II
Inhaltsverzeichnis
4.2 Geschlecht und Sportjournalismus. 35
5 Ausbildungswege. 37
5.1 Ausbildungswege in den Journalismus. 37
5.2 Ausbildungswege in den Sportjournalismus 39
Teil III: Empirische Untersuchung. 42
6 Konzeption und Durchführung der empirischen Untersuchung 42
6.1 Methodik. 42
6.2 Fragestellungen und Hypothesenbildung 43
6.3 Der Fragebogen 46
6.4 Die Befragten 47
6.5 Auswertung der Daten. 47
7 Soziodemographische Daten 49
7.1 Geschlecht 49
7.2 Alter 50
7.3 Familienstand 50
7.4 Wohnort. 50
7.5 Geschlechtsunterschiede 51
8 Studium 52
8.1 Studiendauer 52
8.2 Studienleistung. 53
8.3 Studienzufriedenheit. 53
8.4 Studieninhalte. 53
8.4.1 Relevanz der Studieninhalte für den Beruf 54
8.4.2 Wünsche für weitere Inhalte des Sportstudiums 57
8.5 Geschlechtsunterschiede 58
9 Formale Zusatzqualifikationen 59
9.1 Formale Zusatzqualifikationen im Rahmen des Studiums. 59
9.2 Formale Zusatzqualifikationen im Sport 60
III
Inhaltsverzeichnis
9.3 Formale Zusatzqualifikationen in außersportlichen Bereichen 61
9.4 Geschlechtsunterschiede 62
10 Bewerbung und Arbeitsplatzsuche 63
10.1 Bewerbungserfolg nach dem Abschluss. 63
10.2 Finden der Arbeitsstelle. 63
10.3 Arbeitslosigkeit nach dem Abschluss 64
10.4 Geschlechtsunterschiede 64
11 Gegenwärtige berufliche Situation. 65
11.1 Tätigkeit. 65
11.1.1 Tätigkeitsbereich 66
11.1.2 Bezeichnung der Tätigkeit 68
11.1.3 Einkommen 69
11.1.4 Zufriedenheit und Zukunftsperspektiven. 69
11.2 Gründe für die Anstellung. 71
11.3 Arbeitsbedingungen 72
11.4 Nebenberuflich oder auf Honorarbasis Tätige 75
11.4.1 Tätigkeit. 75
11.4.2 Arbeitszeit. 76
11.4.3 Einkommen 76
11.5 Geschlechtsunterschiede 76
Teil IV: Diskussion 78
12 Zusammenfassende Diskussion und Ausblick. 78
12.1 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse 78
12.2 Zusammenfassung der Hypothesen. 91
12.3 Probleme der Untersuchung. 92
12.4 Fazit und Ausblick 93
Literaturverzeichnis 96
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3.1: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen von JournalistInnen
in Deutschland
Abbildung 7.1: Geschlechterverteilung
Abbildung 8.1: Relevanz der Studieninhalte für den Beruf.
Abbildung 9.1: Prozentualer Anteil an erworbenen Zusatzqualifikationen
Abbildung 9.2: Prozentualer Anteil der AbsolventInnen mit
Zusatzqualifikation (en)
Abbildung 11.1: befristete und unbefristete Arbeitsverhältnisse
Abbildung 11.2: Arbeitsbereiche der SP MuK AbsolventInnen
Abbildung 11.3: Einstellungsgründe des Arbeitgebers aus Sicht der
Angestellten
Abbildung 11 4: Arbeitsbedingungen
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 6.1: verbale Beschreibung des Korrelationskoeffizienten.....................48 Tabelle 6.2: Signifikanzgrenzen ........................................................................48 Tabelle 8.1: Angaben zum Studium ..................................................................52 Tabelle 8.2: Wünsche für weitere Studieninhalte ..............................................57 Tabelle 11.1: Berufsbezeichnungen der SP MuK AbsolventInnen....................68 Tabelle 11.2: berufliche Zufriedenheit und Zukunftsperspektiven .....................70
Teil I: Einführung 1
Teil I: Einführung
1 Einleitung
Das erste Kapitel dient der Heranführung an den Gegenstand der Untersuchung, der Vorstellung von Fragestellungen und Zielen der Arbeit sowie der Klärung der Struktur und des Aufbaus.
1.1 Problemstellung
Der Bereich des Sports hat sich im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte dynamisch entwickelt. Dies geschah vor dem Hintergrund des allgemeinen gesellschaftlichen Wandels, der ab den 1970er/80er Jahren den Begriff „post-industrielle Gesellschaft“ prägte. Galt Sport in den 60er Jahren noch als angenehme Nebensache für einzelne Gesellschaftsschichten, so ist er heutzutage in jeder Bevölkerungsgruppe präsent. Das Bewusstsein für Sport und sein Stellenwert haben sich z.B. durch Fortschrittsdenken, Zunahme von Wohlstand und Freizeit, Individualisierung und neue Körperorientierung verändert. Bis zu zwei Drittel der Deutschen treiben heute regelmäßig Sport (vgl. LANGER 2006, 265).
Damit und mit den steigenden Anforderungen an das System Sport ging auch dessen wachsende Verberuflichung einher. Die Bedeutung einer fundierten Ausbildung wuchs, ihre Gestaltung wurde jedoch auch schwieriger, da es kein klares Berufsbild gab und bis heute nicht gibt. Diese Tatsache beruht nicht zuletzt darauf, dass sich das System Sport ständig im Wandel befindet und ausdifferenziert.
