Legitimationsbeweis.“ 1 Bei den Ureinwohnern des fünften Kontinents verfügt materieller Besitz also über keinerlei Bedeutung, dafür zählt das Wissen umso mehr. Die Kunst der Aborigines ist ein wichtiger Bestandteil in deren Kultur. Sie bringt die enge Bindung zum Land, die Identität des einzelnen Aborigine und dessen Überzeugungen und sein Wissen zum Ausdruck. Desweiteren erzählt die Kunst Geschichten, vermittelt und unterstützt Erzählungen über die Traumzeit. Ähnlich wie die christliche
Schöpfungsgeschichte beschreibt die Traumzeit, oder das „Dreaming“, der Aborigines die Entstehung der Welt durch schöpferische Ahnenwesen, wie beispielsweise die
Regenbogenschlange 2 , die über die Welt zog und alles darin erschuf und die sozialen und religiösen Gesetze festlegte. Aufgrund der vielen verschiedenen Aboriginestämme ist die Interpretation der Kunstformen sowie der damit verbundenen Erzählungen in Australien sehr stark regional geprägt. Daher sollte man sich auf zwei wesentliche Interpretationsebenen beschränken: „die >>inneren<<
Geschichten, die nur für diejenigen bestimmt sind, die über das entsprechende rituelle Wissen verfügen, und die >>äußeren<< Geschichten, die für alle zugänglich sind.“ 3 Ein Künstler, der ein Werk schafft, ist Besitzer oder zumindest Teilhaber seiner dargestellten Inhalte, die ihm persönlich zugeteilt wurden. Somit besitzt der Künstler das alleinige Recht bestimmte zeremonielle Muster zu verwenden und spirituelle Inhalte abzubilden. Das unerlaubte
Verwenden von Mustern, die anderen gehören, stellt bei den Aborigines einen schweren Verstoß gegen das Gesetz dar.
1 Caruana Wally, Die Kunst der Aborigines, München 1997, S. 15, Zitat nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Kunst_der_Aborigines
2 Siehe Abb. 1, S. 15.
3 Ebd. S. 14.
2
2.2 Materialien, Symbole und Ikonographie
In der traditionellen Kunst der australischen Ureinwohner wird hauptsächlich eine Reihe von Erdfarben (gelb, rot, schwarz und weiß) verwendet, die aus natürlichen
Materialien, wie Ocker, Kaolin 4 , Pfeifenton 5 , Holzkohle und Manganknollen 6 gewonnen werden. Den Orten, an denen der Ocker gewonnen wird, kommt sehr oft eine wesentliche rituelle und politische Bedeutung zu. Auch die Substanzen selbst, aus denen die einzelnen Farben hergestellt werden, haben einen bildlichen Wert. Zum Beispiel werden weißer Ton mit Trauer und roter Ocker mit dem Blut der Ahnenwesen in Verbindung gebracht.
Die Pinsel werden aus verschiedenen Zweigen, Pflanzenfasern und Stöckchen gefertigt, deren Enden man entweder durch Kauen zerfasert oder sie mit Haaren oder Federn versieht. Oft werden auch einfach nur die bloßen Hände und Finger benutzt um großflächige Hintergründe zu gestalten. Mit Hilfe eines feinen und langhaarigen Pinsels kann man beispielsweise komplizierte Kreuzschraffuren auf verschiedene Untergründe auftragen. Diese
Kreuzschraffurmuster sind ein besonderes Merkmal der Malereien im Arnhem-Land 7 im Northern Territory. An ihnen erkennt man die einzelnen Clans. Ihre Muster wurden von den Vorfahren vererbt und finden in allen möglichen Formen der Malerei Verwendung. Seit einiger Zeit werden diese selbst hergestellten Pinsel jedoch von üblichen, im Handel erhältlichen Pinsel abgelöst, die dann von den Künstlern an ihre persönlichen Bedürfnisse angepasst werden. Zum Binden der Farben fanden traditionell Fixative 8 aus Wachs, Eigelb, Harz und dem Saft von Orchideen Gebrauch.
