Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung 9
2.4 Vergleichstudienergebnisse im Kontext der Schulentwicklung 9
3. Aktuelle Definitionen des Begriffs „Ganztagsschule“ 11
3.1 Definition Ganztagsschule durch den Ganztagsschulverband 11
3.2 Definition Ganztagsschule durch den Schulausschuss der KMK 13
4. Anforderungen, Erwartungen und Hoffnungen 15
an Ganztagsschulen im Visier
4.1 Ganztagsschulen helfen, Familie und Beruf miteinander besser zu vereinbaren 16
4.2 Ganztagsschulen machen Schulen durch eine veränderte Schulorganisation 21
lebensn äher, effizienter und gerechter
4.3 Ganztagsschulen gewährleisten durch eine neue Dimension von Unterricht 25
erfolgreiches Lehren und Lernen
5. Aktuelle Situation der Ganztagsschulen 28
5.1 Stand und Umsetzung des IZBBs 29
5.2 Bevölkerungsakzeptanz, -nachfrage und -einschätzungen von Ganztagsschulen 30
5.2.1 Elternumfragen 31
5.2.2 Lehrerumfragen 32
6. StEG - Studie zur Entwicklung von Ganztagsschule 34
6.1 Fragestellungen und Ziele 34
6.2 Projektdesign und Erhebungswellen 35
6.3 Rückmeldung der Ergebnisse 36
7. Fazit 37
8. Quellenangaben 39
9. Anhang 44
1. Einleitung
„Die Welt erklärt man nicht an einem halben Tag. Ganztagsschulen. Zeit für mehr.“ heißt es in der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung herausgegebenen Broschüre. Eine Broschüre, die das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) der Bundesregierung als einen Beitrag für eine nachhaltige und notwendige Bildungsreform in Deutschland ausführlich beschreibt und die den Leser eindrucksvoll, lebens- und realitätsnah Möglichkeiten, Ziele und Chancen eines ganztägigen Schulsystems aufzeigt. Ganztagsschulen sind ins Zentrum der bildungspolitischen Debatten in der Bundesrepublik Deutschland gerückt. Insbesondere die erschreckenden Ergebnisse der großen Leistungsvergleichsstudien (PISA, TIMSS und IGLU) haben gezeigt, dass das bundesdeutsche Schulsystem krankt: Das Leistungsniveau der deutschen Schülerinnen und Schüler liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Industrieländer. Weiterhin ist unser Bildungssystem hochgradig sozial ungerecht: in keinem anderen vergleichbaren Land entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Bildungserfolg von Kindern wie in Deutschland. Auch bei der Integration und Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunft liegt die Bundesrepublik auf den letzten Plätzen. 1 Ein Bildungsnotstand in Deutschland, der auf Entwicklungsprobleme des Schulsystems, der Schulen und des Unterrichts hinweist, wurde offensichtlich. Um die Qualität von Bildung, die Rahmenbedingungen an Schulen und damit die Zukunft der Kinder nachhaltig zu verbessern hat die Bundesregierung im Rahmen des Programms „Zukunft, Bildung und Betreuung“ seit Mai 2003 mit dem flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland be-
gonnen. 2 Das fast ausschließlich auf Halbtagsschulen bauende deutsche Schulsystem soll re-formiert werden, die im internationalen Vergleich bestehende Sonderrolle aufgehoben werden. Denn in anderen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und den USA sind Ganztagsschulen so selbstverständlich, dass es dafür keinen eigenen Begriff gibt. Nun scheint diese Schulform, die in Deutschland seit dem Gesamtschulvorstoß in den 70-er Jahren weitgehend in Vergessenheit geraten war, die Universallösung zu sein. Ganztagsschulen als Antwort auf die Pisa-Studie, als Zeitträger für mehr Qualität und Effektivität im Unterricht, als Ort der individuellen Förderung, kreativen Freizeitgestaltung und familienfreundlichen Betreuung - kurz: als neuer Lebens- und Lernort für Schülerinnen und Schüler durch ein verbesserte Lernkultur - sind die Hoffnungsträger der Gegenwart und Zukunft. Große Erwartungen und Ansprüche, die an die zukunftsweisende Schulform gestellt werden und gleicherma-
1 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Zukunft Bildung.
http://www.bmbf.de/de/1076.php; Stand: 03. Februar 2006.
2 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Zukunft Bildung und Betreuung. Startkonferenz zum Investitionsprogramm. Berlin 2003.