Die sportwissenschaftlichen Studiengänge 1 bereiteten im Sinne des Begründers der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln - Carl DIEM (vgl. Rede
1 Mittlerweile gibt es 67 sportwissenschaftliche Hochschuleinrichtungen in Deutschland (http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=33, Zugriff am 1. August 2008)
Einleitung 2
bei der Gründungsfeier der DSHS Köln 1947) - zunächst nur auf den Beruf des Sportlehrers/der Sportlehrerin (mit Abschluss „Diplom-Sportlehrer/in“) vor. Auch in den 70er Jahren wurde noch auf das Ziel, nach dem Abschluss dem Lehrerberuf nachzugehen, hingearbeitet (vgl. Prüfungsordnungen DSHS Köln 1971) 2 . Allmählich mussten die Studienordnungen aber modifiziert und den strukturellen Veränderungen der Gesellschaft und des Sports angepasst werden, auch weil sich die Berufsaussichten für Sportlehrer und Sportlehrerinnen an Schulen verschlechtert hatten. So entstanden - neben den Lehramtstudiengängen - zum Beispiel an der Deutschen Sporthochschule Köln im Jahr 1986 zunächst zwei Studienrichtungen (A: Breiten- und Spitzensport; B: Rehabilitation und Behinderten-sport), die auch für außerschulische Berufsfelder qualifizierten. 1998 (weitere Modifikationen im Jahr 2002) wurden im Diplomstudiengang fünf Schwerpunkte festgelegt, die auf mehrere außerschulische Berufsfelder vorbereiten sollten und den AbsolventInnen 3 den Titel „Diplom-Sportwissenschaftler/in“ verliehen: SP I: Training und Leistung SP II: Freizeit und Kreativität SP III: Prävention und Rehabilitation SP IV: Ökonomie und Management SP V: Medien und Kommunikation
Die Welt der Medien und speziell des Sportjournalismus entwickelte sich als ein Tätigkeits- bzw. Berufsfeld, das nach immer besser ausgebildeten Arbeitskräften verlangt. Waren SportjournalistInnen in den 70er Jahren noch die „Außenseiter der Redaktion“ (WEISCHENBERG 1976 4 ), die eher als Quer-
2 1970wurde die DSHS Köln als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Satzungs-, Promotions- und Habilitationsrecht anerkannt (vgl. MESTER 1995, 14).
3 Auf die jeweils weibliche und männliche (hier: Absolventinnen und Absolventen) Schreibweise wird verzichtet. Stattdessen wird die verlängerte geschlechtsneutrale (AbsolventInnen) Schreibweise verwendet. Wenn nicht ausdrücklich auf Absolventinnen und Absolventen etc. hingewiesen wird, sind unter der neutralen Schreibweise sowohl die Frauen als auch die Männer zusammengefasst.
4 Titel seiner Dissertation
Einleitung 3
einsteiger in diesem Bereich ihren Lebensunterhalt verdienten, sind sie heute meist speziell ausgebildete Fachkräfte:
„ [...] ein Fachstudium in Kombination mit einer journalistischen Ausbildung [ist] inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden“ (MAST 1996, 16). Die Zeiten, in denen AkademikerInnen nach dem Abschluss einen Arbeitsplatz in ihrem Berufsfeld sicher hatten, sind vorbei. Auch AkademikerInnen befinden sich in einem Verdrängungswettbewerb, in dem es gilt, mit einer Mischung aus fundiertem Fachwissen und praktischen Erfahrungen zu überzeugen. Zudem stellt die steigende Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Sport („Sport-Medien-Wirtschaftsallianz“, vgl. SCHAUERTE 2004, 39) ständig neue Anforderungen an die SportkommunikatorInnen. Um diesen gerecht zu werden, bedarf es einer fundierten Ausbildung. Doch genügt diese - in dieser Arbeit betrachtete universitäre - Ausbildung den Ansprüchen des verschärften Arbeitsmarktes für JournalistInnen, auf dem es immer mehr freiberuflich Tätige gibt? Diese und weitere Fragestellungen sind der Gegenstand von Absolventenstudien, die an der Deutschen Sporthochschule Köln in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Diese sollen des Weiteren Aufschluss darüber geben, ob der Einstieg ins Berufsleben gelingt, wie sich die Beschäftigungssituation darstellt und welche Inhalte des Studiums als sinnvoll bewertet werden, ob also tatsächlich für den Bedarf des Arbeitsmarktes ausgebildet wird. Die Arbeitslosenzahlen von 3.1% im Jahr 2006 bei SportwissenschaftlerInnen (vgl. HARTMANN-TEWS/MRAZEK 2007a, 23) liegen leicht unter dem Bundesdurchschnitt arbeitsloser AkademikerInnen von 3.8% im Jahr 2005 (vgl. http://www.zeit.de/2006/19/C-Chancen, Zugriff am 15. Juli 2008).