4 Feines, eisenfreies, weißes Gestein.
5 Eisenfreier weißer Ton.
6 Knollenförmiges Gebilde aus Mangan.
7 Siehe Karte 1, S. 17.
8 Lösung, die Farben vor Beschädigungen und Veränderungen schützt. 3
Diese wurden allerdings seit den sechziger Jahren durch leicht erhältliche und einfach zu handhabende Holzleime weitgehend verdrängt.
Die vielen verschiedenen Symbole der Malerei und der Felskunst variieren von Region zu Region und so auch innerhalb einzelner Stämme. Dies zeigt sich auch heute noch in der modernen Kunst der Aborigines. Die gepunkteten Dot-Paintings 9 Motive, die in den sogenannten von Aborigine-Künstlern Verwendung finden, wurden das
Markenzeichen der derzeitigen modernen Kunstbewegung. Die Dot-Paintings nehmen Bezug auf die Traumzeit, den
Schöpfungsmythos der australischen Ureinwohner, und haben ihre Wurzeln in der Rindenmalerei, den Körperbemalungen und in der Boden- und Felsmalerei. Die Elemente dieser Malereien sind Punkte, Tupfen, Kreise, gerade oder
geschwungene Linien, Streifen, Spiralen, Ornamente, Spuren im Sand und Darstellungen von Pflanzen und Tieren. Je nach deren Anordnung in einem Bild erzählen sie so kleine Geschichten, die sich auf die Traumzeit beziehen. Hier ist jedoch anzumerken, dass gleiche Symbole nicht zwingend das Gleiche bedeuten. Denn je nach gemalter Geschichte bezeichnen zum Beispiel konzentrisch angeordnete Kreise einen Versammlungsplatz, eine Wasserstelle, eine heilige Stätte oder anderes. Die U-Form steht im Allgemeinen für einen sitzenden Menschen, während
gepunktete Felder für Funken, Feuer, verbrannten Boden, Rauch, Wolken, Regen und anderes stehen können.
9 Siehe Abb. 2, S. 15. 4
3. Traditionelle Kunst der Aborigines
3.1. Felsmalerei
Die Felsmalerei gehört zu den wohl eindrucksvollsten und ältesten Kunstformen der Aborigines. Man findet sie überall, besonders in den Kimberleys 10 , im Arnhem-Land und rund um Sydney. Die ältesten Exemplare der Felsenmalerei entdeckte man in der Pilbara-Region 11 und im Carpenter's Gap in den Kimberleys im Westen Australiens, sowie im Olary-Distrikt in Südaustralien. Die bedeutendsten Funde werden auf bis zu 40 000 Jahre v. Chr. datiert. Sie zeigen Landtiere, Jamswurzeln, Fische, Menschen, Waffen und längst ausgestorbene Tiere.
In der Felsmalerei spricht man generell von drei großen Stilrichtungen: dem weit verbreiteten und einfachen
Panarmitee Stil, den Stilen mit einfachen Figuren und Mustern in der Gegend um Sydney oder im Südosten von Cape York und schließlich den Stil mit komplexen Figuren und Mustern im Norden Australiens.
Die einfache Panaramiteekunst ist durch geometrische Formen wie Kreise, Spiralen, Linien, Punkte und Bögen
gekennzeichnet und ist typisch für Zentralaustralien und die daran grenzenden Regionen im Süden und Queensland. Dagegen ist der einfache Figurenstil mit lokalen
Stilrichtungen vorwiegend entlang der Küstenstreifen rund um den Kontinent zu finden. Der komplexe Figurenstil ist letztendlich nur im Nordosten, in Pilbara, in der Region um Kimberley, in Arnhem-Land und dem Victoria River-Gebiet anzutreffen. Zu dieser Stilrichtung gehört zum einen die Röntgenkunst 12 , die die Skelette und Organe von Tieren und Menschen darstellt, desweiteren die Wandjinas 13 , die eine