2
ßen spannend, ob bzw. inwieweit es diese nach knapp drei Jahren intensivster Förderung und Weiterentwicklung geschafft hat, dem Ziel eines besseren und gerechteren Schulsystems nä-
her zu kommen. Sind Ganztagsschulen die „Treibhäuser der Zukunft“ 3 und effektive Motoren der Bildungsreform, die das deutsche Bildungssystem wieder an die Weltspitze bringen? Die vorliegende Arbeit soll versuchen, der Fragestellung anhand empirischer Befunde zum Thema Ganztagsschulen nachzugehen und die Wirkung sowie gegenwärtige Entwicklung ganztägiger Schulorganisation aufzuzeigen. Dazu soll im ersten Teil der Hausarbeit (Kapitel 2) die Notwendigkeit einer umfassenden Bildungsreform anhand der Ergebnisse der großen Leistungsvergleichsstudien dargestellt werden, wobei der Fokus auf der Pisa-Studie liegt. Nach aktuellen Definitionen des Begriffs Ganztagsschule (Kapitel 3) werden im dritten Teil Anforderungen, Erwartungen und Hoffnungen an Ganztagsschulen (Kapitel 4) dargestellt und unter Berücksichtigung gegenwärtig zur Verfügung stehender wissenschaftlicher Belege kritisch bewertet. Ferner wird ein Einblick in die aktuelle Situation der Ganztagsschulen in Form der Darstellung statistischer Zahlen, Daten und Fakten gegeben (Kapitel 5). Im letzten Teil (Kapitel 6) geht es um die Vorstellung der StEG-Studie, einer laufenden Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen, die in naher Zukunft aussagekräftige, umfassende Ergebnisse zur Wirkungsweise ganztägiger Schulorganisation zu bringen vermag und als empfehlenswerte weiterführende Informationsquelle dieser Arbeit anzusehen ist.
3 zit. n. Reinhard Kahl: Treibhäuser der Zukunft. Wie in Deutschland Schulen gelingen.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
2. Ergebnisse der großen Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganztagsschulen?
Schulische Leistungsvergleichsstudien sollen der Qualitätsentwicklung und -verbesserung von Schulen dienen und anhand eines sogenannten output-Kriteriums, der Leistungsmessung, aufzeigen wie ernst die verschiedenen Staaten ihren Bildungsauftrag gegenüber der nächsten Generation nehmen. 4 Inwieweit Leistungsvergleichsstudien dazu in der Lage sind, wird kontrovers diskutiert. Während internationale Vergleichsstudien (wie TIMSS, PISA und IGLU) gegenwärtig die bildungspolitische Debatte dominieren und als Gradmesser für die aktuelle Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems gelten, geben Kritiker mögliche externe und interne Mängel von Leistungsvergleichsstudien zu bedenken. Klemm (2000) weist beispielsweise auf die Gefahr einer „curricularen Globalisierung“ hin. Dieser zufolge definierten die Testaufgaben sozusagen ein internationales Curriculum, das nicht in jedem Fall auf curri-culare Validität überprüft sei. 5 Ebenso werden weitere interne Mängel der Leistungsvergleichsstudien in der Repräsentativität von Stichproben bis hin zur Interpretation von Leistungsunterschieden gesehen. Als externes Manquo sei auf die mögliche Engführung bei den Lernzeilen hingewiesen, da sich der Blick in vielen Studien fast ausschließlich auf fachliche
Leistungen konzentriert. 6 Der Bildungsauftrag von Schule ist jedoch weit umfassender (vgl. Anhang Abb.1), Fachleistungen können folglich weder eine individuelle Prognose für Lebensbewältigung noch für den wirtschaftlichen Erfolg sein. Wenn es also im Folgenden um die zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der drei großen Leistungsvergleichsstudien (TIMSS, PISA und IGLU) geht, die aufgrund des miserablen Abschneidens deutscher Schülerinnen und Schüler eine dringend notwendige Bildungsreform deutlich machen, ist gleichermaßen zu bedenken, dass keine Studie „perfekt“ ist und neben insgesamt solider, sorgfältiger und aufwendiger Vorbereitung, Durchführung und Auswertung kleinere methodische Schwächen vorhanden sein könnten. Insgesamt geht es dennoch um wichtige ernstzunehmende und aussagekräftige Ergebnisse, die Defizite in bestimmten Bereichen des Bildungssystems, der Schul- und Unterrichtsqualität aufzeigen und aus denen - insbesondere durch den internationalen Vergleich - wesentliche Ansatzpunkte für ein besseres Schulsystem hervorgehen. 7
4 vgl. Klaus-Jürgen Tillmann: Leistungsvergleiche - eine Chance zur Qualitätsverbesserung von Schulen? Vortrag bei der "Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung“. Frankfurt am Main 2001.
5 vgl. Klemm, Klaus: Als Dauerveranstaltung nicht geeignet. Prof. Klaus Klemm über Chancen und Risiken von Vergleichsstudien. 2000.
6 vgl. ebd.
