Inhalt
1 Vorwort 3
2 Regelpoetik 4
3 Gedichtanalyse 5
3.1 Inventio. 5
3.1.1 Das Betrachten der Umstände 5
3.1.2 Das System der Loci. 7
3.2 Die Dispositio. 9
3.3 Die Elocutio - Formale Aspekte 10
4 Resümee. 13
5 Anhang. 14
6 Literaturnachweis. 15
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1 Vorwort
Das 17. Jahrhundert ist bekannt für seine ausgereiften Regelwerke und Lehren, die dem Dichter an die Hand gegeben wurden, um poetisch wertvolle Gedichte zu schaffen. Allerlei Bestimmungen mussten gelernt, und viele große Vorbilder nachgeahmt werden. Auch Paul Fleming, von dem der vorliegende Stammbucheintrag verfasst wurde, kannte sich damit bestens aus und wurde schon in seiner Jugendzeit damit vertraut gemacht. Im Seminar über Flemings Gelegenheitsgedichte entwickelte sich bei der Betrachtung eben dieses Stammbucheintrages die These, dass es sich hierbei um ein hoch konstruiertes und ausgereiftes Werk handelt, das nach allen Regeln der Kunst erdacht und geschrieben wurde. Dieser These soll im Folgenden nun auf den Grund gegangen werden. Dabei ist es vonnöten im Wesentlichen drei Untersuchungsteile zu unterscheiden. Zu Beginn soll jedoch erst einmal der Konflikt zwischen Regeln und dichterischem Können diskutiert werden um dann bei der eigentlichen Gedichtanalyse auf die Prozesse der Inventio, der Dispositio und der Elocutio einzugehen, die ein Dichter beim Verfassen seiner Werke nacheinander durchlaufen muss. Dabei sollen zum einen eine Biografie über Paul Fleming und zum anderen eine Zusammenfassung der wichtigsten, damals gültigen, Regeln und Anweisungen als Analysehilfen herangezogen werden. Der letzte Schritt, den ein Dichter gehen kann, ist die Umsetzung in der Imitatio. Da bei einem Stammbucheintrag jedoch davon ausgegangen werden kann, dass die Gedichte nicht rezitiert wurden, kann diese vernachlässigt werden, womit sich für die Analyse nur die oben schon erwähnte Dreiteilung ergibt.
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2 Regelpoetik
„Ließ aber das 17. Jahrhundert so etwas wie dichterische Begabung überhaupt gelten? War es nicht vielmehr die Zeit, in der die Regelpoetik auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft stand?“ (Entner 1989, 122)
Heinz Entner spricht in dieser Frage an, was nahe liegend scheint, betrachtet man die ausführlichen Anleitungen und Regelwerke, die es zur Anfertigung und zum Vortrag allerlei Arten von Gedichten gab. Ganze Abhandlungen wurden verfasst um dem Poet von der Themenfindung, über die Umsetzung bis hin zum Vortrag, Richtlinien zu geben, denen er folgen solle um dem Anspruch der Dichtung gerecht zu werden. Benötigt ein Dichter nun noch Talent, wenn er alle Puzzelteile vorgelegt bekommt und sie nur noch zusammensetzen muss? Ausgehend von der damaligen Überzeugung, dass die Dichtung ein Sonderfall der Rede sei und damit, ebenso wie etwa das Plädoyer vor Gericht, bestimmten Regeln der Rhetorik unterworfen ist, und der Tatsache, dass man für jegliche Gattung ein ideales Modell erstellen könne, löst sich aber die scheinbare Spannung zwischen Regeln und Talent. Ein Poet, der allen Regeln folgend versucht ein Gedicht zu schreiben, benötigt laut Entner trotzdem noch die Fähigkeit „abstraktes Wissen überhaupt in konkrete Gestaltung umzusetzen“ (Entner 1989, 122). Beide Faktoren, der Fleiß beim Lernen der Regeln und das Glück, des in die Wiege gelegten Talentes spielen also eine gleichsam bedeutende Rolle. Entner ist sich sicher, dass Paul Fleming schon sehr früh, nämlich bereits in der Lateinschule in Mittweida, die Regeln der Rhetorik und der Gattungspoetik, sowie des lateinischen Versbaus kennen lernte und später in der Tomasschule noch vertiefte. Auch an der Universität zu Leipzig soll er noch Poetikvorlesungen besucht haben. Es war außerdem üblich, die Lektüre der Musterdichter immer und immer wieder zu lesen, gar auswendig zu lernen und nachzuahmen um den eigenen Sprachschatz zu vervollkommnen und die Regeln in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. (Vgl. Entner 1989, 125.)