10 Siehe Karte 1, S. 17.
11 Siehe Karte 2, S. 17.
12 Siehe Abb. 3, S. 15.
13 Siehe Abb. 4, S. 16. 5
Gruppe von Ahnenwesen beschreiben, die vom Himmel und aus dem Meer kommen und mit dem Regen die Fruchtbarkeit des Landes aufrecht erhalten. Zum anderen zählen auch die Mimis 14 zu den komplexen Figurenstilen der Felsenmalerei. Mimis waren sehr dünne Menschen, die aussahen wie stockähnliche Geister. Sie lebten in Felsspalten, waren ausgesprochen künstlerisch begabt und waren Meister der Jagd. So werden sie auch auf den Felswänden abgebildet, mit Speeren bewaffnet, tanzend oder rennend.
3.2. Baumrindenmalerei
Diese Form der Malerei wird auf das geglättete Innere von Baumrinden aufgetragen. Die Rinde stammt dabei von
Eukalyptus-Bäumen, die während der Regenzeit bei genügend Feuchtigkeit und Elastizität vom Baum abgenommen und nach dem Entfernen der äußeren Schichten über dem Feuer getrocknet werden. Anschließend wird die Rinde am Boden mit Hilfe des eigenen Körpergewichtes, mit Baumstämmen oder Steinen geglättet, um sie dann schließlich nach wenigen Wochen bemalen zu können.
Das Bemalen von Rinde wird auch heute noch überwiegend im Arnhem-Land, im Top End, das den nördlichen Teil des australischen Northern Territory oberhalb der Stadt Daly Waters umfasst, sowie in der Region um Kimberley durchgeführt.
Das Aufbringen der Farben, vorwiegend mit Erdpigmenten in rot, gelb und schwarz, erfolgt in der Regel mit einem Pinsel. Um diese auf der Rinde zu fixieren und sie länger haltbar zu machen, wird der Saft von Orchideen verwendet. Baumrindenmalereien waren vergängliche Kunstwerke und
14 Siehe Abb. 5, S. 16. 6
hauptsächlich für schulische Zwecke gedacht, die auch als Kommentare zu Geschehnissen angefertigt werden. Ahnenwesen und Geister in Menschen- und Tiergestalt, sowie Flora und Fauna, Sternbilder, Zeremonien und wichtige historische Ereignisse gehören zu den Themen, die auf Rinde verewigt werden.
Meist sind dabei die dargestellten Figuren als einfache Silhouetten abgebildet oder mit verschiedenen Schraffuren, Rastern und gebrochenen oder gepunkteten Linien dekorativ gemustert. Ihren Ursprung haben diese Muster in den Körperbemalungen der australischen Ureinwohner und in den Verzierungen der Baumstämme in Begräbnisritualen.
3.3. Sandmalerei
Wie auch die Baumrindenmalerei ist die Sandmalerei
ebenfalls eine kurzlebige Kunstform, die von den Aborigines praktiziert wird. Hier werden Zeichnungen mit den Fingern in den Sand der australischen Wüsten gebracht, die vor allem zeremoniellen Zwecken dienen und deren Muster rituelle, soziale und auch politische Situationen ergänzen und widerspiegeln. Während diese traditionelle Ausdrucksform weiterhin
bestehen bleibt, finden neue Mittel wie Acrylfarben, neue Maltechniken, andere Materialien und der Gebrauch von Leinwänden immer mehr Anklang. Dennoch wurde die Sandmalerei nicht völlig verdrängt, sondern durch diese neuen Techniken und Materialien einfach ergänzt.
7
3.4. Körperbemalung
Die Körperbemalung hat eine tiefe spirituelle Bedeutung für die australischen Ureinwohner. Bei diesem kreativen Prozess wird der menschliche Körper als Leinwand benutzt. Bestimmte Muster und Motive beschreiben die soziale Position und das Verhältnis des Individuums zu seiner Familiengruppe, zu speziellen Vorfahren, Totemtieren und Landesteilen.