7 vgl. Buhlmann, Edelgard In: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Vertiefender Vergleich der Schulsysteme ausgewählter PISA-Teilnehmerstaaten. Berlin 2003. S. 5-8.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
2.1 TIMSS - Dritte Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie
Die TIMSS (Third International Mathematics and Science Study) ist eine von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) durchgeführte international vergleichende Schulleistungsuntersuchung, mit dessen Hilfe in den letzten 15 Jahren aus 41 Ländern (vgl. Anhang: Abb. 2) verlässliche Daten zu den Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen von Schlüsseljahrgängen aus der Grundschule, Sekundarstufe I und Se-kundarstufe II gewonnen wurden. Deutschland hat sich an den Untersuchungen der Sekundar-
stufe I und Sekundarstufe II beteiligt. 8 Mitte des Jahres 1997 brachte die Veröffentlichung der TIMSS große Aufruhe in der deutschen Bildungspolitik, da die Ergebnisse der deutschen Schülerinnen und Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Leistungen ergaben. Obwohl es weder gravierende internationale Unterschiede bei den Lehrplänen und Curricula, noch bei den Stundentafeln in den entsprechenden Fächern gab, wiesen die Mehrzahl der nord-, ost- und westeuropäischen Län-
der sowie die meisten asiatischen Staaten deutliche Leistungsvorsprünge auf. 9 Vom Ende der 8. Klasse bis zum Ende der Sekundarstufe II vergrößerte sich der Abstand sogar zu den leistungsstärkeren Ländern (Italien, Tschechien, Schweden, USA). Bei ca. 20% der deutschen Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs waren die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten nur noch mit erweitertem Grundschulniveau vergleichbar. Allgemein auffällig wurden insbesondere Schwächen bei Aufgaben, die das selbstständige Anwenden von Gelerntem, die Übertragung in neue Kontexte oder ein flexibles Umstrukturieren von Problemkonstellationen erfordern. Probleme und Defizite, die vielleicht auf lernineffiziente Unterrichtsmethoden und auf zu wenig Experimentiermöglichkeiten und mangelnden Praxisbezug in den Klassenräumen der deutschen Schülerinnen und Schüler zurückzuführen sind? Bereits eine alte Weisheit Pestalozzis besagt, dass Schülerinnen und Schüler bzw. allgemein Menschen nur durch die Verbindung von „Kopf-, Herz und Handarbeit“ effektiv und langfristig lernen. Die Verzahnung von theoretischen und praktischen Lerninhalten und die Ausbildung von Transferleistungen, von Fähigkeiten des selbstständigen Erarbeitens, Durchführens und Lösens bestimmter Aufgaben, erfordert ein großes Repertoire an Lösungsstrategien. Strategien, die nicht von heute auf morgen im 45-Minuten Takt, unter verbaler Anleitung des Lehrers mit maximalem Anschauungsmedium der Tafel ausgebildet werden können - so die
8 vgl. TIMSS: Third International Mathematics and Science Study. http://www.timss.mpg.de/; Stand: 07. März 2006.
9 vgl. TIMSS: zentrale Ergebnisse.
http://www.hh.schule.de/ifl/mathematik/ergtimss.htm; Stand: 07. März 2006.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
überspitzte Darstellung des Lehrens und Lernens an deutschen Oberschulen. Schülerinnen und Schüler brauchen Zeit, um Sachverhalte durch Erforschen, Experimentieren und Erkunden nachvollziehen und verstehen zu lernen. Sie benötigen Zeit zur Entwicklung von Lösungsstrategien durch ganzheitlichen, anschaulichen und schüleraktiven Unterricht. Zeit und Unterricht, die herkömmliche deutsche Halbtagsschulen - zumindest den Ergebnissen der TIMSS zufolge - nicht haben. Ein benötigtes Mehr an Zeit, das an Ganztagsschulen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stünde und eine neue Dimension von Unterricht bringen könnte. -Weiterhin unterschieden sich die deutschen Schülerinnen und Schüler erwartungsgemäß je nach Schulform (Haupt-, Realschule oder Gymnasium) in ihren Fachleistungen erheblich. Innerhalb der einzelnen Schulformen ließ sich wiederum eine erhebliche Überlappung der
Fähigkeitsverteilungen feststellen. 10 An dieser Stelle sei nebenbei erwähnt, dass diese Ergebnisse das in Deutschland bestehende dreigliedrige Schulsystem erneut in Frage stellen und eindrucksvoll belegen, dass ein einheitlich-integriertes System - ein Schulsystem ohne frühe Selektion - zu hervorragenden Leistungsergebnissen führen kann. Festzuhalten gilt, dass die TIMSS wesentliche Leistungs- und Motivationsschwachpunkte im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich deutscher Schülerinnen und Schüler aufdeckte, die die Effektivität des deutschen Bildungssystems in Frage stellten und großen Handlungs- und Reformbedarf im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht aufzeigten. TIMSS kann rückblickend als „Startpunkt für die Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ gesehen werden. 11 Als Reaktion auf TIMSS wurde neben vielen exemplarischen Ideen für einen aktivierenden, verständnisorientierten Unterricht das BLK-Programm realisiert, ein Reformkonzept zur „Steigerung der Effizienz des mathematischnaturwissenschaftlichen Unterrichts“, das von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in Auftrag gegeben wurde. 12 Weiterhin wurde von den Kultusministern im Sommer 1997 der sogenannte „Konstanzer Beschluss“ gefasst, in dem vereinbart wurde, dass die Länder regelmäßige Vergleichsuntersuchungen zum Leis-tungsstand der Schulen durchführen werden. 13
10 vgl. TIMSS: Third International Mathematics and Science Study. http://www.timss.mpg.de/; Stand: 07. März 2006.