1.2 Zielsetzung und Fragestellung der Untersuchung
Absolventenstudien im Allgemeinen sind vor allem für die interne Hochschulentwicklung, aber auch für Politik und Gesellschaft von Interesse. Sie sollen neben quantitativen (Gehalt, Arbeitsbedingungen etc.) auch qualitative Erkenntnisse (Motivation, Zufriedenheit etc.) liefern. Ziele sind, den Übergang in den Beruf nachzuzeichnen, Tätigkeitsbereiche und Studienverlauf darzu- stellen, Erwartungen an die Hochschule zu thematisieren und vor allem die
Einleitung 4
erlernten Kenntnisse mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes und des Berufslebens abzugleichen (vgl. JANSON/TEICHLER 2007, 5ff). In der vorliegenden Arbeit werden anhand des Datensatzes der aktuellsten Befragung von MRAZEK/HARTMANN-TEWS (vgl. 2007a, 22ff) von 2006 die AbsolventInnen des Studienschwerpunktes Medien und Kommunikation (SP MuK) untersucht. Die übergeordnete Fragestellung hierbei ist, welche charakteristischen Unterschiede sich im Vergleich mit den anderen AbsolventInnen herauskristallisieren. Dabei werden auch die Geschlechtsunterschiede betrachtet.
Untergeordnete Fragestellungen sind, wie sich die AbsolventInnen im Studienverlauf und bei Zusatzqualifikationen unterscheiden, in welcher Beschäftigungssituation sie sich befinden, wie sie ihre Zukunft und Berufszufriedenheit einschätzen und ob sie die Studieninhalte als wichtige Voraussetzungen für den Beruf betrachten. Weiter wird geklärt, wer überhaupt im Bereich des Sports arbeitet, welche Erfolge sich bei Bewerbungen erkennen lassen und wie sich die Arbeitsbedingungen zwischen beiden Gruppen (SP MuK und Andere) unterscheiden.
Die Ergebnisse sind relevant für die Gestaltung des Studiengangs mit Medienschwerpunkt an der DSHS Köln, vor allem für die Modifikation der neuen Bachelor-/Masterstudiengänge 5 , die an der DSHS zum Wintersemester 2007/08 eingeführt wurden. Aber auch für andere Universitäten mit ähnlichen Studiengängen, die ihre AbsolventInnen auf den Arbeitsmarkt vorbereiten wollen und müssen, können die Erkenntnisse von Interesse sein. Unter den Absolventenstudien gibt es nur sehr wenige Arbeiten über SportwissenschaftlerInnen mit Schwerpunkt Medien oder Journalismus. Diese Tatsache beruht darauf, dass der Sportjournalismus an sich nur einen kleinen Teil in der Sportwissenschaft und erst recht am gesamten Studienangebot in Deutschland ausmacht. Deshalb soll diese Arbeit auch dazu beitragen, diesen defizitären Forschungsstand zu verbessern.
5 Hier können Absolventenstudien auch Evaluationscharakter besitzen um herauszufinden, ob Reformziele erreicht wurden (vgl. JANSON/TEICHLER 2007, 8).
Einleitung 5
Diejenigen, die sich für den Beruf des Sportjournalisten/der Sportjournalistin interessieren, können anhand dieser Arbeit Orientierung und Auskunft über Anforderungen sowie Beschäftigungen innerhalb des Tätigkeitsfeldes der Medien finden.
1.3 Aufbau der Arbeit
Teil II der Arbeit behandelt theoretische Aspekte, die als Hintergrund für die empirische Untersuchung und die Diskussion der Ergebnisse dienen. In Kapitel zwei wird der Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus erläutert, der neue Anforderungen an diese wachsenden Berufsfelder stellt und immer mehr Professionalisierungstendenzen erkennen lässt. Es wird dargestellt, wie sich im Zuge dieser Entwicklung auch der Berufsstand des Sportjournalisten/der Sportjournalistin verändert hat. Des Weiteren beschäftigt sich das Kapitel mit dem Wirtschaftsfaktor Sport, der im Journalismus in einer Sport-Medien-Wirtschafts-Allianz zum Tragen kommt. Es sollen gegenseitige Abhängigkeiten dargestellt werden und Bedeutungen für das Tätigkeitsfeld der Sportmedien verdeutlicht werden.
Kapitel drei befasst sich mit dem Arbeitsmarkt Sport, der in diversen Studien über AbsolventInnen der Sportwissenschaft mit verschiedenen Schwerpunkten untersucht wurde. Der aktuelle Forschungsstand sowie allgemeine Entwicklungen im Arbeitsmarkt Journalismus und Sportjournalismus werden aufgezeigt.
Die besonderen Geschlechterverhältnisse im Journalismus und Sportjournalismus finden im vierten Kapitel ihre Berücksichtigung, bevor in Kapitel fünf alle Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten für den Weg in den Journalismus und Sportjournalismus dargelegt werden.
Aus diesen Erkenntnissen werden Folgerungen für die empirische Untersuchung gezogen.
Teil III der Arbeit befasst sich mit der empirischen Untersuchung, deren Konzeption und Durchführung in Kapitel sechs erläutert wird. Zudem werden hier entsprechende Fragestellungen und Hypothesen gebildet.
Teil II: Theoretische Aspekte 6
Die Kapitel sieben bis elf beschäftigen sich anhand der Fragestellungen und Hypothesen mit der systematischen Auswertung der Daten. Dies geschieht in der Reihenfolge, wie die AbsolventInnen in der Regel in den Beruf einsteigen (allgemeine soziodemographische Daten → Studium → Zusatzqualifikationen → Bewerbungsphase → berufliche Tätigkeit).
Im abschließenden Teil IV werden die Untersuchungsergebnisse interpretiert und diskutiert, wobei auch andere Studien zum Vergleich der Ergebnisse herangezogen werden. Eine kritische Betrachtung der Untersuchung sowie ein Fazit mit Ausblick runden die Arbeit ab.