In vielen Situationen verwandelt sich dann die eigentliche Person und wird zum Geist des Ahnen, den sie beispielsweise im Tanz verkörpert. Es gibt feste Regeln, welche Muster in welcher Zeremonie benutzt werden und den Tanzenden steht es nicht frei diese zu ändern. Die Körperbemalung wiederholt die Zeichnungen, die in den zur jeweiligen Zeremonie gehörenden Sandzeichnungen Verwendung finden. Die Kunst der Körperdekoration beinhaltet Narbenbildung, Gesicht- und Körperbemalungen mit rituellen Motiven, sowie die Umwandlung des Körpers, indem man zusätzliche Texturen und Haarschmuck anbringt, um lebendige Ahnenwesen zu formen. Narben werden aus verschiedenen Gründen auf den Körper aufgebracht, aber hauptsächlich während Zeremonien, um das Alter, die Initiation zu kennzeichnen, oder wenn ein Stammesmitglied in einen höheren Status gelangt. Die Techniken variieren von Ort zu Ort, aber die Vernarbung umfasst gewöhnlich das Einschneiden der Haut mit einer scharfen Muschel oder einem Stein. Danach werden hautreizende Substanzen, wie Asche, in die Einschnitte eingerieben, sodass markante herausstehende Narben
entstehen. Dieser Prozess schafft erhöhte und pigmentierte Muster auf der Brust, dem Rücken, den Armen oder Beinen. Das Anbringen von Narben wird heute aber eher selten praktiziert.
Die Bemalung des Körpers reicht vom einfachen Aufbringen von weißem Kalk oder farbigem Ocker auf die Haut bis hin zu
8
detaillierten geometrischen Zeichnungen auf dem Bauch, Gesicht und Gliedmaßen.
Im ganzen Arnhem-Land dekorieren Stämme die Körper der Jungen, die kurz vor der Einführung in das Erwachsenenalter stehen mit einem aufwendigen Dekor. Die Brust und manchmal auch die Oberarme und Oberschenkel werden mit den geometrischen Mustern des Klantotems bemalt. Unter den Yolngu im Osten des Arnhem-Landes werden bei Beerdigungszeremonien die Körper der erwachsenen Männer noch mit Moiety 15 -Mustern 16 verziert. Hierbei wird vor allem ein weites Spektrum an Erdfarben verwendet: weiß, beige, braun, gelb, rot und schwarz. Zusätzlich werden noch Federn, Blätter und Pflanzen sowie bunter Arm- und Beinschmuck angebracht.
Das Tiwi-Volk auf den Tiwi Inseln 17 hat ebenso eine florierende Tradition der Körperkunst. Sie dekorieren in Zeremonien ihr Gesicht und ihren gesamten Körper mit ausdrucksstarken Mustern.
Im Nordwesten von Queensland reiben sich Männer Kohle auf die Stirn und malen sich einen weißen Streifen über ihre Augenbrauen bis zu ihren Ohren und entlang den Schultern und Armen. Weiße und rote Streifen werden quer über die Brust gemalt und der Rest des Körpers wird mit roter Farbe versehen.
3.5. Artefakte und Zeremoniengegenstände
Die wohl bekanntesten Artefakte der Aborigines sind Didgeridoos. Diese wurden ursprünglich als Musikinstrumente bei Zeremonien gebraucht. Man fertigt sie aus den Ästen
15 Hälfte.
16 Siehe Abb. 6, S. 16.
17 Siehe Karte 3, S. 17. 9
eines besonderen Eukalyptusbaumes an, die innen von Termiten ausgehöhlt wurden. Das Mundstück besteht oft aus einem natürlichen Wachs, das Instrument selbst ist mit traditionellen Mustern und Symbolen verziert.
Ebenfalls sehr bekannt sind hölzerne Bumerangs, die sowohl bei der Jagd als auch bei Zeremonien zur musikalischen Unterstützung eingesetzt wurden. Desweitern gibt es viele Gegenstände aus Holz, die bei Zeremonien Verwendung finden. Sie sind meist mit
aufwendigen Mustern verziert, die mit Hilfe eines heißen Drahtes eingebrannt wurden.