11 vgl. Baumert, Jürgen; Klieme, Eckard: TIMSS als Startpunkt für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, S. 5-10. http://www.bmbf.de/pub/timss.pdf
12 vgl. ebd.
13 vgl. ebd.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
2.2 PISA - Programme for International Student Assessment
Durch TIMSS zum großen Teil ausgelöst und als weitere Maßnahme, das deutsche Schulsystem im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen international vergleichen zu lassen, um gesicherte Befunde über Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler in den zentralen Kompetenzbereichen (Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften) zu erhalten, nahm Deutschland als eines von 32 Teilnehmerstaaten - davon 28 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) (vgl. Anhang: Abb.3 ) - an der
PISA-Studie teil. 14 Pisa ist die Abkürzung für „Programme for International Student Assessment“ und eine international standarisierte Leistungsmessung, die 15-jährige Jugendliche auf Kompetenzen untersucht, die für das lebenslange Lernen in Schule, Beruf und Alltag wichtig sind. PISA liefert somit Informationen über die Ergebnisse des Lehrens und Lernens in unterschiedlichen Bildungssystemen und deren Qualität. Die Erhebungen werden in einem Abstand von drei Jahren durchgeführt. Dabei liegt der Schwerpunkt jeweils auf einem Kompetenzbe-reich (vgl. Anhang: Abb. 4). 15 Die erste PISA-Erhebung fand im Jahr 2000 statt, die zweite im Jahr 2003 und die dritte findet in diesen Jahr 2006 statt. PISA erfasst folgende drei Kompetenzbereiche: 1. Lesekompetenz (Reading Literacy)
Lesekompetenz meint mehr als Informationen aus Texten entnehmen zu können. Es wird vor allem die Fähigkeit untersucht, geschriebene Texte unterschiedlichster Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer Form zu verstehen und in einem größeren Zusammenhang einordnen zu können. Bei PISA werden fünf Kompetenzstufen verschiedenen Schwierigkeitsgrades
unterschieden. 16
Die Testleitungen der deutschen Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich sind unterdurchschnittlich (vgl. Anhang: Abb. 5). Auf der Gesamtskala im Lesen liegt der Mittelwert der 15-jährigen in Deutschland bei 484 Punkten und damit 16 Punkte unter dem OECD-Mittelwert. Lediglich Luxemburg und Liechtenstein als zwei weitere mitteleuropäische Länder weisen neben Deutschland Mittelwerte unter dem OECD-Durchschnitt auf. Auch die Ergebnisse von PISA 2003 zeigen keine signifikanten Unterschiede im Bereich der Lesekompe-
tenz. 17 Auffällig und besorgniserregend ist die starke Streuung der Schülerleistungen in
14 vgl. PISA 2000. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 2001.
15 vgl. ebd.
16 vgl. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 2001, S. 13.