Teil II: Theoretische Aspekte
2 Strukturwandel des Sports und des Sport-
journalismus
Dieses Kapitel beschreibt die Veränderungen des Systems Sport vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels mit direkten Auswirkungen auf die Entwicklung und den Wandel des Berufsfeldes Sport. Durch diesen Strukturwandel hat sich auch ein Sportmedienwandel vollzogen. Dieser soll mit Blick auf die Fragestellung insbesondere beim Sportjournalismus und dem Berufsstand des Sportjournalisten/der Sportjournalistin aufgezeigt werden. Am Ende des Kapitels werden die Abhängigkeiten zwischen Sport, Medien und Wirtschaft erklärt. Da die meisten Studierenden des Schwerpunktes Medien und Kommunikation das Ziel haben, im Journalismus, speziell im Sportjournalismus oder im Bereich der Publizistik zu arbeiten (vgl. SEEGA 2003, 36ff), werden in den folgenden Kapiteln angrenzende Bereiche der Kommunikation, wie z.B. Public Relations oder Werbung, ausgeklammert.
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 7
2.1 Strukturwandel und Professionalisierung des Sports
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das System Sport deutlich verändert. Dies geschah vor dem Hintergrund des allgemeinen gesellschaftlichen Wandels, mit dem in den 1970er/80er Jahren der Begriff „post-industrielle Gesellschaft“ aufkam. Fortschrittsdenken, Säkularisierung, Zunahme von Wohlstand und Freizeit, Verlust zentraler Sinninstanzen wie Sozialmilieus und Kleinfamilie und nicht zuletzt Individualisierung und neue Körperorientierung waren zentrale Merkmale. Heute zählt der Deutsche Olympische Sport-bund (DOSB) ca. 27,3 Millionen Vereinsmitgliedschaften, welche etwa 33% der Gesamtbevölkerung Deutschlands entsprechen. 36% der Männer und 22% der Frauen gehören Sportvereinen der Landessportbünde an (vgl. http://www.dosb.de/fileadmin/fm-dosb/downloads/2007_DOSB_Bestandserhebung.pdf, Zugriff am 28. Juli 2008). Hinzu kommt der Bevölkerungsanteil, der unorganisiert oder kommerziell Sport treibt. Bis in die 60er/70er Jahre hielt sich das Pyramidenmodell des traditionellen Sports (vgl. HEINEMANN 1999, 11; LAMPRECHT/STAMM 2002, 59), in welchem der Breitensport die Basis, der Leistungssport die Mitte und der Hochleis-tungssport die Spitze bildet. Kennzeichnend für dieses Modell ist seine Eindeutigkeit. Der Lebensstilbezug spielt hier eine wichtige Rolle. BRETSCHNEI- DER (1992,33) nennt als Voraussetzungen einen gewissen Wohlstand finanzieller Art sowie ein entsprechendes Zeitbudget, das sich gegenüber dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert deutlich vergrößert hat. HEINE- MANN (2007,319) nennt dies eine „hohe Standardisierung des Arbeits- und Freizeitrhythmus“. Diese war Voraussetzung für gemeinsames Sporttreiben und die Entstehung der Vereinskultur. Zu diesem „klassischen“ Verständnis von Sport gehören laut HEINEMANN (1999, 11f) der Sport als körperliche Bewegung, das Leistungsprinzip, soziale Normen (Fairness, Chancengleichheit etc.), Sport als Nebensache ohne kommerziellen Charakter sowie der Verein als Organisationsform.
Das moderne Sportmodell hingegen zeigt eine zunehmende Komplexität so- wie eine Verwischung der Grenzen der einzelnen Sportbereiche, „sowohl in
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 8
seiner organisatorischen als auch in seiner sozialen Fassung“ (HEINEMANN 1999, 15). DIGEL (1986, 39) teilt den modernen Sport in Leistungs-, Medien-, Freizeit-, Alternativ- und instrumentellen Sport ein. Heute finden sich durchaus noch mehr Begriffe, die verschiedene Sportverständnisse charakterisieren (Trendsport, Seniorensport etc.). Diese Vielfalt liefert eine wesentliche Erklärung für den Erfolg des modernen Sports, da „jeder eine Betätigung nach seinem Geschmack finden kann“ (LAMPRECHT/STAMM 2002, 60).
Die Beweggründe Sport zu treiben sind in der heutigen Zeit überwiegend Fitness, Spaß, Gesundheit, Wohlbefinden und Entspannung im Gegensatz zu Leistung und Wettkampf. Durch die Einschränkung der Zeitsouveränität durch flexible Arbeitszeiten wurde der Ruf nach individuellen Angeboten laut. Phänomene des sich wandelnden Sportpanoramas sind z.B. eine zunehmende Individualisierung und Differenzierung, eine grundsätzliche Aufwertung des Sports in der Alltagskultur, Veränderungen auf der Ebene von Organisationen und Institutionen sowie eine zunehmende Professionalisierung und Kommerzialisierung in diesem Bereich (vgl. HEINEMANN 2007, 321; RITT- NER 2007).