Zudem existieren natürlich auch Waffen, wie zum Beispiel Speere oder Keulen, die zum größten Teil mit Ahnengeistern oder Symbolen aus der Traumzeit verziert sind. Aus Fasern verschiedener Pflanzen werden außerdem Taschen, Körbe, Gewänder oder auch Netze zum Fischen angefertigt.
4. Zeitgenössische Kunst der Aborigines
4.1. 1. Generation: Kampf um Anerkennung
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen die Bewegungen zur Anerkennung der Rechte der Aborigines in Gang, was ihnen den Grund zur Herstellung vieler Kunstwerke gab. Die Ureinwohner des fünften Kontinents verlangten nach Bildern und Symbolen, mit denen sie ihre Ideale und Hoffnungen zum Ausdruck bringen konnten, die in erster Linie Probleme der Enteignung, der zerrissenen Familien
und des Rassismus beinhalten. All diese Schwierigkeiten sind verborgene Geschichten Australiens, die noch heute teilweise vor der Öffentlichkeit versteckt werden. Auch das Verlangen nach einer intensiveren kulturellen Identität brachte Aborigines dazu, dies künstlerisch festzuhalten.
10
Beliebte Ausdrucksmedien fand man in der Performancekunst 18 und in den zahlreichen Möglichkeiten der Fotografie und der Druckgrafik, weil dadurch gewährleistet wurde, ein breites Publikum zu erreichen.
Dies gilt besonders für die Druckgrafik, mit der sich Bilder relativ leicht und günstig vervielfältigen lassen. In dieser Zeit kam es im gesamten Land zur Einrichtung von Druckateliers, die von den Aborigines gemeinschaftlich genutzt wurden.
4.2. 2. Generation: Kunst gegen Rassismus
Durch „die Pionierleistungen der ersten Generation“ 19 in den Siebzigern und Achtzigern wurden den städtischen und ländlichen Künstlern neue Möglichkeiten geboten und sorgten für reges Interesse an ihrem künstlerischen Schaffen. Die zweite Generation fand erst Ende der achtziger Jahre Beachtung. Ihr gehörte auch der Künstler Robert Campbell Junior an, dessen Kunst sich vorwiegend um das „Leben der Aborigines vor der europäischen Kolonisation bis zum Rassismus“ 20 dreht und sich ebenfalls mit den bedeutsamen Geschehnissen in der Geschichte der australischen
Ureinwohner auseinandersetzt. Dies hält er in seinen Werken malerisch fest.
1972 wurde die sogenannte Aboriginal Tent Embassy (deutsch: Zelt-Botschaft) in einem Zelt vor dem
Bundesparlamentsgebäude in Canberra eingerichtet, die den entscheidenden Wandel im Streit um die Landrechte der Aborigines einleitete. Robert Campbells Bild „Aboriginal- Botschaft“ von1986, auf dem nackte durchsichtige Figuren