17 vgl. PISA-Konsortium Deutschland: PISA 2003: Kurzfassung der Ergebnisse, S.1. http://pisa.ipn.uni-kiel.de/Kurzfassung_PISA_2003.pdf; Stand: 20. Februar 2006.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
Deutschland. Der Leistungsabstand zwischen den leistungsschwächsten und leistungsstärksten Schülerinnen und Schülern ist in Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern am größten. Ferner geben 42% der Jugendlichen an, nicht zum Vergnügen zu lesen. Sie stehen dem Lesen allgemein motivationslos gegenüber und bilden eine Risikogruppe. Übrigens befinden sich 23% der deutschen Schülerinnen und Schüler auf der Kompetenzstufe I, was dem elementaren Niveau (Grundschulniveau) entspricht. Unter diesen Jugendlichen sind knapp die Hälfte (47%) selbst sowie deren Eltern in Deutschland geboren und sprechen zu Hause
deutsch. 18 Erschreckend ist ebenfalls, dass sich aus vorherigen Befragungen der Lehrer nach schwachen Lesern ergab, dass nur ein kleiner Teil der Risikogruppe als leseschwach erkannt wurde. Insbesondere an dieser Stelle wird die unzureichende individuelle Förderung ersichtlich. Im deutschen Schulsystem geht anscheinend ein Großteil der Schülerinnen und Schüler, die einer gezielten Förderung bedürfen, unter. Zumindest findet bei vielen keine gezielte und frühzeitige Identifikation und Förderung statt. Ein Zustand, der Schul- und Unterrichtsqualität in Frage stellt, der nach neuen Schul- und Unterrichtskonzepten verlangt. Mehr Zeit für individuelle Förderung, für das Eingehen auf individuelle Stärken und Schwächen. Mehr Zeit, um die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie stehen und ihr Interesse für den Lernstoff zu erwecken. Fraglich bleibt, ob es dafür einer Ganztagsschule bedarf oder durch neue schülergerechtere Unterrichtsformen dies auch an Halbtagsschulen zu verwirklichen wäre. 2. Mathematische Grundbildung (Mathematical Literacy)
Mathematische Kompetenz besteht für PISA nicht nur aus der Kenntnis mathematischer Sätze und Regeln und der Beherrschung mathematischer Verfahren. Sie zeigt sich vielmehr in der Fähigkeit mathematische Begriffe als „Werkzeuge“ in einer Vielfalt von Kontexten einzusetzen. Entsprechend der Lesekompetenz werden auch bei der mathematischen Grundbildung fünf Kompetenzstufen unterschiedlichem Schwierigkeitsniveaus definiert. Betrachtet man die Mathematikleistungen im internationalen Vergleich (s. Anhang: Abb. 6), so liegt Deutschland mit den osteuropäischen Ländern und Spanien im schlechteren Mittelfeld, aber deutlich unter dem OECD-Mittelwert. Demgegenüber gehören die vier angloamerikanischen Staaten (Vereintes Königreich, Kanada, Australien und Neuseeland) sowie Finn-land und die Schweiz zur Spitzengruppe der Teilnehmerstaaten. PISA 2003 (Schwerpunkt Mathematik) liefert etwas bessere Werte, im Mittelfeld des OECD-Durchschnitts. 19 Trotzdem liegen rund 20% aller deutschen 15- jährigen Schülerinnen und Schüler unter oder auf der
18 vgl. PISA 2000: Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie. http://www.zum.de/Faecher/evR2/BAYreal/as/se/pis/pisa3.htm; Stand: 24. Februar 2006.
19 vgl. PISA-Konsortium Deutschland: PISA 2003: Kurzfassung der Ergebnisse, S.1.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
ersten Kompetenzstufe (Grundschulniveau). Auch im Mathematikbereich wurde eine sehr große Leistungsstreuung offensichtlich. 3. Naturwissenschaftliche Grundbildung (Scientific Literacy)
Naturwissenschaftliche Grundbildung (Physik, Chemie und Biologie) ist die Fähigkeit, naturwissenschaftliches Wissen anzuwenden, naturwissenschaftliche Fragen zu erkennen und
Schlussfolgerungen zu ziehen. 20 Die Einteilung erfolgte in fünf Kompetenzstufen. Die deutschen Schülerinnen und Schüler schneiden um 13 Punkte schlechter ab als der internationale Durchschnitt, der bei 500 lag (vgl. Anhang: Abb. 7). Damit liegen die Naturwissenschaftsleistungen deutscher Schülerinnen und Schüler unterhalb des Durchschnitts der OECD-Staaten. Die internationale Spitze (Korea, Japan) und Finnland haben einen erheblichen Vorsprung mit bis zu 60 Punkten. 21
Insgesamt bestätigen die nur mäßigen Ergebnissen der mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundbildung die Aussagen der TIMSS und weisen darauf hin, dass der Unterricht in Deutschland noch zu wenig problem- und anwendungsorientiert angelegt ist. -Ferner wird in der PISA-Studie der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb international verglichen. Dabei kam die alarmierende Tatsache heraus, dass in keinem anderen Land, das an PISA teilgenommen hat, die Unterschiede im Leistungsniveau so stark mit der sozialen Herkunft und dem Migrationsstatus gekoppelt sind wie in Deutsch-land. 22 So stammen beispielsweise Jugendliche mit geringer Lesekompetenz (Kompetenzstufe I oder darunter) vor allem aus unteren sozialen Schichten (vgl. Anhang: Abb. 8). Die Chancen eines Arbeiterkindes anstelle der Realschule das Gymnasium zu besuchen sind viermal gerin-ger als die eines Kindes aus der Oberschicht! 23 Demgegenüber schaffen es Länder wie Finn-land, Island, Korea und Japan - bei etwa gleich großer sozialer Heterogenität der Elternhäuser - die Auswirkungen der sozialen Herkunft zu begrenzen und gleichzeitig ein hohes Kompetenzniveau zu erreichen. Deshalb könnte der Ganztagsbetrieb an Schulen besonders sozial schwachen und benachteiligten Kindern, die im häuslichen Umfeld wenig oder gar keine Förderung erfahren weitaus größere Bildungschancen ermöglichen und dadurch zu einem gerechteren Bildungssystem führen.