Weitere Gründe für den Wandel und die Ausdifferenzierung von Lebensstilen mit Auswirkungen auf den Sport sind kulturelle Veränderungsprozesse. Dazu gehören Demokratisierung und Gleichberechtigung sowie die Veränderung des Krankheitspanoramas und Gesundheitsmotivs in der Gesellschaft. Es lässt sich eine deutliche Steigerung der Sportnachfrage erkennen, ob in Vereinen, bei kommerziellen Sportanbietern oder im unorganisierten Sport. Diese betrifft auch Bevölkerungsgruppen, die früher nicht zu den sportlich Aktiven gehörten, wie ältere Menschen, Frauen oder Mitglieder unterer sozialer Schichten (vgl. HEINEMANN 1999, 22ff). Noch in den 60er Jahren war Sport vor allem eine Sache junger Mittelstandsmänner, deren körperliche Leistungsfähigkeit besonders dem Militär und der Wirtschaft am Herzen lag. Erst durch Kampagnen wie beispielsweise der „Sport für Alle“ -Kampagne öffnete sich das Sportsystem vielen Bevölkerungsschichten (vgl. LAMPRECHT/STAMM 2002, 22).
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 9
Es hat sich ein neues Körperverständnis entwickelt, bei dem Sportlichkeit und Schlankheit zunehmend Bedeutung für die Formung der eigenen Identität erlangen. Der Sport ist als „Kultur“ ins Bewusstsein der Menschen gerückt.
Die genannten Veränderungen wirken sich auch auf das Berufsfeld Sport aus. Der Sportboom zeigt sich nicht nur in der gestiegenen Sportaktivität, sondern auch anhand des Sportkonsums und des generellen Interesses für Sport, z.B. Sport in den Medien. So ergaben sich neue Arbeitsfelder und Beschäftigungsmöglichkeiten für Sportwissenschaftler z.B. im Gesundheits-sport, Verbands- und Vereinsmanagement, in der Sportartikel- und Tourismusindustrie sowie im Sportjournalismus (vgl. LANGE 1995, 2).
Diesen Entwicklungen ist mit angepassten Studiengängen Rechnung zu tragen, denn laut HARTMANN-TEWS (1999a, 8) meint eine Verberuflichung einen Prozess, „innerhalb dessen eine spezifizierte Form der Qualifikation auf der Grundlage eines formalisierten Ausbildungs- und Prüfungssystems erworben und für den Ausübenden Grundlage einer dauerhaften Erwerbschance wird“. Professionalisierung beschreibt den „Prozess der Verwissenschaftlichung, der gesellschaftlichen Anerkennung sowie der Monopolisierung der Leistungen bei entsprechendem Autonomiegewinn“ (HARTMANN-TEWS 1999a, 8). Ziel muss es sein, den Schritt von der Verberuflichung zur Professionalisierung zu gehen und, für diese Arbeit relevant, den Sportjournalisten/die Sportjournalistin als gesellschaftlich anerkannte/n SpezialistIn zu etablieren. Seine/Ihre Autonomie wird nur erreicht, wenn sich eine „Experten-Laien-Differenz“ (HARTMANN-TEWS 1999b, 37) manifestiert, in welcher der/die SportjournalistIn der/die ExpertIn ist und der/die RezipientIn der Laie. Vor dem Hintergrund, dass Sport als „schönste Nebensache der Welt“ gilt und keine existenzielle Bedeutung besitzt, ist es sicherlich schwierig, als studierte/r SportjournalistIn akademische Expertise zuerkannt zu bekommen. Mittlerweile jedoch ist der professionelle Sport ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und somit mehr als nur eine Nebensache. So rechtfertigt sich zum Teil die Professi- onalisierung der SportjournalistInnen, auch wenn es durch die „Segmentie-
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 10
rung des Berufsstandes“ (HACKFORTH 2000, 25) auf Grund der Ausdifferenzierung der Medien noch weniger Chance auf ein einheitliches Berufbild geben wird. HARTMANN-TEWS (1999, 37ff) beschreibt ein Modell, das den Prozess der Professionalisierung in die drei Phasen Potentiale, Formation und Stabilisierung einteilt:
„Unter Potentiale sind die zentralen Voraussetzungen und Tätigkeiten subsumiert, die vorhanden sein oder entwickelt werden müssen, um sich als professionelles Handlungssystem zu formieren. Dies sind a) die Bearbeitung essentieller Probleme durch b) personenbezogene Dienstleistungen auf der Basis c) eines komplexen, in Universitäten erworbenen Wissens und d) eine entsprechende Außendarstellung und Image-Aufbau. In der Phase der Formation gilt es hierauf aufbauend öffentliche Anerkennung zu erlangen und die Monopolisierung von Zuständigkeiten und Autonomie sicherzustellen. Die dritte Phase der Stabilisierung verläuft überwiegend über kontinuierliche Image- und Öffentlichkeitsarbeit, die vornehmlich von Berufsverbänden sicherzustellen ist“.
Diese Phasen hat der Sportjournalismus durchlaufen, allerdings mit der Einschränkung, dass die akademische Expertise in der Phase Potentiale durch Artikel 5 des Grundgesetztes 6 (vgl. Kap. 2.2.1) und dem damit verbundenen freien Berufszugang nicht ausnahmslos zutrifft, auch wenn ein Studium mittlerweile die Regel ist. Das Studium der Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation ist damit nur eine Möglichkeit, den Beruf des/der SportjournalistIn zu ergreifen. Ebenso ist der Sportjournalismus nur eine von vielen möglichen Tätigkeiten nach dem Diplomabschluss an der Sporthochschule. Es existiert eine „Heterogenität der Tätigkeitsfelder“ (HARTMANN-TEWS/MRAZEK 2002, 21) für SportwissenschaftlerInnen im Allge-
6 (1)Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt (http://www.bundestag.de/parlament/funktion/ gesetze/grundgesetz/gg_01.html, Zugriff am 15. Juli 2008).