18 Situationsbezogene, handlungsbetonte künstlerische Darbietung.
19 A.a.o. S.195.
20 Ebd. S.196. 11
mit erkennbarer Speiseröhre abgebildet sind, stellt die Sichtweise der Aborigines deutlich dar. Auch die immer noch vorherrschende Rassentrennung in Kinos und Schwimmbädern spiegelte er in seinen Bildern wider. Der Künstler Gordon Bennett ging mit seinem Bild
„Außenseiter“ von 1988 noch einen Schritt weiter. Darin bildete er einen geköpften, mit Blut verspritzten und in voller traditioneller Körperbemalung gestalteten Aborigines ab, der in Vincent van Goghs „Schlafzimmer von Arles“ steht. Damit nahm Campell eine „metaphorische Attacke auf die Festung der europäischen Kunst“ 21 vor und drang „in eine der Ikonen der westlichen Welt ein.“ 22
5. Die Rolle der Aborigines-Frauen
Obwohl es meistens Männer sind, mit denen man die Kunst des fünften Kontinents in Verbindung bringt, haben auch Aborigines-Frauen, die sogenannten „blackfellow women“, einen nicht unbedeutenden Anteil an der heutigen indigenen Fertigung von Kunstwerken. Hier ist vor allem das Malen von Acrylbildern, die seit den siebziger Jahren in bestimmten Regionen Zentralaustraliens große Begeisterung fanden, zu nennen. Desweiteren sind Batiken zu erwähnen, die
vorwiegend in Utopia im Nothern Territory hergestellt werden, sowie schließlich die Körperbemalungen der Frauen, die sie sich bei religiösen Zeremonien hauptsächlich auf die Brüste malen. Alle drei Kunstformen sind an die Traumzeit und ihre Mythologie gebunden. Die Entwicklung einer eigenständigen Kunst der Aborigines-Frauen lässt sich in sechs Stufen einteilen. Zunächst gab es zu Beginn der Malbewegung in Papunya überwiegend
21 Ebd. S.199.
22 Ebd. S.199. 12
männliche Künstler, die sich nur schwer mit dem Gedanken malender Frauen anfreunden konnten. Durch weiße Australier angeregt, entstand unter den Ureinwohnern Australiens eine eigene Malschule. Die Aborigines-Frauen nahmen hier
zunächst eine Assistentenrolle ein, sie schauten den Männern oder ihren Vätern beim Malen über die Schulter und gingen ihnen hier und da hilfreich zur Hand. Später kamen „arts and crafts advisors“, Berater der Aborigines-Künstler, hinzu, um ihnen ideell, organisatorisch und marktwirtschaftlich zur Seite zu stehen. Anfangs arbeiten Frauen in den Bereichen Textilien und Kunsthandwerk an ihren eigenen Kunstwerken. Hier sind vor allem die farbenfrohen Batiken zu nennen, die von Jenny Green eingeführt wurden und ihren Ursprung in der Siedlung Utopia fanden. Die Frauen fertigen mit abgeschnürten Tüchern, heißem Wachs und Farben beeindruckende Textilien an. Diese bilden oft Inhalte der Traumzeit oder mythische Landkarten ab.
Danach arbeiten die „blackfellow women“ eigenständig als Künstlerinnen in den gleichen Branchen wie die Männer, sie fertigen also nun auch Rindenmalereien, Acrylbilder sowie große Gemeinschaftsbilder auf Leinwand an. Sie haben nun auch eigene Berater und werden als Künstlerinnen mit internationalem Ruf anerkannt.
13
6. Literaturverzeichnis
Caruana, Wally, Die Kunst der Aborigines, München, 1997.
Leitner, Gerhard, Die Aborigines Australiens, München, 2006.
Gröning, Karl, Geschmückte Haut. Eine Kulturgeschichte der Körperkunst, München, 2 2001.
Erckenbrecht, Corinna, Die vier Farben der Traumzeit. Kunst und Kultur australischer Aborigines-Frauen,
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http://livingknowledge.anu.edu.au/learningsites/seacountry/ 15_minytji.htm
14
7. Anhang
Quelle: http://de.encarta.msn.com/media_461522181_761568792_-1_1/Kunst_der_Aborigines.html
Quelle:
http://www.ozeartcraft.com.au/imgsource/galleries/No101%20The%20Fringe %20Dwellers.jpg
Quelle: http://www.traumzeit-legenden.de/197/bobbi-bobbi/ubirr.html
15
Quelle:
http://www.creativespirits.info/aboriginalculture/arts/images/three-Wandjina.jpg
Quelle: http://www.traumzeit-legenden.de/197/bobbi-bobbi/ubirr.html
Abb. 6: Moiety-Muster
Quelle:
http://livingknowledge.anu.edu.au/learningsites/seacountry/15_minytji. htm
16
Arbeit zitieren:
Anika Brust, 2009, Die Kunst der Aborigines an ausgewählten Beispielen aufgezeigt, München, GRIN Verlag GmbH
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