20 vgl. PISA 2000. Zusammenfassung zentraler Ergebnisse, S.26.
21 vgl. ebd., S. 29.
22 vgl. Klieme, Eckard: PISA deckt die Schwachstellen auf.
http://bildung.focus.msn.de/bildung/bildungsstandards/theorie?page=2; Stand: 02. Februar 2006.
23 vgl. PISA 2000: Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie. Soziale Herkunft und Bildungsbeteiligung.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
2.3 IGLU - Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung
Im Jahr 2001 beteiligte sich die Bundesrepublik Deutschland an der internationalen PIRLS-Studie (Progress in International Reading Literacy Study), die in Deutschland unter der Bezeichnung „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU) durchgeführt wurde. Auch am geplanten zweiten Zyklus in diesem Jahr (2006) wird Deutschland wieder teilnehmen. Die IGLU-Studie testet international vergleichend das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe. Das Besondere an dieser Jahrgangsstufe ist der
Übergang vom „lesen lernen“ zum „lesen, um zu lernen“. 24
„Kompetent lesen zu können, ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten, des eigenen Wissens und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“. 25
Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland mit dem Rang 11 zwar im Mittelfeld der EU-Staaten liegt, jedoch weit unter den Spitzenländern Schweden, Niederlande und England (vgl. Anhang: Abb. 9). 10, 3% der deutschen Viertklässler können nur einfachste Inhalte verstehen, das OECD-Mittel liegt hier allerdings bei 14,1%. 26 Trotzdem erreichen etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler nur die Kompetenzstufe I u. II, so dass hier besondere Förderung notwendig wird, damit sich Schwierigkeiten nicht manifestieren. Nur 18,1% der Viertklässler erlangen die höchste Kompetenzstufe - daran wird deutlich, dass es kaum eine Begabtenförderung gibt. Zusätzlich gaben Lehrer an, dass sich Differenzierung und individuelle Förderung
auf schwächere Schülerinnen und Schüler beschränke. 27 Eine Schlussfolgerung dieser Ergebnisse ist, dass Lehrkräfte befähigt werden müssen, besser mit Heterogenität umzugehen, um eine wirksame Förderung der leistungsschwachen und auch der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten.
Grundsätzlich bestätigte auch IGLU, dass das deutsche Bildungssystem einer umfassenden Reformierung bedarf.
2.4 Vergleichstudienergebnisse im Kontext der Schulentwicklung
Auf das Handlungsfeld Schule bezogen zeichneten sich aus den Erkenntnissen allen drei großen Leistungsvergleichsstudien generell fünf Interventionsmöglichkeiten ab, die es für ein besseres und gerechteres Schulsystem zu beachten gilt:
24 vgl. IEA PIRLS (2001): IGLU- Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung. http://www.iea-dpc.de/Home/Studien/IGLU/body_iglu.html; Stand: 01. März 2006.
25 zit. n. ebd.
26 vgl. http://www.hanau.ihk.de/index.php?cms_id=637; Stand: 01. Februar 2006.
27 vgl. ebd.
2. Ergebnisse zu den Leistungsvergleichsstudien -Impulse zur Verbesserung des Schulwesens durch Ganstagsschulen?
1. Ein neuer Stellenwert des Lernens,
2. Eine differenzierte Vermittlung von Lerninhalten - neue Formen des Lehrens und Lernens,
3. Ein anderer Umgang mit schwachen Schülerinnen und Schülern, 4. Der Ausbau der Zusammenarbeit im Kollegium,
5. Ein gezielter Umgang mit Ressourcen in gemeinsamer Zusammenarbeit und Kooperation von Schulpersonen und außerschulischen Partnern.
Nach den Veröffentlichungen der Ergebnisse der Leistungsvergleichsstudien - insbesondere der PISA-Studie - hat die Debatte um Ganztagsschulen neuen Aufschwung erhalten. Die zeitliche und konzeptionelle Struktur sowie der Umfang unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Zusatzangebote wurden als eine Möglichkeit für eine neue Lehr- und Lernkultur angesehen. 28 Ein wesentlicher Grund für diesen Aufschwung liegt in dem Vergleich der europäischen Schulsysteme, die sich in den Studien als Spitzenländer herausgestellt haben, begründet. Auffällig wurde dabei, dass in Finnland, Skandinavien und Großbritannien ganztägige oder zumindest erweiterte Halbtagsangebote der Schulen eine wichtige Rolle spielen. 29 Der Ausbau von Ganztagsangeboten wurde auf der Kultusministerkonferenz 2001 als ein vordringliches Handlungsfeld angesehen.