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 11
meinen wie auch für AbsolventInnen des Schwerpunktes Medien und Kommunikation im Speziellen.
In den folgenden Kapiteln wird erläutert, wie sich die Rolle der SportjournalistInnen im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Seit der Gründung des Be-rufsverbandes deutscher Sportjournalisten (VDS) im Jahre 1927 (http://www.sportjournalist.de/?page=chronik, Zugriff am 10. August 2008) hat sich der Berufsstand langsam aber sicher etabliert.
2.2 Strukturen und Wandel des Sportjournalismus
„Der Bedeutungswandel des Sports ist mit dem Weg vom Ritual zum Medienspektakel weitgehend treffend beschrieben. Wenn ein Ritual zum Medienspektakel wird, können Journalisten daran nicht unbeteiligt sein“ (FISCHER 1994, 71).
Der moderne Sportjournalismus ist in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Folge einer Wechselbeziehung zwischen Sport und Presse entstanden. Die erste eigenständige Sportrubrik in einer deutschen Tageszeitung wird auf das Jahr 1886 datiert und den Münchner Neuesten Nachrichten zugeschrieben (vgl. GERHARDS/KLINGLER 2004, 152). Damals wurde der Sport auch als Medienthema interessant und wandelte sich zum Publi-kumssport. Damit entstand das Bedürfnis einer eigenständigen Sportberichterstattung.
„Eine wesentliche Rolle spielte dabei, dass sich die Presse von der Gesinnungs- zur Geschäfts- oder Massenpresse entwickelt hatte, die nach verkaufsfördernden, publikumswirksamen Themen suchte. Später haben sich der Hörfunk und dann das Fernsehen den Unterhaltungswert des Sports zunutze gemacht, als es darum ging, diese Medien beim Publikum durchzusetzen und technisch weiterzuentwickeln“ (WEISCHENBERG 1995, 125).
Im Hörfunk gab es 1924 die erste Direktübertragung: eine Ruderregatta auf der Alster in Hamburg. Für das Fernsehen waren hier die Olympischen Spie-
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 12
le 1936 in Berlin wichtiger Ausgangspunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam 1954 der Fußballweltmeisterschaft in Bern eine besondere Bedeutung zu (vgl. GERHARDS/KLINGLER 2004, 153).
Am Beispiel der Sportberichterstattung des Fußballs im Fernsehen lassen sich klare Entwicklungstendenzen des Sportjournalismus erkennen. LEDER (2004, 40ff) teilt die Zeit von 1936 bis 2004 in vier Phasen ein. „Die Anfänge“ von 1936 bis 1954 zeigten vor allem einen dramatischen, pathetischen Sport, der zu Propagandazwecken genutzt wurde. Nach dem Krieg gehörten die Übertragungen von Sportereignissen, besonders des Fußballs, zu den Höhepunkten.
In der Phase „Formatierung“ von 1954 bis 1988 wurden Formate wie die „Sportschau“ (1961) oder das „Aktuelle Sportstudio“ (1963) gesendet. In dieser Zeit gab es die ersten Rechteverträge für ARD und ZDF. Ein erster Distanzverlust zum Sport und seinen Akteuren machte sich durch Interviews und Werbeverträge bemerkbar. Nicht nur die SportlerInnen, auch die ModeratorInnen wurden zu Prominenten 7 . Technisch realisiert wurde das Ganze durch Groß- und Halbnahaufnahmen. Da das Interesse an Übertragungen mit erfolgreichen deutschen SportlerInnen immer besonders groß war und ist, etablierten sich in den 80er Jahren Sportarten wie Tennis (durch Boris Becker, Steffi Graf) oder in den 90er Jahren die Formel 1 (durch Michael Schumacher). Mit dem Aufkommen der privaten Rundfunkanstalten 1984 wurde die Konkurrenz zwischen den Sendern immer größer.
In der „Kinematographisierung“ von 1988 bis 1996 kam es schließlich zu einer Inflation der Rechtekosten, als RTL Erstrechte an der Fußballbundesliga erworben hatte. So musste jeder Sender Differenzierungsstrategien entwickeln, um die Gunst der ZuschauerInnen zu erlangen. Die Personalisierung wuchs somit enorm, und die technischen Entwicklungen schritten rasch voran.
7 Diese Tatsache zeigte sich aktuell z.B. in der Vor- und Nachberichterstattung der Fußball-EM 2008, bei der die ModeratorInnen vom Sender selbst auch zu „Helden“ des Spektakels stilisiert wurden.
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 13
LEDER (2004, 70ff) tituliert die Phase von 1996 bis 2004 als „Krise“. Die Kosteninflation stieg durch den Pay TV-Sender Premiere abermals, bis es schließlich zum Konkurs der Kirchgruppe kam. Daraufhin sanken die Rechtekosten und stürzten die Vereine, die schon fest mit den Einnahmen gerechnet hatten, zum Teil in eine Finanzkrise. Die Sendungen der öffentlichrechtlichen Sender orientierten sich wieder mehr an den Fakten des Sports als an privaten Hintergrundgeschichten.