Eine Analyse solcher Regelsysteme finden wir bei Wulf Segebrecht, der sich in seiner „Vollständige[n] und deutliche[n] Anleitung zur Anfertigung von Carmina auf allerhand Gelegenheiten“ (Segebrecht 1977, 111) mit den verschiedenen Anweisungen beschäftigt. Dabei spezialisiert er sich, wie der Titel schon verrät, auf das Verfassen von „Carmina in der Modephase der Casuallyrik“ (Segebrecht 1977, 111). In seinem
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Vorwort schreibt Segebrecht, dass er den Weg, den ein Poet beim Verfassen eines Gelegenheitsgedichtes gehen muss, so genau wie möglich nachzugehen versucht. Er verschafft uns damit einen Einblick in das wahrscheinliche Arbeiten von Paul Fleming, auch wenn es nach Segebrechts Aussage kaum der Praxis entsprach, alle Regeln genauestens zu verfolgen und manche eben auch unbewusst eingehalten wurden. Im folgenden Teil soll nun versucht werden, Flemings Gelegenheitsgedicht, dass er „In ein Stammbuch Herrn Kolbens von Mutschen“ geschrieben hat, nach den allgemeinen Richtlinien in Segebrechts zusammengestellter Arbeit und nach der Biografie Heinz Entners zu analysieren.
3 Gedichtanalyse
3.1 Inventio
Segebrecht greift die übereinstimmenden Meinungen der damaligen Poetiklehrer auf und schreibt, dass die Grundlage eines jeden Gelegenheitsgedichtes die Inventio zu sein hat, also die Erfindung des Stoffes überhaupt. Dazu ist der Dichter angehalten sich im „Meditieren und Nachsinnen“ (Segebrecht 1977, 113) zu üben um die bestmögliche Umsetzung der eigenen Absichten kunstvoll zu erzielen. Verschiedene Denkmodelle sollten hierbei hilfreich sein:
3.1.1 Das Betrachten der Umstände
Die erste Anweisung lautet, sich genauestens über die Gelegenheit zu informieren, zu der das Gedicht verfasst werden soll. „Das ist nötig, weil er [der Autor] nur über diese Umstände zu den >Realia< gelangt, aus denen er Erfindungen entwickeln kann.“ (Segebrecht 1977, 113). Bevor also auch nur ein Wort niedergeschrieben werden konnte, musste der Dichter eine gründliche Recherche betreiben. Wollte er beispielsweise ein Hochzeitsgedicht verfassen und dem Brautpaare damit gratulieren, so musste er zumindest über die Namen des Paares, den Ort und die Zeit Informationen einholen. Segebrecht gibt insgesamt sieben Umstände an, die dem Dichter zum eigentlichen Gedicht verhelfen sollten, wobei die drei eben genannten die wichtigsten Informationsquellen darstellten. Weiterhin können noch „die Umstände des Ereignisses selbst (4.), seiner Ursache (5.), seines Zweckes (6.) und seiner Art und Weise (7.)“ (Segebrecht 1977, 114) beobachtet werden. Nach Beendigung dieser Arbeit liegt dem
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Arbeit zitieren:
Katrin Schubert, 2007, Paul Fleming, München, GRIN Verlag GmbH
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