Am 12. Mai 2003 unterzeichneten Bund und Länder gemeinsam das Investitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ (IZBB), dass mit vier Milliarden Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre den flächendeckenden Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen gewährleisten soll. So leitet eines der größten Bildungsprogramme, die es in Deutschland gab, den „Kurswechsel“ in der Schulpolitik ein. Das von der Bundesregierung unterstützte Ganztagsschulprogramm zielt entsprechend der Vereinbarung auf den Ausbau und die Weiterentwicklung von neuen Ganztagschulen, auf die "Schaffung zusätzlicher Plätze" an bestehenden Ganztagsschulen oder auf die "Qualitative Weiterentwicklung" von Ganztagsangeboten. 30
28 vgl. Klieme, Eckhard; Radisch, Falk: Ganztagsangebote in der Schule. Internationale Erfahrungen und empirische Forschungen, S. 144.
29 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Vertiefender Vergleich der Schulsysteme ausgewählter PISA-Teilnehmerstaaten, S. 6.
30 vgl. Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung". http://www.bmbf.de/de/1125.php; Stand: 20. Januar 2006.
3. Aktuelle Definitionen des Begriffs „Ganztagsschule“
In der Vergangenheit herrschte sehr viel Verwirrung um den Begriff der Ganztagsschule auf-grund unterschiedlichster Modelle ganztägiger schulischer Betreuungsformen und verschiedenster Bezeichnungen für diese. 31 Die Übergänge oder auch Abgrenzungen, was unter einer Ganztagsschule zu verstehen ist, waren fließend und ließen sich nur schwer in ein „enges begriffliches Korsett 32 “ zwängen. Am ehesten Anlehnung fand die Definition des UNESCO-Instituts von 1961, bei der Ganztagsschule als Oberbegriff für alle Formen ganztägiger schulischer Betreuung zu verstehen ist, die je nach Ausmaß der schulgebundenen Zeit der Schülerinnen und Schüler in offene Schulen (lediglich eine Erweiterung der halbtägigen Schulzeit in Form von fakultativen Betreuungsangeboten), Ganztagsschulen im engeren Sinne (Rhythmisierung der Unterrichtszeit im Wechsel mit nicht unterrichtsbezogenen Tätigkeiten) und Tagesheimschulen (Ergänzung des obligatorischen Angebots einer Ganztagsschule im engeren Sinne um eine Betreuung vor und nach der Schulzeit und um eine geregelte Mittagsmahlzeit) kategorisiert wurden.
Im Zuge der aktuellen Debatte um Ganztagsschulen sind gegenwärtig zwei Definitionen von Ganztagsschule präsent, die Definition der Ganztagsschule durch den Ganztagsschulverband und die Definition des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz (KMK). Beide sollen im Folgenden vorgestellt werden.
3.1 Definition Ganztagsschule durch den Ganztagsschulverband Laut Ganztagsschulverband gewährleistet eine Ganztagsschule
¾ allen Schülerinnen und Schülern ein durchgehend strukturiertes Angebot in der Schule an mindestens vier Wochentagen und mindestens sieben Zeitstunden,
¾ den konzeptionellen Zusammenhang der Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler am Vor- und Nachmittag,
¾ die konzeptionelle Einbindung erweiterter Lernangebote, individueller Fördermaßnahmen und Hausaufgaben/ Schulaufgaben,
¾ die im Schulkonzept als pädagogische Aufgabe eingebundene gemeinsame und individuelle Freizeitgestaltung der Schülerinnen und Schüler,
¾ die Aufgreifung altersgerechter Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler bei ihren Angeboten,
¾ alternative Unterrichtsformen wie zum Beispiel Projektarbeit,
31 vgl. Klieme, Eckard; Radisch, Falk: Wirkung ganztägiger Schulorganisation, S. 4-6.
32 zit. n. ebd., S. 4.
¾ die Begünstigung sozialen Lernens, ¾ an allen Schultagen ein warmes Mittagessen,
¾ eine ausreichende Ausstattung mit zusätzlichem pädagogischen Personal, mit einem erweiterten Raumangebot und mit zusätzlichen Lehr- und Lernmitteln,
¾ die Organisation aller Angebote unter der Aufsicht und Verantwortung der Schule. 33 Darüber hinaus unterscheidet der Ganztagsschulverband zwischen zwei Formen von Ganztagsschulen, die offenen und die gebundenen Ganztagsschulen. 1. Offene Ganztagsschulen weisen folgende Merkmale auf:
¾ Der verbindliche Unterricht liegt vorwiegend am Vormittag, allerdings in modifizierter Form, da sich die Hausaufgabenpraxis ändert.