Heutzutage nimmt der Sport als Berichterstattungsgegenstand, ob in der Presse, im Rundfunk oder in den Neuen Medien, einen Platz zwischen In-formation und Unterhaltung ein. Laut STIEHLER (2007, 182) hat der Sport eine Mischform angenommen und kann als „Infotainment“ bezeichnet werden. Jörg HAHN, Leiter der Sportredaktion der FAZ, sieht hingegen einen klaren Unterschied zwischen Printmedien und elektronischen Medien sowie zwischen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, wobei jeweils letztere deutlich stärker zum Infotainment neigen (http://www.Frankfurt-main.ihk.de/ standortpolitik/ aktuell/sportjournalismus/index.html, Zugriff am 1. Juli 2008).
WEISCHENBERG (1995, 136) nennt folgende Thesen, die den Strukturwandel des Sportjournalismus erklären sollen: „Mit wachsender Relevanz des Sports in der Gesellschaft wächst die Relevanz der Sportberichterstattung, damit wächst auch das Wirkungspotenzial der Sportberichterstattung“. Allerdings erweist sich die Gruppe der Sporttreibenden nicht identisch mit den Sportbegeisterten unter den Fernsehzuschauern; es gibt jedoch eine stattliche Minderheit, die den Sport in den Medien für unentbehrlich hält. Das Sportinteresse, das Sportmedienangebot 8 und die Sportmediennutzung haben sich in den vergangenen Jahren nicht einschneidend verändert. Die zunehmende Konkurrenz der Medien aber hat ihre Struktur an sich umgestaltet. WEISCHENBERG (ebd.) stellt fest, dass die gewandelten Rahmenbedingungen des Sportjournalismus im Wesentlichen darauf beruhen, „dass im Medien-
8 2004wurden rund 37 Stunden Sport täglich im deutschen Fernsehen angeboten; das ist ein Anteil von 12% am gesamten Programm (berücksichtigt wurden dabei die öffentlichrechtlichen Sender ARD, ZDF, die sieben dritten Programme, die privaten Vollprogramme RTL und SAT.1 sowie die Sportspartensender Eurosport und DSF (ZUBAYR 2007, 57).
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 14
system ein weit härterer Wettbewerb um die Unterhaltungsware Publikums-sport entbrannt ist“. Weiter führt er an, dass die wachsende Bedeutung des Sports und der Sportberichterstattung zu einer „Aufwertung des Sportres-sorts und zur Ausweitung des Berufsfeldes“ [führt]. Die SportjournalistInnen sind nicht länger „Außenseiter der Redaktion“ 9 . Aber auch wenn sich die Stellung der SportjournalistInnen verbessert hat, stehen sie immer noch unter informationsorientierten Ressorts wie der Politik und der Wirtschaft. Das geschieht allein aus der Tatsache heraus, dass Sport von vielen als Unterhaltung verstanden wird. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass Sport „Teil der Politik ist und Politik macht“ und „die Verflechtung mit Sponsoren, Unternehmen, ökonomischen Entwicklungen und die Wandlung von Vereinen zu Firmen den Sport zum Wirtschaftsfaktor machen“ (HAHN 2008, http://www.frankfurt-main.ihk.de/ standortpolitik/aktuell/ sportjournalismus/ index.html, Zugriff am 1. Juli 2008).
WEISCHENBERG (1995, 136) nennt als Folge der veränderten Relevanz der Sportberichterstattung und des Sportressorts das Aufkommen einer neuen Generation von SportjournalistInnen in den Redaktionen. „Sie steht der Unterhalterrolle aufgeschlossen gegenüber und betont weniger stark die Vermittler- und Erzieherrolle als ältere Sportjournalisten“ (ebd.). Und so korreliert der Mediensport zunehmend mehr mit dem Grad der Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sports als mit seiner gesellschaftlichen Bedeutung oder gar seiner praktischen Relevanz. Die Folge ist das Auseinandergehen der Schere zwischen Medienrealität und Sportrealität (vgl. Loosen 2004, 14f).
Die gängigsten Kritikpunkte an der Sportberichterstattung zu dieser These hat LOOSEN (2004, 15) zusammengefasst. So wird der Vielfalt des Sports nicht ausreichend Rechnung getragen, und es kommt zu einer Konzentration auf wenige publikumswirksame Sportarten sowie den Leistungssport. Zudem wird Frauensport diskriminiert, die Auseinandersetzung mit negativen Entwicklungen im Sport ist mangelhaft, und die emotionale, klischeehafte Spra-
9 Titel der Dissertation von WEISCHENBERG 1976.
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 15
che ist Teil der vielfach genannten Inszenierung des TV-Sports, der sich zum Medienspektakel entwickelt. Auch die Unterrepräsentanz des Behinder-tensports zeigt, dass wichtige gesellschaftliche Bereiche im Sportjournalismus ausgeklammert werden (vgl. SCHIERL 2004a, 154ff). Diese Themen tragen dem System Sport, Medien, Wirtschaft ungenügend Rechnung und fallen deshalb oft aus dem Raster des heutigen Sportjournalismus. Jörg HAHN (2008, http://www.frankfurt-main.ihk.de/ standortpolitik/aktuell/ sportjournalismus/ index.html, Zugriff am 1. Juli 2008) hat die Aufgaben der SportjournalistInnen aus solchen Gründen heraus wie folgt beschrieben:
„Die Sportberichterstattung sollte eine kritische sein, vor negativen Auswüchsen warnen und das System hinterfragen. Die Medien haben die Verantwortung, sich einer Entwicklung entgegenzustemmen, in der die Ideale des Sports auf eine die Massen faszinierende Unterhaltungsindustrie reduziert wird. Sportjournalisten haben Verantwortung für die Menschen, über die sie berichten, Heldenverehrung stünde dem im Weg. Wenn Athleten im Erfolg zu Megastars hochgejubelt und im Falle des Misserfolgs, der für viele schon beim zweiten Platz beginnt, mit Hohn und Spott übergossen werden, wird der Mensch zur austauschbaren Wegwerfware degradiert“.