¾ Nach der Unterrichtszeit wird eine fakultative Mittagsversorgung angeboten. ¾ Es besteht die Möglichkeit einer Hausaufgabenbetreuung unter professioneller Aufsicht auf freiwilliger Basis.
¾ Es bestehen sowohl gebundene, verpflichtende (festgelegte Arbeitsgemeinschaften) als auch ungebundene Freizeitangebote (Schülerdisco, Leseraum, Spielecke etc.).
¾ Am Nachmittag werden Förderangebote fakultativ angeboten.
¾ Arbeitsgemeinschaften finden nachmittags unter Berücksichtigung des erweiterten Bildungsauftrages statt.
¾ Angebote im Sinne von „Öffnung der Schule“, Projektunterricht, Exkursionsvorhaben erfolgen am Nachmittag.
¾ Am Nachmittag wird ein an dem Profil der Schule angelehntes breites Angebot an Neigungs- und Hobbykursen angeboten, das nach Möglichkeit unter Einbeziehung von Eltern
und Experten stattfindet. 34
2. Gebundene Ganztagsschulen weisen folgende Merkmale auf:
¾ Der verpflichtende Unterricht wird unter Aufgabe des herkömmlichen 45-Minuten-Taktes, der Orientierung am biologischen Rhythmus und durch Ermöglichung von fächerübergreifendem Unterricht auf Vor- und Nachmittag verteilt.
¾ Es findet eine obligatorische Mittagsversorgung statt, da alle Schülerinnen und Schüler am Nachmittag Unterricht oder andere Präsenzzeiten haben.
¾ Hausaufgaben werden konzeptionell eingebunden.
33 vgl. Ganztagsschulverband: Ganztagsschule.
http://www.ganztagsschulverband.de/Pages/Programmatik.html; Stand: 20. Januar 2006.
34 vgl. Ganztagsschulverband: Ganztagsschule.
http://www.ganztagsschulverband.de/Pages/Programmatik.html; Stand: 20. Januar 2006.
¾ Gebundene und ungebundene Freizeit wird auf den Vor- und Nachmittag verteilt und kann zuweilen auch jahrgangs- oder klassenintegriert stattfinden.
¾ Fördermaßnahmen werden entweder zu verschiedenen Zeitpunkten im Tagesablauf oder in klassen- oder jahrgangsbezogenen Differenzierungsstunden realisiert.
¾ Projektunterricht findet sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag stärkere Berücksichtigung.
¾ Es werden obligatorische und teilobligatorische Neigungsgruppen/ Arbeitsgemeinschaften/ Hobbygruppen vorwiegend nachmittags unter Einbeziehung außerschulischer Partner angeboten.
¾ Neu entwickelte und modifizierte Unterrichtsfächer (Umweltkunde, Klassenforum, Museumsunterricht) sowie Anteile reformpädagogischer Unterrichtssequenzen (Freiarbeit etc.) werden am Vor- und Nachmittag eingebunden. 35
Diese Definition von Ganztagsschule durch den Ganztagsschulverband zielt auf die Verbindung des erweiterten Zeitrahmens einer Ganztagsschule mit pädagogischen Inhalten, reformpädagogischen Gedanken und konzeptionellen Erfahrungswerten.
3.2 Definition Ganztagsschule durch den Schulausschuss der KMK
Die eher formale Definition des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 27. März 2003 verfolgt statistische Zwecke wie etwa die Erfassung von Ganztagsschulen und orientiert sich aus diesem Grund weniger an pädagogischen Empfehlungen als vielmehr an organisatorischen Merkmalen. Im Rahmen der Untersuchung empirisch fundierter Aussagen über Ganztagsschulen wird sich an dieser Definition von Ganztagsschule orientiert: „Unter Ganztagsschulen werden Schulen verstanden, bei denen im Primar- oder Sekundarbereich I
¾ über den vormittäglichen Unterricht hinaus an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztägiges Angebot für die Schülerinnen und Schüler bereitgestellt wird, das täglich mindestens sieben Zeitstunden umfasst,
¾ an allen Tagen des Ganztagsbetriebes den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen bereitgestellt wird,
¾ die nachmittäglichen Angebote unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und in enger Kooperation mit der Schulleitung durchgeführt werden und in ei-
nem konzeptionellen Zusammenhang mit dem Vormittagsunterricht stehen.“ 36
35 vgl. ebd.
36 vgl. http://www.kultur-macht-schule.de/fileadmin/pdf/kmk_def.html; Stand: 17. Januar 2006.
Arbeit zitieren:
Sabrina Gill, 2006, Ganztagsschulen - die Wundermittel zur Heilung der deutschen Bildungsmisere?, München, GRIN Verlag GmbH
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