2.2.1 Wandel des Berufsstandes „Sportjournalist/in“
„Als sich der Sportteil der Zeitung etablierte, waren kompetente Sportjournalisten rar. Man musste auf Leute zurückgreifen, die aus der Sportbewegung kamen und wenigstens sportliches Sachwissen besaßen, um das bearbeiten zu können, was die anderen Redakteure mangels Kompetenz oder Interesse nicht übernehmen konnten oder wollten“ (WEISCHENBERG 1995, 125).
Die Dominanz der sportlichen gegenüber der journalistischen Kompetenz war Ursache für die anfängliche und lange währende Außenseiterstellung der SportjournalistInnen. Der Sportjournalismus war damals gekennzeichnet
Strukturwandel des Sports und des Sportjournalismus 16
durch den Widerspruch zwischen dem Selbstverständnis von SportjournalistInnen, die Charakterbildungs- und Gesundheitswerte des Sports vermitteln zu wollen, und der Wirklichkeit der Sportkommunikation, die als Unterhaltungsware produziert und rezipiert wurde (vgl. ebd.). Die ersten wissenschaftlichen Studien zur Kommunikatorforschung bei SportjournalistInnen gab es in den 70er Jahren 10 (vgl. GÖRNER 1995, 63). Die Ergebnisse zeigen, dass damals SportjournalistInnen gegenüber ihren KollegInnen aus anderen Ressorts ein geringeres Ansehen genossen. Interessant ist hierbei, dass die SportjournalistInnen beim Rundfunk - trotz vergleichsweise höheren Bildungsniveaus, Prestiges ihres Mediums, zum Teil erheblicher Popularität und allgemein guten Arbeits- und Einkommensbedingungen - zu einer ähnlichen sozialen und beruflichen Selbsteinschätzung tendierten wie ihre KollegInnen bei den Printmedien. Die Berufssoziologie vermutet, dass es einen großen Zusammenhang zwischen dem Berufsprestige und der Übereinstimmung der Tätigkeit mit von der Gesellschaft hoch eingestuften Werten gibt. Ein solch hoher sozialer Rang fehlt vor allem dem Unterhal-tungssektor (vgl. WEISCHENBERG 1995, 125f).
In punkto Ausbildung hatten SportjournalistInnen dennoch generell seltener ein Volontariat oder einen berufsbezogenen Studienabschluss vorzuweisen als Kollegen aus anderen Ressorts. Die meisten rekrutierten sich aus der sportlichen Praxis; ihre Berufszufriedenheit war recht groß. Damals sah sich bereits die Hälfte als Unterhalter des Publikums.
Die Studien der 80er Jahre 11 lassen deutliche Veränderungen erkennen: Der formale Bildungsstand hatte sich verbessert, das Außenseiterbewusstsein nahm tendenziell ab, und das Selbstbewusstsein der Berufsgruppe war gestiegen. Es bestand aber immer noch ein enges Verhältnis der SportjournalistInnen zu ihrem Gegenstand, was die kritische Berichterstattung behinder-
10 MERTES,H. (1974): Der Sportjournalist. Ein Beitrag zur Kommunikatorforschung. Magisterarbeit; WEISCHENBERG, S. (1976): Die Außenseiter der Redaktion. Dissertation; EGGER, P. (1979): Der Sportjournalist in der deutschsprachigen Schweiz. Lizentiatsarbeit.
11 NAUSE, M. (1987): Das Selbstverständnis von Sportjournalisten unter besonderer Berücksichtigung sich wandelnder Strukturen. Magisterarbeit; LERCH, G. (1989): Der Sportjourna- lismus aus der Sicht von Sportjournalisten. Magisterarbeit.
Arbeit zitieren:
Diplom-Sportwissenschaftlerin Eva-Marie Günzler, 2008, Vom Sportstudium zum Beruf - Die Absolventinnen und Absolventen des Studienschwerpunktes Medien & Kommunikation der Jahrgänge 2003–2005 an der DSHS Köln, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Eva-Marie Günzler hat den Text Vom Sportstudium zum Beruf - Die Absolventinnen und Absolventen des Studienschwerpunktes Medien & Kommunikation der Jahrgänge 2003–2005 an der DSHS Köln veröffentlicht
Eva-Marie Günzler hat einen neuen Text hochgeladen
Vocabular Wortschatz-Bilder: Schule, Medien, Kommunikation
Bildtafeln und Kopiervorlagen
Susanne Lehnert, Birgit Busche-Brandt
Kommunikation in Verteilten Systemen (KiVS) 2005
14. Fachtagung Kommunikation i...
Paul Müller, Reinhard Gotzhein, Jens B. Schmitt
Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web 2
Anwendungsfelder: Wirtschaft, ...
Ansgar Zerfass, Martin Welker, Jan Schmidt
Medien und Kommunikation in der Wissensgesellschaft
Johannes Raabe, Rudolf Stöber, Anna M. Theis-Berglmair, Kristina Wied
Eine Einführung in die Kommuni...
Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weichsenberg
0 Kommentare